Regenwald in Ecuador
Foto: mauritius images/ Minden Pictures / Paul Bertner
Grüne Abenteuer

Die 10 besten Reise-Länder 2020

Aktuelles • 8. Januar 2020
von Martin Foszczynski

Reisen ist für uns die (beinahe) schönste Sache der Welt – doch nur, wenn es den Natur-Reichtum unseres Planeten fördert und nicht zerstört. Wer große Outdoor-Abenteuer erleben und seinen ökologischen Fußabdruck klein halten will, sollte 2020 folgende 10 Länder besuchen.

Noch nie wurde so viel über das Reisen gesprochen wie im letzten Jahr, doch es handelte sich oft um Diskussionen, die unsere Reiselust nicht gerade anfachten (Stichwort: Flugscham). Nach Schätzungen ist der Tourismus aktuell für rund ein Zehntel aller weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich – vor allem Fernflüge gelten als Klima-Killer.

Auf der anderen Seite hängen weltweit 10 Prozent aller Arbeitsplätze vom Tourismus ab, gehört das Erkunden fremder Kulturen und Landschaften zu den wertvollsten Erfahrungen überhaupt. Das Reisen abzuschaffen, würde niemandem helfen. Klar will nicht jeder wie Greta Thunberg mit dem Katamaran über den Atlantik segeln, doch wir werden – um unseren Planeten zu bewahren – die Art und Weise, wie wir reisen, grundlegend ändern müssen.

Faires Reisen

Wir haben unserer Reiseländer-Auswahl dieses Jahr einen „grünen“ Schwerpunkt verpasst. Das bedeutet: Wir suchen unser Abenteuerglück nicht mehr so sehr in der Ferne, sondern erkunden neue spannende Destinationen innerhalb Europas, oder entdecken alte neu. Viele Ziele lassen sich mit Zügen oder Fernbussen erreichen, die – bei guter Auslastung – gegenüber Flügen bis zu 90 Prozent CO2 einsparen.

Indem wir uns wandernd, radelnd oder paddelnd fortbewegen, haben wir nicht nur weniger Stress und mehr Spaß, sondern verursachen dabei auch kaum Emissionen. Und wenn es uns doch in exotische Länder zieht, dann geben wir ihnen durch unseren Besuch etwas zurück, indem wir Öko-Projekte fördern und auf lokale Tourismusangebote (etwa der Ureinwohner Taiwans) zurückgreifen.

In diesem Sinne: Auf ein abenteuerliches Reise-Jahr 2020!

1. England

Entlang der ganzen Küste

England Coast Path Cornwall
Foto: mauritius images/ Gary Eastwood Photography / Alamy
Küstenabschnitt in Cornwall im Südwesten Englands

Während England am 31. Jänner den Kreis der EU-Staaten verlässt, schließt sich 2020 ein anderer Kreis, der vor allem Hiker begeistern wird. Mit dem neuen, 4.500 km langen England Coast Path lässt sich (inklusive eines kleinen Umwegs über den Wales Coast Path) erstmal die gesamte Küste des Landes abwandern – der längste ausgeschilderte Küstenpfad der Welt!

Zwischen Berwick-upon-Tweed im Nordosten und Bowness-on-Solway im Nordwesten liegen dramatische Natur-Landschaften wie die Ost-Küste von Suffolk und malerische Küstenstriche wie jene Northumberlands mit seinen wildromantischen Schlössern, Seehunden und Papageientauchern. Zu den Highlights gehört auch der South West Coast Path durch Cornwall, der rauen Südwestspitze Englands – hier wandert es sich mit traumhaften Aussichten über einstige Schmugglerpfade (im Bild: Kynance Cove).

Im Landesinneren sollte man sich die geheimnisvollen North York Moors (per historischer Dampflok) oder den Peak District-Nationalpark nicht entgehen lassen – ein Paradies für Wanderer und Kletterer. Wohin auch immer es einen in England zieht, die Regenkleidung ist besser zu jeder Jahreszeit miteingepackt!

