Die Gipfel der Nordkette sind wild und schroff.
Foto: unsplash, Esse Chua
Wilde Gipfel über der Stadt

Die Innsbrucker Nordkette

• 9. Juli 2021

Wild und schier unüberwindbar ragt die Nordkette hinter Innsbruck auf. Sie ist Identifikationsmerkmal und Kulisse, vor allem aber ist sie ein wunderschöner Naturraum, der sowohl als Abenteuerspielplatz als auch als Ruheoase dient. Simon Schöpf beschreibt im aktuellen Bergwelten Magazin (August/September 2021) diese südlichste Kette des Karwendels mit ihren bergsportlichen Möglichkeiten, besucht die Hütten und Almen und teilt seine Begeisterung für die einzigartige Kombination aus Berg und Stadt mit uns.

Das Bergwelten Magazin (August/September 2021)
Foto: Bergwelten
Das Bergwelten Magazin (August/September 2021)

Das ausführliche Bergportrait lest ihr im Bergwelten Magazin. Die aktuelle Ausgabe (August/September 2021) ist überall im Zeitschriftenhandel oder ganz bequem per Abo erhältlich.

Von der Stadt auf den Berg 

Dank Nordkettenbahn gelangt man bequem auf die steil aufragende Nordkette – zuerst auf die Seegrube und weiter auf das Hafelkar auf 2.269 m. Damit ist auch die Hafelekarspitze mit 2.334 m für jedermann direkt von der Stadt aus zum Greifen nahe. Die Aussicht auf die Stadt und weit nach Süden über die Tuxer und Stubaier Alpen ist schlicht grandios. 

Klettersteig über sieben Gipfel 

Ambitionierte steigen nur wenige Meter neben der Bergstation des Hafelekar in den Innsbrucker Klettersteig ein. In der Schwierigkeit C/D führt er über nicht weniger als sieben Gipfel der Nordkette. Tiefblicke hinunter auf die Stadt sowie gegen Norden in das wilde Karwendel, das Österreichs größten Naturpark darstellt, sind ständige Begleiter. 

In 40 Minuten vom Stadtzentrum zum Klettersteig-Einstieg? In Innsbruck ist das kein Wunschtraum, sondern Realität. Wir haben den rund 6 Kilometer langen Innsbrucker Klettersteig über den Dächern der Tiroler Landeshauptstadt getestet.

Eintauchen in die Stille

Direkt am Hafelekar beginnt aber auch der aussichtsreiche Goetheweg, der entlang der steilen Flanken der Nordkette gegen Osten führt. An der Mühlkarscharte biegt der Weg dann links ab – direkt hinein ins Karwendel. Und ganz plötzlich wird man von einer unglaublichen Stille empfangen. Die Geräusche der Stadt sind verschwunden, ebenso der Wind, der fast ständig um die Nordkette brauchst. Hier wird der Kontrast zwischen Stadt und Berg besonders deutlich. Schritt für Schritt setzt man seinen Weg fort. Ziel: Die urige Pfeishütte, die von Vroni und Michl bewirtschaftet wird. 

Hütte • Tirol

Pfeishütte (1.922 m)

Berggipfel wie Pfeisspitz, Rumer Spitze, Stempeljochspitze oder Bachofenspitze umringen die urige Pfeishütte (1.922 m). Die Hütte liegt am Ende des Samertales inmitten des südlichen Karwendels und oberhalb von Innsbruck. Sie fällt in die Kategorie klein, fein und gemütlich. Die Hütte zieht Menschen an, die Gipfeltouren und Überschreitungen im Karwendel an. Mountainbiker begeistern sich für die Auffahrt durch Gleirsch- und Samertal, die zunächst leicht ist. Den davon aufgewärmten Beinen wird zum Schluss einige Standfestigkeit und Durchhaltevermögen abverlangt.
Geöffnet
Jun - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

Ausgangspunkt Pfeishütte 

Die Pfeishütte ist seit 1927 ein wichtiges Basislager für Bergsteiger im Karwendel. In den letzten Jahren ist aber vor allem auch die Zahl der Mountainbiker gestiegen, die heute fast zwei Drittel der Tagesgäste ausmachen. Kein Wunder, denn von Scharnitz aus ist die Pfeishütte mit dem Bike gut erreichbar. 

Bergsteiger bleiben aber gerne ein oder zwei Nächte auf der Pfeishütte, denn die Gipfel in der Umgebung lassen sich in grandiosen Tagestouren besteigen. Dazu zählen die Rumerspitze ebenso wie die Bachofenspitze oder die Kaskarspitze. 

Abgesehen davon liegt die Pfeishütte direkt am Karwendel Höhenweg und am Adlerweg und ist für beide Weitwanderwege essentieller Übernachtungsstützpunkt. 

Die Almen auf der Nordkette 

Insgesamt fünf Almen zählt Innsbruck an der Nordkette. Alle sind beliebte Ausflugsziele für Wanderer und Mountainbiker, die gerne noch nach der Arbeit zu einer dieser schönen Aussichtskanzeln über der Stadt wandern oder radeln. Die Umbrüggler Alm ist dabei die jüngste der Almen. Während die Höttinger Alm, die Rumer, Arzler oder Bodensteinalm mit ihren urigen Ambiente punkten, ist die Umbrüggler Alm so etwas wie die moderne Vision einer Alm mit viel Holz und Glas, ausgezeichneter Küche und von der Hungerburg aus relativ leicht zu Fuß oder mit dem Bike zu erreichen. 

