Berg-Know-How

Was ist ein Biwak?

Wissenswertes • 9. September 2020
von Christina Schwann

Eine Nacht am Berg – geplant oder ungeplant? Aus praktischen Gründen oder aufgrund einer Notsituation? Bergwelten-Expertin Christina Schwann klärt auf und verrät, was es mit dem Biwakieren auf sich hat.

Biwak am Gipfel des Wilden Pfaffs in den Stubaier Alpen in Tirol
Foto: mauritius images / imageBROKER / Christian Vorhofer
Biwak am Gipfel des Wilden Pfaffs (3.456 m) in den Stubaier Alpen in Tirol

Biwakieren meint weder Campieren noch Zelten. Hierbei handelt es sich um verschiedene Dinge, was sich nicht zuletzt in der unterschiedlichen Rechtslage ausdrückt. Campieren und Zelten bedeutet, dass man geplanterweise ein Zelt aufstellt. Die Gesetzesregelung in Österreich unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Während das Zelten im Wald in Form eines Verbots klar geregelt ist, gelten für das alpine Ödland – also oberhalb der Baumgrenze – unterschiedliche Regelungen.

In Tirol, Kärnten und Niederösterreich ist das Aufstellen eines Zeltes außerhalb von Campingplätzen grundsätzlich verboten. In den verbliebenen Bundesländern gibt es weniger restriktive Regelungen. Dennoch sollte man sich vorab unbedingt informieren.

Das Notbiwak

Nicht unter diese eben erwähnten Regelungen fällt das Not-Biwakieren. Damit meint man das ungeplante Nächtigen am Berg aufgrund eines triftigen Grunds – sprich: bei Verletzung, ungünstiger Wettersituation, unerwarteten Schwierigkeiten, falscher Planung oder aufziehender Dunkelheit.

In diesem Fall wird man sich einen flachen und einigermaßen wind- und wettergeschützten Platz suchen und hoffentlich froh sein, die entsprechende Notfallausrüstung im Rucksack dabei zu haben:

  • Biwaksack,
  • Rettungsdecke,
  • Stirnlampe.

Ein kleiner und leichter Biwaksack gehört zur Standardausrüstung in jeden Rucksack. Auch wenn die Tour kurz ist, kann ein Notfall eintreten, der zumindest das Warten auf Rettung nach sich zieht. Der Biwaksack, wind- und wasserabweisend, bietet dann auf jeden Fall Schutz vor Auskühlung und ein gewisses Maß an Geborgenheit.

Biwak Frankreich
Foto: mauritius images / Peter Kreil
Der Biwaksack ist wind- und wasserabweisend

Auch eine leichte Daunenjacke und eine warme Mütze sind für ein Notbiwak ideal. Wer darüber hinaus noch Essen und Trinken dabei hat, kann geradezu von Komfort sprechen. Für alle anderen gilt: Durchhalten!

Notbiwak bedeutet: Man hat weder Zelt noch Isomatte dabei, von Romantik kann schon gar keine Rede sein. Aufgebrochen wird mit dem ersten Morgengrauen. Vorausgesetzt: Man ist unverletzt und psychisch in der Lage für den Aufbruch. Andernfalls gilt es auf Hilfe zu warten beziehunsgweise die Rettungskräfte zu alarmieren.

Das geplante Biwak

Manche Touren sind an nur einem Tag nicht machbar und setzen eine  – oder vielleicht sogar mehrere – Übernachtungen voraus. Kommt hierfür nun keine Hütte infrage, übernachtet man im Freien. Will heißen: Man plant das Biwakieren ein. Der Vorteil gegenüber dem Notbiwak ist freilich: Man kann sich darauf vorbereiten und entsprechende Ausrüstung mitführen, um die Nacht komfortabler zu gestalten. Einige Beispiele für solche Utensilien:

  • Schlafsack,
  • Nahrung und ausreichend Flüssigkeit,
  • Kocher zum Schneeschmelzen
Biwak mit Gaskocher
Foto: mauritius images / Bernd Ritschel
Wer geplant biwakieren will, kann Kocher und Topf mitnehmen

Weil alles an Zusatzmaterial aber natürlich auch den Rucksack schwerer macht, verzichten viele Bergsteiger bei geplanten Biwaks auf den Zusatz-Komfort und halten es mit folgender Weisheit: „Ein Biwak, bei dem man nicht friert, ist kein Biwak.“

Zu bedenken gilt: Das „vorsätzliche Biwak“ ist mit dem Zelten oder Campieren gleichzusetzen, also in Tirol, Kärnten und Niederösterreich grundsätzlich verboten.

Die Biwakschachtel

Der Vollständigkeit halber – und weil man unter dem Begriff „Biwak“ auch immer wieder auf die Biwakschachtel stößt: Biwakschachteln sind einfache Unterkünfte aus Holz oder Metall, die Platz für wenige Personen bieten. Ausstattung und Komfort können extrem unterschiedlich ausfallen: Auf fast allen Biwaks findet man Matratzen und Decken, manchmal einen Kocher und einige zurückgelassene Lebensmittel – und nur selten Komfort wie Ofen und Brennstoff, Wasser oder gar Elektrizität. Einige High-Tech-Biwakschachteln mit WLAN sind und bleiben hoffentlich die Ausnahme am Berg.

Biwakschachtel Schüsselkarspitze
Foto: mauritius images / Rolf Roeckl
Biwakschachtel auf dem Gipfel der Schüsselkarspitze im Wettersteingebirge

Wie sauber man eine Biwakschachtel vorfindet hängt vor allem von den Bergsteigern selbst ab. Seinen Müll wieder mit ins Tal zu nehmen, sollte jedenfalls genauso eine Selbstverständlichkeit sein wie das ordnungsgemäße, also saubere Zurücklassen der Biwakschachtel wie auch das Begleichen der Übernachtungsgebühr. Letztere wird zumeist einfach in eine vorhandene Kassa abgeführt. 

Biwakschachteln stehen oft an Ausgangs- und Stützpunkten für hochalpine Gipfeltouren oder an Weitwanderwegen, wo über weite Strecken keine bewirtschafteten Hütten vorhanden sind. Diese Biwakschachteln sind keine netten Ausflugshütten, sondern primär für jene Bergsteiger gedacht, die auf entsprechend anspruchsvollen Touren unterwegs sind.

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Jakob ist 15 Jahre alt und gern mit seinem Papa in den Salzburger Bergen unterwegs. Manchmal zieht er aber auch gerne alleine los und kommt erst wieder am nächsten Tag nachhause. Uns verrät er, was ihm sein Papa in den Rucksack packt, damit er seine geplanten (oder ungeplanten) Nächte im Freien nicht nur sicher sondern auch angenehm verbringt.

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