  • Gut zu wissen: EU-Bürger werden für die Einreise in das Vereinte Königreich frühestens ab 1.1.2021 ein Visum benötigen. Ein gültiger Personalausweis oder Reisepass war schon bisher notwendig.
  • Fair reisen: Auf die Insel kommt man auch per Zug – mit dem Eurostar unter dem Ärmelkanal. Die Überfahrt durch den Eurotunnel nach London dauert von Brüssel oder Paris aus gerade mal 2 Stunden.

Unsere England-Stories:

Wandern in Cornwall
Cornwall war die romantische Kulisse etlicher Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen – doch der Südwesten Englands ist auch ein großartiges Urlaubsziel für Wanderer. Janina und Markus Meier berichten von einem besonderen Urlaub zwischen sattem Grün, sagenumwobenen Steinen und tief abfallenden Steilklippen.

2. Nordmazedonien

Geheimtipp auf dem Balkan

Mazedonien Reise Ohrid
Foto: mauritius images/ age fotostock / Jan Wlodarczyk
Der Ohridsee in Nordmazedonien

Nachdem sich Mazedonien nach einem jahrzehntelangen Namensstreit mit dem benachbarten Griechenland kürzlich in Nordmazedonien umbenannt hat, könnte es sich schon bald auch als Reiseziel für Naturliebhaber einen Namen machen.

Das kleine Binnenland im Herzen des Balkans hat bis auf eine Meeresküste alles, was man sich wünschen kann: Baudenkmäler aus unterschiedlichen Epochen, viel Tradition, eine herzhafte lokale Küche und erstklassigen Wein. Dazu jede Menge unberührter Natur mit einigen Bergen. Das Shar-Gebirge an der Grenze zu Kosovo und Albanien ragt bis über 2.700 Meter auf und eignet sich zum Biken und Wandern – dort hat kürzlich auch der High Scardus Trail, ein 495 km langer Wanderpfad entlang der dramatischsten Gipfel, eröffnet. Der Mavrovo-Nationalpark im Westen lässt sich besonders gut im Pferde-Sattel erkunden.

Selbst das fehlende Meer macht der zauberhafte Ohridsee wett. Das UNESCO-geschützte Naturwunder zählt zu den tiefsten Seen Europas. Hier kann man Campen, Kajaken und im Galičica-Nationalpark Mountainbiken – am Ufer laden mittelalterliche Kirchen (im Bild die Kirche des hl. Johannes von Kaneo) mit ihren Wandmalereien zu einem Besuch.

  • Gut zu wissen: Die vom Vardar-Fluss geteilte Hauptstadt Skopje lockt mit viel Flair und zahlreichen Ufer-Cafés.
  • Fair reisen: Die Billig-Airline WizzAir fliegt den Ohridsee von Wien direkt an – zugegeben verlockend. Nach Skopje fahren aber auch etliche internationalen Fernbusse und Züge.

Unsere Nordmazedonien-Stories:

Die Entdeckung der Einsamkeit: Pferdereiten in Mazedonien
Schon mal mit dem Pferd durch die Berge Mazedoniens geritten? Wir schon! Unser Autor erklärt, warum das auch für Nicht-Reiter – so wie für ihn selbst – ein herausforderndes, dafür aber umso intensiveres Abenteuer ist. Und die wahrscheinlich beste Art und Weise, das kleine, unbekannte Balkanland mit seinen Leuten kennenzulernen.

3. Italien

Den Stiefel neu anprobieren

Italien Reise 2020 Castelmezzano
Foto: mauritius images/ StevanZZ / Alamy
Castelmezzano in der süditalienischen Basilikata

Italien kennt doch jeder. Wirklich? Die Touristenstrände an der Adria und der Trevi-Brunnen in Rom sind nicht alles. Wer denkt, den großen Stiefel schon durchgelatscht zu haben, war vielleicht noch niemals in der dünn besiedelten Region Basilikata in Süditalien (Bild). Dort, bei Matera, kann man im Naturpark Parco Naturale di Gallipoli Cognato zwischen den bizarren Kalksteinfelsen der Lukanischen Dolomiten wandern und mit Glück Wildkatzen (mit Pech Wölfen) begegnen. 

