Sehnsuchtsorte

Die 5 schönsten Hütten der Alpen

Hütten-Tipps • 30. August 2018
von Sissi Pärsch

Ob zur Kaiserschmarrn-Schlemmerei oder als Touren-Basislager: Der Weg zum Wirt ist für die meisten von uns ein weiterer Gipfel auf der Wanderung. Über 50 dieser Hütten und Biwaks werden im Buch „Hütten. Sehnsuchtsorte in den Alpen“ von Tom Daurer und Bernd Ritschel – beide leidenschaftliche Bergsportler und offensichtlich auch leidenschaftliche Einkehrer – bildgewaltig porträtiert. 5 davon stellen wir euch hier vor.

1. Büllelejochhütte, 2.528 m

Dolomiten/Trentino-Südtirol (Italien)

Der Weg zum Wirt: Die schönsten Hütten der Alpen
Foto: Steffie Roger
Die Büllelejochhütte in den Dolomiten
Der Weg zum Wirt: Die schönsten Hütten der Alpen
Foto: Bernd Ritschel
Die Büllelejochhütte im italienischen Trentino-Südtirol

Die Büllelejochhütte liegt auf 2.528 m in den Südtiroler Dolomiten. Seit 1978 ist sie an Familie Rogger verpachtet, deren Geschichte Tom Dauer erzählt.

Büllelejochhütte
Hütte • Trentino-Südtirol

Büllelejochhütte (2.528 m)

Die Büllelejochhütte (2.528 m) ist die kleinste und am höchsten liegende Schutzhütte in den Sextner Dolomiten in Südtirol. Sie steht mitten in der Sextner Sonnenuhr. Einer Berg-Sonnenuhr, die von den Gipfeln Neuner, Zehner, Elfer, Zwölfer und Einser gebildet wird. Die urige Hütte befindet sich zwischen Zwölfer und Einser, gegenüber von Zehner und Elfer, direkt an der Grenze zwischen den Provinzen Belluno und Bozen/Südtirol. Besucher werden, aufgrund dieser Lage, mit einem einzigartigen Panorama beschenkt. Die Oberbachernspitze ist der Hausberg der Hütte. Der Aufstieg nimmt etwa 35 Minuten in Anspruch. 150 leicht zu bewältigende Höhenmetern machen den Gipfel leicht erreichbar. Die Aussicht auf die Sextner Dolomiten, Marmarole, Monte Cristallo, Sorapis, Anteloa sowie Richtung Großglockner und Großvenediger ist umwerfend. Nordseitig fällt der Berg 700 Höhenmeter senkrecht ab. Tipp: Auf den Bauch legen und das Kribbeln, das Nordwände auslösen, genießen. Die Drei Zinnen, das Wahrzeichen der Dolomiten, liegen etwa 1:30 h Gehzeit entfernt. Hier sind Kletterer, Klettersteig-Geher, Wanderer, Mountainbiker sowie alpine Spaziergänger und Falneure zuhause. Im Sommer, speziell im August rund um Ferragosto, brummt die Region rund um die Drei Zinnen wegen ihrer Besucher-Dichte wie ein Bienenstock. Die Hütte ist über den Weg Nr. 104 von der Auronzo-Hütte relativ leicht erreichbar.
Geöffnet
Jun - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

2. Falkenhütte, 1.848 m

Karwendel/Tirol (Österreich)

Der Weg zum Wirt: Die schönsten Hütten der Alpen
Foto: Julian Bückers
Die Falkenhütte im Tiroler Karwendel

Imposanter kann eine Hütte fast nicht liegen. Sie thront zwar nicht in einem Adlerhorst wie das nahe gelegene Karwendelhaus, liegt dafür aber im imposanten Schatten der mächtigen Felswände des Karwendels.

