Für den guten Zweck

Im Eiltempo auf 7.246 m

Aktuelles • 7. Oktober 2019
von Katrin Rath

Dass Benedikt „Beni“ Böhm mit gemütlichen Genuss-Skitouren wenig anfängt, wissen wir spätestens seit er im März 2019 die Alpen in nicht mal 30 Stunden nonstop überquert hat. Sein neuestes Projekt führt den Dynafit-Geschäftsführer diesen Herbst nach Nepal, wo er für den guten Zweck einen Geschwindigkeits-Rekord am Dhaulagiri VII aufstellen will.

Manaslu Speed-Besteigung
Foto: Benedikt Böhm
Benedikt Böhm bei seiner Speed-Besteigung des Manaslu 2017

Der Skibergsteiger und Dynafit-Geschäftsführer Benedikt Böhm hat in den vergangenen 15 Jahren den Speed-Stil in Kombination mit Skiabfahrten von hohen Bergen maßgeblich geprägt. Mit seinem neuen Projekt möchte er die Grenzen der Zeit einmal mehr verschieben, sich aber gleichzeitig auch für einen guten Zweck stark machen. „Wer nach oben will, der braucht eine solide Basis“, sagt Böhm. „Ich bin als fünftes von insgesamt sechs Kindern in München aufgewachsen. Nicht jedes Kind hat eine solche Basis wie ich sie hatte. Als 3-facher Familienvater berührt mich das besonders. Deshalb setze ich mich bei meinem Projekt für das Wohlergehen benachteiligter Kinder ein. Ich habe im Rahmen dieser Expedition die Aktion „United for Himalayan Kids“ ins Leben gerufen. Jeder kann mitmachen und mit dem Kauf eines ‚United for Himalayan Kids‘-Stirnbands dabei helfen, Kindern Zugang zu guter Bildung zu ermöglichen.“

Updates aus Nepal

Wir bekommen regelmäßig exklusive Updates von Beni Böhm aus Nepal, wo er sich die Besteigung des Dhaulagiri VII im Nordwesten des Landes vorgenommen hat. Vom Basecamp auf 4.930 m aus will er innerhalb von acht Stunden den Gipfel auf 7.246 m erreichen und wieder zum Basecamp abfahren. Der Berg gilt ob seiner Einsamkeit und mangels technischer Schwierigkeiten als beliebter Skiberg. Geübte Bergsteiger errichten auf dem Weg nach oben meist zwei oder drei Hochlager – und sind demnach mindestens zwei Tage unterwegs.

Dhaulagiri Himal
Foto: Alex Demilia
Blick auf die Dhaulagiri Himal Gebirgskette in Nepal

Nach der Landung in Kathmandu geht es für Beni und sein Team weiter nach Dunai. Das ursprüngliche Dorf ist der letzte zivilisierte Stützpunkt auf dem Weg zum Dhaulagiri-Gebirge. Es hat den Anschein, als wäre die Zeit hier stehen geblieben. Blickt man sich um, hat man das Gefühl, als würden die Menschen hier genau so leben, wie schon ihre Ur-ur-ur-Großeltern.

Menschen Dunai
Foto: Alex Demilia
Die Menschen in Dunai leben so, wie ihre Vorfahren es bereits getan haben

„Würde da nicht doch auf einmal irgendwo eine Cola-Flasche oder ein Handy aufblitzen, dann würde man denken, sich auf einer Zeitreise zu befinden“, schildert Böhm seine Eindrücke. Von hier aus lässt er die Zivilisation hinter sich und begibt sich auf einen fünftägigen Marsch zum Basecamp.

Anfangs führt der Weg durch satt-grünes Bergland. „Es werden Mais, Kartoffeln, Äpfel und Tomaten geerntet die hervorragend schmecken. Immer wieder treffen wir auf kleine prähistorisch anmutende Siedlungen in den Mensch und Tier zusammenleben. Nach der ersten Nacht wird die Gegend wilder, schroffer und zunehmend einsamer“, berichtet der deutsche Skibergsteiger. Die Landschaft ist vom großen Fluss geprägt, der sich durch das Tal windet und auch schon mal den ein oder anderen Weg verschluckt. Auf über 3.200 Metern findet der Abenteurer malerische Kiefern- und Birkenwäldchen – und sogar Pfirsichbäume vor. 

Benedikt Böhm Nepal
Foto: Alex Demilia
Beni Böhm auf dem Weg Richtung Dhaulagiri VII Basecamp

Nach dem langen Marsch in Einsamkeit hat das Hinterland von Nepal kurz vor dem German Basecamp, dem letzten Lager vor dem Dhaulagiri VII-Basecamp, eine Überraschung parat: „Und nachdem wir einen ganzen Tag keinen einzigen Menschen gesehen haben, landen wir auf einmal in einem Dorf wo es sogar eine Schule gibt. Der Lehrer zeigt uns stolz die Klassenräume.“

Das Dorf lassen Benedikt Böhm und seine Begleiter bald hinter sich und marschieren zielstrebig weiter – jedoch nicht, ohne die herrlichen, ständig wechselnden Ausblicke zu genießen.

So geht's weiter

Wir versorgen euch in den kommenden Tagen mit Infos rund um das Projekt Dhaulagiri VII. Ob es Beni schafft, den Rekord von acht Stunden zu knacken? Wir halten euch auf dem Laufenden. 

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