Tourentipps

Rätikon: 4 Skitouren auf kleinem Raum

Touren-Tipps • 12. Februar 2018
von Mark Buzinkay

Fast sternartig umgeben die Skitourenziele das Hochtal rund um St. Antönien oberhalb des Prättigaus im Kanton Graubünden. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Alle Expositionen sind auf relativ kleinem Raum zu finden, sodass man seine Touren den Schneeverhältnissen rasch anpassen kann. Mark Buzinkay stellt uns 4 lohnende Skitouren im Rätikon vor.

Rätikon in Graubünden: Blick vom Madrisahorn
Foto: Mark Buzinkay
Rätikon in Graubünden: Blick vom Madrisahorn (2.826 m) in Richtung Südosten

Wir haben St. Antönien als Stützpunkt für diverse Ausflüge in die Südflanke des Rätikons gewählt: ein hübsches, hoch gelegenes Dorf oberhalb des Prättigaus – mit aller erforderlichen Infrastruktur, die man für angenehme Skitourentage braucht. Gasthäuser, kleine Dorfläden, öffentlicher Bus und Übernachtungsmöglichkeiten. Die Parkplätze sind zahlreich (aber kostenpflichtig), sodass auch der Tagesausflügler hier in St. Antönien auf seine Kosten kommt. Rodeln, Langlaufen und ein kleiner Kinderskilift: All das ist rund um das Dorf möglich beziehungsweise vorhanden.

Die Skitourenziele umgeben dieses Hochtal fast sternartig. Zum einen heißt das, dass alle Expositionen auf relativ kleinem Raum zu finden sind und die Touren entsprechend den Schneeverhältnissen rasch angepasst werden können. Zum anderen, dass es einfach nie langweilig wird. Während im Norden die brüsken Südwände eher abschrecken – übrigens zu Unrecht, finden sich doch immer wieder interessante Lücken für die ein oder andere Besteigung –, sind im Osten Pässe und Grenzgipfel etwas freundlicher. Die einfachsten und populärsten, weil sichersten Hänge finden sich etwas südlich von St. Antönien.

Rassige Hänge, wilde Klippen: Rätikon im Kanton Graubünden
Foto: Mark Buzinkay
Rassige Hänge, wilde Klippen: Der Rätikon im Kanton Graubünden

Die Touren ergeben in Summe einen spannenden Mix aus anspruchsvollen Tagestouren und einfachen Halbtagesausflügen für Anfänger. Wer seinen Aktionsradius etwas erweitern möchte, der sollte die Hütten des Rätikons nutzen – allen voran: die Carschinahütte (2.236 m) oberhalb von St. Antönien, aber auch die Tilisunahütte (2.211 m) und die Lindauer Hütte (1.744 m) auf der österreichischen Seite. Sie bilden die Eckpfeiler einer möglichen Mehrtagestour von St. Antönien aus.


Die Hütten im Detail:

Carschinahütte
Hütte • Graubünden

Carschinahütte (2.236 m)

Die Carschinahütte (2.236 m) neben der Carschinafurgga liegt im Rätikon, eine Gebirgsgruppe, die den zentralen Ostalpen zugeordnet ist. Sie ist ein Schutzhütte des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) am Fuß der Sulzfluh-Südwand im Schweizer Kanton Graubünden. Die Hütte ist relativ leicht zu erreichen. Und jeder Bergler kann seiner Leidenschaft auf den Wegen und Gipfeln rund um das Carschina-Schutzhaus nachgehen. Die Sulzfluh (2.818 m) bietet ausgiebig Möglichkeiten zum Klettern. Wer weiter will, kann zu den Dri Türm in der Drusenfluh-Gruppe, auf die Drusenfluh (2.830 m) oder auch zur Schesaplana. Die Hütte lockt Genießer, die von St. Antönien aufsteigen, um auf der Carschinahütte einzukehren. Familien, die mit ihren Sprösslingen rundum wandern und Murmeltiere beobachten wollen. Ambitionierte Bergsportler kommen mit den Mountainbike, auf Ski und Schneeschuhen herauf. Haben Klettergurt, Karabiner, Klemmkeile, etc. oder ein Klettersteig-Set im Gepäck. Oder ihre Rucksäcke bergen all jene Sachen, die sie auf mehrtägigen Touren durch das Rätikon brauchen. In Begleitung geländegängiger Vierbeiner.
Geöffnet
Jun - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet
Tilisuna Hütte
Hütte • Vorarlberg

Tilisunahütte (2.211 m)