Ebenfalls ein Wanderparadies – noch dazu mit Meeresblick – sind die Cinque Terre an der italienischen Riviera. Die Wanderpfade führen hier zwischen den bunten Küstendörfern durch Weinterrassen und Olivenhaine. Und in Varazze in Ligurien lässt es sich herrlich einsam Bouldern und Surfen.

Oder wie wäre es auf Flohmarkt-Rennrädern durch das schönste Stück der Toskana zu radeln? Über alte Schotterwege („strade bianche“) und mit Chianti statt Wasser in der Trinkflasche – die jährliche Kult-Radrundfahrt L’Eroica macht es möglich. Auf Sizilien lockt der aschgraue, über 3.300 m hohe Ätna zu einer abenteuerlichen Tagestour und die Mittelmeerinsel Sardinien kann der Karibik locker das Wasser reichen.

  • Gut zu wissen: Matera war 2019 Europäische Kulturhauptstadt. Im Jahr darauf ist der Trubel geringer, die Stadt aber um nichts weniger sehenswert.
  • Fair reisen: Wer an der L’Eroica teilnimmt, erlebt nicht nur ein einzigartiges Abenteuer auf Vintage-Rädern – die Veranstalter setzen sich auch für den Erhalt der „strade bianche“ der Toskana ein.

Unsere Italien-Stories:

Foto: mauritius images/ Alamy RF / RooM the Agency
Italien kennt doch jeder. Wirklich? Wer denkt, den großen Stiefel schon durchgelatscht zu haben, war vielleicht noch niemals in der dünn besiedelten Region Basilikata in Süditalien mit ihren bizarren Kalksteinfelsen. Oder in den Cinque Terre an der italienischen Riviera, wo die Wanderpfade zwischen den bunten Küstendörfern durch Weinterrassen und Olivenhaine führen. Oder wie wäre es auf Flohmarkt-Rennrädern durch das schönste Stück der Toskana zu radeln? Über alte Schotterwege („strade bianche“) und mit Chianti statt Wasser in der Trinkflasche?

4. Griechenland

Land der Berge

Griechenland Wandern 2020 Vikos-Schlucht
Foto: mauritius images/ ClickAlps RM / Nave Orgad
Die Vikos-Schlucht im Epirus

Griechenlands Tourismus boomt – seit der kapitalen Wirtschaftskrise vor 10 Jahren hat sich die Zahl der Reisegäste verdoppelt. Diese Entwicklung birgt natürlich auch die Gefahr überlaufener Ausflugs-Ziele und überteuerter Angebote. Die Lösung: Man lässt überfüllte Urlauber-Hochburgen wie Santorin links liegen und erkundet die unbekannte Naturwildnis der „Wiege der Zivilisation“.

Denn jenseits der Massenstrände besteht Griechenland zu fast 80 Prozent aus gebirgiger Landschaft! Wer wusste, dass die bis zu 900 Meter tiefe Vikos-Schlucht (Bild) laut Guinness Buch der Rekorde als tiefste Schlucht der Welt gilt? Der Canyon ist das Highlight im dünn besiedelten Vikos-Aoos-Nationalpark im Nordwesten des Landes, wo man beim Wandern noch auf wilde Pferde und sogar Wölfe treffen kann. Auch auf der Badeinsel Korfu lässt es sich zu Fuß ordentlich Höhenmeter sammeln, mit prächtigen Blicken aufs Ionische Meer.

  • Gut zu wissen: Das griechische Fremdenverkehrsamt ist gerade dabei, mit dem Epirus-Trail den mit rund 400 km längsten Wanderweg Griechenlands zu etablieren.
  • Fair reisen: Einfacher als mit dem Zug gelangt man derzeit per Fernbus nach Griechenland – etwa von Wien über Sofia nach Athen in rund 14 Stunden. Die Suchmaschine OMIO bietet ein gutes Tool zur Recherche von Bus- und Zug-Verbindungen in ganz Europa.

