Vor Ort

Experten informieren: Klassiker der Ostalpen

Aktuelles • 30. März 2017
von Riki Daurer

Diese Woche haben wir uns die klassischen Berge der Ostalpen vorgenommen und bei Bergführern und Hüttenwirten die aktuellen Bedingungen nachgefragt. Da auch die Wetterprognosen gut sind, kann man nur sagen: „Auf geht's!“


1. Großglockner, 3.798 m

Glocknergruppe / Osttirol

Am Großglockner: Unterwegs in den Hohen Tauern in Osttirol

Nina Gigele war letztes Wochenende auf der Wildspitze und am Großglockner (3.798 m) unterwegs und berichtet uns von ihrer Tour: „Um 5:14 Uhr morgens sind wir vom Luckner Haus in Kals gestartet. Der morgendliche Kaffee durfte nicht fehlen und so haben wir noch eine kurze Pause auf der Stüdlhütte eingelegt. Auf der Adlersruhe realisierten wir, wie schön unser Land ist: Der Ausblick von dort ist einfach wahnsinnig schön. Mit viel Gegenverkehr auf dem Grat vom Kleinglockner zum Großglockner haben wir schließlich nach circa 5,5 Stunden den Gipfel erreicht. Der Nebel war in diesem Fall unser Glück, denn wir waren die Einzigen am Gipfelkreuz.“

Georg Oberlohr, Hüttenwirt der Stüdlhütte, ergänzt: „Wir haben seit 10. März geöffnet und werden – wenn es die Schneeverhältnisse zulassen – noch bis zum 2. Maiwochenende offen haben. Aktuell herrschen am Großglockner ideale Bedingungen: sichere Verhältnisse und Firn zur Mittagszeit“.

Tourentipps:

Der Großglockner (3.798 m)
Der mit 3.798 m höchste Berg Österreichs ist schon lange nicht mehr nur im Sommer ein beliebtes Ziel. Auch im Winter wird er von zahlreichen Bergsteigern und Bergsteigerinnen in einer meist 2-tägigen Tour erklommen. Die Herausforderung liegt dabei in der Kombination aus Skitour und anspruchsvoller Hochtour. Gemeinsam mit den Kalser Bergführern haben wir diese grandiose Tour für euch zusammengestellt. 

Hütten am Großglockner im Detail:

Stüdlhütte
Hütte • Tirol

Stüdlhütte (2.801 m)

Inmitten der imposanten Bergwelt des Nationalparks Hohe Tauern liegt die Stüdlhütte (2.801 m) direkt am Großglockner in Osttirol. Dementsprechend vielfältig ist das Angebot an Touren, das Bergwanderer, Kletterer und Skitourengeher anlockt. Quasi der Hausberg der Hütte ist der Fanatkogel (2.905 m), der direkt über der Hütte aufragt und dessen Gipfel in einer Viertelstunde zu erreichen ist. Nur rund 30 min sind es auf die Schere (3.031 m), von wo aus man einen fantastischen Blick auf Großglockner, Stüdlgrat, Ködnitzkees und Adlersruhe genießen kann. Die Hütte liegt am Weitwanderweg Adlerweg. Nur für erfahrene und gebietskundige Skitourengeher geeignet ist die große Großglocknerumrundung, die rund 8 h, mit Glockner-Besteigung sogar 10 h in Anspruch nimmt.
Geöffnet
Mär - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet
Gasthof Lucknerhaus
Hütte • Tirol

Lucknerhaus (1.920 m)

