Die Umballfälle im Virgental, Nationalpark Hohe Tauern, Osttirol
Foto: Christina Schwann, ökoalpin
Nationalparks in Österreich

Naturschätze von unvergleichlichem Wert

Wissenswertes • 25. Oktober 2020
von Christina Schwann

Nationalparks sind Rückzugsorte für eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten, sie bewahren ein Naturerbe von außergewöhnlicher Schönheit, spiegeln die kulturelle Vielfalt wider, sind Orte der Wissenschaft, Bildung und Information und bieten Platz für Erholung, Herausforderung und Abendteuer. Wir stellen euch die österreichischen Nationalparks vor und geben euch ein paar herbstliche Wandertipps mit auf den Weg. 

Österreich darf auf sechs Nationalparks, zwei davon grenzüberschreitend, stolz sein, die die unterschiedlichen Landschaftstypen Österreichs abdecken: Zum einen sind das die Gebirgsregionen der Hohen Tauern, das isolierte Massiv des Gesäuses mit der Enns, die undurchdringlichen Wälder der Kalkalpen, die artenreichen Auen der Donau und des Thayatales sowie die pannonisch geprägte Landschaft um den Neusiedlersee mit seinen Salzlacken und Hutweiden.

Nationalpark Neusiedlersee - Seewinkel
Foto: Christina Schwann, ökoalpin
Nationalpark Neusiedlersee - Seewinkel

Jeder dieser sechs Parks erfüllt die strengen Kriterien der IUCN, International Union for Conservation of Nature, für Nationalparke, die besagen, dass ein Nationalpark nicht nur „die ökologische Unversehrtheit eines oder mehrerer Ökosysteme im Interesse der heutigen und kommenden Generationen zu schützen“ hat, sondern auch die „Basis für geistige-seelische Erfahrung, sowie Forschung, Bildungs- und Erholungsangebote für Besucher“ schaffen soll.

Auch wenn in der so genannten „Kernzone“ die Interessen der Natur über jene des Menschen gestellt werden, soll der Mensch keinesfalls ausgeschlossen werden. Ganz im Gegenteil, Besucher sind eingeladen zu schauen, zu staunen, zu verstehen und zu schützen. In den Außenbereichen (Außenzonen) prägt traditionelle Kulturlandschaft das Bild. Die Verbindung von Natur, Kultur, Tradition, regionalen Produkten und sanftem Tourismus spielt eine essentielle Rolle in der Entwicklung von Nationalparkgemeinden und geht Hand in Hand mit dem Schutz der sensiblen Bereiche im Inneren der Parks.

Die Isel in der Nationalparkgemeinde Virgen - Kulturlandschaft
Foto: Christina Schwann, ökoalpin
Die Isel in der Nationalparkgemeinde Virgen - Kulturlandschaft

Nationalpark Thayatal

Der Nationalpark Thayatal umfasst gemeinsam mit dem tschechischen Národní park Podyjí ein Gebiet von 76,2 km2, davon 13,6 km2 in Österreich und 62,6 km2 in Tschechien. Die Thaya ist dabei nicht nur Grenzfluss zwischen den beiden Staaten, sondern auch Grenzlinie zweier sehr unterschiedlicher Klimazonen: Von Osten her drückt das trockene, pannonische Klima herein, während im Waldviertel das feuchte atlantische Klima vorherrscht. Das Ergebnis ist eine außergewöhnlich artenreiche Tier- Pflanzenwelt: 1.288 Pflanzenarten konnten bisher in den beiden Parks bestimmt werden. Über 500 Flechtenarten, 150 verschiedene Vogelarten, 950 Schmetterlingsarten und 20 Fledermausarten kommen hier vor. Zudem scheint sich auch die Wildkatze seit 2007 in den dichten Wäldern rund um die Thaya wieder wohl zu fühlen.