Unsere Griechenland-Stories:

Griechenland Zagoria Trek
Weiße Strände, blaue Dächer: so kennt man Griechenland auf der Postkarte. Der Vikos-Aoos-Nationalpark im Nordwesten zeichnet ein neues Bild des Urlaubsklassikers. Unsere Autoren wanderten dort in der Abgeschiedenheit der Berge und erhielten atemberaubende Blicke in die tiefste Schlucht der Welt.

5. Norwegen

Mit dem Tesla durch „Mittelerde“

Norwegen Outdoor 2020 Senja
Foto: Daniel Kudernatsch
Unterwegs auf der Halbinsel Senja

Norwegen ist eigentlich ein Outdoor-Klassiker, doch spricht gegenwärtig sogar noch mehr für dieses Reiseziel als bisher. Die schier nicht von dieser Welt anmutende Naturkulisse der Skandinavier kann nämlich äußerst umweltbewusst und nachhaltig bereist werden. Kein anderes Land ist in Sachen Elektromobilität weiter – jedes zweite neu zugelassene Fahrzeug in Norwegen ist bereits elektrisch oder als Hybrid unterwegs, wobei zum größten Teil mit erneuerbarer Wasserenergie „getankt“ wird.

Also: E-Mietwagen schnappen und mit Vergünstigungen bei Parken, Maut und Fähren emissionsarm das Land der Fjorde erkunden, das selbst im einsamen Hochgebirge ausreichend Ladestationen bietet. Ein wildes, durchaus bergiges Wanderparadies ist beispielsweise der Nationalpark Jotunheimen. Wer eine Alternative zu den herrlichen Lofoten sucht, sollte unbedingt auf die Halbinsel Senja – Einsamkeit garantiert.

  • Gut zu wissen: Aufgrund des schwachen Kronenkurses ist Norwegen für Urlauber aus dem Euro-Raum aktuell relativ günstig.
  • Fair reisen: Immer mehr Unterkünfte in Norwegen bieten ihren Gästen E-Bikes zum Erkunden der Umgebung an. Auch mit den elektrisch angetriebenen Zügen kommt man gut voran und mit der Future of the Fjords fährt das erste vollelektrische Schiff der Welt durch den wunderschönen Nærøyfjord. Allgemeine Infos zur E-Mobilität in Norwegen.

Unsere Norwegen-Reisestories:

Foto: Simon Schöpf
Fjorde, Inseln, Hochgebirge – Norwegens Naturreichtum mutet manchmal eher wie aus „Herr der Ringe“ und nicht wie von dieser Welt an. Wir haben hier unsere besten Reise-Stories aus dem hohen Norden gesammelt.

6. Belgien

Über das jüngste Gebirge der Welt

Belgien Reise 2020
Foto: mauritius images / Buiten-Beeld / Wouter Pattyn
Schloss Blankaart in Westflandern

Belgien? Richtig gelesen! Das zwischen Deutschland und Frankreich eingekeilte Land ist eher für seine Fritten und als EU-Hauptsitz, denn als Outdoor-Reiseziel bekannt.

Da die Comic-verrückten Belgier bekanntlich eine Vorliebe für Skurriles hegen, präsentieren sich auch deren Weitwanderwege etwas anders. Das Gebirge für den 280 Kilometer langen Sentier des Terrils etwa haben sie sich gleich selbst erschaffen. Hier wandert es sich über die Schuttberge ehemaliger Kohlegruben, bis zu 360 m hoch, einmal quer durch Wallonien – die einzige von Menschenhand geschaffene Bergkette weltweit und in keinem Atlas zu finden.

