Hütten

7 denkmalgeschützte Hütten in den Alpen

Hütten-Tipps • 21. Juni 2018
von Susanne Gurschler

Lange Zeit war der Denkmalschutz nur Bauwerken am Fuße der Berge vorbehalten, doch das ändert sich allmählich. So hat das Tiroler Denkmalamt 2016 begonnen auch herausragende Berghütten unter Schutz zu stellen und nimmt damit eine Vorreiterrolle ein. Von der minimalistischen Urhütte bis zum pompösen Gletscherschloss – wir stellen euch 7 denkmalgeschützte Hütten in den Alpen vor.

1. Berliner Hütte, 2.044m

Zillertaler Alpen/ Tirol

Berliner Hütte in den Zillertaler Alpen in Tirol
Foto: DAV Archiv
Die wohl mondänste Schutzhütte Tirols: Die Berliner Hütte (2.044 m) in den Zillertaler Alpen

Die Berliner Hütte (2.044 m) in den Zillertaler Alpen steht seit 1997 unter Denkmalschutz. 1875 errichtet und sukzessive ausgebaut, beherbergte sie alles, was das städtische Bergsteiger-Herz begehrte. So verfügte sie unter anderem über eine Dunkelkammer, ein Postamt und eine Schuhmacherwerkstätte. Ende des 19. Jahrhunderts kam eine Telefonanlage dazu, ab 1912 elektrisches Licht. Die prächtige Innenausstattung lässt Besucher bis heute staunen.

Berliner Hütte
Die Berliner Hütte (2.044 m) ist keine Hütte, sondern ein denkmalgeschützter alpiner Prachtbau aus einer anderen Zeit. Eine Burg zum Schutz seiner Bewohner vor der Kraft und Energie des Wetters in dieser Höhe. Und ein von Menschenhand geschaffenes Abbild eines Zillertaler Gipfels, für die Ewigkeit gebaut. In der Erschaffung der Berliner Hütte steckt auch der Eroberungswille, der alpine Pioniere auszeichnet. In dem Schutzhaus beschleicht einen das Gefühl, dass man in den Gängen, beim Abendessen oder Frühstück jederzeit auf Hans Dülfer, Paul Preuss, Anderl Heckmair oder Hermann Buhl treffen könnte. Die Berliner Hütte steht auf der Schwarzensteinalm im oberen Zemmgrund in den Zillertaler Alpen. 1879, bei der Eröffnung, stand das Haus nahe der Gletscherzungen von Hornkees und Waxeggkees. Die beiden Gletscher zogen bergwärts. Über Zemmgrund, Berliner Hütte und das vergängliche Gletscher-Eis wachen, wie seit ewigen Zeiten, Dreitausender wie der Große Möseler, Turnerkamp, Rossruggspitze, das Schönbichler Horn, Futschaglspitze und die Hornspitzen mit der Berliner Spitze zuoberst. Das Haus ist natürlich Ziel und Raststation von bergaktiven Menschen jeder Art, wie Hochtouren-Gehern, Kletterern, Ein-Tages- und Weitwanderern, die etwa auf dem Berliner Höhenweg unterwegs sind, sowie Ski-Bergsteigern und Schneeschuh-Wanderern. Es sollte aber auch Ziel von Menschen sein, die Berg schauen und aus der Distanz spüren wollen. Und Menschen, die Alpinhütten-Geschichte in sich aufsaugen wollen, die sich für die architektonische Beschaffenheit von Schutzhäusern begeistern können, sollten erst recht auf die Berliner Hütte gehen.   brightcove.createExperiences();
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Berliner Hütte
Hüttenporträt & Touren

Die Berliner Hütte

Inmitten einer eindrucksvollen Kulisse, im hinteren Zemmgrund der Zillertaler Alpen, steht auf 2.042 m die geschichtsträchtige Berliner Hütte. Sie ist ein Zeugnis jener Hoch-Zeit des Alpinismus, in der auch das deutsche Kaiserreich seinen Prunk bis in die Berge trug. 1879 als kleines Schutzhaus erbaut, wurde die Berliner Hütte über die Jahre immer wieder vergrößert und bietet heute etwa 200 Gästen eine Nächtigungsmöglichkeit.

2. Alte Prager Hütte (2.489 m)

Venedigergruppe/ Tirol

Die Alte Prager Hütte (2.489 m) liegt in der Venedigergruppe im Nationalpark Hohe Tauern in Osttirol und zählt zu den ältesten Alpenvereinshütten Österreichs. In Form und Ausstattung ähnelt sie einer spartanischen Almhütte: Sie besteht aus nur einem Raum, der sich in Aufenthalts- und Schlafbereich teilt, sowie einem Lager unter dem Dach.