Der Alpengasthof Lucknerhaus steht im Ködnitztal am Ende der Kalser Glocknerstraße in der Ortschaft Kals in Osttirol. Das Haus ist ein idealer Ausgangspunkt um Wanderungen und Skitouren im Nationalpark Hohe Tauern, um Bergtouren in der Glockner-Gruppe zu unternehmen. Oder um Österreichs höchsten Berg, den imposanten Großglockner (3.798 m) zu besteigen. Bei  Ski-, Schneeschuhtouren und Wanderungen rund um das Lucknerhaus kommen Bergliebhaber voll auf ihre Kosten. Eine Vielzahl an Hochtouren und Gipfelbesteigungen, die alle durch wunderbare Naturlandschaft führen, stehen zur Auswahl. Abgesehen vom Großglockner können von hier aus, unter anderen, Gipfel wie der Großvenediger (3.674 m), das Böse Weibel (3.121 m), Figerhorn, Romariswand- und Gridenkarköpfe oder Weisser Knoten bestiegen werden. Im Großglockner-Resort Kals-Matrei kann klassische Ski gefahren werden. 
Geöffnet
Feb - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet
Terrasse im Winter
Die Erzherzog-Johann-Hütte (3.451 m), die auf der so genannten Adlersruhe liegt, ist die höchstgelegene Schutzhütte in Österreich. Sie ist idealer Ausgangspunkt für die zweistündige Besteigung des Großglockners, des höchsten Berges in Österreich, ein Paradies für Bergsteiger und Kletterer. Nur 344 Höhenmeter müssen zurückgelegt werden. Erforderlich sind Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und ein sicherer Umgang mit dem Seil. Als Lohn wartet ein traumhaftes Panorama im Nationalpark Hohe Tauern.
Geöffnet
Jun - Sep
Verpflegung
Bewirtschaftet

2. Wildspitze, 3.770 m

Ötztaler Alpen / Tirol

Auf der Wildspitze: Unterwegs in den Ötztaler Alpen in Tirol

Von ihrer zweiten Tour auf die Wildspitze (3.770 m) berichtet Nina Gigele: „Generell liegt wenig Schnee. Zum Teil ist es sehr abgeblasen, vor allem im oberen Drittel der Tour ist es eisig, die Spalten sind teilweise offen. Die Abfahrt erfolgte auf großteils windgepresstem Schnee, unter 2.300 m wurde es leicht firnig, der Schnee war aber schon leicht durchnässt“.

Tourentipps:


3. Großvenediger, 3.666 m

Venedigergruppe / Osttirol / Salzburg

Am Großvenediger: Unterwegs in der Venedigergruppe an der Grenze von Osttirol zu Salzburg

Claudia Studer von der Neuen Prager Hütte (2.796 m) teilt uns mit: „Wir haben voraussichtlich noch bis 23. April geöffnet. Die Verhältnisse am Großvenediger sind derzeit sehr gut!“ Das bestätigt auch Bergführer Timo Moser von Freiluftleben. Er war letztes Wochenende mit einer Gruppe am Gipfel und berichtet von perfekten Firnbedingungen: „Im Rahmen unseres Skihochtourenkurses auf der Neuen Prager Hütten trafen wir auf ideale Frühjahrsbedingungen.“

Tourentipp:

Die Neue Prager Hütte im Detail:

Neue Prager Hütte
Die Neue Prager Hütte (2.796 m) in Osttirol ist der ideale Ausgangspunkt, um den Großvenediger, die Kristallwand, das Rainerhorn sowie andere Dreitausender der Venediger Gruppe zu besteigen. Außerdem eignet sich die Hütte für Felsen- und Eiskletterer sowie für Skitourengeher. Bei Hüttenwirt Wilfried Studer kann man ebenso geführte Wanderungen buchen.
Geöffnet
Mär - Sep
Verpflegung
Bewirtschaftet

4. Zufallspitzen, 3.757 m

Ortler-Alpen / Italien

Martelltal: Zufallspitzen in den Ortler-Alpen
Foto: mauritius images / Universal Images Group North America LLC / DeAgostini / Alamy
Zufallspitze: Unterwegs im Martelltal in den Ortler-Alpen

Bergwelten-Experte Peter Righi war im Martelltal in Italien unterwegs. Er berichtet von folgenden Verhältnissen vor Ort: „Die hohen Touren kann man super befahren. In den Hängen der Veneziaspitzen hat es noch Pulver, auf den Zufallspitzen findet man tollen Firn. Aber kaum auf 2.300 m angelangt spürt man den schneearmen Winter. An der Zufallhütte ist es aper, an der Marteller Hütte hingegen liegt noch recht viel Schnee. Auf der höher gelegenen Casatihütte ist man bereits im ewigen Schnee angekommen. Außerdem herrschen dort super Firnbedingungen und der Wetterbericht verspricht Sonnenschein.“

Hütten in den Ortler-Alpen:

Casatihütte
Hütte • Trentino-Südtirol

Casatihütte (3.269 m)