Ebenfalls bestens zum Wandern und Kajaken geeignet: Die waldreiche Hügellandschaft der Ardennen unter der sich eines der eindrucksvollsten Höhlensysteme Nordeuropas verbirgt (Tour z.B. in Han-sur Lesse). An der belgischen Nordseeküste, etwa in Ostende, kommen Baderatten und Strandspaziergänger auf ihre Kosten.

  • Gut zu wissen: Nach Belgien gelangt man gut mit dem Zug (ICE/ Thalys). Ab 19. Jänner 2020 gibt es sogar einen ÖBB-Nachtzug nach Brüssel.
  • Fair reisen: Belgien hat ein flächendeckendes Bahnnetz – die belgische Bahn bietet zudem ermäßigte Tickets und Hotel-Kombis zu beliebten Zielen im Grünen.

Unsere Belgien-Stories:

Sentier des Terrils in Belgien
„Transterrilienne“ – das klingt irgendwie nach Outdoor-Abenteuer. Und das trifft auch zu, obwohl es in Belgien und in einem der am dichtesten besiedelten Landstriche Europas liegt. Françoise Hauser hat die weltweit einzige von Menschen erschaffene Bergkette erkundet und ist auf dem Sentier des Terrils einmal quer durch Wallonien gewandert.

7. Slowakei

Klein, aber oho!

Bergwanderer am Bystrá (2.248 m) im Tatra-Nationalpark

Outdoor-Fans finden im Norden der Slowakei eine veritable Sensation: die Hohe Tatra, ein Teil der Karpaten, gilt als kleinstes Hochgebirge der Welt!

Im 1949 eröffneten Tatra-Nationalpark (TANAP) wandert es sich in einer äußerst fotogenen Landschafts-Kulisse mit über 100 Bergseen, einigen Wasserfällen und Gipfeln, die sich bis 2.655 m erheben (Gerlachovský štít). In dem 1993 zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärten Naturjuwel leben Steinadler, Braunbären, Tatramurmeltiere und Gämsen. Letztere unterscheiden sich deutlich von ihren alpinen Artgenossen und sind streng geschützt.

Ein weiterer Unterschied zu den Alpen: Die Hohe Tatra lässt sich noch wesentlich günstiger bereisen. Allerdings sind die touristischen Hochgebirgs-Wanderwege des Tatra-Nationalparks in der Zeit vom 1.11. bis 15.6. geschlossen. Ausgangspunkt für einen Besuch des TANAP ist die Stadt Poprad sowie die Erholungszentren Starý Smokovec, Tatranská Lomnica und Štrbské pleso.

Wer auch andere Teile der Slowakei bereisen will, sollte seine teilweise UNESCO-gelisteten Blockhaus-Dörfer und Holzkirchen besichtigen oder ins Gebiet Slovenský kras (Slowakischer Karst) an der südlichen Grenze zu Ungarn fahren – im größten Karstgebiet Mitteleuropas finden sich über 1.000 Höhlen und Schluchten.

  • Gut zu wissen: Der polnische Teil der Hohen Tatra (rund ein Drittel des Gesamtgebiets) um Zakopane ist nicht minder schön, tendenziell aber überlaufener. Wir haben ihn im Winter besucht.
  • Fair reisen: In Sachen Busverkehr gehört die Slowakei zu den höchst entwickelten Staaten Europas. Von Bratislava aus sind so gut wie alle Ziele günstig erreichbar. Von Wien nach Bratislava dauert es per Zug, Bus (Flixbus ab 1 EUR) oder Fähre nur rund eine Stunde.

8. Taiwan

Zurück zur Natur im High-Tech-Land

Die Li-Song-Quelle im Dschungel des Zentralgebirges

Mit Taiwan haben wir schon in unserer letztjährigen Länder-Liste geliebäugelt – mittlerweile ist die fernöstliche Insel vor der Küste Chinas von uns ausgiebig bereist worden und wir sind mehr denn je überzeugt: Das High-Tech-Land, aus dem eine Vielzahl unserer Elektrogeräte kommt, hat auch für Outdoor-Fans einiges zu bieten!

