Großvenediger

Hinter den Kulissen einer Bergwelten-Dokumentation

Reportage • 19. März 2021
von Katrin Rath

Wöchentlich werden wir von den Bergwelten-Dokus bei ServusTV in die schönsten Regionen der Welt entführt und von ihnen verzaubert. Bergwelten-Redakteurin Katrin Rath hat im Sommer 2019 einen Blick hinter die Kulissen geworfen und das Produktionsteam auf den Großvenediger begleitet.

Großvenediger
Foto: ServusTV/preTV
Die Protagonisten auf dem Weg Richtung Gipfel

Wer mit Drohne, Video- und Fotokamera ausgestattet auf den Gipfel will, muss früh aufstehen. Sehr früh. Um 4:30 Uhr genauer gesagt. So früh klingelt mein Wecker normalerweise nie und normalerweise bringt mich um diese Uhrzeit auch nichts aus dem Bett. Nachdem heute aber kein normaler Tag ist, hieve ich mich aus dem knarzenden Stockbett in einem der Vierbettzimmer im Defreggerhaus auf 2.962 m und begebe mich in persönlicher Rekordzeit abmarschbereit zum Frühstück.

Defreggerhaus
Foto: Katrin Rath
Vor dem Defreggerhaus werden erste Szenen gedreht

Nur kurze Zeit später stehen wir zu zehnt in der Morgendämmerung vor der Hütte und überprüfen unsere Ausrüstung. Für den Venediger-Bergführer Sigi Hatzer, um den sich alles in der Doku dreht, reine Routine. Schließlich macht er sich nun zum eintausendsten (!) Mal bereit für den 3.666 m hohen Gipfel. Gemeinsam mit seiner Frau Michaela und seinem Bergführer-Kollegen Wolfgang wird er am heutigen Tag im Mittelpunkt stehen – und dabei einige Extra-Meter machen.

Defreggerhaus
Foto: Katrin Rath
Im Morgenlicht geht es die ersten Höhenmeter nach oben

Vom Defreggerhaus ist es noch eine halbe Stunde bis zu der Stelle, wo der Gletscher beginnt und Venediger-Aspiranten einen Stopp einlegen, um sich anzuseilen und ihre Steigeisen anzulegen – vorausgesetzt der Anstieg muss nicht gefilmt werden. Während Kameramann Martin „Mungo“ Hanslmayr die ersten Szenen des Protagonisten und seiner Begleiter aufnimmt, kommt die Sonne langsam zum Vorschein und verspricht uns ein Traumtagerl.

Wir werden unterdessen bereits von den nach uns am Defreggerhaus gestarteten Gruppen überholt, die das Geschehen interessiert verfolgen und nach dem Ausstrahlungstermin fragen. „Im Frühjahr 2020“, antwortet Regisseur Martin Betz bevor es weiter zum Gletscher und damit Richtung Gipfel geht.

Großvenediger Einstieg Mullwitzkees
Foto: Katrin Rath
Kurz vor dem Gletscher lässt sich die Sonne erstmals blicken

Wir betreten den Gletscher: Sigi, Michaela und Wolfgang bilden die eine Seilschaft, wir restlichen sieben die andere. Jeweils mit einem Funkgerät ausgestattet bewegen wir uns wie zwei Karawanen durch die Eiswüste bis kurz vor einen gigantischen Gletscherbruch. „Sigi an David, Sigi an David“, hört man Produktionsleiter David Steinbach immer wieder in sein Funkgerät sprechen. Er koordiniert die drei, die nun zum Gletscherbruch gehen müssen – und wieder zurück – und wieder hin. Schließlich werden sie aus den verschiedensten Perspektiven gefilmt. Während Mungo sie von hinten aufnimmt, surrt eine Drohne durch die Lüfte.

Mullwitzkees
Foto: Katrin Rath
Die Karawane zieht durch die Eiswüste

Der Drohnenpilot Federico hatte am Vortag die wohl spektakulärste Anreise. Nachdem er es nicht rechtzeitig nach Osttirol schaffte, um mit uns zu Fuß aufs Defreggerhaus aufzusteigen und den Abend bei Gröstl und „Medizin“ (Enzianschnaps) mit dem urigen Hüttenwirt Peter ausklingen zu lassen, wurde er gegen Mitternacht mit der Materialseilbahn heraufgebracht.

Als auch wir am Gletscherbruch ankommen, frage ich den doch etwas müde wirkenden Italiener, ob es denn aufregend war im Korb der Seilbahn. „I don’t know. I slept during the entire ride“, gibt er lachend zu verstehen. Sigi hat sich in der Zwischenzeit auf einer Eisformation positioniert und beantwortet die Fragen des Regisseurs. „Aber nicht auf Hochdeutsch, Sigi! Schön im Dialekt“, weißt ihn Martin an. „Ja passt, das kann i eh net“, antwortet der Osttiroler belustigt.

