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Berg-Know-How

Wie funktioniert ein Hütten-Klo?

• 9. Juli 2019

Die Zeiten, als die Notdurft draußen auf dem „Donnerbalken“ über den Fels verabschiedet wurde, ist auf den meisten Berghütten vorbei. Doch wie funktioniert eigentlich eine hygienische WC-Anlage in höheren Lagen ohne öffentlichen Kanalanschluss?

Plumpsklos im Salzburger Lungau
Foto: mauritius images/ Katja Velmans
Plumpsklos im Salzburger Lungau
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Hüttenbetreiber stehen in Punkto Sanitäranlagen vor einer grundlegenden Herausforderung. Bei einem herkömmlichen WC ist mit einem Druck auf die Spültaste das Problem aus der Welt geschafft. Doch verfügt man weder über einen Kanalanschluss – und in vielen Fällen auch nicht über ausreichend Wasser – stehen die Dinge anders. Pro Toilettenspülung werden circa 10 Liter reines Wasser in Abwasser verwandelt, das nur gereinigt an die Umwelt zurückgegeben werden darf.

Zur Lösung dieses Problems gibt es unterschiedliche, mehr oder weniger zufriedenstellende Lösungen. Folgende Toiletten-Arten sind auf Berghütten anzutreffen.

1. Plumpsklo

Das Plumpsklo ist eine Toilette ohne Wasserspülung. Kot und Urin fallen (plumpsen) direkt in einen Kasten oder eine Grube und verbleiben dort, bis der Inhalt entsorgt wird.

2. Trockentoilette (Komposttoilette)

Komposttoiletten haben sich vor allem auf kleinen Hütten mit Saisonbetrieb bewährt. Im Gegensatz zu Plumpsklos werden hier feste Stoffe und Flüssigkeiten durch einen Siebboden im Toilettenschacht getrennt. Die Fäkalien wandern in einen mit Strukturmaterial gefüllten Behälter und werden dort kompostiert – also abgebaut. Als Strukturmaterial eignen sich beispielsweise Stroh, Sägespäne oder Traubenkernschrot. Es lockert die Ausscheidungen auf damit Luft dazukommt, was den Zersetzungsprozess befördert. Komposttoiletten reduzieren den Wasserverbrauch enorm, allerdings erfolgt unter 10 Grad kein Abbau des Kompostmaterials mehr, weshalb eine Wärmedämmung oder sogar Beheizung des Lagerraums notwendig ist. Die Lager befinden sich oft auch nahe der Heizungsanlage, wo es warm ist.

Komposttoilette Trockentoilette
Foto: Wikipedia/ DocteurCosmos
Abdeckmaterial als Spülwasserersatz neben einer Komposttoilette

3. Trennklo

Beim Trennklo (etwa auf der Bettelwurfhütte im Karwendel auf rund 2.000 m zu finden) werden die flüssigen und festen Bestandteile getrennt gesammelt und ebenso separat weiterbehandelt. Der große Vorteil liegt in der Reduktion der Abwassermenge. Der Urin wird kontrolliert versickert oder gelangt mit dem restlichen Waschwasser in die Ableitung – in Gebieten mit erhöhtem Gewässerschutz müssen die flüssigen Abwässer dann mittels Kläranlagen gereinigt werden. Die Fäkalien landen in einem mittels Unterdruck entlüfteten Auffangbehälter, der wasserdicht sein muss, und werden einmal im Jahr per Auto, Seilbahn oder Hubschrauber zu einem Klärwerk transportiert.

Die Einsparung der Abwassermenge mittels eines Trennklos ist beachtlich. Im Jahr fallen pro Person circa 50 Liter Fäkalien und rund 500 Liter Urin an. Bei Benützung eines herkömmlichen WCs werden für die Spülung dieser Problemstoffe circa 15.000 Liter (meist reines Trinkwasser) verwendet. Bei einem Trennklo reduziert sich das Abwasser auf circa 5 Prozent eines konventionellen WCs.

Funltion eines Trennklos Marke „Bettelwurfhütte“ (Grafik: www.tb-amor.at)

4. Innovationen

Freilich gibt es zahlreiche Kompost-WC-Systeme und bei weitem nicht alle funktionieren in Punkto Abbau und Geruchshemmung zur vollen Zufriedenheit. Einige Hütten des SAC - wie beispielsweise die Lämmerenhütte in Adelboden – setzen deshalb neuerdings auf eine besondere Innovation – Würmer. Das 2012 in Frankreich entwickelte Trockentoiletten-System „Ecosphère“ schwört auf kleine Helfer, die in Strohballen in einem abgeschlossenen und separat beheizten Fäkalienraum wohnen. Sie verarbeiten die Hinterlassenschaften der Menschen zu unproblematischem Reststoff (Humus) und reduzieren das Volumen um rund 90 Prozent. Das zurückbleibende Erdreich kann in die Natur ausgetragen, oder – wenn die Hütte von Fels und Eis umgeben ist – per Helikopter ins Tal geflogen werden.

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