Gerade wer abseits des Mainstreams reisen möchte, wird auf der subtropischen Insel fündig: Das Zentralgebirge zählt 200 Dreitausender mit dem 3.952 m hohen Yushan als höchsten Gipfel. Von Einheimischen und chinesischen Touristen vielbesucht, aber dennoch spektakulär, ist der Taroko-Nationalpark, der von der gleichnamigen Marmorschlucht durchzogen wird. Wer hier den Nervenkitzel sucht, wandert über den stellenweise nur einen Meter breiten Zhuilu Old Road-Klippentrail hunderte Meter über dem Talboden (nur 96 Personen pro Tag erhalten einen Permit).

Zwei echte Geheimtipps: Von Taipeh aus geht es mit dem Schmalspurzug nach Sandiaoling mit seinem Wasserfall-Trail – ein vergessener, allmählich wieder als Hiker-Paradies aufblühender Ort. Oder wie wäre es, sich mitten in der Abgeschiedenheit der Berge mit einem lokalen Guide zur heißen Li-Song-Thermalquelle (Bild) abzuseilen und im Dschungel-Jacuzzi zu suhlen?

  • Gut zu wissen: China sieht Taiwan als abtrünnige Provinz – eine Entwicklung wie in Hongkong, wo in den letzten Monaten eine antichinesische Protestbewegung aufflammte, ist nicht absehbar, aber möglich.
  • Fair reisen: Taiwan zählt 16 Ureinwohner-Stämme, deren Angehörige zunehmend im Tourismus ihren Unterhalt verdienen. Es lohnt sich, das reiche indigene Erbe der Insel kennenzulernen. Etwa mit einem Besuch des Ureinwohner-Dorfes Luan-Shan im südöstlichen Landkreis Taitung.

Unsere Taiwan-Stories:

Taiwan Reise Outdoor
Taiwan ist mehr als nur der Hersteller von Elektrogeräten. Bergwelten-Redakteur Martin Foszczynski hat die fernöstliche Insel vor der Küste Chinas bereist und berichtet von ihren Naturschätzen und Outdoor-Abenteuern.

9. Ecuador

Ins grüne Herz Südamerikas

Reise Outdoor Ecuador 2020
Foto: mauritius images / nature picture library / Tim Laman
Morgennebel über dem Tiputini-Fluss im Yasuní Nationalpark

Am Morgen an der Pazifikküste, abends auf einem Anden-4.000er und tags darauf im Regenwald Amazoniens. Im wohl kompaktesten Reiseland Südamerikas ist das möglich! Mit den vorgelagerten Galápagos-Inseln bietet Ecuador zudem ein ganz und gar urzeitliches Erlebnis im Zeichen von Vulkanen und Meerechsen.

Wandern lässt es sich im angenehmen Hochland-Klima rund um Vilcabamba, in Anden-Tälern wie dem Intag Valley oder durch den weltweit einzigartig artenreichen Tropen-Urwald des Yasuní Nationalparks (Bild) – den größten des Landes. Dort, im Niederschlagsgebiet der Anden, gibt es mehr Baumarten als in den USA und Kanada zusammen und auf einem einzigen Baum können mehr Insektenarten leben als in ganz Europa. Der Regenwald, in dem noch einige indigene Volksgruppen von der übrigen Welt isoliert leben, darf nur mit Guides erkundet werden – sie bieten neben Wanderungen auch Kanu-Trips an.    