Die Gianni-Casati-Hütte (und Alessandro-Guasti-Hütte) liegt am Langfernerjoch in einer Höhe von 3.269 m in einer schönen Panoramalage zwischen der Val Cedec, Sulden und dem Martelltal in der Ortler-Cevedalegruppe an der Provinzgrenze zwischen der Lombardei und Südtirol. Die Hütte ist ein idealer Ausgangspunkt für lohnende Hochtouren.
Geöffnet
Mär - Sep
Verpflegung
Bewirtschaftet
Zufallhütte
Hütte • Trentino-Südtirol

Zufallhütte (2.265 m)

Gelegen im Reich der Dreitausender des Cevedale- und Ortler-Massivs im Martelltal, zieht die Zufallhütte (2.265 m) Mountainbiker, Wanderer, Kletterer, Schneeschuhwanderer und Skitourengeher geradezu in Scharen an. Was – dem Hüttennamen zum Trotz – kein Zufall ist, gilt die Region doch als eines der schönsten Wander-, Rad- und Skitourengebiete Südtirols. Als Klassiker unter Mountainbikern gilt etwa die Tour auf das Madritschjoch, den höchstgelegenen schneefreien Alpenpass der Ostalpen. Für die meisten Gletschertouren (Hintere Schranspitze, Madritschspitze oder Zufallspitze) benötigt man Gletscherausrüstung, die Pederspitze erreicht man hingegen ohne. Puren Genuss verspricht die Drei-Täler-Wanderung von der Hütte zur Lyfialm und zurück. Rund 4 h Gehzeit ist man in diesem Fall unterwegs. Kletterer schätzen den Murmele Klettersteig direkt hinter der Hütte. Was die Abfahrten betrifft, zählt die Skitour auf die Zufallspitze zu den absoluten Höhepunkten, wobei man für den Aufstieg rund 5:30 h einplanen muss. Auf den Cevedale benötigt man bis zu 7 h – diese Tour ist auch noch im Sommer möglich.
Geöffnet
Feb - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet
Marteller Hütte
Hütte • Trentino-Südtirol

Marteller Hütte (2.585 m)

Die Marteller Hütte (2.585 m) ist im Südtiroler Martelltal, einem südlichen Seitental des Vinschgaus, beheimatet. Sie liegt oberhalb der Zufallhütte im Nationalpark Stilfser Joch in der südlichen Ortlergruppe und erfreut sich bei Wanderern, Bergsteigern, Kletterern und Skitourengehern großer Beliebtheit. Der Stützpunkt, dem zu Füßen sich ein kleiner Teich befindet, wird von nicht weniger als 15 Dreitausendern emgeben (u.a. Butzenspitze, Drei Kanonen, Königsspitze, Lyfispitze oder Plattenspitze) und zieht dank des grandiosen Ausblicks auch viele Tagesgäste an. Generell gilt das Gebiet als eines der schönsten Skitourengebiete der Ostalpen und ist bekannt für hervorragende Tiefschnee- und Firn-Verhältnisse bis Ende Mai. Aus diesem Grund öffnet die Hütte ihre Pforten nicht nur im Sommer (Mitte Juni bis Mitte Oktober), sondern auch von Mitte Februar bis Mitte Mai. Zusätzlich ist ein nicht versperrter Winterraum vorhanden.
Geöffnet
Feb - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

Tourentipps / Hüttenzustiege:


5. Monte Cevedale, 3.769 m

Ortler-Alpen / Südtirol

Ortler-Alpen: Monte Cevedale in Südtirol
Foto: Franco und Laura Gionco
Monte Cevedale (3.769 m): Unterwegs in den Ortler-Alpen in Südtirol

Bergführer Kurt Ortler aus Sulden gibt folgende Informationen zu den aktuellen Verhältnissen am Monte Cevedale (3.769 m) und an der Suldenspitze (3.376 m) durch: „Die Schneeverhältnisse sind gut und sowohl Suldenspitze als auch Cevedale zur Zeit toll zu begehen. Am Cevedale sollte man allerdings unbedingt Steigeisen dabei haben, da man im letzten Stück auf ziemlich viel Blankeis trifft.“

Tourentipps:

Skitouren • Trentino-Südtirol

Monte Cevedale

Dauer
8:00 h
Anspruch
ZS anspruchsvoll
Länge
22,4 km
Aufstieg
1.700 hm
Abstieg
1.700 hm

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