Dleskovec Plateau und Ojstrica, Steiner Alpen, Bergsteigerdorf Luče
Foto: Matevž Lenarčič
Bergsteigerdörfer

Luče – ein Dorf, das zu den Gipfeln aufblickt

Reportage • 11. November 2019
von Christina Schwann

Als ein „Nest“ inmitten der Berge wird Luče gerne bezeichnet. Geborgen, beschaulich und rundum authentisch liegt die kleine Gemeinde im Norden Sloweniens am Fuße der östlichen Ausläufer der Kamnik-Savinja-Alpen (Steiner Alpen). Das jüngste Mitglied in der Familie der Bergsteigerdörfer stellt sich vor.  

„Es ist ein Gebiet, in dem einem die Mächtigkeit der Natur bewusst wird“, ist sich Bürgermeister Ciril Rosc sicher. Gepaart mit der Freundlichkeit seiner Bewohner, einer ausgezeichneten, traditionellen Küche und netten Partnerbetrieben, darf sich Luče als wertvolles neues Mitglied im Kreise der Bergsteigerdörfer präsentieren. 

Das Bergsteigerdorf Luče liegt wie ein Nest mitten in den Bergen.
Foto: Matevž Lenarčič
Das Bergsteigerdorf Luče liegt wie ein Nest mitten in den Bergen.

Die Vielfalt liegt im Gegensatz

Die Gemeinde Luče besteht aus 7 Dörfern, die sich idyllisch an die bewaldeten Hänge im Osten der Steiner Alpen schmiegen. Das Zentrum der 110 km2 umfassenden Gemeinde bildet der Ort Luče, der etwas oberhalb des Zusammenflusses von Savinja und Lučnica liegt. Die Steiner Alpen, deren Gipfel aus Trias-Kalksteinen und Dolomiten bestehen, dominieren den Blick nach Westen und bieten imposante Bergtouren, wie etwa auf den höchsten Gipfel der Gemeinde, den Ojstrica mit 2.350 m.

Die niedrigeren Gipfel jedoch bestehen aus Andesit, einem Vulkangestein, das von den Vulkanausbrüchen von Srekovec vor 30 Millionen Jahren stammt. Im Laufe der Zeitgeschichte ist eine hügelige, artenreiche und abwechslungsreiche Landschaft entstanden, die von zum Teil tief eingeschnittenen Flusssystemen und imposanten Karsthöhlen unterbrochen wird. Geologe Prof. Ferdinand Seidl (1856 – 1942, einer der ersten modernen Slowenischen Wissenschaftler) beschrieb die Vielfalt der Landschaft um Luče so: „Die schönsten Bilder sieht man dort, wo die beiden gegenüberliegenden Landschaften sich berühren. Da wird jeder Eindruck in Gegenwart des Gegenteils zum Leben erweckt, ein endloser Wechsel von Formen und Farben, vom unerschöpflichen Einfallsreichtum der Künstlerin Natur erzeugt.“ 

Fluss Savinja und die Raduha im Hintergrund
Foto: Tomo Jeseničnik
Fluss Savinja und die Raduha im Hintergrund

Verborgene Schönheiten

Im Karst haben sich im Laufe der Jahrmillionen imposante Höhlen gebildet. Die Trbiška Zijalka am Ufer des Flusses Savinja etwa ist als Naturdenkmal eingetragen. In der 237 m langen und 30 m tiefen Höhle wurden Knochen von einem Höhlenbären gefunden und noch heute lebt dort der endemische – also nur hier vorkommende – Käfer Orotrechus Lucenis. Die Höhle kann nur mit entsprechender Ausrüstung und Führung besichtigt werden.

Auch die Erjavec-Höhle, rund 90 m über dem Flussbett der Savinja, ist als Naturdenkmal eingetragen. Sie ist 599 m lang und 91 m tief. Der äußere Teil der Höhle ist frei zugänglich, weitere Teile, wie etwa die Begehung eines schiefen Grabens, der 83 m in die Tiefe zu einem Siphonsee führt, ist nur mit professioneller Begleitung möglich. 

Besonders sehenswert und für Besucher zugänglich ist die Schneehöhle, die auf 1.556 m Höhe am südwestlichen Hang von Raduha liegt. Sie ist 10 Millionen Jahre alt und zeichnet sich durch die Eishalle und wunderschöne Tropfsteinsektoren aus. 

Snežna jama - die Schneehöhle
Foto: Tomo Jeseničnik
Snežna jama - die Schneehöhle

Frische Luft, tiefblaues Wasser, schroffer Fels

Die Vielfalt der Landschaft rund um Luče ermöglicht eine breite Palette an Aktivitäten in der intakten Naturlandschaft, wie etwa an der Savinja, die von ihrer Quelle bis nach Ljubnoa unter Naturschutz steht. Etwas nordöstlich von Luče befindet sich die Igla, eine Feslnadel, ein riesiger Obelisk, mitten im Flusssystem der Savinja einer der malerischten Orte Sloweniens. 

Wunderschöne Bergtouren führen in die Steiner Alpen und hinauf auf die höchsten Gipfel, die sich schroff vom blauen Himmel abheben. Eine Wanderung für die ganze Familie ist die Tour auf die 1.880 m hohe Korošica, die rund fünf Stunden hin und retour in Anspruch nimmt. Konditionsstarke können auch den Ojstrica, den mit 2.350 m höchsten Gipfel im Gemeindegebiet von Luče, besteigen. Den besten Blick auf die Steiner Alpen genießt man hingegen von der Raduha, die im Norden von Luče aufragt. 

Das Bergsteigerdorf Luče hat viel zu bieten

Wer so viel unterwegs ist, wird sich abends über die slowenische Küche freuen. Lokale Köstlichkeiten wie etwa Mohot, Luče-Masunek und Obersanntaler Magen sollte man unbedingt probieren, um auch geschmacklich ganz und gar in dieses einzigartige, wunderschön naturbelassene Bergsteigerdorf Luče einzutauchen und sich von der Gastfreundschaft seiner Bewohner zu überzeugen.   

Lokale Köstlichkeiten

Fakten: Bergsteigerdorf Luče

Ortschaften: Luče, Krnica, Podvolovljek, Podveža, Raduha, Strmec, Konjski, Vrh

Seehöhe: 522 m

Gebirgsgruppe: Kamnik-Savinja-Alpen (Steiner Alpen)

Wichtigste Gipfel: Ojstrica (2.350 m), Velika Zelenica (2.114 m), Veliki Vrh (2.110 m), Raduha (2.062 m), Lučki Dedec (2.023 m), Deska (1.970 m), Dleskovec (1.965 m), Križevnik (1.909 m), Lastovec (1.841 m), Rogatec (1.557 m), Lepenatka (1.425 m)

Schutzhütten:

Übernachten: Bergsteigerdorf-Partnerbetriebe: 

Links: 


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