Touren und Infos

Cinque Terre: Wandern an der italienischen Riviera

Touren-Tipps • 26. März 2019
von Peter Righi

An der italienischen Riviera lässt es sich wunderbar mit Meeresblick durch Weinberge und Olivenhaine wandern – vor allem im Frühjahr. Peter Righi stellt uns die schönsten Touren im Nationalpark Cinque Terre vor und hat praktische Tipps.

Cinque Terre Wandern Touren
Foto: mauritius images/ Alamy RF / RooM the Agency
Wanderweg hoch über Corniglia in den Cinque Terre

Die Cinque Terre, die fünf Dörfer an der bizarren Steilküste südlich von Genua, sind vielen zumindest als Postkartenmotiv bekannt. Doch die Bilderbuch-Küstenlandschaft mit ihren bunten Dörfern und steilen Weinbergen gibt auch ein spektakuläres Wander-Gebiet ab, in dem sich Gehen und Genießen wunderbar miteinander verbinden lassen.

Rund 120 km Wanderwege führen durch den Nationalpark Cinque Terre, der zugleich Weltkulturerbe ist und die romantischen Küstendörfer Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore umfasst. Die Nationalparkverwaltung bemüht sich die Natur- und Kulturlandschaft zwischen der Küste und den Bergen im Hinterland, die geschichtsträchtigen Dörfer und Orte der Spiritualität mit gepflegten (und neu markierten) Wanderwegen zu vernetzen. Vor allem im Frühjahr, wenn die reiche Vegetation an dem milden Küstenstreifen in voller Blüte steht, sind die Wanderwege stark frequentiert.

Wandern mit Meeresblick

Die alten Pfade hoch über dem Meer führen mit fantastischer Aussicht durch sonnige Weinberge und Olivenhaine sowie entlang von Trockenmauern und steilen Hängen, die mit Ginster, Kakteen und Wolfsmilch bewachsen sind. Keine Neubauten, Bettenburgen und kein Autoverkehr stören dieses Bild. Inmitten dieser spektakulären Natur- und Kulturlandschaft tauchen immer wieder alte Dörfer und Wallfahrtsorte auf. Im Gegensatz zu den sanft abfallenden Stränden südlich von La Spezia ist die Küste der Cinque Terre schroff und felsig. Auch die Wanderwege sind an vielen Stellen steil und nur mit passendem, festem Schuhwerk sicher begehbar.

Der Sentiero Azzurro (hellblaue Weg) führt aussichtsreich über Saumpfade und Treppen

Monterosso ist das nördlichste und mit 1.500 Einwohnern größte der fünf Dörfer in den Cinque Terre. Wer schlau ist, reist mit dem Zug vom mittelalterlichen Levanto oder von La Spezia an, denn für PKWs ist entlang der Steilküste eigentlich kaum Platz und die begehrten Parkplätze sind nicht gerade günstig. Der Bahnhof liegt direkt im Zentrum, die Züge verkehren im Halbstundentakt zwischen den Dörfern und die Wanderwege sind gut ausgeschildert. Die weiteren Orte, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore im äußersten Südosten der ligurischen Riviera verteilen sich auf einen Küstenstreifen von nur 9 km Länge.

Gutes Schuhwerk ist Pflicht

In den Cinque Terre gilt eine gesetzliche Richtlinie für korrektes Schuhwerk. Wer die Wanderwege im Nationalpark mit unzureichender Schuhbekleidung (Sandalen, Flip-Flops) betritt, muss mit Sanktionen rechnen. Mit der Maßnahme wollen die Behörden den zahlreichen Verletzungen vorbeugen, die sich Touristen immer wieder durch ungeeignete Fußbekleidung zuziehen. Vorerst informiert eine Kampagne der Nationalparkverwaltung über das „Flip-Flop-Verbot“ – in Zukunft ist für das Tragen von Badelatschen aber mit Geldstrafen zwischen 50 und 2.500 Euro zu rechnen.

3 Tourentipps: Wandern in den Cinque Terre

Der „Sentiero Azzurro“ – der hellblaue Weg

Der „Sentiero Azzurro“ ist der bekannteste und beliebteste Weg. Er ist im Laufe der Jahrhunderte als Dorfverbindungsweg entstanden und war neben dem Seeweg die einzige „Straße“ zwischen den Orten. Die Route von Riomaggiore nach Monterosso ist ca. 12 km lang, den höchsten Punkt erreicht man in Prevo. Die Strecke besteht aus einfachen Wegen, Saumpfaden und Treppen (ca. 2 km), der Rest besteht aus der Strandpromenade – der vielbesuchten „Via dell’Amore“. Meine Empfehlung: Man sollte sich auf dieser Wanderung Zeit lassen, die Orte besuchen oder am Weg öfters mal eine Pause einlegen. Am besten ist es, wenn man die Strecke in Etappen begeht.

