Alpinismus

Drei Zinnen: 1. Winter-Gesamtüberschreitung

Aktuelles • 12. April 2017

Michi Wohlleben und Simon Gietl gelingt die erste Gesamtüberschreitung aller fünf Drei-Zinnen-Gipfel im Winter. Wir sagen Hut ab vor dieser Leistung und haben Hintergrundinformationen & Bilder zur Drei-Zinnnen-Traverse!

Text: Michi Wohlleben

„Als ich 2014 zusammen mit Ueli Steck die erste Nordwand Aneinanderreihung der Drei Zinnen im Winter gemacht hatte, bin ich davon ausgegangen, dass die Zinnen für mich vorerst kein Projekt mehr zu bieten hätten. Als ich allerdings 2 Monate später fasziniert von der „Fitz Roy Traverse“ in Patagonien las, schoss mir dieses Bild von den Drei Zinnen und deren Winter-Gesamtüberschreitung in den Kopf.

1. Drei Zinnen Traverse Winterbegehung
Foto: Fritz Miller
Die gesamte Traverse der Drei Zinnen im Überblick

Ich wollte alle 5 Gipfel der Zinnen-Gruppe überschreiten, dieses Mal ohne Support. Zu diesem Zeitpunkt war der Winter allerdings vorbei und somit wanderte diese Idee in den Ideenschrank. Zufällig traf ich 2015 Simon Gietl, erzählte ihm von meiner Idee und er war ziemlich schnell begeistert. Mit Roger Schaeli hatte er schon vor einigen Jahren die erste Überschreitung der Drei Zinnen Gipfel, also Westliche, Große -und Kleine Zinne, gemacht. Allerdings in 2 Tagen und ohne die zwei Gipfel Punta Frida und Preußturm. Im Winter 2015/2016 ging es sich für uns irgendwie nicht aus und wir vertagten es auf 2017.“

1. Drei Zinnen Traverse Winterbegehung

Als im Dezember mit dem „Winteranfang“ in den Dolomiten fast kein Schnee lag, war eigentlich klar, dass die Verhältnisse für unser Projekt perfekt gewesen wären. Wir hatten auch beide Zeit, aber ich war nicht wirklich motiviert bei diesen Bedingungen eine „Winterbegehung“ zu machen. Winter ist Winter ohne Kompromisse.

Es ging mir einfach nicht darum, eine „Nummer“ in das Routenbuch einzutragen, sondern um ein Erlebnis. Und das ist es für mich nur dann, wenn es sich auch so anfühlt wie „echter“ Winter. Und dieser kam dann Mitte Januar, somit war für uns erstmal Pause. Anfang März wollten wir einen ersten Versuch machen.

1. Drei Zinnen Traverse Winterbegehung

Nachdem wir uns am 16.03. einen Überblick über die Lawinensituation und die Verhältnisse gemacht und am Einstieg ein bisschen Material deponiert hatten, starteten wir schließlich am 17.03. um 6:45 Uhr in die „Scoiattoli-Kante“ an der Westlichen Zinne. Da wir beide die Route nicht wirklich gut kannten, rechneten wir mit schwerem Gelände und schlechten Haken, aber irgendwie lief es besser als gedacht und wir konnte alles am laufenden Seil in 3 gestreckten Seillängen klettern.

Nach 2 Stunden und 20 Minuten waren wir bereits am Gipfel der Westlichen Zinne. Wir lachten und sagten: „In Mathematik waren wir zwar beide nicht gut, wenn aus geplanten fünf Stunden plötzlich zwei werden, soll's uns nur recht sein.“ Wir stiegen zügig den Normalweg ab und in die „Dülferroute“ an der Westwand der Großen Zinne ein. Es war zugig und kalt aber auch hier kam uns das gleichzeitige Klettern entgegen – die ganze Zeit in Bewegung zu bleiben scheint der Schlüssel zum Erfolg bei schwierigen Winterbegehungen zu sein – und so standen wir nach einer guten Stunde in der Sonne auf dem Gipfel der großen Zinne.

Wir hielten uns nicht lange auf und stiegen den Normalweg ab. In der Scharte zwischen Großer und Kleiner Zinne kochten wir einen Liter Wasser und kletterten dann über den Normalweg auf die Kleine Zinne. Von dort seilten wir die „Innerkofler“ Route ab und stiegen über den Westgrat auf die „Punta di Frida“ auf.