Webseite: Nationalpark Thayatal

Nationalpark Thayatal
Foto: mauritius images/ Ernst Weingartner
Nationalpark Thayatal

Herbstliche Wanderempfehlung: 

Nationalpark Donau-Auen

Der Nationalpark Donau-Auen blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die noch heute für Zivilcourage, Bürgerprotest und Naturverbundenheit steht. Nachdem in den 1950er Jahren der systematische Bau an Flusskraftwerken an der Donau begann und sich auf die gesamte Ökologie des Flusssystems auswirkte, sollte 1984 auch noch einer der letzten längeren, bis dahin noch freie, Donauabschnitt und seine Auwälder mit dem geplanten Kraftwerk Hainburg zerstört werden. Landesweiter Protest von Umweltorganisation und die konsequente aber gewaltfreie „Besetzung“ der Auwälder durch tausende Menschen bewirkte schließlich ein Umdenken der Bundesregierung. Am 27. Oktober 1996 wurde der Nationalpark Donau-Auen offiziell besiegelt und umfasste heute 93 km2.

Webseite: Nationalpark Donau-Auen

Wir haben den Nationalpark Donau-Auen diesen Sommer im Zuge einer abenteuerlichen Exkursion erkundet  hier zum Nachlesen: Wildnis im Wandel.

Donauauen: Natürliche Auwälder sind in ganz Österreich sehr selten geworden

Wanderempfehlung für Wasserliebhaber: 

Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel

Gemeinsam mit Ungarn erstreckt sich der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel auf rund 300 km2. Nachdem auf ungarischer Seite bereits seit 1991 der Fertö-Hanság Nemzeti Park bestand, wurde 1993 auch der österreichische Teil zum Nationalpark erklärt. Das Gebiet ist einzigartig: weite Steppenlandschaften, periodisch trockenfallende Salzlacken, der riesiges Schilfgürtel und schließlich der seichte Neusiedlersee stellen ein Paradies für eine unglaubliche Vielzahl an Vogelarten dar: Enten, Gänse, alle Reiherarten, Wachtel, Fassan, Rebhuhn, Löffler, Kormorane, Störche, Bussarde, Falken, Kraniche, Wattvögel, Möwen, Schnepfen, Singvögel… das Zusammenspiel von Wasserflächen, Schilfbereichen, extensiv bewirtschafteten Wiesen und Weiden, das pannonische Klima und der Insektenreichtum bieten tausenden Arten einen dauerhaften Lebensraum oder willkommene Rastplätze für Zugvögel auf ihren langen Reisen. Ornithologen aus aller Welt reisen in das Seewinkelgebiet und selbst als Leihe kann man sich an dem Naturschauspiel kaum satt sehen.

Webseite: Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel

Nationalpark Neusiedlersee - Seewinkel

Empfehlung für Vogelliebhaber: 

Nationalpark Kalkalpen

Der Nationalpark Kalkalpen befindet sich zur Gänze in Oberösterreich, deckt ein Gebiet von 165 km2 ab und wurde 1997 realisiert. 2017 wurden Teile des Nationalparks in den Status „UNESCO-Weltnaturerbe Buchenwälder“ erhoben. Und das zu Recht, denn 4/5 der Nationalparkfläche sind von Wald bedeckt. Obwohl dieser Wald in der Geschichte vom Menschen stark genutzt wurde, gibt es noch naturnahe Wälder im Gebiet, die heute eine natürliche Samenbank für eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten darstellen. In der Kernzone dürfen Bäume wachsen wie sie wollen, sie dürfen aber auch sterben und umfallen und als so genanntes „Totholz“ Lebensraum für Spechte, Käfer, Pilze und Flechten sein. In diese wieder neu entstehende Wildnis kehren mittlerweile einige längst verdrängte Arten zurück: Luchs, Steinadler und Fischotter sind im Nationalpark Kalkalpen wieder heimisch.

