Viertausender

Bergportrait: Piz Bernina (4.049 m)

Wissenswertes • 17. Mai 2019

Der Piz Bernina knackt die 4.000 Meter-Marke mit 4.049 m zwar nur knapp, in puncto Schönheit und Eleganz ist er allerdings – auch von höheren Bergen – nur schwer zu schlagen. Wir stellen euch den Berg an der Grenze von Italien zur Schweiz im Detail vor.

Biancograt: Piz Bernina in der Schweiz
Foto: mauritius images / imageBROKER / FB-Fischer
Der schönste Eisgrat der Alpen: Über den Biancograt auf den Piz Bernina (4.049 m)

Höhe und Lage

Der Piz Bernina ist mit 4.049 m der einzige Viertausender der Ostalpen – oder, je nach Betrachtungsweise, der östlichste Viertausender der Westalpen. Er mag zwar nur knapp über die 4.000 Meter-Marke ragen, aber das reicht aus, um ihn zur höchsten Erhebung des Kantons Graubünden zu machen. Darüber hinaus ist der Piz Bernina an Eleganz und Wucht nur schwer von anderen, wenn auch höheren Bergen zu übertreffen. Gemeinsam mit dem Gran Paradiso (4.061 m) und der Barre des Écrins (4.101 m) zählt er zu den großen Einzelbergen des Alpenraums, deren Massive in besonderem Maße selbstständig sind.

Der Piz Bernina hat gleich drei Gipfel, die sich kaum vom mittleren Hauptgipfel absetzen. Aber auch sie haben ihre Reize: Über den Grat des Südgipfels, die Spalla (4.020 m), verläuft die Landesgrenze der Schweiz – gleich dahinter liegt bereits Italien. Der Nordgipfel, der Piz Bianco (3.995 m), wiederum genießt den Ruf, über den schönsten Eisgrat der Alpen zu verfügen: den berüchtigten Biancograt. Ist der Piz Bernina auch ein Grenzberg: Sein Hauptgipfel liegt zur Gänze auf Schweizer Landesgebiet.

Schweiz: Rund um den Piz Bernina (4.049 m) in der Berninagruppe

Geschichte

Erstbestiegen wurde der Piz Bernina 1850 durch den Schweizer Landvermesser Johann Coaz und den Brüdern Jon und Lorenz Ragut Tscharner über den Morteratschgletscher. Sie erreichten den Gipfel unter großen Mühen am 13. September über den Südgrat. Insgesamt waren sie 20 Stunden lang unterwegs, um den damals noch namenlosen Gipfel zu vermessen. Erst knapp drei Jahrzehnte später wurde der Piz Bernina erstmals vom Norden über den Biancograt bestiegen. Die Schweizer Führer Johann Jaun und Caspar Maurer erreichten den Gipfel 1876 gemeinsam mit dem Franzosen Henri Cordier und dem Engländer Thomas Middlemore.


Der Piz Bernina im Überblick

  • Höhe: 4.049 m
  • Lage: Berninagruppe / Grenze zu Italien
  • Talort: Pontresina im Oberengadin auf Schweizer Seite, Chiesa in Valmalenco und Lanzada in der Lombardei auf italienischer Seite
  • Stützpunkt: Tschierva Hütte (2.583 m) und Chamanna Boval (2.495 m) auf Schweizer Seite, Carate Brianza Hütte (2.636 m) und Marco e Rosa Hütte (3.609 m) auf italienischer Seite
  • Erstbesteigung: 1850

Piz Bernina-Erstbesteiger und Landvermesser Johann Coaz
Foto: Rotatebot/Adrian Michael/commons.wikimedia
Piz Bernina-Erstbesteiger und Landvermesser Johann Coaz

Touren

Der Normalweg führt über den südlichen Vorgipfel, die Spalla, auf den Gipfel der Piz Bernina. Der schwierigere Anstieg über den wunderschönen Biancograt führt über den nördlichen Vorgipfel zum höchsten Punkt der Piz Bernina.

Gut zu wissen

Die Tour auf den Piz Bernina verläuft größtenteils durch vergletschertes Gelände. Am Gipfelgrat ist Kletterei bis zum Schwierigkeitsgrad III gefragt. Gebohrte Haken zur Sicherung und zum Anseilen sind vorhanden, Fixseile hingegen sucht man vergeblich.

