Allalinhorn
Foto: Puzzle Media
Hoch über dem Saastal

Das Allalinhorn: Mein erster 4.000er

Reportage • 20. September 2018
von Katrin Rath

Bergwelten Redakteurin Katrin Rath hat zwar schon einige Gipfel bestiegen, für mehr als 3.798 Meter hat es allerdings noch nicht gereicht. Zeit in die Schweiz zu fahren und diesen Umstand zu ändern. Von Saas-Fee aus geht es für sie auf das Allalinhorn (4.027 m). 

Allalinhorn
Foto: Puzzle Media
Das Allalinhorn (4.027 m) hoch über Saas-Fee

Der Wecker klingelt weit vor Sonnenaufgang, doch die Aufregung auf den Tag lässt selbst Morgenmuffel wie mich nahezu unbeschwert aus dem Bett in Saas-Fee steigen. Wenig später – es ist immer noch stockfinster – trifft unsere kleine Gruppe bei der Talstation vom Alpin Express 1 Bergführer Peter von den Saas-Fee Guides. Sonnengegerbte Haut, um diese Uhrzeit schon ein breites Grinsen im Gesicht und voller Tatendrang – ein Bergführer wie er im Buche steht. Mit der Bahn geht es hinauf zur Bergstation Felskinn, wo wir in die Metro Alpin, die höchste U-Bahn der Welt, umsteigen, um zum Mittelallalin (3.456 m) zu gelangen. Und spätestens jetzt bin ich putzmunter! Denn die Sonne geht gerade auf und taucht die Saaser Bergwelt in ein atemberaubendes Licht, während eine dicke Wolkendecke den Blick aufs Tal versperrt.

Sonnenaufgang am Mittelallalin

Wir haben jetzt aber ohnehin nur Augen für unser heutiges Ziel: Das Allalinhorn. Majestätisch baut es sich vor uns auf, der Gipfel von der aufgehenden Sonne rötlich gefärbt. Nun ist es also soweit, wir legen Klettergurt und Steigeisen an und marschieren los. Die ersten 300 Meter gestalten sich wenig alpin, müssen doch erst die Skipisten des Gletscherskigebiets Saas-Fee überquert werden bevor wir uns anseilen und den unpräparierten Feegletscher betreten. Gemächlich geht es Schritt für Schritt, Höhenmeter für Höhenmeter nach oben. Das Allalinhorn gilt mit seinen 4.027 Metern zwar als einer der leichtesten Viertausender der Schweiz, ist aber trotzdem nicht zu unterschätzen, wie Peter am Weg betont: „Viele Leute überschätzen sich und ihre Fähigkeiten und müssen erschöpft umkehren. Es sterben auch jährlich Bergsteiger am Allalinhorn.“ Auch die Klimaerwärmung trägt dazu bei, dass die objektiven Gefahren wie Gletscherspalten oder Steinschlag stetig zunehmen. Das wird uns bald bewusst als wir an eine riesige Gletscherspalte gelangen, die sich über mehrere hundert Meter quer durch das Schneefeld zieht. Sie ist inzwischen so breit, dass die Bergführer aus Saas-Fee im Juni 2018 eine 13 Meter lange Holzleiter errichtet haben, über die Bergsteiger die Spalte risikoärmer überwinden können.

Im ersten Licht des Tages starten wir beim Mittelallalin (3.456 m)

Nach dieser Schlüsselstelle geht es steil weiter bis wir das Feejoch auf 3.826 m erreichen. Von hier erstreckt sich ein einzigartiges Panorama. Bei den vorherrschenden klaren Bedingungen sehen wir das Matterhorn (4.478 m), den Grand Combin (4.314 m) und ganz im Westen sogar bis zum Mont Blanc (4.810 m). Nach einer kurzen Rast – man kann an dieser Aussicht schließlich nicht einfach so vorbeimaschieren – stapfen wir im Schnee nun der Westflanke folgend weiter nach oben. Bevor wir den Südgrat erreichen, der schließlich auf den Gipfel führt, bewältigen wir noch eine kurze felsige Passage.

Am Matterhorn vorbei geht es Schritt für Schritt in Richtung Gipfel

Fünf Minuten später ist es dann soweit – ich stehe am Gipfel meines ersten Viertausenders! Das Gefühl ist überwältigend, die Aussicht phänomenal – mein Lächeln reicht von einem Ohr zum anderen. Rund um uns eröffnet sich der Blick auf nahezu alle 48 Viertausender der Schweiz. Mönch, Jungfrau, Matterhorn, Dom und wie sie alle heißen, bilden das Panorama am Allalinhorn. „Nach einem klärenden Gewitter kann man hier sogar bis zum östlichsten Viertausender der Alpen, dem Bernina, sehen.“ Danach komme nichts mehr Interessantes, weil „mit einem kleinen Kasperle kannst du kein großes Theater machen“, erklärt der 51-jährige Saaser Bergführer – in Anspielung an das Viertausender-lose Österrich– schmunzelnd.

Nach den obligatorischen Gipfelfotos und der Jause inklusive Saaser Hauswurst treten wir schweren Herzens den Rückweg an. Der Schnee hat sich in der Mittagssonne inzwischen zu Sulz verwandelt. So schreiten wir gatschenden Schrittes dem Aufstiegsweg folgend nach unten, bis wir die Skipiste wieder erreichen. Hier herrscht nun Hochbetrieb – Skifahrer aus aller Herren Länder kommen im Sommer nach Saas-Fee, um sich auf die kommende Wintersaison vorzubereiten. Zurück am Mittelallalin genießen wir, mit dem wohlverdienten Bier in der Hand, noch einmal den Blick auf den 4.000er, während wir den Anekdoten aus Peters Bergführerkarriere lauschen.

Video zur Tour

Vielen Dank an das Tourismusbüro in Saas-Fee, das einen perfekten Aufenthalt organisiert hat.

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