Dreitausender

Bergportrait: Großvenediger (3.657 m)

Wissenswertes • 7. September 2020
von Katrin Rath

Der Großvenediger galt lange Zeit als der höchste Berg Salzburgs – bis er 2014 neu vermessen wurde. Wir stellen euch den markanten Gipfel in den Hohen Tauern im Detail vor und verraten, was sich durch die Neuvermessung geändert hat.

Großvenediger von Gschlöss
Foto: mauritius images / imageBROKER / Siepmann
Blick auf den Großvenediger von Gschlöss

Höhe und Lage

Der Großvenediger liegt in den Hohen Tauern und wurde bis vor ein paar Jahren mit 3.666 m als der höchste Berg Salzburgs angenommen. 2014 wurde er allerdings neu vermessen. Dabei wurde nicht nur festgestellt, dass er durch das mildere Klima und dem damit einhergehenden Abschmelzen der Schneeschicht am Gipfel nur noch 3.657 m hoch ist, sondern dass sich dieser eigentlich gar nicht in Salzburg befindet.

Das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen ist zur Erkenntnis gekommen, dass er bereits auf Osttiroler Gebiet liegt. Der Titel des höchsten Bergs der Venedigergruppe, die sich von Salzburg über Osttirol bis nach Südtirol erstreckt, bleibt dem Großvenediger aber erhalten. 

Großvenediger
Foto: Foto: mauritius images / Stefan Sassenrath
Auf dem Weg zum Großvenediger (3.666 m) von der Neuen Prager Hütte

Geschichte

Wenn man bedenkt, dass bereits im Jahre 1800 Menschen auf dem Gipfel des Großglockners standen, erscheint die Erstbesteigung des Großvenedigers am 3. September 1841 relativ spät. Drei junge Wiener schmiedeten damals die Erstbesteigungspläne, was der Gerichtspfleger Ignaz von Kürsinger zum Anlass nahm, eine Annonce in der Salzburger Zeitung zu einer „nationalen Angelegenheit des Oberpinzgaus“ zu erklären – schließlich sollte die „weltalte Majestät, die höchste Zinne des Landes, von den Söhnen unseres Tales erklommen“ werden. Daraufhin brachen 40 Bergsteiger zum Gipfel des Großvenedigers auf.

Angeführt wurde die von Kürsinger und Dr. Anton von Ruthner organisierte Expedition von Josef Schwab, besser bekannt als „Hausstatter Sepp“. 

Ignaz von Kürsinger
Foto: Wikipedia
Ignaz von Kürsinger organisierte die Erstbesteigung

Fast wäre der Großvenediger schon 31 Jahre eher erstbestiegen worden, der Bramberger Förster Paul Rohregger, der im Alleingang unterwegs war, musste allerdings kurz vor dem Gipfel aufgrund einer unüberwindbaren Gletscherspalte und dichten Nebels umkehren.

1828 versuchte sich Erzherzog Johann von Österreich am damals noch 3.674 m hohen Gipfel, musste wegen einer abgegangenen Eislawine mit seinen 15 Kameraden – darunter auch Rohrbacher, der von der Lawine leicht verletzt wurde – aber ebenfalls kurz vor dem Ziel den Rückweg antreten.

Weitere historische Momente: Mit der Thalgauerin Maria Gärtner stand 1892 die erste Frau auf dem Gipfel und neun Jahre später gelangte der Alpinist Günther Freiherr von Saar erstmals per Ski auf den Großvenediger.

Der Großvenediger im Überblick

  • Höhe: 3.657 m
  • Lage: Venedigergruppe in den Hohen Tauern/Osttirol
  • Erstbesteigung: 1841

Touren

Auf den Großvenediger führen drei Normalaufstiege: einer vom Pinzgau im Norden, einer vom Tauerntal im Osten und einer vom Virgental im Süden. Von Norden aus startet man in Neukirchen am Großvenediger oder weiter oben bei der Kürsinger Hütte auf 2.553 m und folgt dann dem historischen Weg der Erstbesteiger. Der Anstieg ist technisch leicht, aber konditionell anspruchsvoll.

Von Osten beginnt der Aufstieg beim Matreier Tauernhaus, von wo man entweder zu Fuß (1 Stunde Gehzeit), per Zubringer-Taxi oder Pferdekutsche zum Venedigerhaus im Innergschlöss gelangt. Vorbei an einer eindrucksvollen Felsenkapelle und entlang des tosenden Gletscherbachs gelangt man bald zum Salzbodensee und von dort über das Gletschervorfeld zur Neuen Prager Hütte, wo man übernachtet. Der Gipfel wird am nächsten Tag über eine alpine Route erklommen – größte Vorsicht ist aufgrund der Gletscherspalten auch hier geboten.

Von Süden gelangt man über Hinterbichl im Virgental und über die Johannishütte auf den Großvenediger. Übernachtet wird dabei im Defreggerhaus bevor man die restlichen 695 Höhenmeter aufsteigt und über einen Firngrat den Gipfel erreicht.

Gut zu wissen

Dass man vom Großvenediger bis nach Venedig sieht und er deshalb so heißt wie er heißt, ist ein weit verbreitetes, aber unwahres Gerücht. Man geht davon aus, dass der vergletscherte Gipfel seinen Namen den – für Einheimische exotisch anmutenden – durchreisenden venezianischen Händlern zu verdanken hat.

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