Welterbestätten der Schweiz, Teil 3

UNESCO: Tektonikarena Sardona

Wissenswertes • 27. November 2017

Die markante Kerbe rund um den zweigeteilten Piz Sardona ist nicht zu übersehen. Sie trennt das 250 bis 300 Millionen Jahre alte Verrucanogestein vom 35 bis 50 Millionen Jahre alten Flyschgestein, wobei die jüngere Gesteinsschicht unten liegt. Ein Rätsel, das dem Geopark 2008 einen Eintrag ins UNESCO-Welterbe einbrachte – doch es kann gelöst werden.

Tektonikarena Sardona Glarner Hauptüberschiebung
Foto: swiss-image.ch/Rudolf Homberger
Die „Glarner Hauptüberschiebung“ in der Tektonikarena Sardona
  • Kanton: Grenzgebiet St. Gallen, Glarus und Graubünden
  • UNESCO-Kategorie: Naturerbe

Die sogenannte „Glarner Hauptüberschiebung“ am Piz Sardona (3.056 m) und die Tektonikarena Sardona bilden das Herz des Geoparks Sardona. Hier – zwischen Murgsee, Pizol und Martinsloch bei Elm – sind  die gewaltigen geologischen Kräfte, die im Zuge der Entstehung der Alpen wirkten, besonders gut sichtbar. Über Jahrmillionen hat der Zusammenstoß der Kontinentalplatten Afrikas und Europas Berge aufgetürmt und dabei Gesteinsschichten gefaltet, gebrochen und übereinandergeschoben.

Faszinierende Glarner Hauptüberschiebung

In der Regel kamen bei diesen geologischen Vorgängen jüngere auf älteren Schichten zu liegen. In der Tektonikarena Sardona jedoch stehen die Berge Kopf: Entlang der „Glarner Hauptüberschiebung“ wurden im Zuge der Entstehung der Alpen Verrucano-Gesteine auf viel jüngere Flysch-Gesteine geschoben. Der Überschiebungsprozess dauerte bei einer Geschwindigkeit von einigen Zentimetern pro Jahr mehrere Millionen Jahre. Dabei wirkte der dazwischen liegende Lochsitenkalk, der nach Lochsite bei Sool/Schwanden benannt ist, vermutlich als eine Art Schmiermittel. Durch die Erosion des Gebirges ist die Überschiebungsfläche heute an der Erdoberfläche sichtbar. Ein in der Art weltweit einzigartiges Phänomen.

Tipp: Besonders gut zu sehen ist die Überschiebung an den durch das Martinsloch bekannten Tschingelhörnern zwischen Elm und Flims sowie bei einer Lochsite genannten Stelle im unteren Sernftal bei Sool. Der Ort liegt an einer leicht zugänglichen Stelle im Talgrund.

„Glarner Hauptüberschiebung“: Auch im Winter ist das Phänomen gut sichtbar

Vielfältiges Naturparadies Sardona

Die 2008 ins UNESCO-Welterbe aufgenommene Tektonikarena Sardona ist eine ursprüngliche Landschaft, die auf einer Fläche von rund 300 Quadratkilometern eine ungewöhnlich große Dichte an Geotopen – so nennt man die schützenswerten Gebilde, die Einblick in die Erdgeschichte geben – aufweist. Sie umfasst sieben Dreitausender – neben dem namensgebenden Piz Sardona (3.056 m) etwa auch den Ringelspitz (3.247 m). Die verschiedenen Höhenlagen, klimatischen Bedingungen und geologischen Untergründe ergeben eine große Vielfalt an Lebensräumen. Es gibt hier Hochmoore, Schwemmebenen, alpine Auen, Felslandschaften, Wälder und eine vielfältige alpine Pflanzen- und Tierwelt. Rund 800 Pflanzenarten wurden gezählt. Im Welterbe Sardona findet sich nicht nur die älteste wieder angesiedelte Steinbockkolonie der Schweiz, sie bot auch beste Voraussetzungen für die erstmalige Auswilderung von Bartgeiern in den Nordalpen im Jahre 2010.

 

UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona: Der Matossabach
Foto: Roland Gerth/ Switzerland Tourism
UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona: Der Matossabach oberhalb von Flums im Kanton St. Gallen

Fakten zum Tektonikerbe Sardona

  • UNESCO-Welterbe: seit 2008
  • Kantone: Grenzgebiet St. Gallen, Glarus und Graubünden
  • Fläche: 300 Quadratkilometer
  • Tiefster Punkt: in Ennenda auf knapp 540 m
  • Höchster Punkt: Ringelspitz, 3.247 m
  • Mehr Infos: www.unesco-sardona.ch

Zur Serie

Die Schweiz zählt derzeit zwölf UNESCO-Welterbestätten, wobei neun davon dem Kulturerbe und drei dem Naturerbe zugeordnet sind. Auch die Kulturstätten, wie die Burgen von Bellinzona, liegen zumeist in einzigartigen Naturlandschaften, die einen Besuch zusätzlich lohnen. Wir stellen auf Bergwelten.com in einer Serie alle Welterbestätten der Schweiz samt Wandertipps vor.


Tourentipps im Welterbe Sardona

Martinsloch Tschingelhorn
Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, scheint die Sonne am frühen Morgen für etwa zweieinhalb Minuten durch das Martinsloch im großen Tschingelhorn auf den Kirchturm des Bergdorfs Elm. Für den 7. September 2017 kündigt sich ein weiteres Naturphänomen an – dieses Mal wird der Mond durch das sagenumwobene Felsenfenster lugen.

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