Gletscherbruch Großvenediger
Foto: Katrin Rath
Sigi positioniert sich am Gletscherbruch

Nach der Interviewszene wird das Equipment wieder eingepackt und wir folgen den Spuren im Mullwitzkees in Richtung Gipfel. Ausgepackt wird erst wieder eine gute Stunde später, als wir das Rainertörl auf 3.433 m erreichen. Zeit für weitere Aufnahmen – und unsere Jause.

Vom Großvenediger bewegen sich die ersten Seilschaften schon wieder in Richtung Tal und kurze Zeit später kommt auch Hüttenwirt und Bergführer Peter mit seiner Gruppe an uns vorbei. Er ist seit 40 Jahren am Defreggerhaus und führt einen Teil seiner Gäste noch immer höchstpersönlich auf den Gipfel der „weltalten Majestät“. „Morgen schau i wieder mal, wie’s oben ausschaut. Jetz war i schon lang neama drobn“, hat er uns am Vorabend erklärt. „Vor drei Tag, oder?“ „Na, zwa!“, hat er lachend geantwortet.

Rainertörl
Foto: Katrin Rath
Am Rainertörl angekommen

Wie’s oben tatsächlich ausschaut, werden wir in einer Stunde erfahren. Von der markanten Orientierungsstange am Rainertörl geht es jetzt gestärkt schnurstracks – oder so schnell es auf dieser Höhe eben möglich ist – in Richtung Gipfelgrat.

Oben angekommen, treffen wir auf die Nationalpark-Ranger Maria Mattersberger und Emanuel Egger, die sich von Innergschlöss aus auf den Weg gemacht haben, um Sigi am Gipfel zu seinem Jubiläum zu gratulieren. Sie dürfen natürlich mit ins Bild, müssen dafür aber den letzten Anstieg zum Grat mehrere Male bewältigen bis alle Aufnahmen im Kasten sind.

Gipfelgrat Großvenediger
Foto: ServusTV/preTV
Am Gipfelgrat treffen wir auf die Nationalpark-Ranger Maria und Emanuel

Gemeinsam geht es die letzten Meter bis zum Gipfel, wo dann auch noch die Bergführer Maria und Bernie Egger, die den Nordgrat von der Kürsingerhütte in Angriff genommen haben, dazu stoßen. Mungo und Federico filmen das Zusammentreffen und ich halte mich mit dem Rest im Hintergrund um nicht ins Bild zu laufen – meine 15 Minuten Ruhm sollten noch früh genug kommen.

Nachdem Sigi zur Feier seiner tausendsten Venediger-Besteigung ein Wimpel und ein gravierter Flachmann überreicht wurden, lässt er es sich nicht nehmen, seine Mundharmonika auszupacken und ein Ständchen vor der traumhaften Kulisse der Hohen Tauern anzustimmen.

Gipfelsieg!

Danach gilt es aber rasch zurück zum Defreggerhaus zu kommen. Der Großglockner und seine Nachbarn hüllen sich nämlich bereits in dichte Wolken – und alle haben Hunger. Zwei Stunden später sitzen wir bei Gulasch und Bier in der gemütlichen Gaststube zusammen und besprechen den Plan für den kommenden Tag. Eine Gletscherspaltenübung soll gefilmt werden, bevor wir uns nach dem Mittagessen auf den Heimweg machen.

Und am nächsten Tag sind sie dann tatsächlich gekommen: Meine 15 Minuten Ruhm! Als „Gletscherspalten-Opfer“ geht es für mich bergab. Ganz schön finster und nass in so einer Spalte – kalt ist es sowieso.

Gletscherspalte Großvenediger
Foto: ServusTV/preTV
Da hänge ich nun in der Gletscherspalte

Bergwelten bei ServusTV

Ob mich Sigi und seine Kollegen retten können? Ihr erfahrt es am 22. März 2021, wenn die Bergwelten-Doku „Der Großvenediger - ein Berg, drei Wege“ zum 180-jährigen Besteigungsjubiläum bei ServusTV zu sehen ist. 

Keiner kennt den Berg und seine Besonderheiten so gut wie er: Schon als 14-Jähriger bestieg der Bergbauernsohn Sigi Hatzer den vierthöchsten Gipfel Österreichs, den Großvenediger in den Hohen Tauern, zum ersten Mal. Nun bricht er bereits zu seiner 1000. Besteigung auf. Diese Bergwelten-Dokumentation begleitet drei Bergsteiger, die den Großvenediger von drei Seiten aus erklimmen, um neben Sigis Jubiläum auch 180 Jahre Erstbesteigung des Gipfels gebührend zu feiern.
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