
Die Rax: Wanderungen, Hütten und Klettersteige auf dem Wiener Hausberg
Foto: Sophie Kirchner
Kein anderer Berg hat das Wandern und Bergsteigen rund um Wien so geprägt wie die Rax. Auf ihrem 34 Quadratkilometer großen Hochplateau liegen acht Schutzhütten, dutzende Wanderwege und Klettersteige – und eine Geschichte, die bis zu Kaiser Franz Joseph zurückreicht. Wer Touren, Hütten und Planungstipps für die Rax sucht, findet hier alles, was für einen gelungenen Ausflug wichtig ist.
Warum sich die Rax lohnt
1. Das Hochplateau
Die Rax liegt rund 80 Kilometer südwestlich von Wien. Gemeinsam mit dem Schneeberg und der Hohen Wand bildet sie die „Wiener Hausberge" – die letzten ernst zu nehmenden Ausläufer der Ostalpen vor der Bundeshauptstadt. Das Raxplateau selbst erstreckt sich über 34 Quadratkilometer. Es wird von steilen Felswänden umschlossen und von unzähligen Gräben und Tälern durchzogen. Die Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark verläuft mitten über die Hochfläche. Die höchste Erhebung des Massivs ist die Heukuppe mit 2.007 Metern.
2. Die Wiege des Alpinismus
Die Rax war womöglich nicht der Ursprungsort des Bergsteigens, aber gewiss jener Ort, an dem es zum Massensport wurde: Hier wurde der sechste Klettergrad eröffnet, hier erlebte das Bergsteigen seinen Aufschwung und hier wurde die erste organisierte Bergrettung der Welt gegründet. Auslöser für Letzteres war ein Unglück am Reißtalersteig im März 1896, als drei Männer nicht von einer Tour zurückkehrten.

„Das war der Anlass, zu sagen: So eine Rettung muss viel schneller gehen“, erzählt der pensionierte Bergretter Ewald Putz, der am Fuße der Rax aufgewachsen ist.
3. Der Hausberg der Wiener
Mitte des 19. Jahrhunderts veranstaltete Kaiser Franz Joseph am Kreuzberg zu Füßen der Rax die wohl berühmteste Auerhahnjagd des Landes. Der Anziehungskraft des Kaisers folgten später die Großindustriellen, die rund um den Semmering ihre prächtigen Villen errichtet hatten. Mit ihnen kamen Künstler und Intellektuelle, die die Region zu einem kulturellen Zentrum der Monarchie machten: Arthur Schnitzler schrieb mit Blick auf die Rax seinen „Lieutenant Gustl", Sigmund Freud begründete unter anderem auf dem Otto-Haus die Psychoanalyse, und der Logopäde Viktor Frankl ließ sich auf der Rax sogar zum Bergführer ausbilden.

4. Die Pionierregion
Dass die Rax so populär wurde, lag auch an der Infrastruktur: 1854 eröffnete mit der Semmeringbahn die erste Hochgebirgsbahn der Welt und rückte den Berg von einer sechsstündigen Kutschenfahrt auf eine gute Stunde von Wien heran. Mit der Rax-Seilbahn wurde die Rax 1926 endgültig zum Ausflugsziel für ganz Wien. Wie populär die Rax als Naherholungsgebiet war, zeigen historische Aufzeichnungen aus dem Otto-Haus: An manchen Sommerwochenenden sollen dort zu Mittag bis zu 10.000 Schnitzel verkauft worden sein.
Die wichtigsten Wanderungen auf der Rax
Törlweg zum Otto-Haus – der einfache Zustieg
Ein vergleichsweise einfacher Anstieg auf das Raxplateau: Der Törlweg verläuft anfangs durch Wald, ehe sich die Landschaft zu weitläufigen Latschenfeldern öffnet. In zahlreichen Kehren gewinnt man rasch an Höhe und wird dabei immer wieder mit schönen Ausblicken auf das Raxgebiet belohnt. Im oberen Abschnitt passiert man das markante Felsentor, kurz darauf erreicht man das traditionsreiche Otto-Haus auf dem Raxplateau.
Ausgangspunkt: Hotel Knappenhof oder Rax-Seilbahn bei Hirschwang an der Rax
Strecke: 6,3 km | Dauer: 2:20 h | Höhenmeter: 1.141 hm im Aufstieg


