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Berg Know How

Wie kommt das Wasser auf die Hütte?

• 2. Mai 2023
4 Min. Lesezeit
von Christina Schwann

Der vergangene Sommer war heiß und trocken und auch dieses Jahr stehen wieder überdurchschnittlich warme Temperaturen bevor. 2022 kämpften einige Hütten im Gebirge mit Wassernot: Die Neue Prager Hütte am Großvenediger musste wegen Wassermangel die Saison sogar frühzeitig beenden. Aber wie kann das sein, wo die Alpen doch als „Wasserschloss Europas“ gelten und Gletscher, Seen und Bäche von ihrem Wasserreichtum zeugen? Wir zeigen euch, wie das Wasser auf die Hütte kommt und warum es mehr Bewusstsein für dieses kostbare Gut braucht.

Die Neue Prager Hütte am Großvenediger musste 2022 die Saison aufgrund von Wassermangel frühzeitig beenden.
Foto: Jens Klatt, DAV
Die Neue Prager Hütte am Großvenediger musste 2022 die Saison aufgrund von Wassermangel frühzeitig beenden.
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Woher kommt das Wasser?

Hütten im (Hoch)-Gebirge sind für gewöhnlich nicht an das öffentliche Wassersystem angeschlossen. Sie beziehen ihr Wasser meist aus Quellen, die im Idealfall etwas höher als die Hütte liegen, um das Gefälle für die Weiterleitung zu nutzen. Ist die Quellschüttung gering, braucht es Zisternen, in denen das Wasser gesammelt werden kann. Einige Hütten beziehen ihr Wasser vorwiegend aus Schmelzwasser von Schneefeldern und Gletschern und auch Regenwasser wird zum Teil direkt über entsprechende Dachkonstruktionen – vor allem bei modernen Hütten – genutzt.

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Trinkwasser versus Brauchwasser

Je weiter man nach oben kommt, desto sauberer ist das Wasser" – ein Irrtum, der sich hartnäckig hält. Wasser wird erst rein und zu Trinkwasser, wenn es durch den Berg sickert und dadurch gefiltert wird. Je länger der Weg, den das Wasser durch den Berg zurücklegt, desto höher ist dessen Qualität. Das Naturdenkmal Birnbachloch bei Leogang etwa ist eine typische Karstquelle, deren tieferliegende Quellaustritte direkt für die Trinkwasserversorgung der Gemeinde genutzt werden.

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Schmelzwasser aus Schneefeldern und Gletschern, sowie das Wasser aus Oberflächengewässern wie Bächen und Seen oder Regenwasser ist so gut wie immer durch Schadstoffeintrag und Mikroorganismen verunreinigt und entspricht nicht den Trinkwasservorschriften. Bezieht eine Hütte daraus ihr Wasser, muss es technisch aufwendig gefiltert werden.

In den Waschräumen der Hütte wird meist Trinkwasser zur Verfügung gestellt. Ist dem nicht so, muss es entsprechend gekennzeichnet sein. Für die WC-Spülung wird aber oft Brauchwasser verwendet, das nicht den hohen Anforderungen des Trinkwassers entspricht.

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Wie kann es zu Wassermangel auf der Hütte kommen?

Generell ist Wasser auf fast allen Hütten ein sehr kostbares Gut. Vor allem für Hütten, die im Karst stehen wie die Bettelwurf-Hütte, die Rieder Hütte oder die Passauer Hütte, ist Wassermangel nichts Neues. Überraschend ist aber, dass nun auch bereits Hütten im Urgestein betroffen sind, wie die erwähnte Neue Prager Hütte, aber auch die Bonn-Matreier Hütte oder die Wangenitzsee-Hütte kämpften 2022 mit akutem Wassermangel und das, obwohl letztere direkt am See steht. Strenge Naturschutzauflagen machen hier in der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern eine zusätzliche Wasserentnahme nicht immer ganz einfach.

Die Bonn-Matreier Hütte in der Venedigergruppe
Foto: Verena Helminger // @ verena.hlmgr über Salewa Hüttenpraktikantin
Die Bonn-Matreier Hütte in der Venedigergruppe

Der Wassermangel auf Hütten hat im Prinzip zwei Ursachen, die ineinander greifen:

  1. Hohe Bettenkapazitäten und hoher Standard

    In den letzten Jahrzehnten ist der Wasserbedarf der meisten Hütten kontinuierlich gestiegen. 5-Gange-Menü, Geschirrspüler, Waschmaschine, Duschen, Toiletten mit Wasserspülung... das alles braucht extrem viel Wasser. Zusätzlich wurden die Bettenkapazitäten auf vielen Hütten nach oben geschraubt, Hygienestandards haben sich verschärft und auch die Erwartungshaltung des Gastes an das Angebot auf der Hütte ist gestiegen. Um den Bedarf zu decken, mussten neue Quellen erschlossen und größere Zisternen gebaut werden.