Dunkel, kalt, exponiert

Uns wurde bewusst, dass jetzt eigentlich der spannendste Teil der Route kam: die Scharte zwischen Punta Frida und Preußturm. Ein abenteuerlicher Bereich der Zinnen: dunkel, kalt, exponiert. 

Die letzten Meter auf den Preußturm waren daraufhin ein Genuss. Nach 9 Stunden und 15 Minuten standen wir wieder am Boden und waren unendlich zufrieden und glücklich, dieses langersehnte Projekt beendet zu haben. Wie sagt man so schön: „Wenn's läuft, dann läuft es eben!“

1. Drei Zinnen Traverse Winterbegehung
Foto: Michi Wohlleben
Geschafft! Die 1. Drei Zinnen Traverse im Winter

Details der Route:

  • Einstieg: „Scoiattoli-Kante“ (6:45 Uhr)
  • Westliche Zinne (9:10 Uhr)
  • Scoiattoli-Kante“ 7b (VI/A2), 550m
  • Große Zinne (11:26 Uhr) „Dülfer“ 5+, 250m
  • Kleine Zinne (13:20 Uhr) „Normalweg“ 4/4+, 430m
  • Punta Frida (14:21 Uhr) „Westgrat“
  • Preussturm (14:50 Uhr) „Normalweg“
  • Ende: Boden „Preußriss“ (16:00 Uhr)

Weitere Infos zu den Kletterern

Touren um die Drei Zinnen:

Drei Zinnen Hütte
Hütte • Trentino-Südtirol

Drei Zinnen Hütte (2.405 m)

Es gibt wohl keine andere Hütte in Südtirol, die so häufig als Ziel auserkoren wird – im Sommer kommen täglich bis zu 2000 Besucher zur Drei Zinnen Hütte (2.405 m). Das liegt einerseits an der sehr geräumigen Hütte selbst, andererseits (vor allem) an der Lage am Fuße des Paternkofels, die einen unsagbaren Blick auf die berühmten Drei Zinnen (2.999 m, 2.973 m, 2.875 m) eröffnet. Die Wahrzeichen der Dolomiten scheinen von der Hütte aus zum Greifen nahe. Die Erstbesteigung der Drei Zinnen (genauer der Großen Zinne) fand 1869 statt. Heute zählen die Große, die Westliche und die Kleine Zinne bei Kletterern zu den gefragtesten Gipfelzielen der Alpen, wobei auch der Paternkofel (2.744 m), bekannt durch den Innerkofler-De-Luca Klettersteig, und der Toblinger Knoten (2.617 m) beliebte Ziele von Alpinisten sind. Wer nicht ganz so hoch hinaus möchte, dem sei die kindertaugliche Umrundung der Drei Zinnen von der Hütte aus (in beide Richtungen möglich) ans Herz gelegt: Drei Zinnen Hütte – Lange Alm – Auronzohütte – Lavaredohütte – Paternsattel – Drei Zinnen Hütte. Eine wunderschöne, sehr einfache Wanderung mit wenig Höhenunterschied (400 m, rund 4 h Gehzeit). Es geht auf einem Schotterweg vorbei an kleinen Bergseen – auch die folgenden Berge hat man dabei gut im Blick: Rautkofel (2.737 m), Schwalbenkofel (2.800 m), Schwabenalpenkopf (2.687 m), Morgenkopf (2.464 m), Toblinger Knoten (2.617 m), Sexten Stein (2.539 m), Paternkofel (2.744 m) und Passportenkopf (2.701 m). Besonders beliebt ist das Gebiet auch bei Mountainbikern, die aus einem schier unerschöpflichen Reservoir an Routen wählen können. Ab dem Paternsattel herrscht im Naturpark allerdings ein Radfahrverbot. Ähnliches gilt im Winter für Skitourengeher und Schneeschuhwanderer. Für Letztere zählt der Aufstieg aus dem Fischleintal durch das Altensteiner Tal zur Hütte zu den schönsten Unternehmungen in den Sextener Dolomiten.
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Jun - Sep
Verpflegung
Bewirtschaftet

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