Tourentipps

Bernina-Gruppe: Die höchsten Gipfel der Ost-Alpen

Touren-Tipps • 20. Februar 2018
von Mark Buzinkay

Hier – in der Bernina-Gruppe – liegt eine der Ikonen des Alpenraums: der Piz Palü. Aber nicht nur er macht die Bernina aus: Sind die Gletscher gut eingeschneit, warten hier Skitouren auf höchstem wie schönstem Niveau. Mark Buzinkay empfiehlt uns drei solcher Klassiker.

Winterliche Bernina-Gruppe im Kanton Graubünden
Foto: Mark Buzinkay
Blick vom Piz Bernina auf den westlichen Teil der Bernina-Gruppe im Kanton Graubünden

Es gibt einige Gipfel, die stellvertretend für die Alpen stehen – darunter: der Mont Blanc, das Matterhorn, der Eiger und die Drei Zinnen. Aber auch: der Piz Palü (3.900 m). Nicht nur seine natürliche Gestalt und Schönheit haben diesen Berg zu einer Ikone des Alpenraums werden lassen, auch sein angenehm klingender Name und das Kino der 30er-Jahre. Der berühmten Bergfilm „Die weiße Hölle von Piz Palü“ ist ein Bergdrama der Sonderklasse. Die Faszination des Bergsteigens ist seither auch immer mit dem Namen Piz Palü verbunden.

Für den Film wie auch für die Entwicklung der Region hat nicht nur die Talschaft – sprich Pontresina und St. Moritz – eine Rolle gespielt, sondern auch die Berghütten. Das Berghaus Diavolezza ist eine der bekanntesten Hütten der Schweiz. Von ihr aus überblickt man die zentralen Teile der Bernina-Alpen, deren Gebiet sich westlich des Bernina-Passes im Grenzgebiet von Italien und der Schweiz erstreckt. Teile des Bergells und der Monte-Disgrazia-Berge werden ebenfalls der Bernina-Gruppe zugeordnet. Die Gipfel ragen an die 4.000 m heran und haben mit dem Piz Bernina auch den einzigen 4.000er der Ost-Alpen zu verzeichnen. Der Großteil des Geländes ist vergletschert und bietet eine faszinierende Eislandschaft mitten in Europa. Hier ist besonders der Morteratschgletscher zu erwähnen.

Nordwand des Piz Palü im Grenzgebiet von Italien und der Schweiz
Foto: Mark Buzinkay
Ikone der Alpen: Die Nordwand des Piz Palü (3.900 m) im Grenzgebiet von Italien und der Schweiz

Von der Diavolezza, welche bequem per Gondel oder zu Fuß beziehunsgweise mit Skiern vom Tal aus erreicht werden kann, genießt man einen prachtvollen Ausblick. Die Lage der Hütte ist ziemlich einmalig. Wie auf einem Balkon übersieht man den Pers-Gletscher, dahinter thronen Piz Palü, Piz Zupò, die Bellavista und rechts außen der Piz Bernina. Besonders der Piz Palü zieht mit seiner dreigliedrigen Nordwand die Blicke magnetisch an. Hängegletscher verdecken den Fels, der schwarz und kontrastreich wie Rippen aus dem blau-weißen Eismeer heraussticht. Neben der Diavolezza ist die Chamanna Boval eine bekannte und wichtige Berghütte für Gipfelaspiranten. Sie befindet sich am unteren Ende des Morteratsch.

Ein Winter in der Bernina bedeutet zunächst: Skitouren auf höchstem Niveau. Die Auswahl ist vielfältig, das Gelände jedoch auch herausfordernd – sowohl konditionell als auch skifahrerisch. Skibergsteiger kommen auf den Gipfeln der Bernina voll auf ihre Rechnung. Sind die Bedingungen nicht optimal, sollte man jedoch lieber auf andere Aktivitäten zurückgreifen. In der Region stehen etwa jede Menge Skipisten und Lifte zur Verfügung. Auch Loipen haben hier ihre feste Größe – ebenso wie Schneeschuhtrails und Pferdeschlittenfahrten.

