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Alpiner Notfall: Richtig reagieren in 5 Punkten

Tipps & Tricks • 30. Januar 2017
von Peter Plattner

Egal ob Herzinfarkt oder Lawinenverschüttung: Auf einen alpinen Notfall sollte man vorbereitet sein, damit es im Ernstfall zu keiner Überforderung und daraus resultierenden Fehlentscheidungen kommt. Bergwelten-Profi Peter Plattner erklärt in 5 Punkten, wie man in einer Notsituation richtig reagiert.

Eintreffen der Einsatzkräfte im Helikopter
Foto: argonaut.pro
Alpiner Notfall: Eintreffen der Einsatzkräfte im Helikopter

1. Überblick verschaffen - kurzen Notruf absetzen

Ist ein Unfall passiert, gilt vor allem eins: Ruhe bewahren und sich einen Überblick verschaffen. Was ist passiert? Droht noch akute Gefahr? Befindet sich der Verunfallte in einer Gefahrenzone?

Hat man die Situation erfasst, wird – wenn das Telefon Netzempfang hat – ein kurzer Notruf abgesetzt. Dieser sollte folgende Angaben umfassen:

  • Was ist passiert?
  • Wo ist es passiert? (Unfallort via Karte und/oder GPS bestimmen)

Alpin-Notrufnummern:

  • EU/Deutschland/Frankreich: 112
  • Österreich: 140
  • Schweiz: 1414
  • Italien: 118

Tipp

Da es immer wieder zu Sprachproblemen oder Vorwahl-Komplikationen kommt, empfiehlt es sich auch die Nummer eines Kontakts vor Ort (zum Beispiel einer Hütte) einzuspeichern.


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2. Verletzten bergen - Erste Hilfe

Bei einigen Unfällen kann es erforderlich sein, den Verletzten erst einmal zu bergen – aus der Lawine auszugraben, aus der Gletscherspalte zu ziehen, ... –, damit an einem sicheren Ort mit den (lebensrettenden) Sofortmaßnahmen begonnen werden kann:

  • Richtige Lagerung (stabile Seitenlage, das Opfer warm halten)
  • Schockbekämpfung
  • Versorgung von Verletzungen mittels Erste Hilfe-Set

In einigen seltenen Fällen kann selbst eine Reanimation erforderlich sein.

Das Ziel der Erste Hilfe-Maßnahmen ist, den Zustand des Opfers bis zum Eintreffen der Rettungskräfte so stabil als möglich zu halten.


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3. Notruf absetzen oder Hilfe holen

Spätestens nach der Stabilisierung des Verletzten muss ein Notruf abgesetzt werden, wobei den Anweisungen der Leitstelle gefolgt wird. Wer über kein Netz verfügt, hat keine andere Wahl als den Unfallort zu verlassen und entweder einen Punkt mit Empfang zu suchen (Tipp: Richtung Erhebung aufsteigen) oder schlimmstenfalls ins Tal oder zur nächsten Hütte abzusteigen.

Wer unabhängig von der Mobilnetzabdeckung einen Notruf absetzen möchte, kann den Erwerb eines Satellitentelefons in Erwägung ziehen. Viele Bergsteiger und -Führer im Alpenraum verwenden das Thuraya-System, das erstaunlich günstig ist.

Alpiner Notfall: Bergung und Stabilisierung des Opfers
Foto: argonaut.pro
Alpiner Notfall: Bergung und Stabilisierung des Opfers

4. Auf sich aufmerksam machen

Nähern sich Helikopter oder Bergrettung gilt es mit allen verfügbaren Mitteln auf sich aufmerksam zu machen. Ob Rufen, Winken oder neuerliches Telefonieren: Hauptsache, die Rettungskräfte finden möglichst schnell zum genauen Unfallort.

5. Sicher absteigen - Angehörige informieren

Sobald der Verunfallte professionell versorgt und abtransportiert worden ist, sollte man sich selbst ein paar Minuten Zeit geben, um sich zu sammeln und das Erlebte zu verdauen. Denn: Man selbst muss auch noch sicher und konzentriert absteigen können. Wer sich das nicht mehr zutraut, sollte mit den Rettungskräften absteigen bzw. sich ins Tal fliegen lassen.

Nicht vergessen: Auch die Angehörigen müssen informiert werden. Bei schweren Unfällen kann man auf die Unterstützung des Kriseninterventionsteams der Rettungskräfte zählen.

Alpiner Notfall: Notruf absetzen
Foto: argonaut.pro
Alpiner Notfall: Notruf absetzen und Angehörige informieren

Tipp

Das Was-Wäre-Wenn-Spiel hilft, sich auf etwaige Notsituationen – zumindest mental – vorzubereiten. Fragt euch im Rahmen eurer nächsten alpinen Unternehmung, wie ihr konkret mit einem auftretenden Notfall umgehen würdet.

Spielt man dergleichen Notfallszenarien regelmäßig im Kopf durch, reagiert man erwiesenermaßen gelassener und effizienter in richtigen Notfällen.


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