Wandern · Niederösterreich


Wandern · Niederösterreich
Über die Brandschneide zum Otto-Haus – anspruchsvoller Nordost-Zustieg
Wer es etwas fordernder mag, wählt den Weg über die Brandschneide von Nordosten auf das Otto-Haus. Von der Talstation der Rax-Seilbahn führt der Weg zunächst entlang des Ersten Wiener Wasserleitungsweges durch das Höllental und vorbei an Kaiserbrunn. Anschließend steigt man über die Brandschneide bzw. den Kronichsteig stetig bergauf. Über die Bergstation der Rax-Seilbahn erreicht man schließlich das Otto-Haus auf dem Raxplateau.
Ausgangspunkt: Talstation der Rax-Seilbahn
Strecke: 8 km | Dauer: 3:30 h | Höhenmeter: 1.230 hm im Aufstieg, 96 m im Abstieg

Wandern · Niederösterreich
Wanderung zum Otto-Haus über die Brandschneide von der Talstation der Rax-Seilbahn

Wandern · Niederösterreich
Wanderung zum Otto-Haus über die Brandschneide von der Talstation der Rax-Seilbahn
Östliche Plateaurunde – große Hüttenrunde
Die Östliche Plateaurunde zählt zu den schönsten Rundwanderungen auf der Rax. Von der Bergstation der Rax-Seilbahn führt die Tour in einer langen Wanderschleife zu gleich mehreren Hütten: Unterwegs passiert man das Habsburghaus, die Neue Seehütte sowie die Gloggnitzer Hütte und genießt immer wieder eindrucksvolle Ausblicke auf die Wiener Hausberge. Technisch ist die Wanderung nicht schwierig, aufgrund ihrer Länge sollte sie aber keinesfalls unterschätzt werden.
Ausgangspunkt: Bergstation der Rax-Seilbahn
Strecke: 18,8 km | Dauer: 6 h | Höhenmeter: 797 hm im Aufstieg, 1.753 hm im Abstieg


Wandern · Niederösterreich


Wandern · Niederösterreich
Hüttenhopping auf dem Plateau
Wer die Rax ohne lange Tagesetappe erkunden möchte, findet in dieser Rundwanderung eine ideale Tour: Von der Bergstation der Rax-Seilbahn geht es zunächst zum Otto-Haus und weiter über den Seeweg zum Schröckenfuxkreuz und zur Neuen Seehütte. Von dort führt die Route auf die Preiner Wand (1.783 m), einen der schönsten Aussichtspunkte des Plateaus. Über die Hohe Kanzel und das Otto-Haus gelangt man schließlich zurück zur Bergstation der Seilbahn.
Ausgangspunkt: Bergstation der Rax-Seilbahn
Strecke: 10,6 km | Dauer: 4 h | Höhenmeter: 331 hm im Auf- und Abstieg


Wandern · Niederösterreich


Wandern · Niederösterreich
Erster Wiener Wasserleitungsweg
Ohne die Kaiserbrunnenquelle würde Wien durstig bleiben – über die Hochquellenwasserleitung fließt seit dem 19. Jahrhundert Trinkwasser von den Alpen in die österreichische Bundeshauptstadt. Am ersten Wiener Wasserleitungsweg folgt man der Schwarza von Hirschwang nach Kaiserbrunn durch das wunderschöne Höllental. Wer zwischendurch immer wieder die Zehen ins Wasser streckt, braucht entsprechend länger. Zurück geht es auf demselben Weg.
Ausgangspunkt: Parkplatz der Rax-Seilbahn
Strecke: 7,7 km | Dauer: 2:30 h | Höhenmeter: 110 m im Auf- und Abstieg


Wandern · Niederösterreich


Wandern · Niederösterreich
Die besten Klettersteige auf der Rax
Reißtalersteig – der Klassiker für den Einstieg
Ein eher wenig begangener, aber besonders schöner Weg führt vom Preiner Gscheid über den Reißtalersteig zum Karl-Ludwig-Haus (1.804 m). Vom Parkplatz geht es zunächst auf breiten Waldwegserpentinen aufwärts, ehe man links zum Reißtalersteig abbiegt. Der Weg führt durch Wald, dann über Wiesen zum Einstieg. Nach einer kurzen versicherten Steilstufe ist die technisch schwierigste Passage geschafft – Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind für die Dauer des kurzen Steigs trotzdem Voraussetzung. Wer am Plateau noch Höhenluft schnuppern will, hängt statt des direkten Wegs zum Karl-Ludwig-Haus eine halbe Stunde Aufstieg auf die Heukuppe (2.007 m) an.
Ausgangspunkt: Preiner Gscheid
Schwierigkeit: A/B | Dauer: 2,5 h | Höhendifferenz: 870 hm


