Das Gschnitztal
Foto: Joakim Strickner
Bergsteigerdörfer

Im Angesicht des Habichts - Das Bergsteigerdorf Gschnitztal

Reportage • 6. Mai 2019
von Christina Schwann

Habicht und Tribulaune - ein Gegenüber stolzer Berggestalten aus schroffem Fels, steiler Bergflanken und dichter Wälder. Zur ihren Füßen ein grünes Bergbauerntal, gepflegt, authentisch und ursprünglich. Das Tiroler Gschnitztal mit den Gemeinden Trins und Gschnitz wurde am 5. Mai 2019 feierlich und wohlverdient in den Kreis der Bergsteigerdörfer aufgenommen. Ein Lokalaugenschein.

Nein, das Titelbild ist nicht irgendwo in einem der abgeschiedensten Teile der Alpen entstanden. Das ist das Gschnitztal, gerade einmal 20 km von der Landeshauptstadt Innsbruck entfernt und mitten im touristisch bestens erschlossenen Tirol. Man glaubt es kaum, aber tatsächlich gibt es sie noch: ursprüngliche Täler, die den Titel „Bergsteigerdorf“ nicht nur verdienen, sondern ihn auch maßgeblich prägen, wie etwa St. Jodok am Fuße des Olperers mit dem Schmirn- Valsertal, zwei östliche Seitentäler des Wipptales.

Schon immer wusste man hier im Wipptal aber, dass auch die Täler im Westen ebenso Bergsteigerdorf-Potential haben. Das Gschnitztal mit den Gemeinden Trins und Gschnitz, überragt vom mächtigen Habicht, hat es nun wohlverdient geschafft, in den Kreis der Bergsteigerdörfer des Alpenvereins aufgenommen zu werden.

Der Habicht, 3.277 m
Foto: Christina Schwann, ökoalpin
Der Habicht, 3.277 m

Joakim Stickner, Geschäftsführer des TVB-Wipptal ist sich sicher: „Wir bestätigen damit unsere Positionierung, in den unberührten, authentischen Bergtälern einen naturnahen und für uns alle nachhaltigen Bergtourismus zu erhalten und weiter zu entwickeln.“

Am 5. Mai 2019 spielten dann die Musikkapellen von Trins und Gschnitz erstmals gemeinsam auf und leiteten die Feierlichkeiten rund um den Beitritt des 27. Bergsteigerdorfes ein. 

Beitrittsfeier Bergsteigerdorf Gschnitztal

Mittlerweile ist die Familie der Bergsteigerdörfer mit dem Gschnitztal auf 27 Gemeinden und Talschaften in Österreich, Italien, Slowenien und Deutschland angewachsen. Warum diese Art des Tourismus so gut funktioniert? Weil auf die Stärken einer unverbrauchten Naturlandschaft gesetzt wird, sie ohne Seilbahnen und Speicherteiche auskommt, dafür aber eine gute alpine Infrastruktur mit Wegen und Schutzhütten aufweist. Ebenso werden Tradition und Kultur gepflegt. Das Ziel ist nicht der Bau zusätzlicher Hotelburgen, sondern die Stärkung kleiner Betriebe durch Qualität und eine guten Auslastung über das ganze Jahr.

Ein Konzept, das aufzugehen scheint, denn St. Jodok, Schmirn- und Valsertal, das bereits seit 2013 der Initiative angehört, verzeichnet bei den Bergsteigerdorf-Partnerbetrieben ein Nächtigungs-Plus von 30 bis 50 %.

Kultur-Impressionen aus dem Gschnitztal

Bergerlebnis: Start direkt vor der Haustüre

Das Gschnitztal bietet eine Vielzahl an einfachen bis zum Teil durchaus anspruchsvollen Wanderungen und Bergtouren (im Umkreis liegen sieben Dreitausender), die praktisch direkt vor der Haustüre starten. Dazu gibt es einige Klettersteige und im Winter zahlreiche Skitourenklassiker sowie ein wunderschönes Langlaufnetz.

Zum Bergerlebnis des Sommers gehören vor allem die bewirtschafteten alpinen Schutzhütten - sie laden nicht nur zum Einkehren ein sondern sind auch wichtige Übernachtungsstützpunkte auf Touren.

Tourentipps im Sommer

1. Padasterhochhaus und Kirchdachspitze

Direkt vom Ort Trins wandert man in rund 3 Stunden zum Padasterhochhaus. Anspruchsvoll wird es, wenn man weiter auf die Kirchdachspitze möchte, die mit 2.840 m eine imposante Berggestalt hoch über dem Gschnitztal darstellt.