Alte Prager Hütte
Die Alte Prager Hütte (2.489 m) liegt in der Gemeinde Matrei in Osttirol inmitten der Venediger-Gruppe. Zahlreiche Dreitausender-Gipfel befinden sich in der Nähe, unter ihnen der Großvenediger mit dem Rainerhorn, Schwarze Wand, Kristallwand und Hoher Zaun. Die Alte Prager Hütte wurde 1872 erbaut und zum letzten Mal 1972 renoviert. Heute ist sie geschlossen und steht seit 2012 unter Denkmalschutz. Es gibt also keine Bewirtung und Übernachtungsmöglichkeit. Erfahrene Bergsteiger gehen eine Stunde zur Neuen Prager Hütte weiter. Es ist geplant, ein Museum aus dieser ehemaligen Schutzhütte zu erreichten.  
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3. Neue Prager Hütte (2.796 m)

Venedigergruppe/ Tirol

Neue Prager Hütte in Tirol
Foto: DAV/Robert Kolbitsch
Die Neue Prager Hütte (2.796 m) in der Venedigergruppe in Tirol

Die Neue Prager Hütte (2.796 m) liegt rund eine Gehstunde von der Alten Prager Hütte entfernt. Neben den gut erhaltenen Schlafkammern im ersten Stock und einem Lager im Dachgeschoß findet sich in der Hütte eine großzügige Stube mit wunderschönem Getäfel und Originaleinrichtung, darunter etwa 30 Thonet-Stühle. Seit der Restaurierung 2013/14 ist auch der originale Bretterboden wieder sichtbar.

Neue Prager Hütte
Die Neue Prager Hütte (2.796 m) in Osttirol ist der ideale Ausgangspunkt, um den Großvenediger, die Kristallwand, das Rainerhorn sowie andere Dreitausender der Venediger Gruppe zu besteigen. Außerdem eignet sich die Hütte für Felsen- und Eiskletterer sowie für Skitourengeher. Bei Hüttenwirt Wilfried Studer kann man ebenso geführte Wanderungen buchen.
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4. Anton-Karg-Haus (829 m)

Kaisergebirge/ Tirol

Anton-Karg-Haus in Tirol
Foto: Susanne Gurschler
Das Anton-Karg-Haus (829 m) im Kaisergebirge

Das Anton-Karg-Haus (829 m) im Kaisertal bei Kufstein kommt einem gemütlichen Berghaus weitaus näher als einer auf Schutz der Besucher ausgelegten Hütte. Der erste Bau entstand 1883 als „Unterkunftshaus Bärenbad“ neben dem Kaiserbach; später kam nordöstlich eine Kapelle dazu. Durch einen Brand zerstört wurde das Gebäude nach den alten Plänen neu errichtet und 1900 als Anton-Karg-Haus eingeweiht. Es entspricht in seiner Typologie den ländlichen Villenbauten des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Im Inneren stechen besonders die Wandfriese der mittleren und westlichen Stube ins Auge.

Anton-Karg-Haus
Hütte • Tirol

Anton-Karg-Haus (829 m)

Das Anton-Karg-Haus (829 m), früher als Hinterbärenbad bekannt, liegt eingebettet zwischen Wildem und Zahmem Kaiser als idealer Ausgangspunkt für Klettertouren im Tiroler Kaisergebirge. Dank der leichten Erreichbarkeit ist die Hütte häufig Ziel von Tagesausflüglern, die zu Fuß oder mit dem Mountainbike kommen. Perfekt auch für Kinder. Der alte Name Hinterbärenbad rührt daher, dass sich der Überlieferung nach Braunbären früher an heißen Sommertagen im neben der Hütte gelegenen Kaiserbach kühlten.
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5. Brandenburger Haus (3.277 m)

Ötztaler Alpen/ Tirol

Brandenburger Haus in Tirol
Foto: DAV Archiv
Gletscherschloss: Das Brandenburger Haus (3.277 m) in den Ötztaler Alpen

Mit dem Brandenburger Haus (3.277 m) in den Ötztaler Alpen steht seit 2014 die höchstgelegene Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins unter Denkmalschutz. Bei ihrer Eröffnung 1909 verfügte sie über 17 Zimmer mit insgesamt 42 Betten, zwei zusätzliche Zimmer und ein Matratzenlager für 29 Personen. Dazu kamen ein großer und ein kleiner Speisesaal, ein Weinkeller und eine Dunkelkammer. Die Zimmer waren beheizbar, Gaslicht stand zur Verfügung. Kein Wunder, dass das Schutzhaus auch als „Gletscherschloss“ bezeichnet wurde.