Klettersteige · Steiermark


Klettersteige · Steiermark
Alpenvereinssteig – Geschichte zum Anfassen
Der Alpenvereinssteig im Großen Höllental zählt zu den historisch bedeutsamsten Steigen der Rax. Er wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und ist auch für Einsteigerinnen und Einsteiger gut geeignet. Nach einer kurzen Wanderung durchs Höllental beginnt der Anstieg mit einer alten Leiter. Oft verläuft die Route eher durch Geh- als durch Klettergelände, wo nötig sichern Stahlseile den Weg. Der Ausstieg liegt beim Höllentalblick, von wo man zum Otto-Haus wandern kann.
Ausgangspunkt: Weichtalhaus (563 m)
Schwierigkeit: B | Dauer: 6 h | Höhenmeter: 1.070 hm im Auf- und Abstieg


Klettersteige · Niederösterreich


Klettersteige · Niederösterreich
Haidsteig – für erfahrene Klettersteiggeher
Der Haidsteig zählt zu den spannendsten Klettersteigen Ost-Österreichs. Vom Parkplatz beim Griesleitenhof führt der Zustieg zunächst zum Bachingerbründl und über den Holzknechtsteig zum Einstieg. Im Steig warten steile Felsstufen, exponierte Passagen und die für den Haidsteig charakteristischen Eisensteigbäume. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und erste Klettersteigerfahrung sind Voraussetzung. Vom Ausstieg kann man noch kurz zur Preiner Wand wandern, bevor man über die Neue Seehütte (1.643 m) und das Waxriegelhaus (1.361 m) wieder ins Tal absteigt.
Ausgangspunkt: Parkplatz beim Griesleitenhof
Schwierigkeit: D | Dauer: 5 h | Höhenmeter: 920 hm im Auf- und Abstieg


Klettersteige · Niederösterreich


Klettersteige · Niederösterreich
Wildfährte und Karl-Kantner-Steig – die einsame Überschreitung
Diese abwechslungsreiche Überschreitung führt von Hinternaßwald über die Wildfährte auf das Raxplateau und weiter zum Preiner Gscheid. Vorbei an der markanten Bärenlochmauer und durch einen ausgesetzten Quergang ins Bärenloch erreicht man die Hochfläche. Der Abstieg erfolgt über den Karl-Kantner-Steig durch die östlichen Raxenmäuer. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Voraussetzung. Einkehrmöglichkeiten bieten unterwegs das Karl-Ludwig-Haus oder das Waxriegelhaus.
Ausgangspunkt: Hinternaßwald
Schwierigkeit: B | Dauer: 7:15 h | Höhenmeter: 1.216 hm im Aufstieg, 852 hm im Abstieg


Klettersteige · Niederösterreich


Klettersteige · Niederösterreich
Königschusswand-Klettersteig – ein schwieriger Klassiker auf der Rax
Der Königschusswand-Klettersteig zählt zu den schwierigsten Steigen der Rax und ist erfahrenen Klettersteiggeherinnen und Klettersteiggehern vorbehalten. Steile Felspassagen und ausgesetzte Kletterstellen sorgen für eine sportliche Alternative zum benachbarten Haidsteig.
Ausgangspunkt: Parkplatz beim Griesleitenhof
Schwierigkeit: D/E | Dauer: 6:30 h | Höhenmeter: 920 hm im Auf- und Abstieg


Klettersteige · Niederösterreich


Klettersteige · Niederösterreich
Die schönsten Hütten auf der Rax
Auf 1.804 Metern Seehöhe liegt das Karl-Ludwig-Haus, das 1878 vom Österreichischen Touristenklub als erstes großes Schutzhaus der Rax errichtet wurde. Direkt hinter der Hütte erhebt sich die Heukuppe (2.007 m), der höchste Gipfel des Raxplateaus.

Von der Bergstation der Rax-Seilbahn wandert man gerade einmal eine halbe Stunde auf breiten, weitgehend ebenen Wegen bis zum Otto-Haus. Entsprechend beliebt ist die Hütte als Ausflugsziel, vor allem für Familien mit Kindern.

Das Habsburghaus thront auf 1.785 Metern am Grieskogel und wird wegen seiner aussichtsreichen Lage auch „Akropolis der Rax“ genannt.