Padasterjochhaus
Das Padasterjochhaus steht seit mehr als hundert Jahren im Angesicht der Zillertaler Alpen, der Tuxer Voralpen, der markanten Gipfel der Tribulaune und der Dolomiten. Fernab der Massenrouten lockt es mit einem Panorama, wie man es nur auf ausgewählten Gipfeln findet. Das Haus ist ein lohnendes Ausflugsziel für Familien und Ausgangspunkt für erlebnisreiche Bergtouren. Es liegt zentral zwischen den bekannten Berggipfeln von Habicht und Serles, man kann sowohl vom Gschnitz- als auch vom Stubaital aufsteigen. Die Routen vom Stubaital werden aber nur geübten Bergsteigern empfohlen, hier ist Trittsicherheit und Kondition gefragt. Im Sommer steuern viele Moutainbiker die Hütte an.  
Geöffnet
Jun - Sep
Verpflegung
Bewirtschaftet

2. Blaser Hütte und Blaser

Der Blaser am Eingang des Gschnitztales ist als einer der blumenreichsten Berge der Alpen bekannt. Eine wunderschöne Rundwanderung führt von Trins über die Blaserhütte auf den aussichtsreichen Gipfel mit 2.240 m.

Die Blaserhütte
Hütte • Tirol

Blaserhütte (2.176 m)

Auf 2.176 m Höhe, nur wenige Minuten vom Gipfel des Blasers (2.241 m) entfernt, hat man von der Blaserhütte im Tiroler Gschnitztal, einem Seitental des nördlichen Wipptals, nicht nur König Serles (2.717 m) fest im Blick. Die toll liegende Hütte wartet mit einer panoramareichen Rundumsicht auf die Stubaier und Tuxer Alpen auf. Besonders ins Auge stechen neben der Serles unter anderen auch die Kessel- (2.728 m) und die Peilspitze (2.392 m) sowie die wunderbaren Tribulaune – der Obernberger (2.780 m), der Gschnitzer (2.946 m) und der wilde Pflerscher Tribulaun (3.097 m). Während die Umgebung eher von schroffen Felsformationen dominiert wird, geht es um die Blaserhütte etwas sanfter zu. Die Gegend ist für ihren Blumenreichtum bekannt – auch das seltene Edelweiß fühlt sich hier besonders wohl.
Geöffnet
Jun - Sep
Verpflegung
Bewirtschaftet

3. Tribulaunhütte und Gschnitztaler Hüttetour

Ganz hinten im Tal, beim Gasthof Feuerstein und dem Mühlenmuseum, beginnt der wildromantische Anstieg zur Tribulaunhütte, eine Etappe der Gschnitztaler Hüttentour.

 

Tribulaunhütte
Die Tribulaunhütte liegt in den Stubaier Alpen in Tirol und ist ein beliebter Stützpunkt für Wanderer inmitten eines hochalpinen Wandergebietes an der Grenze zu Südtirol. Auch viele Kletterer sind auf der Hütte am Fuß des Gschnitzer Tribulauns anzutreffen – Eisenspitze, Pflerscher Tribulaun und Goldkappl sind beliebte Klettergebiete. Der Hüttenzustieg von Gschnitz ist leicht und bietet eine fantastische Aussicht auf den Talschluss mit den Tribulaunen und dem Goldkappl. Die Hütte wurde im Jahr 2014 innen und außen generalsaniert und ist bekannt für ihre gute Küche.  
Geöffnet
Jun - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet
Die Bremer Hütte au der Gschnitztaler Hüttentour
Sieben Tage lang weit weg von Stress und Hektik des Alltages. Ein Bergerlebnis das fordert, das atemberaubend schöne Aussichten gewährt, durch einsame Bergkessel, über scharfe Grate und majestätische Gipfel führt. Die Gschnitztaler Hüttentour in den Stubaier Alpen führt in einer Schleife rund um das ruhige Gschnitztal. 

4. Bremer Hütte, Teil des Stubaier Höhenweges

Die Wanderung zur Bremer Hütte vorbei an der lieblichen Lapenesalm ist schon ein Erlebnis für sich. Wer aber noch weiter wandern möchte, dem sei der Stubaier Höhenweg ans Herz gelegt, der von der Starkenburger Hütte bis zur Innsbrucker Hütte in 7 Etappen quer durch die gesamten Stubaier Alpen führt.

