Pinsel und Säge

Gepäckkontrolle: Wegewart

Magazin • 2. April 2019

Die Natur als Baustelle: Bernhard Hager erzählt über seine Tätigkeit als Wegewart und was er dazu an Ausrüstung braucht.

Beruf Wegewart Bernhard Hager
Foto: Kurt Keinrath & Michael Zechany
Wegewart Bernhard Hager mit seiner Ausrüstung

Die Berge sind bei mir genetisch veranlagt. Meine Eltern haben sich als Jugendführer des Alpenvereins kennengelernt, und bei uns in der Familie war der Urlaub meistens ein Bergurlaub. Zum Wandern in der Kindheit kamen als Jugendlicher bald das Skitourengehen, das Klettern und Hochtouren.

Da ich aus Wels in Oberösterreich stamme, war das Tote Gebirge mein frühester Bezugspunkt. Und dort bin ich bergsteigerisch aufgewachsen, dort habe ich die ersten Wege saniert. Einmal im Jahr gab es mit der Alpenvereinsjugend eine Markierungswanderung, und es machte mir Spaß, mit Pinsel, Säge und Baumschere unterwegs zu sein.

1998 arbeitete ich bei der Umweltbaustelle im nahen Almtal mit und erlebte die professionelle Sanierung von Steigen. Das war mein Zündfunken als Wegewart. Als es zehn Jahre später einen Generationswechsel in der Sektion Mödling gab, wollte ich die Erfahrung, die ich mittlerweile gesammelt hatte, einbringen. Aber nicht in der Geschäftsstelle: Als haptischer Typ mit einer starken Faszination fürs Handwerk war mein Platz draußen in der Natur.

Beruf Wegewart
Foto: Lisy Melchart
Bernhard Hager bei der Arbeit mit der Motorsäge

Die Lust, etwas zu schaffen

Dank meines Vaters, eines selbständigen Tischlermeisters, bin ich schon mit Holz groß geworden. Wie er machte ich die Tischlerlehre, später die HTL für Holztechnik und arbeite heute in Wien bei der Holzforschung Austria als Prüftechniker für Bauprodukte.

Nach weiteren Ausbildungen vom Alpenverein bin ich für einen Abschnitt von 55 Kilometern rund um den Admonter Reichenstein und die Mödlinger Hütte in der Steiermark zuständig. Von April bis Oktober arbeite ich bis zu acht Wochenenden gemeinsam mit einer Gruppe von zehn Leuten ehrenamtlich. Uns verbindet die Lust, gemeinsam etwas zu schaffen und dabei viel Spaß zu haben.

Im Frühjahr dokumentieren wir die Lawinenschäden und kontrollieren den Zustand der Wege. Dann wird geplant, was wir an Material – vor allem dauerhaftes Lärchenholz für Stufen und Wegweiser aus Aluminium (25, 26, 40) – brauchen und wie wir es direkt zur Baustelle bekommen.

Das Auffrischen der Markierungen (30, 31, 33, 36, 37) und Rückschneiden der Sträucher (15, 18, 29, 34) ist jedes Jahr notwendig. Bei Werkzeugen wie Wegmacher-Haue (08), Krampen (10), Brecheisen und Schaufel (11, 17) ist Muskelkraft gefragt, und Sicherheit wird zum Thema: Die Motorsäge (16) darf nur verwenden, wer dafür ausgebildet ist und einen Helm (06), eine Schnittschutzhose (13) sowie Forststiefel (14) verwendet. Trotzdem lohnt es sich, fünfmal zu überlegen, ob man sich gewisse Tätigkeiten zutraut. Im Zweifelsfall sagt man lieber Nein.

Durch das steile Gelände ist die Arbeit in den Bergen anspruchsvoll genug. Wir sind stolz, wenn wir vierzig Meter an Strecke an zwei Wochenenden schaffen. Ins Fitnesscenter braucht nachher niemand von uns mehr gehen.

Beruf Wegewart
Foto: Kurt Keinrath & Michael Zechany
Wegewart Bernhard Hager mit seiner Ausrüstung

Hier kannst du die Ausrüstungs-Abbildung sowie die vollständige Liste als PDF downloaden.

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