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Interview

Fell-Hersteller Werner Koch über Skifelle

Interview • 9. November 2016
2 Min. Lesezeit
von Peter Plattner

Die Skitouren-Saison steht vor der Türe. Das komplexeste Element der erforderlichen Ausrüstung sind zweifelsohne die Skifelle. Verschiedene Fell- und Kleberarten können einen da schon einmal ratlos zurücklassen. Werner Koch, Geschäftsführer von Koch Alpin und Hersteller der Contour-Felle, schließt Wissenslücken im Interview.

Skifelle
Foto: argonaut.pro
Skifelle: Das komplexeste Element der Skitouren-Ausrüstung
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Bergwelten: Klebe-, Adhäsions-, Hybridfelle. Was ist was?

Werner Koch: Unterschieden werden muss zwischen dem klassischen Klebefell, das mit einem Schmelzkleber (auf Kunstharzbasis) beschichtet ist, und alternativen Kleber-Arten, die unter dem Überbegriff Adhäsionsfelle vermarktet werden.

Worin bestehen die Unterschiede?

Das klassische Klebefell hat sich seit Jahrzehnten bewährt und ist nach wie vor für alle eingefleischten Tourengeher das Fell der Wahl. Wobei die Nachteile des Schmelzklebers bekannt sind: Bei sehr tiefen Temperaturen lässt die Haftwirkung nach, bei breiten Fellen kann das Auseinanderziehen zum Kraftakt werden. Zumindest Letzteres kann aber durch ein Trennetz („Sheet“) gelöst werden.

In den vergangenen Jahren haben sich die Fell-Hersteller verschiedene Lösungsansätze ausgedacht, um bestehende Mankos zu eliminieren. So kamen zum Beispiel Felle mit Silikonbeschichtung auf den Markt. Von dieser neuen Entwicklung waren viele begeistert, vor allem wegen der angenehmen Anwendung, etwa den abwaschbaren Klebeflächen und dem leichten Auseinanderziehen der Fell-Klebeflächen.

Auf- und Abfellen im Gelände – und Fell-Experte Werner Koch von Koch Alpin

Aber auch die Nachteile wurden bald offensichtlich, vor allem die schlechte Haftung bei Feuchtigkeit und Nässe. Hat sich hier etwas getan?

Die Idealanforderungen an den Kleber sind:

  • Dauerhafte und starke Verbindung zur Rückseite des Fells.
  • Stabile, temperaturunabhängige und leicht lösbare Verbindung zum Skibelag.
  • Leicht lösbare Verbindung von Kleber zu Kleber beim Zusammenlegen.

Das Problem: Diese Eigenschaften widersprechen sich zum Teil und können nicht in einer Kleber-Art vereint werden.

  • Silikonbeschichtungen bieten eine gute Verbindung zum Belag, verfügen dafür aber über eine weniger stabile Verbindung zum Fellrücken.
  • PU-Beschichtungen halten zwar gut am Fell, benötigen aber einen gewissen Druck, um am Belag stabil zu haften.

Unser Ansatz war nun die Kombination zweier unterschiedlich abgestimmter Kleber-Schichten – mit dem Ziel, die Vorteile der Adhäsionsfelle mit jenen der klassischen Klebefelle zu vereinen. Das funktioniert mittlerweile und nennt sich Hybridtechnologie.

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  • Wie behandelt und pflegt man diese Fell-Art?

    Beim klassischen Klebefell ist es wichtig, Verschmutzungen auf der Klebefläche zu vermeiden und ein rasches Austrocknen des Klebers durch licht- und wärmegeschützte Lagerung zu vermindern. Damit ein Klebefell optimal auf dem Skibelag haftet, muss dieser einigermaßen trocken und sauber sein. Das heißt: Das Fell sollte nicht „kalt“ sein. Bei großer Kälte empfiehlt es sich daher, schon zu Hause aufzufellen.

    Auch bei Adhäsionsfellen ist ein trockener und sauberer Skibelag entscheidend. Die Arbeit des Nachbeschichtens entfällt, denn die Haftschicht kann zur Reinigung einfach mit Wasser abgewaschen werden. Tiefe Temperaturen beeinträchtigen die Haftung kaum und auch die Lagerung ist nicht kritisch. Nur bei Hybridfellen sollte zur längeren Lagerung das Trennnetz zum Einsatz kommen, denn die Oberfläche ist deutlich klebriger als reine Adhäsionsfelle.

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  • Wann sollten die Trennnetze noch verwendet werden?

    Wer zusammengelegte Klebefelle mit wenig Kraftaufwand auseinanderziehen möchte, der sollte das Trennnetz verwenden. Bei einigen wenigen Modellen muss das Trennnetz immer verwendet werden, um ein Beschädigen des Klebers beim Auseinanderziehen zu vermeiden. Hier gilt es die Bedienungshinweise der Hersteller zu beachten.

    Was für Arten von Fellflor, also der haarigen Unterseite, gibt es?

    Generell kommen beim Fellflor drei Varianten zum Einsatz:

    • Reine Mohairfelle bestehen aus dem geschorenen Haar von Mohair-Ziegen und bieten beste Gleit-Eigenschaften. Zugleich nützen sie sich aber auch schneller ab, insbesondere auf harten Pisten.
    • Reine Synthetikfelle sind robust, weisen aber schlechtere Gleit-Eigenschaften auf. Zudem neigen sie ohne Nachimprägnierung eher zum Anstollen.
    • Mischvarianten sind am weitesten verbreitet und bieten insgesamt die beste Kombination aus Funktion und Preis.

    Wie behandelt und pflegt man den Fellflor?

    Nach jedem Einsatz sollte das Fell bei Zimmertemperatur getrocknet und nicht feucht gelagert werden. Gegen Aufstollen und Feuchtigkeitsaufnahme helfen Imprägniersprays oder Fellwachs.

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