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Hütten

7 Hütten, 7 Alpin-Klassiker

Hütten-Tipps • 22. August 2017
von Gabi Ebner

Die wenigsten Kletter-Fans sind auf Dauer mit Halle oder Klettergarten zufrieden. Wer sich an große Wände wagt, braucht einen geeigneten Stützpunkt. Wir stellen euch 7 Hütten für 7 Alpin-Klassiker vor.

Gartlhütte, Dolomiten
Foto: mauritius images/ hwo
Dolomiten-Stützpunkt: Die Gartlhütte auf 2.621 m
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Steigt das Kletterkönnen wächst auch der Wunsch einmal die Herausforderung des alpinen Kletterns anzunehmen: Eine große Wand, viele Seillängen, die Route finden. Unvergleichlich das Gefühl, dann ganz oben zu stehen und zu wissen: Ich hab’s geschafft. Das alpine Klettern ist ein ganz besonderes Abenteuer, das Mut, Verantwortungsbewusstsein und solides Wissen über Seiltechnik und Sicherungsmethoden verlangt. Falls auch ihr es mal wissen wollt: Wir stellen euch 7 Hütten mit 7 Alpin-Klassikern als Inspiration vor.

1. Gartlhütte, 2.621 m

Italien/ Dolomiten

Von der gemütlichen Gartlhütte ist man in 15 Minuten am Einstieg der berühmten Delagokante – für viele der Dolomitenklassiker schlechthin. Stimmt, der Fels ist von vielen Begehungen schon ein bisschen speckig, aber das tut der Kletterfreude keinen Abbruch. An der sehr ausgeprägten Kante, bei der man schon mal mit einem Fuß in der Südwand und mit dem anderen in der Nordwand steht, klettert man mit viel Luft unter den Sohlen im griffreichen Dolomitenfels. Danach folgt eine ebenso luftige Abseilfahrt.

Eine Übernachtung auf der Gartlhütte lohnt sich – die beiden anderen Vajolet-Türme haben auch einige schöne Routen. Und wenn abends die hellen Kalkfelsen sich mit dem rotem Glühen überziehen, das die Ladiner Enrosadüra nennen, dann werden selbst hartgesottene Alpinisten zu Romantikern. Garantiert.

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2. Stripsenjochhaus, 1.577 m

Tirol/ Kaisergebirge

Das Klettergebiet rund ums Stripsenjoch gehört zu den größten und vielfältigsten in den Nordalpen. Neben traditionsreichen Klassikern finden sich lange Plaisirrouten und Extrem-Klassiker in höchsten Schwierigkeitsgraden, wie die berühmte Route „Des Kaisers neue Kleider“ (8b+) von Stefan Glowacz. Das Stripsenjochhaus bietet komfortable Übernachtungsmöglichkeiten, die Zustiege sind doch recht lang. Abends, wenn die Tageswanderer weg sind, werden hier abenteuerliche Tourenberichte und Erfahrungen ausgetauscht.

Alpine Klassiker gibt es hier jede Menge, beliebte und häufig begangene Routen sind beispielsweise die Nordkante des Predigtstuhl (IV) oder die Wiessner-Rossi (VI+) in der Fleischbank Südostwand. Der Kaiserklassiker par exellence ist die „Kirchl-West“, die Dülferführe (VI+) in der Totenkirchl Westwand. Ein eindrucksvoller Alpin-Klassiker mit verwickelter Routenführung, der gutes Gespür für Orientierung in der riesigen Wand erfordert.

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3. Haindlkarhütte, 1.121 m

Steiermark/ Ennstaler Alpen

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Die Haindlkarhütte ist seit den 20er Jahren Ausgangspunkt für die Klettertouren in den Nordwänden des Gesäuses. Pioniere des Alpinismus wie Paul Preuss, Fritz Kasparek oder Hubert Peterka planten und feierten hier ihre Begehungen. Die alte Haindlkarhütte diente schon damals als Unterkunft. Ein Hauch von Abenteuer weht auch heute noch durch die Haindlhütte, wenn man sich nach erfolgreichen Klettertouren beim Bier trifft und Klettergeschichten erzählt.

Die Nordverschneidung der Rosskuppe (VI +) bietet steile und abwechslungsreiche Kletterei in klassischer Routenführung. Durch Verschneidungen, Kamine und Risse verläuft die Route zeitweise ausgesetzt immer auf großartiger Linie und erlaubt Ausblicke weit hinunter ins Haindlkar und in die Gesäuse-Nordwände. Highlight: Ein wunderschöner Spreizkamin.