Bremer Hütte
Hütte • Tirol

Bremer Hütte (2.413 m)

Zur Bremer Hütte (2.413 m) in den Stubaier Alpen steigt man entweder von Gschnitz im Bergsteigerdorf Gschnitztal herauf. Oder sie ist das Ziel der 7. und Beginn der 8. Etappe der neuntägigen Begehung des Stubaier Höhenwegs. Außerdem liegt sie die direkt auf der Gschnitztaler Hüttentour und ist auch für diese ein wichtiger Übernachtungsstützpunkt. Aus dem Tal kommen Tagesgäste, deren Ziel die von Anni und Georg Seger bewirtschaftete Hütte ist. Aus Gschnitz kommen aber auch Alpinisten, die die Hütte zum kurzen Verschnaufen auf ihren Höhenmeter-intensiven Anstiegen zu den drei Feuerstein-Gipfeln, den beiden Wetterspitz-Gipfel, der Schafkampspitze und der Schneespitze nutzen. Sie wollen noch zumindest 500 und bis zu 800 Höhenmeter Richtung Himmel steigen.   Familientauglicher als diese Hochtouren ist der Weg aus Gschnitz und vorbei am Mühlendorf Gschnitz und der Laponesalm allemal. Mit der richtigen Gelassenheit, die sich schon auf den ersten Metern den Gschnitzbach aufwärts einstellt, schaffen es auch nur im Urlaub bergsteigende Familien zu den Seger's. Und eine Hütte in dieser Höhe und einer solchen Alpin-Region belohnt ihre Besucher üblicherweise auch.
Geöffnet
Jun - Sep
Verpflegung
Bewirtschaftet
Unterwegs am Stubaier Höhenweg
Gletscherschliff und wilde Wasser

Der Stubaier Höhenweg

Die Stubaier Alpen - ein faszinierender, hochalpiner Gebirgszug in den Zentralalpen. Ein weitläufiges Wegenetz mit bestens ausgestatteten Schutzhütten ermöglicht ein Eintauchen in diese fantastische Gebirgswelt. Die Auszeit vom Alltag verspricht 7 Tage Anstrengung, Schweiß und Müdigkeit - aber auch Staunen, Besinnung auf das Wesentliche, Kammeradschaft und die Freude, sich in dieser unvergleichlichen Naturkulisse bewegen zu dürfen.

Tourentipps im Winter

Im winterlichen Talboden knirscht der kalte Schnee unter den Schuhen, während die Gipfel in Sonnenlicht getaucht sind und mit schönen, wenn auch anspruchsvollen Skitouren locken. Im Spätwinter freut man sich dann aber auch wieder über das Langlaufnetz, denn ab Februar erreichen die Sonnenstrahlen den Talboden wieder.

1. Pflerscher Pinggl

Im hinstersten Gschitztal warten viele imposante, aber durchaus anspruchsvolle Skitouren. Eine davon führt durch das Sandestal auf den Pflerscher Pinggl.

2. Habicht

Der Habicht erlaubt im Winter nur bei besten Verhältnissen eine Skibesteigung. Gepaart mit ausgezeichneter Kondition und bester Skitechnik ist der Südanstieg auf den Habicht aber mit Sicherheit eine der gewaltigsten Skitouren im Gschnitztal.

Tipp: Wer sich nicht alleine die Berge des Gschnitztals wagen möchte, der wird beim Bergsportzentrum Wipptal - Wipptal Alpin bestens beraten und begleitet.

Fakten: Bergsteigerdorf Gschnitztal, Tirol

  • Ortschaften: Trins (1.233 m), Gschnitz (1.242 m)
  • Gebirgsgruppe: Stubaier Alpen
  • Wichtigste Gipfel: Blaser (2.241 m), Gargglerin (2.470 m), Glättespitze (3.133 m), Goldkappl (2.788 m), Gschnitzer Tribulaun (2.946 m), Habicht (3.277 m), Hammerspitze (2.634 m), Innere Wetterspitze (3.053 m), Ilmspitze (2.692 m), Kalkwand (2.564 m), Kesselspitze (2.728 m), Kirchdachspitze (2.840 m), Leitner Berg (2.309 m), Muttenkopf (2.638 m), Östl. Feuerstein (3.268 m), Pflerscher Tribulaun (3.096 m), Rötenspitze (2.481 m), Schneespitze (3.147 m), Weißwandspitze (3.016 m), Wetterspitze (3.053 m).
  • Übernachten in Bergsteigerdorf-Partnerbetrieben

Links:

Offizielle Website Bergsteigerdörfer

Tourismusverband Wipptal

Berg-Impressionen aus dem Bergsteigerdorf Gschnitztal

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