Die Tilisunahütte (2.211 m) liegt am Tilisunasee im Montafon, südlich von Tschagguns und nördlich der Sulzfluh, an der Grenze zwischen Vorarlberg und der Schweiz. Wanderer, Kletterer, Mountainbiker, Schneeschuhwanderer, Skitourengeher und Familien mit Kindern erfreuen sich am außergewöhnlichen Panorama mit Blick ins Lechquellengebirge. Das Gebiet im Rätikon ist berühmt für seine Murmeltiere, die man aus nächsten Nähe beobachten kann. Die Sonnenterrasse ist ein herrlicher Platz zum Verweilen, serviert wird einfaches aber hervorragendes regionales Essen. Beliebte Ausflugsziele von der Hütte aus sind Sulzfluh, Schwarzhorn und Weißplatte.
Geöffnet
Jun - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet
Lindauer Hütte
Hütte • Vorarlberg

Lindauer Hütte (1.744 m)

Die Lindauer Hütte (1.744 m) steht am Ende des Gauertals im Montafon und ist von Gipfeln und Nordabhängen des Rätikon umrahmt. Am Ausgang des Hochgebirgstales liegen die Orte Tschagguns, mit dem Ortsteil Latschau, und Schruns. Sie liegt am Fuße der Drei Türme (Großer Turm - 2.830 m) und wird von Sulzfluh und Drusenfluh flankiert. Diese drei Gipfel zählen zu den zehn höchsten Gipfeln des Rätikons. Hütte und Gipfel sind zu einem eindrucksvollen Ensemble verschmolzen.  Die Lindauer Hütte wurde bis zum Beginn der Wintersaison 2016 um ein Schlaf- und Personalhaus erweitert. Das Schutzhaus hat punkto Gastronomie und Beherbergung Hotel-Niveau erreicht. Im Sommer wird es von Wanderern, Bergsteigern, Kletterern und Mountainbikern aufgesucht. Bei Schnee verwandelt sich die Hütte in ein Winterschloss, das Rodler, Schneeschuh- und Skitourengeher magisch anzieht. 
Geöffnet
Jan - Dez
Verpflegung
Bewirtschaftet

Zu St. Antönien gehört auch Partnun, eine kleine Siedlung, die etwas nordöstlich liegt. Im Winter ist es hier bis auf ein Gasthaus recht still, die Straße wird nicht geräumt. Partnun ist aber bei vielen Touren erster Anlaufpunkt und deshalb interessant. Besonders nach der Rückkehr von einer Tour: Ein Getränk erfrischt und gibt Gelegenheit, die Tour nochmals Revue passieren zu lassen, bevor es zurück zum Auto geht.

Meine Skitouren-Tipps:

1. Gämpiflue

Eine hübsche Einführungstour ins Rätikon: Kurz und angenehm führt die Tour auf die Gämpiflue (2.390 m) an der Grenze von Graubünden und Vorarlberg. Sie eignet sich auch für konditionsstarke Anfänger. Landschaftlich ist die Tour überaus lohnend und auch die Abfahrt lässt bei leidenschaftlichen Skifahrern keine Wünsche offen.

Skitouren • Graubünden

Auf die Gämpiflue

Dauer
3:30 h
Anspruch
WS mäßig
Länge
4,4 km
Aufstieg
930 hm
Abstieg
930 hm

2. Wissplatte

Rassige Tour durch die bucklige Welt des Gruobenpasses: Beim Anstieg auf die Wissplatte (2.630 m) wartet – nebst einer atemberaubenden Landschaft – alles, was das Skitourenherz begehrt: wilde Hänge, beeindruckende Felswände, etwas Tüftelei bei der Spuranlage. Und dann: ein herrlicher Gipfelblick zur Sulzfluh und über St. Antönien hinweg.

Skitouren • Graubünden

Auf die Wissplatte

Dauer
6:15 h
Anspruch
WS+ mäßig
Länge
13 km
Aufstieg
1.046 hm
Abstieg
1.046 hm

3. Drei Türme

Ausflug auf die österreichische Seite des Rätikons: „Uff die Dri Türm“ („Auf die Drei Türme“) heißt es für erfahrene Skitourengeher mit Ausdauer und skitechnischem Geschick. Die herausfordernde Tour ist ein Klassiker im Rätikon und führt auf das schönste Dreigestirn der Ostalpen. Die markanten Gipfel werden von St. Antönien über die Carschinahütte bestiegen. Ihre höchste Erhebung finden die Drei Türme im Großen Turm (2.830 m).

Skitouren • Graubünden

Drei Türme

Dauer
7:00 h
Anspruch
ZS anspruchsvoll
Länge
8,1 km
Aufstieg
1.550 hm
Abstieg
1.550 hm

4. Madrisahorn

Etwas anspruchsvoll in der Technik, dafür mit wunderschönem Fernblick: Die steile Skitour aufs Madrisahorn (2.825 m) erfordert gleichermaßen gute Kondition wie Spitzkehrentechnik – und beeindruckt als Belohnung mit einer fantastischen Aussicht vom Gipfel der imposanten Gneispyramide.

Skitouren • Graubünden

Auf das Madrisahorn

Dauer
6:40 h
Anspruch
ZS anspruchsvoll
Länge
6,5 km
Aufstieg
1.400 hm
Abstieg
1.400 hm

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