  2. Klimawandel

    Schneearme Winter und trockene, heiße Sommer führen im Zuge des Klimawandels zu einer geringeren Schüttung von Quellen. Der Rückgang der Gletscher kann punktuell auch eine Rolle spielen, ausschlaggebend ist aber vor allem die Schneedeckenhöhe im Winter. Extremwetterereignisse mit Starkniederschlägen in den Sommermonaten führen meist nicht zu einer wesentlichen Verbesserung der Quellschüttung, da der Boden das viele Wasser in so kurzer Zeit nicht aufnehmen kann. Es fließt oberflächlich ab und führt nicht selten zu Vermurungen.

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Was hat der Wassermangel mit der Energieversorgung zu tun?

Tatsächlich schlägt sich der Wassermangel auch massiv auf die Energieversorgung der Hütte nieder, denn viele Hütten beziehen ihre Energie aus kleinen Wasserkraftwerken. Auch hier gilt, je weniger Wasser, desto weniger Strom. Auf einigen Hütten wird nun die Photovoltaik aufgerüstet, um Engpässe in der Wasserkraft abfangen zu können.

Viele Hütten gewinnen ihre Energie aus Kleinwasserkraftwerken. Symbolhaft mit diesem schönen Holzwasserrad vor der Edmund-Graf-Hütte im Verwall dargestellt.
Foto: Christina Schwann, ökoalpin
Viele Hütten gewinnen ihre Energie aus Kleinwasserkraftwerken. Symbolhaft mit diesem schönen Holzwasserrad vor der Edmund-Graf-Hütte im Verwall dargestellt.

Was wird gegen den Wassermangel getan?

  • Technische Möglichkeiten
    Um die Hütten auch weiterhin mit ausreichend Wasser zu versorgen, kann man die Technik verbessern und weitere Quellen erschließen und größere Zisternen bauen – falls das (naturschutzrechtlich) möglich ist. Man kann energie- und wassereffiziente Geräte einsetzen oder Regenwasser durch spezielle Dachkonstruktionen auffangen, wie das bei der neuen Seethaler-Hütte am Dachstein bereits sehr gut funktioniert.

  • Reduktion des Angebotes
    Wasser sparen kann man aber vor allem, in dem das Angebot auf den Hütten reduziert wird. Robert Kolbitsch, Leiter des Ressorts Hütten und Wege des Deutschen Alpenvereins, bringt es deutlich auf den Punkt: „Der Luxuswahnsinn muss aufhören!" und meint damit folgende Punkte: Einfache Gerichte, weniger Gänge – das spart nicht nur Wasser und Energie beim Kochen, sondern auch Geschirr. Nutzung von eigenen Hüttenschlafsäcken – es muss kein Bettzeug gewaschen werden, dies spart ebenfalls Wasser und Energie. Keine Duschen – zumindest nicht für Gäste, sowie rigorose Umstellung von Wasser- auf Trockentoiletten.

  • Bewusstseinsbildung
    "Seit jeher ist Wasser- und Energiesparen oberste Prämisse auf den Schutzhütten", so Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege beim Österreichischen Alpenverein. Den Gästen sei aber oft nicht klar, dass aufgrund der exponierten Lage vieler Hütten, Wasser- und Energie extrem kostbar sind. Hier gelte es, vorhandene Kampagnen der Alpenvereine, wie zum Beispiel das Umweltgütesiegel für Schutzhütten, weiter zu verbreiten und zu vertiefen.

Die spezielle Dachkonstruktion der Seethaler-Hütte am Dachstein fängt das Regenwasser auf und produziert mittels Photovoltaik Strom.
Foto: Raffalt, Alpenverein Austria
Die spezielle Dachkonstruktion der Seethaler-Hütte am Dachstein fängt das Regenwasser auf und produziert mittels Photovoltaik Strom.

Wie du als Hüttengast deinen Beitrag zum Wasser- und Energiesparen leisten kannst

Ist man sich der Problematik einmal bewusst, kann man auch als Gast mit einfachen Handlungen zu einem sparsamen Wasser- und Energieverbrauch beitragen:

  • Auch wenn Duschen vorhanden sind, muss man auf einer Weitwanderung nicht jeden Tag duschen – man ist ja unter Gleichgesinnten.

  • Die eigene Wäsche wäscht man besser zu Hause und nicht im Waschraum der Hütte.

  • Beim Zähneputzen den Wasserhahn abdrehen.

  • Akkus von Mobiltelefonen, E-Bikes, Kameras und Tabletts nur aufladen, wenn der Hüttenwirt dafür grünes Licht gibt.

Geh sparsam mit Wasser um, erwarte keine 5-Gang-Menüs und lade deine Akkus nur auf, wenn es ausdrücklich erlaubt ist.

Eine Hütte muss kein Hotel sein. Ganz im Gegenteil, ihr Charme liegt in der Einfachheit, die andere Werte wie Gemeinschaft, Bergerlebnis und Achtsamkeit fördert. Eine Reduktion des Angebotes bei gleichzeitig hoher Funktionalität schadet dem Hüttenerlebnis daher bestimmt nicht und regt im besten Fall zum Überdenken unserer Wohlstandsgesellschaft an.

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