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Berg-Know-How

Was ist eine Skihochtour?

• 1. März 2024
4 Min. Lesezeit
von Riki Daurer

Der Frühling steht vor der Tür und mit ihm beginnt die klassische Zeit für Skihochtouren. Aber was genau ist eigentlich eine „Skihochtour? Welche Ausrüstung benötigt man dafür und wie kommt man sicher wieder ins Tal?

Skihochtour: Wintersportler am Aletschhorn in den Berner Alpen
Foto: mauritius images / Bernd Ritschel
Skihochtour: Wintersportler am Aletschhorn in den Berner Alpen
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Was ist eine Skihochtour?

Im Gegensatz zu „klassischen“ Skitouren führen Skihochtouren höher hinauf: Man bewegt sich im Aufstieg und bei der Abfahrt auch auf Gletschern. Durch die vorhandene Gefahr eines Spaltensturzes braucht es eine entsprechende Ausrüstung (Seil, Gurt, Eispickel, ...) und das Können, damit auch umzugehen.

Im Frühjahr werden die meisten Skihochtouren unternommen, wobei es die tageszeitliche Erwärmung zu berücksichtigen gilt, was im Normalfall bedeutet: Früh aufstehen, um bei bestem Firn abzufahren!

Einige Skihochtouren können als Tagestouren unternommen werden, teilweise mit Liftunterstützung, oder man steigt am Vortag zur Übernachtung auf eine Hütte auf, um etwas länger schlafen zu können.

Was ist eine Skidurchquerung?

Die Königsdisziplin und der Saisonhöhepunkt vieler Skitourengeher ist eine mehrtägige Durchquerung von Hütte zu Hütte im vergletscherten Hochgebirge. Idealerweise mit einigen prominenten Gipfelbesteigungen. Neben der entsprechenden (seil-)technischen Ausrüstung wird der Rucksack auch etwas schwerer, weil Bekleidung usw. für mehrere Tage und für verschiedenste Wetterverhältnisse mitgenommen werden müssen.

In den Ost- und Westalpen gibt es viele bekannte klassische Durchquerungen die man „gemacht haben muss“, zum Beispiel die Haute Route von Chamonix nach Zermatt oder die Ötztaler Runde. Daneben kreieren Bergführer und findige Tourengeher immer wieder neue lohnende Runden. Diese Unternehmungen stehen und fallen mit den Wetterverhältnissen und der Gruppe.

  • Verhältnisse beachten

    Wetter- und Schneeverhältnisse sind für Skihochtouren entscheidend. Während es im Tal schon lange grün ist, können sich die Bedingungen im vergletscherten Hochgebirge laufend ändern: An einem Tag steigt man im T-Shirt auf 4.000 m herum und genießt fantastische lawinensichere Abfahrten in perfektem Firnschnee, am nächsten Tag ist über Nacht ein Meter Neuschnee gefallen, die Lawinengefahr dramatisch gestiegen und es wird bitterkalt.

    Skihochtouren und vor allem Durchquerungen verlangen daher nach Flexibilität. Nur einen Plan beziehungsweise einen Weg zu haben – und diesen durchziehen zu müssen – ist definitiv der falsche Ansatz. Man braucht mindestens noch einen guten Plan B. Passt aber alles zusammen – Wetter, Schnee, Gruppe, persönliche Fitness –, dann wird man auf Skihochtouren unvergessliche Stunden erleben: Hochtouren auf Gletschern und Graten, hohe Berge und flotte Skiabfahrten. Was wünscht man sich mehr?

    Video: Verhalten am Gletscher

    Hier zeigen euch unsere Sicherheitsexperten Peter Plattner und Walter Würtl im Video, was man am Gletscher beachten muss.

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  • Ausrüstung für Skihochtouren

    Die Ausrüstung für Skihochtouren umfasst neben der normalen Skitourenausrüstung – insbesondere bei Durchquerungen – mehr Bekleidung, Proviant und was man für die Übernachtungen braucht. Dazu kommt alles, was man zum Begehen von Gletschern – und manchmal auch von Felsgraten – benötigt. Kein Wunder also, dass der Skihochtouren-Rucksack etwas größer und schwerer ausfällt.