Brandenburger Haus
Das erhabene Brandenburger Haus liegt inmitten der Gletscher der Ötztaler Alpen auf 3.277 m und ist damit eine der höchstgelegenen Schutzhütten des Landes. Der Standort zwischen Gepatsch- und Kesselwandferner erfordert unbedingt Gletscherausrüstung für den Zustieg – das gilt auch für die meisten Touren in die grandiose 3.000er-Gletscher-Bergwelt ringsum. Die Dahmannspitze (3.401 m) – der Hausberg des Brandenburger Hauses – ist in nur 30 min Gehzeit zu erreichen, weitere beliebte Touren führen auf die Kesselwandspitze (3.414 m, 1:30 h), auf den Fluchtkogel (3.500 m, 1:30 h) und die Weißkugel (3.739 m, 4 h). Das Brandenburger Haus bietet an die 100 Schlafgelegenheiten, die meisten sind Matratzenlager. Es ist nur in den Sommermonaten bewirtschaftet, im Winter steht Skitourengehern ein unversperrter Winterraum zur Verfügung.
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6. Gepatschhaus (1.928 m)

Ötztaler Alpen/ Tirol

Gepatschhaus in Tirol
Foto: Susanne Gurschler
Postkartenidylle: Die Kapelle Maria Schnee beim Gepatschhaus (1.928 m) in den Ötztaler Alpen

Das Gepatschhaus (1.928 m) befindet sich in der Nähe des Gepatsch-Stausees im Kaunertal. Seine heutige Form erhielt es in verschiedenen Bauphasen. Das erste Gebäude entstand 1872/73 als ebenerdiges Steinhaus. Der Erweiterungsbau beherbergt eine große Gaststube, zwei kleinere Stuben und holzvertäfelte Schlafräume im Obergeschoß. Ein echtes Kleinod ist die 1894/95 errichtete Kapelle „Maria Schnee“ mit integriertem Schlafhaus. Seit 2012 ist der gesamte Komplex unter Schutz gestellt.

Gepatschhaus
Hütte • Tirol

Gepatschhaus (1.928 m)

Das Gepatschhaus (1.928 m) liegt im hinteren Kaunertal in den Ötztaler Alpen (Tirol). Das Haus ist die älteste Hütte - 1873 erbaut - des Deutschen Alpenvereins auf österreichischem Boden. Ihre leichte Erreichbarkeit in unmittelbarer Nähe der Kaunertaler Gletscherstraße macht sie zu einem beliebten Ausgangspunkt für leichte Wanderungen, wie sie Familien mit Kindern bevorzugen, wie auch für anspruchsvolle Hochtouren. Von der Hütte geht es in die 3.000-Welt der Ötztaler Alpen und des Alpenhauptkamms. Darunter sind so Gipfel wie die Weißseespitze, der Glockturm oder Vordere und Hintere Ölgrubenspitze. Eiskletterer können im Kaunertal mehr als 20 Eisfälle oder die Weißseespitz-Nordwand zu ihren Zielen machen.
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7. Becherhaus (3.195 m)

Stubaier Alpen/ Südtirol

Becherhaus Maria im Schnee Kapelle
Foto: www.becherhaus.com
Kapelle „Maria im Schnee“ am Becherhaus

Das Becherhaus thront majestätisch auf dem Gipfel des Bechers auf 3.195 Metern Höhe und ist das höchstgelegene Schutzhaus Südtirols. Es wurde 1894 unter dem Namen Kaiserin-Elisabeth-Schutzhaus erbaut. Tatsächlich wollte die sportliche Sissi das Schutzhaus auch besuchen – die eigens angelegten Sisi-Stufen waren schon in den Stein gehauen – ,doch wurde die Kaiserin von Österreich kurz davor am 10. September 1898 in Genf ermordet.

In der denkmalgeschützten Kapelle „Maria im Schnee“ wird der Kaiserin bis heute gedacht. Das Becherhaus verfügt mit ihr über eines der höchstgelegenen Marienheiligtümer der Alpen.

Becherhaus
Hütte • Trentino-Südtirol

Becherhaus (3.195 m)

1894 unter dem Namen Kaiserin-Elisabeth-Schutzhaus erbaut, liegt das Becherhaus (3.195 m) direkt auf dem Gipfel des Bechers, einer Erhebung am Südgrat des Wilden Freigers (3.418 m) in Südtirol. Das Becherhaus befindet sich in einer grandiosen Gletscherlandschaft, auch der Großteil der Anstiege erfolgt über Gletscher. Deshalb sollte man beim Aufstieg unbedingt auf Nummer sicher gehen und sich wegen möglicher Spalten, die nicht immer gleich zu sehen sind, stets anseilen. In nur 45 Minuten Gehzeit erreicht man den Gipfel des Wilden Freigers und genießt, wie von allen anderen Gipfeln der Übeltalfernerrunde, einen gigantischen Fernblick. Das Becherhaus, ein Stützpunkt für Bergsteiger, Kletterer und Skitourengeher, ist das höchst gelegene Schutzhaus Südtirols und von Juni bis September geöffnet. Mit der denkmalgeschützten Kapelle „Maria im Schnee“ verfügt es zudem über eines der höchstgelegenen Marienheiligtümer der Alpen.
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