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4. Sasc Furä, 1.904 m

Schweiz/ Berninagruppe

Der beste Granit der Ostalpen findet sich in den Bergen des Bergell – bombenfest mit endlosen Platten, Kanten und Verschneidungen. Der Piz Badile mit seiner markanten Form ist Sehnsuchtsziel für Generationen von Kletterern, die kleine Capanna Sasc Furä dient als freundliche Herberge für die Badile-Aspiranten. Legendär ist die Geschichte von Herrmann Buhl, der mit dem Fahrrad von Landeck ins Bergell fuhr, um die Cassin-Führe (VI+) in der Nordostwand erstmals allein zu begehen.

Die leichtere markante Nordkante (IV+) kann man nur in Superlativen preisen, allein beim Anblick jucken schon die Fingerkuppen. Der perfekte Fels und gute Sicherungsmöglichkeiten bieten höchsten Klettergenuss, wenn man ihm gewachsen ist: Da das Wetter hier recht schnell umschlägt, sollte man hurtig unterwegs sein, die 1.250 Meter lange Kante mit 800 m Höhenunterschied erfordert außerdem ganz schön Ausdauer.

5. Falkenhütte, 1.848 m

Tirol/ Karwendel

Zwei Kilometer breit und knapp 800 Meter hoch ist die düstere Mauer der Laliderer Wände zwischen der Dreizinkenspitze (2.603 m) und der Laliderer Spitze (2.588 m). Hier finden sich die großzügigsten Klettereien der gesamten Kalkalpen, allerdings erfordern sie auch in den unteren Schwierigkeitsgraden alpine Erfahrung und gute Kondition. Der legendäre Walter Pause schrieb, dass weder die Civetta-Nordwand noch jene der Drei Zinnen so abweisend und schrecklich wirken wie die Laliderer Wände. Trotzdem – oder deshalb – präsentierte er gleich zwei Laliderer Routen in seinem Buch „Im extremen Fels“.

Die Herzogkante (V+) gleich hinter der Falkenhütte ist immer noch ein alpines Abenteuer. Wie überall im Karwendel trifft man nicht immer auf festen Fels, ab und zu gibt es Brösel. Die Schwierigkeiten sind anhaltend, Verschnaufpausen gibt es wenige. Wer dann noch den Abstieg durch die wilde Spindlerschlucht nimmt, darf sich zu den vielen klassischen Meistern im Tourenbuch der Falken-Hütte eintragen.

6. Toni-Demetz-Hütte, 2.685 m

Italien/ Dolomiten

Die Fünfingerspitze verdankt ihren Namen dem Umstand, dass sie in mehrere Felstürme gegliedert ist, die an die Finger einer Hand erinnern. An der Daumenkante klettert man laut Führerautor Mauro Bernardi an der schönsten und luftigsten Felskante der Grödner Dolomiten. Der scharf geschnittene, steile Grat bietet genüssliche, aber ausgesetzte Kletterei mit atemberaubenden Tiefblicken. „Eisenharter Fels, Griffe im Überfluss und an Ausgesetztheit ebensoviel, als man ohne Nervenschaden verträgt“ – um noch einmal Walter Pause, den Bergpapst der 60er-Jahre, zu zitieren.

Die kleine Toni-Demetz-Hütte steht direkt in der Langkofelscharte und ist im Sommer mit der originellen Stehgondelbahn erreichbar. Von hier sind es nur ein paar Minuten zum Einstieg in die Daumenkante. Die Hütte bietet freie Sicht auf Sellapass, Sellastock und Piz Boè bis hin zur Marmolata – und immer einen warmen Ofen und eine warme Mahlzeit.

7. Dachstein-Südwand-Hütte, 1.910 m

Steiermark/ Dachsteingebirge

Das Landschaftsbild des Dachsteingebirges ist reich an Vielfalt und Kontrasten: Über den grünen Almböden der Südseite erheben sich bis zu 1.000 Meter hohe Wandfluchten. Vom Torstein bis hin zum Koppenkarstein erstreckt sich eine 6 km breite Felsmauer. Die atemberaubenden Südwände des Dachsteinmassives machen es zum Abenteuerspielplatz für Alpinisten. Die feine Südwandhütte bietet Kletterern Herberge, Rast und steirische Spezialitäten vor und nach dem großen Abenteuer.

Der wohl berühmteste Anstieg durch die Dachstein Südwand wurde 1909 durch die Steinerbrüder erstbegangen, damals ein Meilenstein der Alpingeschichte. Die Route wurde zum Klassiker und Prüfstein für Generationen von Kletterern. Der Steinerweg folgt einer logischen und schönen Linienführung, die nur durch zwei Bänder unterbrochen wird. Die lange (27 Seillängen!) und teils ausgesetzte Kletterei zählt sicher zu den ganz großen Unternehmungen in den Ostalpen.

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