Falkenhütte im Karwendel
Hütte • Tirol

Falkenhütte (1.848 m)

Die Falkenhütte ist aufgrund von Renovierungs-Arbeiten bis Anfang Juli 2020 geschlossen. Malerisch gelegen am Fuße der Lalidererwände befindet sich die Falkenhütte (1.848 m) im Herzen des Alpenparks Karwendel auf Tiroler Seite. Mountainbiker kommen hier ebenso auf ihre Rechnung wie Kletterer. Auch mit Kindern bieten sich zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten, wie zum Beispiel zum Großen Ahornboden, an. Der Ladizkopf (1.920 m) und der Mahnkopf (2.094 m) sind von der Hütte aus in unter einer Stunde erreichbar. Die Falkenhütte liegt auf dem Gemeindegebiet von Vomp im Bezirk Schwaz und ist Teil der Silberregion Karwendel. In den Jahren 2017 bis 2020 wurde die Hütte generalsaniert. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die denkmalgeschützte „Urhütte“ gelegt, wobei vor allem die Stube originalgetreu renoviert wurde. Ab Juli 2020 wird der Betrieb wieder aufgenommen.
Geöffnet
Jun - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

3. Stüdlhütte, 2.801 m

Glocknergruppe/Tirol (Österreich)

Der Weg zum Wirt: Die schönsten Hütten der Alpen
Foto: Bernd Ritschel
Die Stüdlhütte in der Tiroler Glocknergruppe

Auf knapp 3.000 m gelegen ist die Stüdlhütte für viele Ausgangspunkt für die Besteigung des Großglockners. Hier, so Tom Dauer, wird allabendlich ein „kulinarisches Großfeuerwerk veranstaltet“.

Stüdlhütte
Hütte • Tirol

Stüdlhütte (2.801 m)

Inmitten der imposanten Bergwelt des Nationalparks Hohe Tauern liegt die Stüdlhütte (2.801 m) direkt am Großglockner in Osttirol. Dementsprechend vielfältig ist das Angebot an Touren, das Bergwanderer, Kletterer und Skitourengeher anlockt. Quasi der Hausberg der Hütte ist der Fanatkogel (2.905 m), der direkt über der Hütte aufragt und dessen Gipfel in einer Viertelstunde zu erreichen ist. Nur rund 30 min sind es auf die Schere (3.031 m), von wo aus man einen fantastischen Blick auf Großglockner, Stüdlgrat, Ködnitzkees und Adlersruhe genießen kann. Die Hütte liegt am Weitwanderweg Adlerweg. Nur für erfahrene und gebietskundige Skitourengeher geeignet ist die große Großglocknerumrundung, die rund 8 h, mit Glockner-Besteigung sogar 10 h in Anspruch nimmt.
Geöffnet
Mär - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

4. Reichenhaller Haus, 1.750 m

Chiemgauer Alpen/Bayern (Deutschland)

Der Weg zum Wirt: Die schönsten Hütten der Alpen
Foto: Reichenhaller Haus
Das Reichenhaller Haus in den Chiemgauer Alpen

Man kennt die Hütte auch als Staufenhaus – aber egal unter welchem Namen: berühmt ist sie vor allem für ihre spektakuläre Lage in der Felswand mit spektakulärem Ausblick auf die Berchtesgadener Alpen.

Reichenhaller Haus
Oft kommt es zu Missverständnissen, aber: Beim Reichenhaller Haus und dem Staufenhaus handelt es sich um dasselbe Gebäude im Berchtesgadener Land. Knapp unter dem Gipfel des Hochstaufen gelegen, ist der Bau ein architektonisches Spektakel - es hat von Weiten den Anschein, als würde er an einer Felswand kleben. Gebaut wurde das Reichenhaller Haus von 1925 bis 1928, das heutige Gesicht bekam das höchst gelegene Schutzhaus in den Chiemgauer Alpen beim Großumbau 1974. Die benachbarte Staufenkapelle wurde 1929 geweiht. Von der Terrasse, auf der manchmal der Platz eng werden kann, haben Wanderer, Bergsteiger und erfahrene Kletterer einen fantastischen Blick auf Salzburg, die Berge des Salzkammerguts und die Berchtesgadener Alpen. Das Haus ist Stützpunkt für viele Bergtouren und Kletterrouten in der Staufengruppe – hervorzuheben sind der Staufengrat, die Route via Stoanerne Jaga , der Aufstieg ab Adlgass und auch der anspruchsvolle Pidinger Klettersteig. Für Familien mit Kindern ist das Reichenhaller Haus weniger gut geeignet.  
Geöffnet
Mai - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

5. Oberreintalhütte, 1.525 m

Wettersteingebirge/Bayern (Deutschland)

Der Weg zum Wirt: Die schönsten Hütten der Alpen
Foto: Oberreintalhütte
Die Oberreintalhütte im bayerischen Wettersteingebirge