Die bunten Dörfer von Cinque Terre
Keiner ist so bekannt und so bliebt wie er: Der Sentiero Auzzuro" - der blaue Weg, der die Dörfer der Cinque Terre miteinander verbindet. Es gibt so viel zu sehen, so viel zu bestaunen - für diesen Weg sollte man sich Zeit nehme, denn hier ist eimal mehr der Weg das Ziel.

Der „Sentiero del Crinale“ – der Höhenweg der Cinque Terre

Der „Sentiero del Crinale“ ist ein historischer Verbindungsweg, der bis auf die Römerzeit zurückgeht und der entlang der Wasserscheide verläuft, die die Küste vom Landesinneren trennt. Die gesamte Strecke, wovon ein beachtlicher Teil innerhalb der Cinque Terre verläuft, beginnt im Westen in Levanto und endet im Südosten in Portovenere. Er erstreckt sich über mehr als 40 Kilometer und erreicht eine Höhe von 800 Metern, wobei man einen Höhenunterschied von etwa 1.300 Metern bewältigt. Der Höhenweg kreuzt mehrere Wanderwege, die sowohl in Richtung Meer als auch in Richtung Genua und in das Val di Vara verlaufen. Es ist empfehlenswert den Weg in Etappen aufzuteilen und entlang der Strecke zu übernachten.

Cinque Terre - Blick aufs Meer
Er geht bis in die Römerzeit zurück - der historische Verbindungsweg „Sentiero del Crinale“. In drei Etappen führt er entlang der Wasserscheide zwischen Küste und Landesinneren und bietet faszinierende Panoramen über einen der schönsten Abschnitte der Ligurischen Küste. 

„La Via dei Santuari” – Der Weg der Wallfahrtskirchen

Jeder Ort der Cinque Terre hat im Hinterland seine Wallfahrtskirche. Die fünf Kirchen, die mit den Orten durch steile Eselspfade verbunden sind, werden nicht nur von Wanderern, sondern auch von Kirchgängern und Pilgern begangen. Die „Via dei Santuari“ ist eine geschichtsträchtige Wegstrecke von Monterosso nach Vernazza, die man zu Fuß, zu Pferd oder mit dem Fahrrad zurücklegen kann. Auf den als Terrassen angelegten Grundstücken, Gemüsegärten und malerischen Ortschaften, erlebt man ein unvergleichbares Panorama über die Cinque Terre. Ein einfacher Wanderweg, der auch in verschiedenen Etappen unterteilt werden kann.

Im Frühling ist eine Wanderung in Cinque Terre besonders empfehlenswert
Der Weg der Wallfahrtskirchen

Cinque Terre: Il Sentiero dei Santuari

Jedem Ort seine Wallfahrtskirche - so hält man es in Cinque Terre, wo jeder Ort am Meer im Hinterland eine stattliche Wahlfahrtskirche aufzuweisen hat. Steile Eselpfade verbinden die Kirchen mit dem Meer und umgekehrt und werden heute noch genauso genutzt wie in vergangenen Tagen. 

Praktische Tipps

Cinque-Terre-Card: Die vier Haupt-Wanderwege im Nationalpark der Cinque Terre sind gebührenpflichtig. Es gibt zwei Arten von Eintrittskarten, die Cinque Terre Card Trekking und Cinque Terre Card Treno (inklusive Zug) die unterschiedliche Gültigkeitsdauern und Leistungen beinhalten.

Die Cinque Terre Card (Tageskarte) erhält man am Eingang der Wanderwege und sie kostet dieses Jahr 7,50 Euro. Andere Eintrittskarten für z.B. nur eine Wanderstrecke sind nicht erhältlich. Dafür kann man mit der Card aber auch den Bus auf dem Parkgelände gratis benutzen. Mit der Cinque Terre Card Treno für 16 Euro darf man auch den Zug benutzen (man muss das Ticket aber vor dem Einsteigen abstempeln). Die anderen Wege sind nicht gebührenpflichtig. Hier geht's zur Cinque Terre Card 2019.

Wanderwege-App: Mit der Wanderwege-App der Nationalparkverwaltung erhält man sämtliche Informationen über den Zustand der Wege. Die App ist kostenlos.

Ultralauf-Event: „Sciacchetrail“ so nennt sich ein kleiner Ultralauf, der Anfang April mit 47 km und 2.650 Höhenmetern durch die Cinque Terre-Dörfer führt. Das Besondere am „Sciaccetrail-Lauf“ ist, dass er auf 300 Teilnemhmer limitiert ist: www.sciacchetrail.com.

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