Zweitausender

Bergportrait: Watzmann (2.713 m)

Wissenswertes • 15. November 2019
von Katrin Rath

Der Watzmann, der Schicksalsberg in den Berchtesgadener Alpen, ragt 2.713 m hoch über dem Königssee in Bayern auf. Für viele Alpinisten gilt er als Klassiker, aber auch in Kunst und Kultur hat der Gebirgsstock seinen Platz gefunden. Wir stellen den Watzmann, seine Geschichte(n) und seine Touren-Angebote genauer vor.

Watzmann
Foto: mauritius images / ClickAlps
Der Watzmann im Sonnenuntergang

Höhe und Lage

Der Watzmann ist mit seinen 2.713 Metern Höhe (Watzmann-Mittelspitze) zwar kein Riese, stellt aber den höchsten Punkt auf der deutschen Seite der Berchtesgadener Alpen dar und gehört für viele Alpinisten zu den Gipfeln, auf denen man gestanden sein muss. Das mag auch daran liegen, dass sich die verschiedenen Anstiege, abgesehen von der Besteigung des nördlichen Gipfels (Hocheck), alles andere als einfach gestalten. Mittel- und Südspitze verlangen den Gipfelaspiranten einiges an Schwindelfreiheit und Trittsicherheit ab, sind sie doch nur über teils versicherte Gratanstiege erreichbar.

Hocheck Watzmannhaus
Foto: Simon Schöpf
Blick vom Watzmannhaus auf das Hocheck

Besonders eindrucksvoll ist die Ostwand des Zweitausenders. Sie ist die höchste Wand der Ostalpen und erhebt sich rund 1.800 Meter über dem Königssee. Die dreistellige Zahl der Todesopfer, die sie bis heute forderte, brachte dem Watzmann den Ruf eines Schicksalsbergs ein. Die Schwierigkeiten der Wand ergeben sich nicht unbedingt aus den Kletterpassagen, die sich auf dem einfachsten Weg zwischen dem 1. und 3. Schwierigkeitsgrad einpendeln, sondern aus der schwierigen Orientierung in der Wand, der erforderlichen psychische und physische Kondition und dem Umstand, dass es nahezu unmöglich ist, vom Westen kommende Schlechtwetterfronten frühzeitig zu erkennen. Dadurch, dass sich im Sommer sehr viele Bergsteiger an der Ostwand versuchen, kommt es auch häufig zu gefährlichen Steinschlägen.

Watzmann Grat
Foto: Simon Schöpf
Der Watzmann erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit – links verstecken sich die Ostwand und der Königssee noch im Nebel

Neben der Watzmann-Mittelspitze, dem Hocheck und der Südspitze, die bei der Watzmann-Überschreitung passiert werden, umfasst das Massiv auch die berühmten Gipfel der Watzmannfrau (Kleiner Watzmann), der fünf Watzmannkinder, des Grünstein und der Hirschwiese.

Geschichte und Geschichten

Erstbestiegen wurde die Watzmann-Mittelspitze bereits im August des Jahres 1800 durch den slowenischsprachigen österreichischen Geistlichen, Lehrer, Forscher, Humanisten und Bergsteiger Valentin Stanič (bzw. Stanig) – kurz nachdem er einen Tag nach dessen Erstbesteigung am Gipfel des Großglockners stand.

68 Jahre später gelang dem Ramsauer Bergführer Johann Grill (auch bekannt als der Kederbacher) gemeinsam mit Johann Punz die erstmalige Watzmann-Überschreitung über den Hauptkamm des Massivs. Der Kederbacher war es auch, der im Jahr 1881 die Ostwand mit Otto Schück zum ersten Mal durchstieg. 

Kederbacher Denkmal
Foto: Wikipedia / gemeinfrei
Das Kederbacher-Denkmal in Ramsau

Rund um den Berg rankt sich auch die Watzmann-Sage, nach der der grausame König Waze oder Wazemann mit seiner Frau und seinen Kindern Furcht und Schrecken im Land verbreitet haben soll. Als er eine Bauernfamilie mit seinem Pferd zerstampfte wünschte sich die Bäuerin, er und seine Familie mögen sich zu Stein verwandeln. Und siehe da, kurz darauf tat sich der Boden auf und die Familie wurde tatsächlich in steinerne Riesen verwandelt. Wie es bei Sagen üblich ist, gibt es auch von dieser verschiedene Variationen. In einer davon erzählt man sich, dass das Blut der Königsfamilie den Königs- und den Obersee bildete. 

