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Bergsteigerdorf

Jezersko – Besuch im ersten Bergsteigerdorf Sloweniens

• 13. Juni 2020
von Christina Schwann

Am Fuße der mächtigen Steiner Alpen und der Karawanken liegt ein idyllisches kleines Dorf, umgeben von einer außergewöhnlich schönen und ursprünglichen Landschaft. Christina Schwann berichtet aus Jezersko, dem ersten slowenischen Bergsteigerdorf, das diese Auszeichnung mehr als verdient.

Bergsteigerdorf Jezersko
Foto: Manca Čujež
Jezersko am Fuße der Steiner Alpen
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26. Mai 2018: Nein, es ist kein Zufall, dass Jezersko am jährlich stattfindenden Tag der Alpenkonvention in den Kreis der Bergsteigerdörfer aufgenommen wurde – als erster Standort in Slowenien. Der Slowenische Alpenverein hat sich in den letzten Jahren mit viel Ernsthaftigkeit darum bemüht – und tatsächlich erfüllt die slowenische Gemeinde die Ziele der Alpenkonvention – sei es nachhaltiger Tourismus, Berglandwirtschaft oder gelebte Alpintradition – nahezu perfekt.

Und so konnte die „Deklaration Bergsteigerdörfer“ nicht nur feierlich, sondern auch hochverdient unterzeichnet werden. Beim feierlichen Festakt vor Ort waren neben dem Präsidenten des Slowenischen Alpenvereins, Jože Rovan, auch die Ministerin für Umwelt und Raumordnung der Republik Slowenien, Irena Majcen, und weitere prominente Gäste zugegen.

In feierlichem Rahmen wurde am 26. Mai 2018 die „Deklaration Bergsteigerdörfer“ unterzeichnet

Mysteriöser Gletschersee

Schon die Römer schätzten und nutzten den Seebergsattel, Jezerski vrh, als einen der niedrigsten Alpenübergänge. Für Jezersko bedeutete der Handel mit Kärnten die Anbindung an die Welt. Dabei soll Jezersko damals völlig anders ausgehen haben als heute. Der Name Jezersko stammt von einem großen Gletschersee, der – wie es heißt – bis ins 14. Jahrhundert den Talboden bedeckt hat. Nach einem schweren Erdbeben im Jahr 1348 floss der See angeblich aus. Tatsächlich ist die Existenz des Sees sowie seine Größe bis heute nicht gänzlich nachgewiesen und wenig erforscht.

Der Blick von oben auf Jezersko: Ein großer Gletschersee soll einst den gesamten Talboden bedeckt haben

Leben zwischen Berg und Tal

Die Einwohner von Jezersko haben schon immer in Harmonie mit ihren Bergen gelebt und gewirtschaftet. Sie trieben ihre Tiere im Sommer auf die Hochalmen und bauten im Tal alles an, was sie brauchten, um über den Winter zu kommen. Als die ersten Forscher und Wissenschaftler auf die Steiner Alpen aufmerksam wurden, haben die jungen Burschen aus Jezersko ihre Berge mit Sicherheit schon mehrfach bestiegen, was allerdings nirgendwo schriftlich festgehalten wurde.

Als langsam eine Art Bergtourismus einsetzte, wurden alte Jägersteige ausgebaut und befestigt. Mit dem vom Tschechischen Zweig des Slowenischen Alpenvereins initiierten Bau der Češka koča, der Tschechischen Hütte, in den Jahren 1897–1900 gewann der Bergtourismus zunehmend an Bedeutung. Bis nach dem 1. Weltkrieg war Jezersko außerdem Teil der Habsburgermonarchie und wurde von Kärnten verwaltet. Erst nach Beendigung des Krieges wurden die Grenzen neu gezogen und Jezersko gehörte fortan dem neuen Staat der Slowenen, Kroaten und Serben an. Alte Freundschaften überstanden die Trennung aber und noch heute findet man sowohl diesseits als auch jenseits des Seebergsattels deutsche und slowenische Liederbücher in den Kirchen. Im benachbarten Bergsteigerdorf Zell-Sele beispielsweise lernen die Kinder heute in der Schule wieder Slowenisch und das Gemeinsame wird in den Vordergrund gestellt.

Schon immer lebten die Menschen in Jezersko in Harmonie mit ihren Bergen

Herausragende Alpinisten

Jezersko ist die Heimat einiger herausragender Alpinisten. Vor allem die Steilwandabfahrten in den winterlichen Steiner Alpen haben es so manchem verwegenen Skifahrer angetan. Einer von ihnen ist Davo Karničar, der die sieben höchsten Gipfel (the seven Summits) aller Kontinente mit Skiern befahren hat. Einer davon war selbstverständlich der Mount Everest, von dem er im Jahr 2000 durchgehend vom Gipfel bis zum Basislager abfuhr. Kein Wunder also, dass sich Jezersko als Skitourengebiet sehr gut etabliert hat. Aber auch die Kletterszene hat nicht geschlafen – seit 1960 wurden von der Baba bis zu den Wänden der Kočna mehr als 350 Kletterrouten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden erstbestiegen.

Jezersko ist zu Recht stolz auf seine herausragenden Alpinisten

Ein besonderes Bergsteigerdorf

Der Präsident des Slowenischen Alpenvereins, Jože Rovan, brachte es im Rahmen der Beitrittsfeier auf den Punkt: „Wir sind stolz auf unsere Vorfahren, die es geschafft haben, die Natur der Region Jezersko in einem weitgehend unberührten Zustand zu erhalten. Jetzt ist es an uns, unseren Nachfahren den Ort Jezersko trotz der Herausforderungen unserer Zeit in seinem ursprünglichen Zustand zu hinterlassen.“

Mit den vielen Bergsport-Möglichkeiten im Sommer wie im Winter, der Herzlichkeit der Gastgeber, der besonderen Kulinarik, der einzigartigen Kultur und der artenreichen Naturlandschaft hat Jezersko das Prädikat „Bergsteigerdorf“ absolut verdient. Mehr noch: es bereichert den Kreis dieser ausgewählten Gemeinden und fördert den interkulturellen Austausch über die Grenzen hinweg.

Macht euch selbst ein Bild und besucht Jezersko oder eines der anderen Bergsteigerdörfer in Österreich, Deutschland oder Südtirol.

Wandern in Gruppen oder alleine – in Jezersko ist vieles möglich

Fakten: Jezersko, Slowenien

  • Ortschaften: Spodnje Jezersko, Zgornje Jezersko
  • Seehöhe: 694 m
  • Gebirgsgruppen: Karawanken, Steiner Alpen
  • Wichtige Gipfel: Grintovec (2.558 m), Jezerska Kočna (2.540 m), Skuta (2.532 m), Dolgi hrbet (2.473 m), Kranjska Rinka (2.453 m), Koroška Rinka (2.433 m), Storžič (2.132 m), Velika Baba (2.127 m)

Alpenvereinshütten:


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