Nationalpark-Touren

Donau-Auen: Eine Kanufahrt in die sanfte Wildnis

Reportage • 25. August 2016
von Martin Foszczynski

Steile Berge sind im Nationalpark Donau-Auen nicht zu erwarten – soviel war klar. Auf der Suche nach den Höhepunkten im flachen Naturparadies östlich von Wien.

Nationalpark Donau-Auen östlich von Wien
Foto: Martin Foszczynski
Nationalpark Donau-Auen östlich von Wien

Hoch hinaus würde es im Nationalpark Donau-Auen nicht gehen – das war mir klar. Besonders tief gab sich die Au dann aber auch nicht – zumindest nicht an diesem Juli-Wochenende. Die wilden Nebenarme der Donau sind ein gutes Stück abgesunken – eine Folge der vorangegangenen Hitzewellen. Schon kurz nach dem Start heißt es deshalb aussteigen und unser Gruppenkanu durch wadentiefen Schlamm stapfend über die Flachstelle ziehen. Doch so wird man zumindest munter – schließlich galt es schon um 6 Uhr früh beim Forsthaus in Stopfenreuth, rund 40 Autominuten östlich von Wien, anzutreten.
 
Um diese Zeit scheint auch die Tierwelt noch recht sensibel zu sein. Warum sonst hätten uns die beiden Ranger dazu angehalten, das Reden einzustellen. Selbst abrupte Bewegungen und kleine Stöße mit dem Ruder gegen die Bootswand erschrecken das Wild und vergrämen die Fische. So gleiten wir anfangs – mehr Meditation als Morgensport – fast lautlos durch die ringsum erwachende Wildnis. Erst lässt sich die Fauna noch sehr verhalten aus der Reserve locken. Eine kleine Stockente flattert, vom seltsamen Touristen-Treibgut aufgestört, vor uns von Sandbank zu Sandbank her. Schon wenig später kreist ein Seeadlerpärchen um die Wipfel der großen Pappeln. Ein Stück weiter erwidert ein Vogel von seinem Nest in schwindelerregender Höhe aus die gekonnten Pfiffe unserer Rangerin Rosemarie. Und dann werden wir sogar Zeugen eines Schauspiels, das angeblich höchstens einmal im Jahr vorkommt. Ein Wildschwein-Paar trottet in sicherer Entfernung ans Ufer, flutscht ins Wasser und schwimmt grazil auf die andere Seite. „Das war wirklich cool“, gesteht Ranger Matthias später bei der Zwischenrast mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Kanufahrt über den Stopfenreuther Arm

Während der Halbzeitpause am Ende des Stopfenreuther Nebenarms wird das Schweigegebot aufgehoben und die Ranger erzählen uns Wissenswertes zur Gegend. Von hier aus hat man einen wunderschönen Blick auf Hainburg, über dem die namengebende Burg des Heimo thront. Und siehe da! Auch einen richtigen Berg hat es hier früher gegeben. Seinen Hang zierte eine spektakuläre römische Tempelanlage, die zum daruntergelegenen Carnuntum gehörte. Dummerweise wurden Berg samt Tempelanlage in den 1960er Jahren kurzerhand abgetragen und zum – noch heute prägenden – Steinbruch gewandelt. Aber es gibt ja daneben noch den Hundsheimer und Spitzerberg. Mit 480 und 302 Meter keine Giganten – letzterer sorgt dank seiner Flugschule aber dennoch für Höhenflüge. Und: Die Donau weist in diesem Abschnitt ein Gefälle von 1,5 Metern auf und hat laut Rosemarie genau genommen Gebirgscharakter. Berg heil!
 

An der Einmündung in die Donau - im Hintergrund: Hainburg
Foto: Martin Foszczynski
An der Einmündung in die Donau - im Hintergrund: Hainburg

Wirklich (nämlich wirklich) hoch geworden wäre die Staumauer jenes Wasserkraftwerks, das die Stopfenreuther Au bis heute zum geflügelten Wort machte. „Seht ihr die Spitzen der Straßenlaternen auf der Donaubrücke?“, fragt Matthias und deutet auf das mächtige Betonbauwerk, das als Verkehrsschleuse über die Au führt. „Dort hätte die Staumauer geendet – von der Au wäre nichts mehr übrig geblieben.“ Im Dezember 1984 besetzten Gegner des Projekts den schon teilabgeholzten Abschnitt und holten nicht nur die 68er-Revolte in Österreich nach, sondern retteten die einzige funktionierende Auenlandschaft Mitteleuropas.
 
Dass diese wirklich schützenswert ist, spürt man auf dem Retourweg bei jedem Paddelschlag. Ein herrliches Wildniserlebnis voller Eindrücke und Geräusche, das die Neugierde weckt aber auch eine tiefe Ruhe in die Seele einziehen lässt. Es gebe in der Donauau kein einziges Tier und keine einzige Pflanze, die man nicht auch woanders fände, sagt Matthias. Die Artenvielfalt auf derart kleinem Raum mache sie aber einzigartig.
 

Donau-Auen: Ein wildes Naturidyll

Eines dieser Tiere ist der Biber, und der ist maßgeblich für das typische Erscheinungsbild der Au verantwortlich. Er fällt mit seinen bis zu 15 cm langen Zähnen unaufhörlich Bäume, damit sie hernach ins Wasser ragen. Auch unterirdisch hinterlässt der Nager seine Spuren – die Wohnhöhlen sind bis zu 40 Meter lang.
Um 9 Uhr vormittags liegt der nachtaktive Biber längst auf seiner faulen Haut – etwas, das auch wir nach vollzogener Kanufahrt umsetzen wollen. Spezielle Wanderungen des Nationalparks im September und Oktober machen aber das Treiben der Biber erfahrbar.

 

Infos

 
Bootsausflüge: Geführte Boots-Touren des Nationalparks sind bis Oktober buchbar. Drei Arme der Donauau – darunter der hier beschriebene Stopfenreuther Arm – können auch auf eigene Faust befahren werden. Kanus können im Forsthaus in Stopfenreuth (Uferstraße 1) geliehen werden, die Auto-Zufahrt bis zur Einstiegsstelle ist gestattet.
 
Essentials: Gelsenschutz und Sonnencreme nicht vergessen, eventuell auch Wasserschuhe falls Ausstiege notwendig sind.
 
Tipp: Am Ende der Uferstraße liegt der Wildbadeplatz Stopfenreuth, wo man entweder auf der Liegewiese oder am Naturstrand der Donau liegen (und im Fluss schwimmen) kann. Ein wunderschöner und meistens nicht überlaufener Geheimtipp für alle Badefans – zudem schön mit einer Aktivität kombinierbar.
 
Ausgewiesene Wege stehen im Nationalpark zum Wandern und Radfahren zur Verfügung.
 
Hier geht es zu allen geführten Donauau-Bootstouren in diesem Sommer.
 
Link: Nationalpark Donauauen

 
Touren im Nationalpark Donau-Auen

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