Auch musikalisch wurde der Watzmann zum Leben erweckt. Und zwar im Konzeptalbum „Der Watzmann ruft“ von den österreichischen Austro-Pop-Legenden Wolfgang Ambros, Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz. Später wurde es auch in ein gleichnamiges Musical verpackt.

Touren und Hütten

Die wohl bekannteste Route auf die Watzmann-Mittelspitze führt im Rahmen der Überschreitung von Ramsau über das Watzmannhaus und das Hocheck auf den höchsten Punkt. Der Rückweg ins Tal erfolgt über die Südspitze und das Wimbachgries.

Wandern • Bayern

Watzmannüberschreitung

Dauer
10:30 h
Anspruch
T5 sehr schwierig
Länge
24,5 km
Aufstieg
2.381 hm
Abstieg
2.381 hm
Watzmannhaus
Hütte • Bayern

Watzmannhaus (1.930 m)

Gelegen auf dem Falzköpfl, unterhalb des Watzmann Hochecks, liegt das Watzmannhaus (1.930 m) als bedeutender Stützpunkt für Tagesgäste und jene, die im Rahmen der Gipfelbesteigungen und/oder Überschreitungen eine Unterkunft für die Nacht brauchen. Die Touren von der Hütte aus sind nahezu durch die Bank nur etwas für geübte Hoch- und Skitourengeher, Bergsteiger und Kletterer. Jene auf das Hocheck (2.651 m) ist da noch die einfachste und auch für geübte Kinder ab 12 Jahren machbar. Sie erfordert jedoch Schwindelfreiheit und Trittsicherheit. Besonders beliebt ist die Route auf das Hocheck auch bei Skitourengehern, allerdings wegen des Absturzgeländes nur für sehr gute Skifahrer geeignet, die zudem sehr konditionsstark sein müssen, schließlich dauert es auf den Gipfel rund 5 h.
Geöffnet
Mai - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet
Wimbachgrieshütte
Die Wimbachgrieshütte steht im hinteren Wimbachtal am Fuß des Watzmanns im Nationalpark Berchtesgaden in Bayern. Dort am Ende des Wimbachgrieses bilden Watzmann im Osten, Hochkalter im Westen sowie die Abbrüche des Großen Hundstodes im Süden eine beeindruckende Kulisse. Die Hütte ist vom Bergsteigerdorf Ramsau in einer relativ leichten aber langen Wanderung zu erreichen. Sie ist ein familienfreundliches Ausflugsziel und auch ein idealer Ausgangspunkt, um den Watzmann zu überschreiten oder zu umrunden. Etwas fordernder als der Weg durch das Wimbachtal ist der Weg vom Königsee herüber zur Hütte. Dieser beginnt mit einer Schifffahrt und unter der eindrucksvollen Watzmann-Ostwand, die als die höchste Wand der Ostalpen gilt.  
Geöffnet
Mai - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

Eine weitere Variante, auf den Watzmann zu gelangen ist die konditionell ebenso herausfordernde Wiederroute.

Rund um den Watzmann

Rund um den Riesen im Berchtesgadener Land locken noch weitere lohnende Touren, Hütten und Erlebnisse, die ihr hier findet:

Wandern Watzmann
Nationalpark Berchtesgaden

Rund um den Watzmann

Der Nationalpark Berchtesgaden hat für alle Outdoor-Freunde etwas zu bieten. Abseits der traditionellen Watzmann-Überquerung und der vielbestaunten Watzmann-Ostwand – die höchste der Ostalpen – locken Wanderungen mit leichten Kletterpassagen, dichter Nationalparkwald aber auch schwindelerregende Kalksteinvertikalen. Viele Touren lassen sich mit dem Mountainbike kombinieren – mit kulinarischen Genüssen sowieso.

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