Wandern in Cornwall
Foto: mauritius images/ incamerastock
Reise

Cornwall – ein Wanderparadies im Südwesten Englands

Reise • 13. Juli 2020
von Markus und Janina Meier

Cornwall war die romantische Kulisse etlicher Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen – doch der Südwesten Englands ist auch ein großartiges Urlaubsziel für Wanderer. Janina und Markus Meier berichten von einem besonderen Urlaub zwischen sattem Grün, sagenumwobenen Steinen und tief abfallenden Steilklippen.

Grau und nass – so habe ich mir England vorgestellt. Daher war ich zuerst auch nicht besonders begeistert, als seitens meiner Frau die Idee aufkam, nach Cornwall zu reisen. Janina hat aber nicht losgelassen und gesagt, dass es sich um eine traumhafte Gegend handelt. Sie war schließlich schon einmal dort.

Unsere Ankunft in Tintagel nach einer dreistündigen Autofahrt von Bristol bestätigt mein Vorurteil. Ein Ausflug zur Küste in der Nähe des Castles, in dem angeblich König Artus gezeugt wurde, ist ziemlich windig und feucht. Umso positiver bin ich von der englischen Gastfreundschaft überrascht. Das Essen und das Ale im Pub schmecken vorzüglich. Vor allem der Sticky Toffee Pudding wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Apropos Essen – die englische Küche ist viel besser als ihr Ruf. Insbesondere frischer Fisch wird hier gerne gegessen und äußerst schmackhaft zubereitet.

Umso größer ist die Überraschung als am nächsten Tag die Sonne scheint und sich die Küste von ihrer schönsten Seite zeigt: tiefblaues Wasser, aus dem sich eindrucksvolle Felsen erheben, und viele blühende Blumen am Wegesrand. Daher nutzen wir diesen Tag zum ausgiebigen Fotografieren – wer weiß, wie lange das Wetter so schön bleibt, schließlich sind wir doch in England.

Aber ich habe mich getäuscht – in vier Wochen Cornwall erleben wir genau zwei Regentage. An allen anderen Tagen scheint die Sonne satt und oft ist es sogar ziemlich warm.

Wandern in Cornwall
Foto: Markus und Janina Meier
Traumhafte Landschaft zwischen Tintagel und Boscastle

Zum südlichsten Punkt Englands

Am Ende dieses wunderschönen Tages machen wir uns auf den Weg in den Südwesten, genauer gesagt auf die Penwith Peninsula bei Penzance. Hier beziehen wir unser gemütliches Cottage und erkunden die nächsten Tage die Küste. Natürlich wollen wir zu Beginn gleich zum westlichsten Punkt der Küste – Land’s End. Dieser Ort ist zwar landschaftlich spektakulär, aber leider auch ziemlich überlaufen, sodass wir schnell weiterziehen.

Die gesamte Westküste ist aber so beeindruckend, dass meine Begeisterung von Minute zu Minute steigt. Am Horizont erkennen wir einen Leuchtturm auf einer Inselgruppe, in der Nähe begeistern die steilen Felsen und im Vordergrund die herrlichen Blumen links und rechts des Weges. Entlang der gesamten Küste von Cornwall verläuft der Küstenpfad, auf dem man auch nur Abschnitte entlang spazieren kann. Von Land’s End kann man bis an die Südküste wandern. Hier befindet sich das Minack Theatre. Dieses Freilichttheater steht direkt über dem Meer in der Nähe von Porthcurno. 1920 erwarb Rowena Cade das Gelände. Nach 1930 ließ sie in ihrem Garten, der zum Meer abfiel, eine Bühne und Sitzplätze errichten. Wer einmal die Möglichkeit hat, sollte ein Theaterstück besuchen.

Ebenfalls im Süden liegt die Lizard Halbinsel mit dem Lizard Point, dem südlichsten Punkt von England. Auf dem Weg von Penzance zum Lizard kommt man am St. Michael’s Mount vorbei. Die Sehenswürdigkeit ähnelt stark Mont Saint-Michel in Frankreich, ist aber nicht ganz so berühmt. Auch um die Lizard Halbinsel führt der Küstenpfad herum und kann begangen werden. Auf der Lizard Halbinsel befindet sich die besonders bei Einheimischen berühmte Roskilly Farm. Denn hier gibt es die beste Eiscreme in Cornwall. Diesen Abstecher muss man einfach unternehmen.

Eis an der Roskilly Farm

Romantische Cottages und Cream Tea

In Cornwall fühlt man sich dank der großartigen Gastfreundschaft absolut willkommen. Das haben wir gleich bei unserer ersten Nacht im Bosayne Guest House in Tintagel erleben dürfen. Wer einen wirklich beschaulichen Urlaub genießen möchte, der mietet sich für eine Woche ein Cottage. Meistens handelt es sich dabei um kleine, schön renovierte Steinhäuser, in denen man die Woche genießen kann. Abends hat man dann die Qual der Wahl, ob man sich frischen Fisch holt und selbst kocht, oder in eines der zahlreichen Restaurants oder Pubs geht und die hervorragende englische Küche genießt. Viele Wanderungen kann man so gestalten, dass man am frühen Nachmittag Zeit für eine Pause hat. Dann gönnt man sich natürlich keinen Kaffee – wir sind ja in England – sondern Cornish Cream Tea. Zum Tee werden Scones mit Clotted Cream, einer butterartig eingedickten Sahne, und Marmelade serviert. Wenn man sich diese Leckereien täglich gönnt, muss man am Abend fast noch eine Wanderung gehen. Hierfür empfehlen sich kurze Runden, wie die Meerwanderung im Norden beim Pentire Point oder die Flusswanderung bei Lerryn.