Die Umbrüggler Alm (1.123 m), an der Nordkette oberhalb von Innsbruck gelegen, hat eine lange und wechselvolle Geschichte. 2015 wurde an der Stelle einer alten Stadtalm ein modernes Ausflugsgasthaus erreichtet, das mit kurzem Zustieg und traditioneller Küche schnell zum Magneten für Einheimische wie Touristen wurde.
Geöffnet
Ganzjährig
Verpflegung
Bewirtschaftet
Die Höttinger Alm an den Südabhängen der Nordkette oberhalb von Innsbruck ist ein sehr beliebtes Ziel bei "Stadtflüchtigen". Sie ist aber auch eine frequentierte Station auf Bergtouren über die Nordkette in das Karwendel sowie bei Mountainbike-Fahrten in der Seegrube und um den Höttinger Graben. Tagesausflügler und Bergläufer sitzen nebeneinander auf der Terrasse vor der Almwirtschaft. Deren Ursprünge gehen auf das 15. Jahrhundert zurück. Seither wird dort Viehwirtschaft betrieben. Aufgrund des leichten Zustieges ist die Höttinger Alm auch ein Platz, um mit Kindern Nordketten-Sonne und -Luft zu genießen. Da oben bekommt man einen imposanten Ausblick auf die Tiroler Landeshauptstadt, auf Gipfel, wie Nockspitze, Marchreisenspitze, Malgrubenspitze, Patscherkofel und Hochtennspitze, die südlich von Innsbruck stehen.   
Geöffnet
Mai - Nov
Verpflegung
Bewirtschaftet
Hütte • Tirol

Arzler Alm (1.067 m)

Die Arzler Alm am Fuße der Nordkette ist ein wunderbarer Platz oberhalb Innsbrucks. Wie in einer Loge schaut man auf Tirols Landeshauptstadt, in das Inntal, das Wipptal und auf die Tuxer Alpen mit dem Patscherkofel. Und wenn man sich zurücklehnt, spürt man die Erhabenheit der Nordkette im Rücken. Auf der Arzler Alm kann man sich fast so fühlen wie in einem Ohrensessel im heimischen Wohnzimmer.   Ihre Gemütlichkeit macht die Alm zu einem schönen Tagesausflug für Familien mit Kinder. Oder für Menschen, die schnell einmal der städtischen und urbanen Hektik zu Fuß oder mit dem Rad entfliehen wollen. Die Arzler Alm, die der Stadt Innsbruck gehört, ist auch eine richtige Alm mit, auf 862 Hektar Grund weidenden Kühen und Schafen   
Geöffnet
Jan - Nov
Verpflegung
Bewirtschaftet
Hütte • Tirol

Rumer Alm (1.243 m)

Die Rumer Alm liegt auf einer Seehöhe von 1.243 m auf einem aussichtsreichen Platzl auf halbem Weg zur Rumer Spitze, einem 2.454 m hohen Berg in der Nordkette im Karwendel in Tirol. Wie vom Gipfel genießt man auch von der urigen, aus Holz und Stein erbauten Alm bereits eine weite Sicht - insbesondere in das Stubaital mit namhaften Vertretern der Stubaier Alpen wie der Serles (2.717 m) und dem Habicht (3.277 m) sowie hinüber auf den Innsbrucker Hausberg, den Patscherkofel (2.246 m), der schon zu den Tuxer Alpen gehört. Von der schönen Stube und der gemütlichen Terrasse eröffnen sich außerdem wunderbare Tiefblicke auf die Tiroler Landeshauptstadt und weit darüber hinaus. Die Rumer Alm ist wegen ihrer relativ leichten Erreichbarkeit ein ideales Ausflugsziel für Familien und Mountainbiker – die finden auf den vielen Wegen von Alm zu Alm unterhalb der berühmten Seegrube (1.905 m) übrigens ein wahres Eldorado vor - im Sommer. Im Winter wird hier gerne gerodelt.
Geöffnet
Ganzjährig
Verpflegung
Bewirtschaftet
Hütte • Tirol

Bodensteinalm (1.661 m)

Die Bodensteinalm liegt auf 1.661 m am Südhang der Nordkette im Karwendelgebirge mit fantastischem Blick über Innsbruck und das Inntal bis zu den südlichen Stubaier und Zillertaler Bergen. Wirtin Edith und ihre Kaspressknödel sind in Innsbruck legendär und immer einen Besuch wert.
Geöffnet
Mai - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

Sportstadt Innsbruck 

Innsbruck gilt seit jeher als sportliche Stadt. Das liegt einerseits an den Tirolern selbst, die gerne in den Bergen unterwegs sind, andererseits auch an den vielen jungen Menschen, die in Innsbruck studieren und arbeiten. Sportlich ist beispielsweise, wenn man von der Hungerburg über die Umbrüggler und Höttinger Alm auf die Frau Hitt läuft - Trailrunning für Fortgeschrittene praktisch. 

Kletterarena Nordkette

Neben dem Innsbrucker Klettersteig ist die Nordkette aber auch – wie könnte es bei so viel Fels anders sein – eine Kletterarena mit Touren in allen Schwierigkeitsgraden. Der Höttinger Steinbruch etwa ist dank seiner guten Erreichbarkeit wenige Meter unterhalb der Hungerburg einer der beliebtesten Klettergärten in direkter Umgebung der Stadt. Aber auch im Höttinger Graben oder in der Kletterarena Seegrube befinden sich eingebohrte Touren, die meisten in hohen Schwierigkeitsgraden, dafür aber sehr aussichtsreich. Eine gute Übersicht über alle Klettergebiete in der Umgebung von Innsbruck bietet Climbers Paradise.

Klettern • Tirol

Höttinger Steinbruch

Dauer
– – – –
Anspruch
V+
Länge
0,1 km
Aufstieg
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Abstieg
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