Eine Selbstversorgerhütte für Kletterer, die seit jeher mit besonderem Charme lockt – sich aber mit der Zeit auch verändert hat: „Statt der Freiluftklos mit elektrisierender Klobrille gibt es jetzt eine Bio-Toilette, die alle menschlichen Ausscheidungen umfänglich kompostiert.“

Oberreintalhütte
Die Oberreintalhütte (1.525 m) im bayerischen Wetterstein-Gebirge ist erste Adresse für ambitionierte und motivierte Kletterer. Für Menschen, die sich Hand und Fuß an Touren durch die mächtigen Felswänden von Schüsselkarspitze, Scharnitzspitze oder Oberreintalschrofen legen wollen. Die Selbstversorgerhütte liegt im Naturwaldreservat Oberreintal. In der lokalen Kletter- und Alpin-Gemeinschaft heißt sich auch Franz-Fischer-Hütte, zu Ehren des äußerst beliebten, langjährigen Hüttenwirtes Franz Fischer. Das Oberreintal ist ein Klettergebiet-Klassiker. Und die Hütte ist die Boden- und Basisstation für unzählige Kletterer, die es über das Schüsselkar in die Vertikale zieht. Sie schwärme von der Hütte aus, um sich in mehr als 300 Routen vom 4. bis zum 9. Schwierigkeitsgrad zu fordern, zu beweisen, zu scheitern oder um über die eigenen Grenzen zu gehen.  An schönen Wochenenden im August ist die Hütte meist vollständig mit Kletterern belegt. Hüttenwart Hans Bader kocht an solchen Tagen für die anwesenden "Seiltänzer". Natürlich, die von ihnen selbst mitgebrachten Lebensmittel. Und er verkauft ihnen Bier, Limonaden und Kaffee.
Geöffnet
Jun - Sep
Verpflegung
Selbstversorger

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Auch wenn es uns im Grunde in die Einsamkeit der Berge zieht, so gibt es inmitten der Natur doch Punkte der Zivilisation, die wir sehr gerne ansteuern. Wenn wir auf der Wanderung den Gipfel stets im Blick haben, dann tragen wir die Aussicht auf die Hütte im Herzen – oder zumindest etwas darunter in der Magengegend. Wer freut sich nicht auf die Einkehr, auf das Platzerl auf der Terrasse oder die Eckbank in der Stube, aufs kühle Getränk oder die warme Suppe?! „Sehnsuchtsorte, Schutzräume, Sprungbretter ins Abenteuer“, so bezeichnet Autor Tom Dauer die Hütten in dem Bildband, den er gemeinsam mit dem renommierten Bergfotografen Bernd Ritschel verfasst hat.

Zwischen Almenromantik und Alltagshärte

Die beiden porträtieren 18 Hütten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Italien. Tom Dauer, der unter anderem für Geo, Merian und Stern schreibt, ist ein sehr guter Kletterer und Alpinist und verzeichnet einige Erstbegehungen auf seiner Liste. Aber er ist dazu auch ein sehr guter Beobachter, Schreiber – und Genießer. Mit seinen sprachlich würzigen Porträts spitzeln wir hinter die Hüttenkulissen.

Dauer berichtet über deren Entstehung, erzählt private Anekdoten, deckt Geschichten auf, taucht ein in den harten Alltag der Wirte und zeichnet so erzählerisch das Bild zu Ritschels Aufnahmen nach. Dessen Fotografien prägen die 220 Seiten des Hüttenwälzers: Weite Bergpanoramen und Nahaufnahmen von Jausnbrettln. Wuselige Sonnenterrassen und einsame Biwaks. Üppige Spinatknödel und einfaches Gaskocher-Menü. Und dazu gesellen sich genauso vielfältig die sportlichen Aktivitäten der Gäste. Der Bildband zeigt alle Facetten, die auf den Bergsportler zwischen den Felsen und Gipfeln warten – inklusive der Orte, die uns Schutz und Kaiserschmarrn bieten.

Tom Dauer, Bernd Ritschel: „Hütten. Sehnsuchtsorte in den Alpen“, National Geographic Verlag für 39,99 Euro.

Der Weg zum Wirt: Die schönsten Hütten der Alpen
Foto: National Geographic Verlag
Hütten: Sehnsuchtsorte in den Alpen

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