Alpengletscher

8 große Gletscher der Alpen

Wissenswertes • 22. Juli 2020

Sie sind die letzten Zeugen vergangener Eiszeiten. Stille, urzeitliche Riesen, und vom Aussterben bedroht: Die Alpengletscher.

8 große Alpengletscher
Foto: Foto: mauritius images/ Stefan Hefele
Vom Aussterben bedroht: Die Alpengletscher (hier die Pasterze am Großglockner)

Laut dem aktuellen Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins wurde der Gletscherschwund gegenüber den Vorjahren eingebremst – doch der Schein trügt. In der Messperiode 2018/2019 haben sich trotz des schneereichen Winters 94 Prozent der österreichischen Gletscher weiter zurückgezogen. 

Diese ernüchternde Prognose sollten wir vielleicht zum Anlass nehmen, um sorgsamer mit unserem Klima umzugehen. Ob die Gletscher in den Alpen in Zukunft wieder wachsen hängt, auch von unserem Zutun ab.

Wir stellen acht der letzten großen Alpengletscher vor. Stille, vom Aussterben bedrohte Riesen, die von längst vergangenen Eiszeiten zeugen.

1. Aletschgletscher

Berner Alpen, Wallis

Aletschgletscher mit Kuh
Foto: iStock
Aletschgletscher

Der Aletsch im Schweizer Kanton Wallis ist der größte und längste Gletscher der Alpen. Mit einer Ausbreitung von mehr als 80 Quadratkilometern und einer Zunge von fast 23 Kilometer Länge entwässert er sich über die Massa in die Rhone. Verglichen mit dem gut zehn mal so langen Antarktischen Lambert-Gletscher ist aber auch der Aletsch eher ein eisiges Kleinod.

2. Mer de Glace

Mont-Blanc-Massiv / Savoyer Alpen, Frankreich 

Das Mer de Glace im Mont-Blanc-Massiv

„Eismeer“ bedeutet der Name des größten Gletschers Frankreichs und viertgrößten Gletschers der Alpen. Er schlängelt sich aus dem Mont-Blanc-Massiv in Richtung Chamonix herab und ist dabei mit einer Geschwindigkeit von 90 Meter pro Jahr recht flott unterwegs.

Durchschnittlich 1.300 m breit und etwa 12 km lang, zeichnet sich das System des Mer de Glace ästhetisch durch seine Querbänder (Ogiven) aus.

3. Pasterze

Hohe Tauern / Glocknergruppe, Österreich

Pasterze-Gletscher
Foto: iStock
Pasterze-Gletscher

Der größte Gletscher Österreichs ist die oft gemalte und millionenfach fotografierte Pasterze am Großglockner. Wie bei allen großen Gletschergebieten der Alpen sieht man die schrumpfenden Moränen als Zeitzeugen früherer Gletscherhochstände. So hat auch die Pasterze in den vergangenen 70 Jahren etwa 60 Prozent ihrer Fläche verloren. Heute ist die Moräne nur mehr 8 Kilometer lang.

4. Schneeferner

Bayerische Alpen, Deutschland

Zugspitzplatt mit nördlichem Schneeferner
Foto: Gerdt
Zugspitzplatt mit nördlichem Schneeferner

Der größte Gletscher auf deutschem Staatsgebiet ist der nördliche Schneeferner im Zugspitzmassiv. Er umfasst eine Fläche von rund 50 Hektar und bedeckte einst die gesamte Hochebene des Zugspitzplatts.

An heißen Tagen sinkt die Eisfläche des Nördlichen Schneeferners um bis zu 11 cm. Seit 1993 werden große Teile der Eisfläche über den Sommer mit Planen abgedeckt, um die Schmelze einzudämmen. Dennoch wird er wohl bis zum Jahr 2030 so gut wie verschwunden sein.

5. Übeltalferner

Stubaier Alpen, Südtirol 

Übeltalferner in den Stubaier Alpen
Foto: Albert Backer
Übeltalferner in den Stubaier Alpen

Der Übeltalferner liegt auf der Südtiroler Seite der Stubaier Alpen und hat eine Fläche von rund 6,2 km².