Abendstimmung am Pentire Point

Gräber, Steinkreise und ehemalige Zinkminen

Gerade im Landesinnern trifft man schnell auf historische Megalithanlagen. Dazu muss man nicht einmal eine große Wanderung unternehmen. Bei Minions am Rande des Bodmin Moores trifft man den Steinkreis der Hurlers. Von weiter oben grüßt die eindrucksvolle Steinformation des Cheesewring. In der Umgebung sieht man auch die Ruine einer Mine. Diese findet man vermehrt in Cornwall. Wurde hier doch im 19. Jahrhundert mehr als die Hälfte des weltweiten Zinkbedarfs abgebaut. Die Reste der Minenindustrie gehören heute zum Weltkulturerbe. Auf vielen Wanderungen kommt man an den übriggebliebenen Ruinen vorbei. An der Nordküste kann man mit der Geevor Tin Mine eine Schaumine besuchen.

Neben Steinkreisen findet man noch weitere „seltsame Gebilde“. Portalgräber, sogenannte Quoits. Dabei handelt es sich um senkrechte Megalithen, die eine große Deckplatte stützen. Direkt neben der Straße steht der Lanyon Quoit. Nicht weit von ihm befindet sich Mên-an-Tol, ein 3.000 bis 4.000 Jahre alter, aufrecht stehender Lochstein. Viele Sagen ranken sich um dieses seltsame Gebilde. So sollen Rückenschmerzen geheilt werden oder Kinder von Krankheiten geschützt werden, wenn man durch das Loch kriecht. Im Moor hinter dem Mên-an-Tol befindet sich der Steinkreis der Merry Maidens – in Cornwall kann man sich ganz auf historische Forschungsreise begeben.

Wandern in Cornwall
Foto: Markus und Janina Meier
Beeindruckend: Der Lanyon Quoit

Die wilde Nordküste

Den Abschluss unserer Cornwall-Wanderreise bildet noch einmal ein Abstecher zur eindrucksvollen Nordküste. Wir haben sie bereits zu Beginn in Tintagel kennengelernt. Allerdings befinden wir uns etwas weiter westlich bei Rock in einem sonnendurchfluteten Cottage. Mit der Fähre fahren wir hinüber nach Padstow. Wunderschön ist dieses kleine, aber bei Touristen sehr bekannte englische Städtchen. Direkt an der Lobster Hatchery beginnt der Camel Trail. Diese Rad- und Wandertour verläuft auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse bis nach Wadebridge. Man kann sich am Beginn Fahrräder ausleihen und gemütlich entlang des River Camel entlang strampeln. Aber nicht nur Fahrradfahren kann man an der Nordküste – natürlich auch Wandern. Eindrucksvoll ist es an der Nordküste – egal ob man nach Westen wandert, oder nach Osten bis zum kleinen Hafenstädtchen Port Isaac, das durch die englische Fernsehserie Dr. Martin berühmt wurde.

Wandern in Cornwall
Foto: Markus und Janina Meier
Unterwegs an der Nordküste bei Port Isaac

Leider geht jeder Urlaub einmal zu Ende, und wir müssen Cornwall schweren Herzens verlassen. Geblieben sind viele beeindruckende Erinnerungen – spektakuläre Landschaften, nette Menschen, schmackhaftes Essen und leckeres Ale. Und der tiefe Wunsch einmal wieder zu kommen.


Infos und Adressen: Wandern in Cornwall, England

  • Lage: Cornwall liegt im Südwesten Englands. Verwaltungssitz ist die kleine Stadt Truro, die 260 Meilen südwestlich von London liegt.
  • Beste Reisezeit: Mai und Juni sowie September und Oktober. Dann ist das Wetter relativ stabil und die Gegend ist noch relativ ruhig. In den Sommermonaten verbringen viele Engländer ihren Urlaub in Cornwall.
  • Anreise: Mit dem Flugzeug von Stuttgart, Berlin oder Düsseldorf direkt nach Newquay. Ansonsten fliegt man nach Bristol oder London und fährt mit dem Mietwagen nach Cornwall. Die Anfahrt von Bristol dauert 3 Stunden, von London 5 Stunden. Man kann auch mit der Fähre von St. Malo in Frankreich nach Portsmouth fahren.
  • Unterkunft: In Cornwall gibt es viele gemütliche Bed and Breakfasts, die sich für einen schönen Aufenthalt empfehlen. Noch schöner ist es aber, ein Cottage zu mieten und dort zu übernachten. Hier können wir die Agentur Boutique Retreats mit ihren geschmackvollen Cottages empfehlen.
  • Literaturtipp: Markus und Janina Meier: Outdoor Regional Cornwall, Conrad-Stein-Verlag.

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