Zweitausender

Bergportrait: Drei Zinnen (2.999 m)

Wissenswertes • 12. Oktober 2020
von Katrin Rath

Kaum ein Gebirgsstock hat es zu mehr Bekanntheit gebracht als die Drei Zinnen in den Sextner Dolomiten. Wir stellen die Tre Cime di Lavaredo, wie sie auf Italienisch heißen, im Detail vor.

Nordseite Drei Zinnen
Foto: mauritius images / Novarc Images / Annett Schmitz
Die Nordseite der Drei Zinnen – die wohl bekannteste Ansicht des Gebirgsstocks

Höhe und Lage

Die berühmten Drei Zinnen liegen in den Sextner Dolomiten zwischen den italienischen Provinzen Belluno und Südtirol. Die Große Zinne stellt mit ihren 2.999 m den höchsten Gipfel des Gebirgsstock dar und liegt in der Mitte des Trios. Neben ihr ragen die Westliche Zinne (2.973 m) und die Kleine Zinne (2.857 m) in die Höhe. Das Massiv besteht allerdings nicht bloß aus diesen drei Gipfeln. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere, wie etwa die Punta di Frida oder den Preußturm.

Drei Zinnen vom Paternsattel
Foto: mauritius images / P. Kaczynski
Die Drei Zinnen vom Paternsattel im Osten aus gesehen

Die Drei Zinnen sind Teil des gleichnamigen Naturparks in den Südtiroler Dolomiten, der eingebettet zwischen Pustertal im Norden, Sextental im Osten und Höhlensteintal im Westen liegt. Die südliche Abgrenzung stellt die Grenze zur Provinz Belluno dar. Der Naturpark Drei Zinnen zählt seit 2009 zum UNESCO Welterbe Dolomiten.

Geschichte

Die Drei Zinnen wurden 1869 erstmals bestiegen. Relativ spät, bedenkt man, wie beliebt die großen Alpenberge bereits Anfang des 19. Jahrhunderts unter den Alpinisten jener Zeit waren. Das liegt daran, dass damals das Expeditionsbergsteigen in den Westalpen im Fokus lag. Niedrigere Gipfel, die dafür höheres klettertechnisches Können voraussetzten, gewannen erst Mitte des Jahrhunderts an Bedeutung. So kam es auch, dass der Wiener Alpinist Paul Grohmann auf die Drei Zinnen aufmerksam wurde.

Paul Grohmann
Foto: mauritius images / Historic Images / Alamy
Der Wiener Dolomiten-Pionier Paul Grohmann

Nicht ihre Höhe, sondern die „Kühnheit ihres Baus“ bewegten den Erstbesteiger zahlreicher anderer Dolomiten-Gipfel dazu, sein Glück an der Großen Zinne zu versuchen. Mit den beiden einheimischen Führern Franz Innerkofler und Peter Salcher gelang die Erstbesteigung am 21. August 1869 über den heutigen Normalweg beim ersten Versuch. Weniger als drei Stunden waren sie unterwegs und auch noch heute wird etwa diese Zeit für die Tour, die vom Süden auf den Gipfel führt, einberechnet. 

Weil die Westliche Zinne niedriger ist und damit weniger wichtig als die Große Zinne war, sollte es noch genau zehn Jahre dauern, bis auch sie ins Blickfeld der Alpinisten rücken würde. Michel Innerkofler und Georg Ploner erreichten am 21 August 1879 den höchsten Punkt und räumten damit ein Missverständnis aus: Erst einige Tage zuvor hatten sich zwei andere Bergsteiger im Nebel vertan und hielten einen großen Felszacken für den Gipfel.

Die Kleine Zinne ist zwar noch niedriger als ihre Geschwister, allerdings umso steiler. Darum wurde sie erst im Juli 1885 erstbestiegen. Eigentlich hätten die beiden Führer Michel und Hans Innerkofler den Wiener Josef von Schlögl-Ehrenburg auf den Gipfel führen sollen. Diesen ließen sie aus heute unerfindlichen Gründen am Einstieg zurück und bahnten sich ihren Weg zu zweit über die Südwestseite in gerade mal eineinhalb Stunden nach oben. In der heutigen Literatur wird für die Besteigung der Kleinen Zinne übrigens eine Zeit von zwei bis drei Stunden angegeben.

Michel Innerhofer
Foto: gemeinfrei
Erster auf der Westlichen und der Kleinen Zinne: Der Bauer und Bergführer Michel Innerkofler

Diese Tour galt als die schwierigste Kletterei jener Zeit (Schwierigkeitsgrad: IV). Nach dieser Erstbesteigung wurde der sportlichen Komponente im Bergsport immer mehr Bedeutung zugemessen, wodurch sich das Klettern nun langsam zu einer eigenen Disziplin etablierte.

Abgesehen von den alpinistischen und sportlichen Entwicklungen rund um die Drei Zinnen spielte das Massiv auch im Gebirgskrieg (1915-1917) während des Ersten Weltkriegs eine Große Rolle. Der Gebirgsstock und seine Umgebung lagen an der Front und waren zwischen dem Königreich Italien und Österreich-Ungarn heiß umstritten.

Drei Zinnen im Winter
Foto: Unsplash / Brunetto Ziosi
Die Drei Zinnen im Winter

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind die Drei Zinnen ein beliebtes Ziel des Wandertourismus und die Besucherzahlen steigen mit jedem Jahr. Wer den Menschenmassen, die sich auf dem breiten Weg drängen, entgehen will, wählt schwierigere Routen und kommt in der Nebensaison.

TV-Tipp

Anlässlich des 80. Todestags von Emilio Comici, dem „Meister des sechsten Grades“, zieht es uns im Rahmen einer Bergwelten-Dokumentation (am 12. Oktober bei ServusTV) in die Dolomiten und zu den Drei Zinnen. Dem gebürtigen Triester gelangen zahlreiche Erstbegehungen schwieriger Routen rund um seine Wahlheimat im Grödnertal. Gemeinsam mit den Brüdern Dimai gelang Comici 1933 ein wahres Kunststück: Sie bezwangen die legendäre Nordwand der Großen Zinne. Peter Habeler begibt sich in der Dokumentation „Emilio Comici: Meister – Mensch – Mythos“ auf deren Spuren.

Peter Habeler vor den Drei Zinnen
Anlässlich des 80. Todestages von Emilio Comici, dem wohl besten italienischen Kletterer seiner Zeit, begleiten wir Kletterlegende Peter Habeler und Comici-Experten Ivo Rabanser. Die beiden folgen der Fährte der italienischen Kletterikone folgen und widerholen zwei seiner berühmtesten Touren. ServusTV zeigt die Bergwelten-Doku am 12. Oktober. 

Wer die Sendung verpasst, findet sie zum Nachschauen in der ServusTV-Mediathek.

Tourentipp

Die Drei Zinnen sind aus allen Himmelsrichtungen schön anzuschauen, darum empfiehlt sich eine mehrtägige Umrundung des Wahrzeichens der Sextner Dolomiten.

Gut zu wissen

Die Drei Zinnen sind schon lange unter ihrem heutigen Namen bekannt: In einer Karte aus dem Jahr 1774 werden sie als 3 Zinnern Spize verzeichnet, 1845 findet sich in einer Karte die Schreibform Dreizinnen-Spitze und in der Österreichischen Militärkarte von 1900 wird erstmals die verkürzte Form verwendet: „Drei Zinnen“.

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