Herrlicher Ausblick vom Piz Bernina auf Piz Palü, Piz Argient und Crast Agüzza
Foto: Stephan Mitter
Bergsteigen

Drei Tage Bernina-Gruppe, drei sensationelle Gipfel

• 30. Juli 2019

Wer in der Bernina-Gruppe im Kanton Graubünden in der Schweiz unterwegs ist, der kennt sie: die legendären Gipfel Piz Palü, Piz Bernina und Piz Morteratsch. Bergführer und Bergwelten-Profi Stephan Mitter war im Juli 2019 in der Bernina unterwegs und hat für uns die Überschreitung der drei Gipfel inklusive der aktuellen Verhältnisse beschrieben. 

Westalpenfeeling vom Feinsten: Eis- und Schneegrate, die ihresgleichen suchen, gewaltige Gletscherbrüche, wunderschöne Aussichten und Hütten, die auf Hochtourengeher bestens eingestellt sind. Wer in der Bernina-Gruppe hoch hinaus will, der steht früh auf, hat neben Steigeisen, Seil und Pickel die Stirnlampe griffbereit. Wenig Schlaf wird durch das Bergerlebnis mehr als kompensiert - garantiert. Stephan Mitter jedenfalls ist sich sicher: „Die Berge in der Bernina-Gruppe sind vollendet schön.“ 

Vom Gipfel des Piz Morteratsch sieht man den Bianco Grat besonders gut.
Foto: Stephan Mitter
Vom Gipfel des Piz Morteratsch sieht man den Bianco Grat besonders gut.

Tag 1 - Anstieg zur Chamanna Boval

Die ambitionierte Hochtourenserie beginnt mit dem Aufstieg zur Chamanna Boval von Morteratsch. Rund 2,5 h Stunden sollte man für die Wanderung einplanen. 

Wer auf der Hütte nächtigten möchte, sollte - wie auf allen Hütten in der Bernina-Gruppe - jedenfalls reservieren. Gerade in der Hochtouren-Hauptsaison von Juni bis August sind die Hütten mitunter ausgebucht. 

Abgesehen von der Gemütlichkeit, trägt ein Hüttenabend auch immer dazu bei, Neuigkeiten zu den aktuellen Verhältnissen zu erfragen. Stephan Mitter schwört auf den Schnaps, den man in den französischen Alpen fast überall findet: „Génépi hilft beim Einschlafen und man erfährt die Neuigkeiten des Routenverlaufes.“ Tatsächlich ändert sich vor allem der Einstieg auf den Piz Morteratsch durch Steinschlag ständig, so dass es sich lohnt, den Hüttenwirt der Boval-Hütte zu fragen.

Tag 2 - Piz Morteratsch und Abstieg zur Tschierva Hütte

„Der Wecker läutet um 4, nach einem entspannten aber doch frühen Frühstück geht es beim ersten Tageslicht über den anfangs guten Weg über die Gianda Boval steil hinauf“, beginnt Stephan Mitter die Wegbeschreibung auf den Piz Morteratsch, der am ersten Hochtourentag auf dem Programm steht. Schnell kommt er bezüglich des Berges ins Schwärmen, der oft ein wenig im Schatten von Piz Bernina und Piz Palü steht: „Der Piz Morteratsch ist ein sensationeller Aussichtsgipfel. Vom Piz Cambrena, 3.421 m, im Süden über die drei Gipfel des Piz Palü, 3.900 m, Bianco Grat und Piz Roseg, 3.937 m, ist alles in scheinbarer Reichweite.“

Tag 3 - Über den Bianco Grat auf den Piz Bernina 

Es gibt kaum einen ästhetischeren Grat als den Bianco Grat: Eis und Fels wechseln ab, ständig befindet man sich in luftiger Ausgesetztheit und das Panorama ist überwältigend, vor allem vom Gipfel des Piz Bernina, der mit 4.049 m der höchste der Bernina-Gruppe ist.

Dieser Tag wird aber richtig lange - mit 10 Stunden bis zur Marco e Rosa Hütte muss man rechnen. Daher heißt es auch diesmal wieder: früh aufstehen. Konkret beschreibt das Stefan Mitter so: „02.45 läuten die Wecker und dann geht’s im Lager schon los, entspanntes Frühstück und um 03.30 geht’s vor die Hütte."

Vom Piz Bernina geht es über den Spallagrat abwärts. Stephan Mitter beschreibt diesen Abschnitt gelassen: „Über leichtes Felsgelände geht es den ausgeaperten Grat entlang, Sicherungsmöglichkeiten hauptsächlich mit Köpflschlingen (bis II)." In der Tat finde man genügend Abseilhacken, um die schwierigen Passagen abzuseilen. Allerdings hänge die Wahl der verschiedenen Möglichkeiten immer auch von der Steinschlaggefahr, die durch andere Seilschaften entstehe, ab.

Zum Schluss geht es umschwierig zur Marco e Rosa Hütte, auf der genächtigt wird. 

Tag 4 - Überschreitung Piz Palü

Der Piz Palü mit seinem Dreifach-Gipfel ist wohl einer der schönsten Berge der Bernina-Gruppe. Wir haben ihm deswegen ebenfalls ein eigenes Bergportrait gewidmet. 

„05.00 Frühstück, nach einer sehr beengten Nacht ist das schon fast ausschlafen", lacht Stephan Mitter. Dennoch, früh - oder eben relativ früh - aufstehen, lohnt sich auch am letzten Tag: „Über schmale Spaltenbrücken und unter eindrucksvollen Seracs vorbei sind wir froh, heute am Morgen bei besten Verhältnissen unterwegs zu sein. Wie schaut es hier wohl um 14.00 Uhr aus, wenn die letzten noch zum Fortezza Grat eilen, um noch ins Tal abzusteigen?"

Und so geht es recht entspannt über den Palü-Westgipfel auf den Palü-Hauptgipfel mit 3.900 m. Beim Abstieg zum Ost-Gipfel ist allerdings Vorsicht geboten: „Der Abstieg zum Sattel wird auf Grund der schlechten Schneeauflage immer heikler und oft ist eine Eisschraube zur Sicherung sehr hilfreich."

Zum Schluss geht es über einige Blöcke und unter dem Piz Trovat auf dem markierten Weg zur Diavolezza-Seilbahn, mit der man nach Pontresina hinunter schwebt. 

 

Ausrüstungsliste

Stephan Mitter hat für uns eine Ausrüstungsliste zusammen gestellt. Mehr dazu könnt ihr aber auch in unten stehendem Artikel erfahren. Wichtiger Tipp außerdem: Als beste Jahreszeit empfiehlt Stephan Mitter Juni-Juli, weil die Schneeauflage noch besser ist. Allerdings sei dann auch der Andrang größer und es könne zu Wartezeiten kommen. Die Hütten sind jedenfalls zu reservieren. 

  • Helm
  • Klettergurt
  • Hochtourenrucksack
  • Pickel
  • Steigeisen
  • Einfachseil 50m
  • Reepschnürre, 1,5 m, 3 m, 5 m
  • 3 Stk. Schraubkarabiner
  • 2 Stk. Schnappkarabiner
  • Abseilgerät
  • Bandschlingen 2 x 120 cm, 2 x 60 cm
  • 3 x Eischrauben
Vom Piz Palü bis zum Piz Morteratsch
Foto: Stephan Mitter
Vom Piz Palü bis zum Piz Morteratsch

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