    Am Gletscher benötigt die ganze Gruppe ein Seil – circa 50 Meter lang und bestens imprägniert – sowie jedes Gruppenmitglied als Mindestausrüstung:

    • 1 Hüftgurt

    • 2 Verschlusskarabiner

    • 1 Safe-Biner (3-Weg-Verschluss)

    • 2 Normalkarabiner

    • 1 lange Bandschlinge

    • 3 Reepschnüre

    • 1 Eisschraube

    • eventuell: 1 leichte Seilklemme

    Bei schwierigeren Touren mit steileren Anstiegen kommen für jeden noch hinzu:

    • Steigeisen

    • Pickel

    Hier findest du weitere Informationen rund um die Ausrüstung für Skihochtouren

  • Technisches Wissen

    Skihochtouren sind in jeder Hinsicht anspruchsvoll. Folgende Techniken sollte man sicher beherrschen:

    • Solide Aufstiegs- und Abfahrtstechnik mit den Skiern

    • Tourenplanung

    • Beurteilung der Lawinengefahr

    • Seil- und Sicherungstechnik auf Gletschern, im Firn und eventuell auf Felsgraten

    Wer hier nicht sattelfest ist, sollte seine Skihochtour lieber nur mit einem Bergführer angehen.

    Verhalten auf Gletschern

    Wer auf Skiern unterwegs ist, hat auf Gletschern einen Vorteil gegenüber dem Sommer. Im Frühjahr sind die Gletscher meist eingeschneit und die Spalten somit stabil überdeckt. Noch dazu belastet man sie weniger, wenn man auf Skiern – und nicht zu Fuß – unterwegs ist. Die Wahrscheinlichkeit in eine Spalte einzubrechen ist auf Skihochtouren im Allgemeinen geringer.

    Das ist vor allem deswegen erfreulich, weil das angeseilte Abfahren mit Skiern nicht wirklich Spaß macht. Deswegen sucht man sich Touren, beziehungsweise Gletscher und Verhältnisse aus, wo man die meiste Zeit ziemlich gefahrlos unangeseilt abfahren kann. Das Seil wird nur in Spaltenzonen und kritischen Gletscherbereichen benützt, damit der Sturz eines Partners gehalten werden kann oder wenn die Verhältnisse ungünstig sind, wie bei schlechter Sicht oder aufgeweichtem Schnee.

    Auch beim Aufstieg mit Skiern seilt man bei passenden Bedingungen meist weniger oft an als im Sommer.

    Ansonsten gelten am Gletscher auf Skihochtour ähnliche Regeln wie im Sommer:

    • Bei Betreten des Gletschers ist der Gurt immer angezogen (inklusive Abwurfschlaufe).

    • Immer – auch beim Rasten – werden Abstände zueinander eingehalten.

    • Es wird – wenn überhaupt – immer nur ein Ski ausgezogen.

    • Ist man angeseilt unterwegs, wird das Seil möglichst gespannt gehalten.

    • Absprechen – und Üben – was zu tun ist, wenn jemand in eine Spalte stürzt.

    Hier findet ihr weitere Informationen rund um Standardmaßnahmen am Gletscher

  • Wartet am Ende der Tour noch ein Felsgrat im Gipfelbereich, muss auch dieser dem Können der Gruppe und den Verhältnissen entsprechend begangen werden. Das heißt: Entweder seilfrei, am Geländer-/Fixseil, am kurzen Seil oder mittels Fixpunktsichern – um nur einige Techniken zu nennen, die zur Anwendung kommen können.

    Gesundheitliche Aspekte

    Verletzungsursache Nummer Eins auf Skihochtouren dürfte der Sonnenbrand sein. Bitte schützt euch entsprechend durch Bedecken der Haut beziehungsweise durch Sonnenschutzprodukte (Faktor 50). Viele ältere Bergsteiger haben mit den Spätfolgen von Sonnenschäden zu kämpfen. Selbiges gilt für die Augen: Eine hervorragende Sonnenbrille mit Glas der höchsten Schutzklasse ist auf Skihochtouren Standard.

    Stichwort Blasen: Unbehandelte Blasen können das Ende einer Durchquerung bedeuten. Am besten mit garantiert „blasenfreier“ Ausrüstung starten oder aber umgehend reagieren, wenn es zu ersten Reibungen kommt. Das heißt: Stelle abkleben und den betroffenen Fuß abends entsprechend pflegen.

    Wie der Name schon sagt: Skihochtouren führen uns auf hohe Berge. Der mit zunehmender Höhe nachlassende Sauerstoff-Partialdruck macht unserem Körper Probleme. Unabhängig von Trainingszustand und Können sind manche Personen mehr, andere weniger anfällig für Höhenkrankheit. Für alle gilt: Zeit lassen, eventuell einen Tag früher anreisen und stressfrei im Tal nächtigen, zunächst Hütten in gemäßigter Höhe zur Akklimatisierung wählen, ausreichend trinken – und: Auf seinen Körper hören! Wichtig auch: Bitte auf Medikamente verzichten! Diese verschleiern die Symptome einer beginnenden Höhenkrankheit oft und machen am Ende alles nur schlimmer.

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