  • Gut zu wissen: Unter dem Yasuní-Urwald wurden erhebliche Ölvorkommen lokalisiert – weshalb er von Öl- und Holzkonzernen bedroht wird. Die Haltung der ecuadorianischen Regierung ist ambivalent – umso wichtiger ist es, den Öko-Tourismus der Region zu fördern.
  • Fair reisen: Ecuador gilt als Trendsetter in Sachen Öko-Tourismus – als Reisender sollte man zum Schutz des Naturschatzes unbedingt auf die vielfältigen Angebote zurückgreifen. Im Yasuní-Nationalpark kann man beispielsweise auch Indigene Stämme besuchen und in deren Dschungel-Camps übernachten. Fahrten mit dem Touristenzug Tren Ecuador unterstützen lokale Kommunen und in der recht luxuriösen Mashpi Lodge kann man mit Wissenschaftlern den Regenwald erkunden.
  • In der Region: Der Amazonas-Regenwald ist wegen seines Artenreichtums und seiner Rolle in der Klimaregulierung der wichtigste Wald unseres Planeten. Der bei weitem größte Teil, etwa 60 Prozent, befindet sich in Brasilien. Gleichzeitig ist es wohl jenes Land, dass 2019 durch die beispiellosen Waldbrände und seinen untätigen Präsidenten in Sachen Klima-Schutz für die negativsten Schlagzeilen sorgte. Etwa 20 Prozent des Amazonas-Regenwaldes Brasiliens sind bereits durch Brandrodung zerstört, 2019 hat sich die Abholzung fast verdoppelt. Ähnlich wie in Ecuador kann man durch rücksichtsvolle Reisen im Zeichen des Alternativtourismus zur Bewahrung des Waldes beitragen. Ausgangspunkt für Expeditionen in Reservate des brasilianischen Amazonas ist die Stadt Manaus.

Unsere Ecuador-Stories:

10. Colorado/ USA

Am Fuße der Rocky Mountains

Colorado Outdoor Reisen 2020
Foto: mauritius images / nature picture library / Shattil & Rozinski
Hirsche vor der Skyline von Denver und den Rocky Mountains im Hintergrund

Der Bundesstaat Colorado steht bei USA-Reisenden immer noch im Schatten von „Wildwest-Klassikern“ wie Utah und Arizona mit ihren Riesen-Canyons. Dabei hat das Land, in dem der Colorado-River entspringt, von über 4.000 m hohen Bergen bis zu Schluchten zahlreiche Naturperlen zu bieten und setzt zunehmend auf nachhaltigen Tourismus.

Schon die hippe Hauptstadt Denver, für ihre Art-Museen, Food-Szene und über 70 Bierbrauereien bekannt, ist von etlichen Waldreservaten und dem Rocky Mountains Nationalpark umzingelt. Im Hintergrund erheben sich die schneebedeckten Berggipfel der südlichen Rocky Mountains, von denen Colorado durchzogen wird (und die es im Schnitt zum höchstgelegenen Bundesstaat der USA machen).

Neben Bergwanderungen und Mountainbike-Touren wird in Colorado fleißig dem Wassersport gefrönt. Umweltschonende Rafting-Touren werden z.B. auf dem Arkansas River oder im Glenwood Canyon des Colorado Rivers angeboten. Besonders einsam wandert es sich im Naturjuwel des Arapaho National Wildlife Refuge, das in einem Gletscherbecken gelegen ist.

  • Gut zu wissen: Der Amtrak-Zug California Zephyr hält auf der Strecke Chicago-San Francisco täglich in Denver. Im Winter kann man wunderbar in den nahen Rocky Mountains Skifahren, die Unterkünfte sind dann deutlich günstiger.
  • Fair reisen: Nachhaltige und informative Natur-Expeditionen bietet das Walking Mountains Science Center – so etwa geführte Gratis-Touren im hübschen Eagle River Valley. Weitere Angebote im Zeichen des Ökotourismus findet ihr auf der Webseite des Colorado Tourismusbüros.

Unsere Autorin Ana Zirner hat ihr letztjähriges Fluss-Abenteuer in Colorado gestartet:

Ana Zirner Colorado River
Ana Zirner folgt zurzeit dem Colorado River – 2.330 km, von seinem Ursprung in den Rocky Mountains bis an den Golf von Kalifornien in Mexiko. Auf ihren ersten Wegstrecken im tief winterlichen Colorado macht sie interessante Bekanntschaften: mit dem zugefrorenen Fluss ebenso wie mit betenden Truckern.

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Foto: Daniel Kudernatsch
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