Auch das Waxriegelhaus und die Neue Seehütte sind beliebte Einkehrziele auf der Rax: Während das Waxriegelhaus oberhalb des Preiner Gscheids ein wichtiger Ausgangspunkt für Touren zur Heukuppe und zu den Klettersteigen der Südseite ist, liegt die Neue Seehütte idyllisch am Raxplateau zwischen Otto-Haus und Karl-Ludwig-Haus und lädt Wanderer auf ihren Rundtouren zur Rast ein.
Anreise und Infrastruktur
Die Rax ist sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem Auto gut zu erreichen:
Mit Bahn und Bus: Die bequemste öffentliche Anreise führt mit dem Zug bis Payerbach-Reichenau. Von dort verkehren Busse zur Talstation der Rax-Seilbahn in Hirschwang, zur Preiner Gscheid Passhöhe und zu diversen anderen Tourenausgangspunkten.
Mit dem Auto: Von Wien erreicht man die Rax mit dem Auto in gut einer Stunde. Parkplätze stehen an der Talstation der Rax-Seilbahn sowie am Preiner Gscheid zur Verfügung.
Mit der Rax-Seilbahn: Die 1926 eröffnete Rax-Seilbahn bringt Wanderer und Ausflügler von Hirschwang bequem auf das Raxplateau. Von der Bergstation sind das Otto-Haus, zahlreiche Wanderungen und mehrere Hütten auf gut ausgebauten Wegen erreichbar. An Wochenenden und in der Ferienzeit empfiehlt sich eine Reservierung bzw. frühzeitige Anreise. Hier geht's zum Fahrplan der Rax-Seilbahn.
Planung und Sicherheit
1. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind für die meisten Klettersteige und Steige auf der Rax Voraussetzung – auch bei technisch einfachen Passagen bewegt man sich häufig in ungesichertem Gelände. „Das Problem ist, dass die Klettersteige auf der Rax zwar großteils technisch nicht schwierig sind, du aber viel in ungesichertem Gelände unterwegs bist", sagt der Bergsteiger und pensionierte Bergretter Ewald Putz.
2. Alpine Gefahren: Die Rax- und Schneeberggruppe ist Wind und Wetter aus Nordosten kommend schutzlos ausgeliefert. Dementsprechend schnell kann sich das Wetter ändern, Nebel einfallen oder sogar Schnee fallen. Nicht umsonst kam und kommt es auf der Rax immer wieder zu Rettungseinsätzen, weil Personen aufgrund schlechter Sicht nicht mehr weiter können oder sich gar verirrt haben.

3. Tageslicht einplanen: Gerade im Herbst wird es auf dem Plateau schnell finster. Wer spät aufbricht, sollte den Rückweg entsprechend früh einkalkulieren.
4. Notruf: Bei einem Notfall rückt die Bergrettung Reichenau innerhalb kürzester Zeit aus. Die Notfallnummern sollte jede Wanderin und jeder Wanderer verinnerlicht haben.
Häufige Fragen zur Rax
Wie hoch ist die Rax?
Der höchste Gipfel der Rax ist die Heukuppe mit 2.007 Metern.
Wie komme ich am besten auf die Rax?
Mit Zug und Bus erreicht man von Wien aus in rund eineinhalb Stunden verschiedene Tourenausgangspunkte an der Rax, etwa die Talstation der Rax-Seilbahn. Auch die Anreise mit dem Auto ist problemlos möglich: Parkplätze stehen unter anderem am Preiner Gscheid und bei der Talstation der Rax-Seilbahn zur Verfügung.
Welche Hütte auf der Rax ist die älteste?
Das Karl-Ludwig-Haus wurde1878 vom Österreichischen Touristenklub (ÖTK) als erstes größeres Schutzhaus auf der Rax errichtet.
Welche Klettersteige auf der Rax eignen sich für Anfänger?
Der Reißtalersteig (A/B) und der Alpenvereinssteig (B) gelten als vergleichsweise einfache Einstiege, während der Haidsteig (D) fortgeschrittene Klettersteigerfahrung voraussetzt.
Ist die Rax auch für Familien geeignet?
Ja. Das Otto-Haus ist von der Bergstation der Rax-Seilbahn in einer halben Stunde auf breiten, ebenen Wegen erreichbar und daher besonders bei Familien mit Kindern beliebt. Auch der Erste Wiener Wasserleitungsweg im Tal ist familienfreundlich.
Wann ist die beste Jahreszeit für die Rax?
Der Herbst gilt als besonders reizvoll, mit klarer Fernsicht und farbigem Laub in den Zustiegen – allerdings wird es dann früher dunkel, was bei der Tourenplanung berücksichtigt werden sollte.

Berg & Freizeit

Berg & Freizeit

Berg & Freizeit

Alpinwissen

Berg & Freizeit