Aufgrund der globalen Erwärmung hat er gerade in den letzten zwanzig Jahren einiges seiner imposanten Ausbreitung eingebüßt. Dennoch teilt er sich mit dem hauptsächlich graubündnerischen Forno-Gletscher die Ehre, Italiens größter Gletscher zu sein.

6. Gletscher des Ötztals 

Ötztaler Alpen, Tirol 

Ötztaler Gletscherzunge
Foto: iSstock
Ötztaler Gletscherzunge

Der österreichische Alpenhauptkamm wird von 30 Gletschern gekrönt. Zusammen haben sie eine Fläche von 450 km². Die Ötztaler Alpen sind anteilsmäßig ganz vorne mit dabei: Keine andere Berggruppe der Ostalpen weist eine so große Fläche in Höhenlagen über 3.000 Meter auf wie sie.

Mit dem Gurgler Ferner (9,6 km²), dem Vernagtferner (7,3 km²) und dem Hintereisferner (7 km²) sind die Ötztaler Alpen das am meisten vergletscherte Gebiet im Land.

7. Gornergletscher

Walliser Alpen, Wallis

Gorner Gletscher, Schweiz
Foto: Dufour
Gorner Gletscher in der Schweiz

Der älteste unter den alpinen Eisriesen ist der Gornergletscher am Monte Rosa im Schweizer Kanton Wallis. Nach Ansicht von Glaziologen ist er unglaubliche 2.000 bis 10.000 Jahre alt. Die Route über das Eis zur Monte-Rosa-Hütte ist beinahe ein Klima-Lehrpfad: Immer wieder musste der Weg verändert werden, weil der Gletscher absinkt.

8. Mittelbergferner

Ötztaler Alpen, Tirol 

Pitztaler Gletscher
Foto: Christian Payer
Pitztaler Gletscher

Mit etwa 10 Quadratkilometern ist der Pitztaler Gletscher der zweitgrößte Tirols. Er erstreckt sich über das südliche Ende des Pitztals. Der massive Gletscher wirkte über die Jahrhunderte furchteinflößend auf die Talbewohner.

Noch vor wenigen Jahrzehnten gab es regelmäßige Prozessionen und Messen, um den bedrohlichen Eisriesen milde zu stimmen – sogar eine Predigtkanzel wurde in das Eis gehauen. 

Mehr zum Thema

Der Taschachferner in den Ötztaler Alpen
Am 12. April 2019 stellte der Österreichische Alpenverein wie jedes Jahr seinen Gletscherbericht vor. Seit exakt 128 Jahren dokumentieren Wissenschaftler und ihre Gehilfen auf ehrenamtlicher Basis die Längenentwicklung von derzeit 93 Gletschern in Österreich – eine ununterbrochene Datenreihe, die nicht nur von wissenschaftlicher, sondern auch von gesellschaftlicher Relevanz ist. Wir haben beim Leiter des Gletschermessdienstes, Prof. Gerhard Karl Lieb, im Detail nachgefragt.
Brandenburger Haus, Ötztaler Alpen
Sie sind auf rund 3.000 Metern oder höher angesiedelt und können sich mit den wohl spektakulärsten alpinen Kulissen rühmen: Hütten in Gletschernähe. Wir stellen euch 8 Stützpunkte im „ewigen Eis“ vor.
Ötztaler Alpen, Similaun & Fineilspitze, Tirol
Der Frühling ist die beste Zeit für ausgedehnte Ski-Hochtouren. Und ausgedehnt, das sind sie allemal, die grenzgenialen Touren durch die Ötztaler Gletscherwelt im Grenzgebiet Nordtirol – Südtirol. Mit dem Similaun und der Fineilspitze findet man hier gleich zwei der begehrtesten und schönsten 3.000er der Ostalpen – und einen Ötzi gleich dazu.

Bergwelten entdecken