Tourentipp

Bernina-Stützpunkte in der Schweiz

Tschiervahütte
Hütte • Graubünden

Tschierva Hütte (2.583 m)

„Festsaal der Alpen“ - dieser Begriff steht seit jeher für die Berninagruppe, vor allem von St. Moritz  aus gesehen. Und das vollkommen zu Recht: Das Ensemble rund um Piz Palü, Piz Bernina und Piz Roseg über gleißenden Gletschern und grünen Wiesen gehört landschaftlich sicher zu den schönsten Region der Alpen. Und mittendrin liegt die Tschiervahütte. Beim Hüttenzustieg durch das lange und flache Val Roseg (kann sehr romantisch durch eine Pferdekutschenfahrt abgekürzt werden) nähert man sich wunderbar an das vergletscherte hochgebirge an: zuerst durch Wälder und Almen, später dann durch Geröll und über Moränen erreicht man die Tschiervahütte, welche oberhalb des Vadret Tschierva im letzten Grün erbaut ist.  Der Ausblick auf Piz Bernina mit seinem Biancograt, Piz Roseg und all den anderen Gipfeln ist fantastisch. Die 1899 erbaute Hütte wurde 2003 modernisiert und erweitert und stellt eine sehr gelungene Symbiose von alter traditioneller Steinhütte mit modernen Elementen dar. Innen dominiert helles Holz mit großen Fensterflächen, was die Hütten sehr freundlich und gemütlich macht.
Geöffnet
Jun - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet
Bovalhütte
Hütte • Graubünden

Chamanna Boval (2.495 m)

Die Bovalhütte in Graubünden (rätoromanisch Chamanna da Boval) ist eine 2.495 m hoch gelegene Schutzhütte des SAC in der Berninagruppe. Sie liegt im Morteratschtal, dort wo Morteratsch- und Persgletscher zusammen treffen. Im Süden und Westen erheben sich über der Hütte die bekannten und beeindruckenden Gipfel der Berninagruppe: Piz Palü, Piz Boval, Piz Morteratsch und der Viertausender der Berninagruppe, Piz Bernina mit dem Bianco-Grat. Der Hüttenzustieg von Morteratsch erfordert etwas Trittsicherheit, ist aber auch mit größeren und geübten Kindern gut machbar. Die Kulisse um die Hütte ist ein atemberaubendes Schauspiel. Oft hört und sieht man im Sommer beeindruckende Eislawinen, die sich auf den Bergen lösen und herunterstürzen. Im Sommer ist die Boval-Hütte Ausgangspunkt für lohnende Hochtouren in allen Schwierigkeitsgraden. Es gibt einen eigenen Klettergarten und eine einfache 7 Seillängen lange Klettertour auf den Corn da Boval. Im Winter bietet sich die Boval-Hütte als Startpunkt für Touren im Morteratsch-Kessel an - oder von der Diavolezza-Seilbahn aus für die Einkehr (mit kurzem Gegenanstieg) auf der langen Abfahrt hinunter nach Morteratsch.
Geöffnet
Mär - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

Bernina-Stützpunkte in Italien

Rifugio Carate
Die Carate-Brianza-Hütte, öfters auch Carate Hütte genannt, wurde 1927 von der Sektion Brianza des Italienischen Alpenclubs CAI errichtet. Das alpine Schutzhaus liegt auf 2.636 m in der Nähe der Bocchetta delle Forbici und ist zu Fuß über verschiedene Anstiege erreichbar. Die Hütte ist ein beliebter Ausgangspunkt für lohnende Gipfeltouren in der Bernina-Gruppe.
Geöffnet
Apr - Sep
Verpflegung
Bewirtschaftet
Die Marco e Rosa Hütte
Die Marco-e-Rosa-Hütte in der Bernina-Gruppe des Oberengadin thront in 3.609 m als echtes Wolkenhaus über den Gletschern. Das Rifugio Marco e Rosa ist die höchstgelegentste Hütte in der Lombardei und wurde in den letzten Jahren zeitgemäß renoviert und wird den modernen Anforderungen der Gäste gerecht.  Die Hütte ist ein beliebter Ausgangspunkt vieler lohnender Gipfeltourein in der Bernina.
Geöffnet
Apr - Sep
Verpflegung
Bewirtschaftet

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