Webseite: Nationalpark Kalkalpen

Nationalpark Kalkalpen

Wanderempfehlung für Waldfreunde: 

Nationalpark Gesäuse

Der Nationalpark Gesäuse in der Steiermark ist mit seiner Gründung im Jahre 2002 der jüngste Nationalpark Österreichs. Es ist erstaunlich, dass der faszinierende Gebirgsstock des Gesäuses (Buchsteinmassiv und Hochtorgruppe), mit seinen unterschiedlichen Ökosystemen auf engem Raum, von Auwäldern, Bergwäldern, steil aufragenden Felswänden, Almen und alpinen Regionen bis dahin keinen flächendeckenden Schutz genossen hat. Als aber die Pläne für ein weiteres Kraftwerk an der Enns bekannt wurden, formierte sich Widerstand jener, die um den Naturreichtum und den kulturellen Wert des Gesäuses als „Universität des Bergsteigens“ wussten. Die enge Heimatverbundenheit drückt sich schon allein im Wort „Gesäuse“ aus, das vom Dialektwort „Xeis“ herrührt durch das sich die Enns als ungezähmter Wildfluss ihren Lauf bahnt. Heute stehen rund 120 kmunter strengem Schutz, womit das Gesäuse der drittgrößte Nationalpark in Österreich ist.

Webseite: Nationalpark Gesäuse

Nationalpark Gesäuse

Wanderempfehlung im Angesicht der Enns: 

Wandern • Steiermark

Rauchbodenweg

Dauer
1:00 h
Anspruch
T1 leicht
Länge
4,1 km
Aufstieg
157 hm
Abstieg
160 hm

Nationalpark Hohe Tauern

Der Nationalpark Hohe Tauern ist mit einer Fläche von insgesamt 1.856 km2, wovon 805 km2 in Salzburg liegen, 440 km2 in Kärnten und 611 km2 in Tirol, nicht nur der größte Nationalpark in Österreich, sondern auch der Alpen und des gesamten mitteleuropäischen Raumes. Seine Entstehungsgeschichte ist, wie bei so vielen anderen Schutzgebieten auch, von der Bedrohung durch massive technische Eingriffe in die Natur geprägt. In diesem Fall handelte es sich um Mega-Gletscherskigebiete sowie um Wasserkraftanlagen für die Energiegewinnung (z.B. Umfallfälle), die außergewöhnliche Dimensionen aufwiesen und die Hohen Tauern für immer verändert hätten. Zähe Verhandlungen, persönlicher Einsatz kritischer Vordenker und nicht zuletzt das Grundeigentum vor allem des Österreichischen Alpenvereins, der schon vor der Gründung rund 280 km2 erwerben konnte, führten schließlich in Kärnten 1981, in Salzburg 1983 und 1991 endlich auch in Tirol zur Umsetzung des Nationalparkgesetzes.

Heute stellen die Hohen Tauern einen unvergleichlichen Schatz an alpinen Lebensräumen bis hinauf auf die höchsten Gipfel, wie den Großglockner mit 3.798 m, dar. Über 340 Gletscher mit immerhin noch einer Gesamtfläche von 130 km2 prägen das Landschaftsbild, 57 Gletscherbäche rauschen unbehindert ins Tal, bilden Wasserfälle und füllen Bergseen. Steinbock und Bartgeier konnten wieder angesiedelt werden, Adler ziehen ihre Kreise und halten nach Murmeltieren Ausschau. Gipfel in Westalpenmanier wechseln mit sanften Almböden, bewirtschaftete Almen und Schutzhütten laden zur Rast und Unterkunft auf mehrtägigen Bergtouren ein.

Webseite: Nationalpark Hohe Tauern

Nationalpark Hohe Tauern

Lärchen- und Moorwanderung für Jung und Alt: 

Die sechs Nationalparks in Österreich stellen jeder für sich ein Unikat, einen Entwicklungsraum für die Natur, ein Laboratorium für die Wissenschaft und einen Freiraum für uns Menschen dar. Die enge Verbundenheit zum österreichischen Nationalfeiertag am 26. Oktober zeigt sich schon allein in den Gründungsdaten der Nationalparks, die vielfach am oder um den Nationalfeiertag offiziell bestätigt wurden. Jährlich finden rund um dieses Datum auch verschiedenste Veranstaltungen zum Mitwandern, Mitreden und Mitgestalten in den Nationalparks statt.

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