Berghaus Diavolezza und Chamanna Boval im Detail:

Diavolezza-Hütte
Hütte • Graubünden

Berghaus Diavolezza (2.973 m)

Das Berghaus Diavolezza liegt im Herzen der Bernina-Gruppe im Kanton Graubünden im schweizerisch, italienischen Grenzgebiet. Von der Terrasse der Hütte überblickt man die gesamte vergletscherte Bergkette von den Paradegipfeln des Piz Palü über Piz Bernina, dem höchsten Punkt der Ostalpen, bis hin zum Piz Morteratsch. Das Berghaus Diavolezza selbst kann man bequem mit der Seilbahn erreichen. Wer sich seine Brotzeit ehrlich verdienen will, wandert von der Talstation über den schön gelegenen See Lej da Diavolezza zur Hütte. Neben den ernsten und ambitionierten Hochtourenzielen wartet mit dem Munt Pers in Hüttennähe ein 3.000er, der ohne Gletscherkontakt bestiegen werden kann.    
Geöffnet
Ganzjährig
Verpflegung
Bewirtschaftet
Bovalhütte
Hütte • Graubünden

Chamanna Boval (2.495 m)

Die Bovalhütte in Graubünden (rätoromanisch Chamanna da Boval) ist eine 2.495 m hoch gelegene Schutzhütte des SAC in der Berninagruppe. Sie liegt im Morteratschtal, dort wo Morteratsch- und Persgletscher zusammen treffen. Im Süden und Westen erheben sich über der Hütte die bekannten und beeindruckenden Gipfel der Berninagruppe: Piz Palü, Piz Boval, Piz Morteratsch und der Viertausender der Berninagruppe, Piz Bernina mit dem Bianco-Grat. Der Hüttenzustieg von Morteratsch erfordert etwas Trittsicherheit, ist aber auch mit größeren und geübten Kindern gut machbar. Die Kulisse um die Hütte ist ein atemberaubendes Schauspiel. Oft hört und sieht man im Sommer beeindruckende Eislawinen, die sich auf den Bergen lösen und herunterstürzen. Im Sommer ist die Boval-Hütte Ausgangspunkt für lohnende Hochtouren in allen Schwierigkeitsgraden. Es gibt einen eigenen Klettergarten und eine einfache 7 Seillängen lange Klettertour auf den Corn da Boval. Im Winter bietet sich die Boval-Hütte als Startpunkt für Touren im Morteratsch-Kessel an - oder von der Diavolezza-Seilbahn aus für die Einkehr (mit kurzem Gegenanstieg) auf der langen Abfahrt hinunter nach Morteratsch.
Geöffnet
Mär - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

Meine Skitouren-Tipps:

1. Piz Palü, 3.900 m

Der Klassiker: Bei guten Bedingungen ein absoluter Traum für jeden Skibergsteiger.

Berg- und Hochtouren • Graubünden

Skihochtour Piz Palü

Dauer
4:30 h
Anspruch
ZS anspruchsvoll
Länge
19,9 km
Aufstieg
1.200 hm
Abstieg
2.300 hm

2. Piz Bernina, 4.048 m

Für den anspruchsvollen Skitourengeher: Wer alpinistisch unerschrocken ist, wird an der Tour auf den einzigen Viertausender der Ostalpen größte Freude haben.

Skitouren • Graubünden

Skihochtour Piz Bernina

Dauer
4:45 h
Anspruch
S- schwierig
Länge
8,6 km
Aufstieg
1.482 hm
Abstieg
408 hm

3. Piz Albris, 3.166 m

Gletscherfreie Alternative in der Livigno-Gruppe: Schöne Einstimmungstour auf den „Balkon“ der Bernina-Alpen.

Skitouren • Graubünden

Piz Albris

Dauer
4:00 h
Anspruch
WS mäßig
Länge
6,8 km
Aufstieg
1.321 hm
Abstieg
0 hm

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