Viertausender

Bergportrait: Parrotspitze (4.432 m)

Wissenswertes • 17. Mai 2019

Wir stellen euch einen weiteren Viertausender vor: Die elegante Parrotspitze im Monte Rosa-Massiv an der Grenze von Italien und der Schweiz. Inklusive: Tourenbeschreibung und Historie.

Bergsteiger am Gipfelgrat der Parrotspitze im Monte Rosa-Massiv
Foto: mauritius images / ColsTravel / Alamy
Bergsteiger am eleganten Gipfelgrat der Parrotspitze (4.432 m) im Monte Rosa-Massiv

Höhe und Lage

Die Parrotspitze ist 4.432 m hoch und befindet sich als Nebengipfel der Dufourspitze im Monte Rosa-Massiv. Sie liegt an der Grenze von Italien und der Schweiz und präsentiert sich je nach Exposition als Firnpyramide mit elegantem Gipfelgrat oder als dunkler Felsberg.

Die meisten Bergsteiger nehmen sie im Rahmen einer Überschreitung der prominenten Signalkuppe (4.554 m) in Angriff, die sich östlich der Parrotspitze befindet. Als Stützpunkt dient klassischerweise das Rifugio Gnifetti auf 3.647 m, alternativ dazu bietet sich für aus der Schweiz kommende Bergsteiger die die Monte-Rosa-Hütte (2.883 m) an.

Geschichte

Der erste Vorstoß auf den Gipfel der Parrotspitze erfolgte im Juli 1862 durch eine Seilschaft, bestehend aus drei Briten sowie den Schweizer Bergführern Christian Almer und Matthias Zumtaugwald. Die fünfköpfige Truppe schaffte es über die Ostwand bis zum Abschlussgrat, kehrte dann allerdings kurz unterhalb des Gipfels um.

Erstbesteiger der Parrotspitze: Bergführer Melchior Anderegg
Foto: Wikimedia Commons/Edward Whymper
Erstbesteiger der Parrotspitze: Der Schweizer Bergführer Melchior Anderegg 1864

Im Jahr darauf am 16. August 1863 gelang den Bergführern Melchior Anderegg und Peter Perren gemeinsam mit den Kunden Reginald S. Macdonald, Florence Crauford Grove – der 1874 auch an der Erstbesteigung des 5.642 m hohen Elbrus beteiligt sein sollte –, Montagu Woodmass und William Edward Hall die Erstbesteigung.

Sie erreichten den Gipfel über den Westgrat. Anderegg, der „König der Führer“, ist im Übrigen kein Unbekannter in der Ersteigungsgeschichte der Westalpen: Gemeinsam mit Christian Almer, der nur ein Jahr zuvor an der Erstbesteigung der Parrotspitze scheiterte, erhielt er erstmals das Schweizer Bergführerpatent.


Die Parrotspitze im Überblick:

  • Höhe: 4.432 m
  • Lage: Monte Rosa-Massiv / Östlicher Walliser Grenzkamm
  • Talort: Zermatt (CH) und Alagna (I)
  • Stützpunkt: Rifugio Gnifetti in Italien (3.647 m) oder Monte-Rosa-Hütte (2.883 m) in der Schweiz
  • Erstbesteigung: 1863

Parrotspitze im Monte Rosa-Massiv: Gipfelpanorama
Foto: Wikimedia Commons/Patrick Kurmann/CC-BY-SA 4.0
Gipfelpanorama: Blick in Richtung Westen von der Parrotspitze im Monte Rosa-Massiv

Touren

Aus Alagna fährt man zunächst mit der Kabinenbahn zur Bergstation Passo Salato/Colle d’Olen (2.864 m) auf, ehe ein knapp 800 Höhenmeter-Aufstieg zum Rifugio Gnifetti wartet. Dort empfiehlt sich – auch für eine ausreichende Akklimatisierung – eine Nächtigung. Am nächsten Morgen folgt man der Aufstiegsspur zur Signalkuppe, die zunächst nach Nordosten über den Gletscherboden hinauf in Richtung Lisjoch führt. Über das Seserjoch (4.296 m) erreicht man schließlich über den mitunter schmalen Nordostgrat den Gipfel der Parrotspitze auf 4.432 m.

Weitere lohnende Routen führen über das Piodejoch (4.283 m) auf dem Westgrat oder über die Nordnordwestflanke auf den Gipfel.


Tourentipp

Berg- und Hochtouren • Aostatal

Parrotspitze

Dauer
3:00 h
Anspruch
WS mäßig
Länge
3,4 km
Aufstieg
825 hm
Abstieg
825 hm

Gnifetti- und Monte-Rosa-Hütte im Detail:

Gnifetti Hütte
Hütte • Aostatal

Gnifetti Hütte (3.647 m)

Die große Gnifetti Hütte liegt im italienischen Monte-Rosa-Massiv auf einem Rücken zwischen Lys- und Garstelet-Gletscher. Sie ist ein idealer Stützpunkt für Bergsteiger und perfekter Ausgangspunkt für Besteigungen der Gipfel Dufourspitze, Parrotspitze, Signalkuppe und Vincent-Pyramide. Talort ist Alagna Valsesia.   
Geöffnet
Mär - Sep
Verpflegung
Bewirtschaftet
Monte Rosa Hütte
Die Monte Rosa Hütte des SAC ist „outstanding“ in vielerlei Hinsicht: Im wahrsten Sinne „outstanding“, weil sie nur über den Gornergletscher im Kanton Wallis zu erreichen ist – reine Wanderer, die noch nie auf Steigeisen gestanden sind, sollten sich besser einem Bergführer anvertrauen. Revolutionär und zukunftsweisend ist auch das Energiekonzept der 100 m oberhalb der alten Hütte gelegenen neuen Monte Rosa Hütte, welches zusammen mit der ETH Zürich entwickelt wurde. Die Architektur ist von außen eine der modernsten Hütten der Alpen und aufgrund der speziellen Lage weithin zu sehen. Etwas Besonderes ist auch das Gipfelmenü, das rund um die Hütte geboten wird: Mit Dufourspitze (4.634 m) und Nordend (4.609 m) sind der zweit- und der dritthöchste Gipfel der Alpen von der Hütte aus zu erreichen. Aber auch andere von der Monte Rosa Hütte erreichbare Gipfel wie Liskamm (4.527 m), Zumsteinspitze (4.563 m) und Signalkuppe (4.554 m) gehören zu den ganz hohen Gipfeln der Alpen. Während die Gipfel für Viertausender technisch nicht allzu schwierig sind, braucht man sich konditionell keine Sorgen zu machen, unterfordert zu sein: alle Touren sind extrem lang. So lang, dass viele Hochtourengeher die Monte Rosa Hütte mit den umliegenden Viertausendern im Rahmen einer Durchquerung besuchen – der sogenannten „Spaghettirunde“. Der reine Wanderer hat allerdings rund um die Hütte einen sehr eingeschränkten Aktionsradius: spätestens nach einer Stunde steht man an einen der umliegenden Gletscher an.
Geöffnet
Mär - Sep
Verpflegung
Bewirtschaftet

Gut zu wissen

Der Name der Parrotspitze erinnert an Friedrich Parrot, einen deutsch-baltischen Mediziner und Forscher, der unter anderem im Monte Rosa-Massiv tätig war.

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