Drill and Chill Bosnien
Foto: Sebastian Wahlhütter
Sommerprojekte

Sie haben Großes geschafft!

Magazin • 4. November 2016
von Mara Simperler

„Wir haben Großes vor" - unter diesem Titel haben wir in den vergangenen Bergwelten Ausgaben sechs Menschen und ihre Sommerpläne vorgestellt. Nun erzählen sie, was daraus geworden ist.

Gipfel sammeln

Magdalena Kalus und Anja Kaiser wollten auf die sieben höchsten Gipfel der Alpenländer.

You are an adventure Story Seven Summits
Foto: Youareanadventurestory
You are an adventure Story Seven Summits

„Wir haben es geschafft, wir haben die sieben höchsten Berge der Alpenländer in sechs Wochen bestiegen! Vorab wurden wir gewarnt und desillusioniert: es bestand eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieses Projekt in so einem kleinen Zeitfenster nicht möglich ist.

Aber Wetter und Körper haben mitgespielt und uns nicht enttäuscht. Am Samstag den 18. Juni standen wir auf unserem ersten Gipfel, der Zugspitze und am Samstag den 30. Juli mit dem Triglav auf dem Letzten der Seven European Summits. Wir hatten White-Out an der Zugspitze, Neuschnee an der Vorderen Grauspitze, aber vor allem atemberaubende Bergmomente!“


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3.000 Kilometer durch die Alpen

Matthias Kodym wagte sich an drei Hauptalpenwege hintereinander

-
Foto: Matthias Kodym

„Das Wetter hat mir mehr Kopfzerbrechen bereitet, als irgendetwas sonst auf meinem Trip. Als ich im Juli gestartet bin, hat es fast jeden Tag ein Gewitter gegeben. Und die letzten Tage im September bin ich durch den Schnee gelaufen. Aber die Wanderung ist trotzdem so verlaufen, wie ich mir das erwartet habe, es war ein tolles Erlebnis. Was in Österreich anders ist als auf den Trails in den USA, die ich bisher gegangen bin: Hier ist zwar in den Bergen immer was los, aber kaum jemand ist hier als Weitwanderer unterwegs. Das höchste der Gefühle ist für die meisten eine Dreitagestour.

Am Besten gefallen hat es mir dort, wo es außer Natur fast nichts gibt: Am Steinernen Meer, im Gesäuse oder in den Seckauer Tauern. Diese Gebiete will ich nächstes Jahr auf jeden Fall wieder besuchen. Aber zum Weitwandern fahre ich trotzdem lieber wieder in die USA. Österreich habe ich von Osten nach Westen jetzt drei Mal durchwandert. So viel ist da nicht mehr dazwischen.“

Sauna in Südschweden

Roman Scamoni paddelte mit dem Team Insieme durch Schweden

Kanufahren in Südschweden mit dem Team Insieme
Foto: Andrea Szabadi
Kanufahren in Südschweden mit dem Team Insieme

„Unser Trip hat meine Erwartungen auf jeden Fall erfüllt und vielleicht sogar übertroffen. Ich hätte mir zum Beispiel niemals gedacht, dass wir auf einem Biwakplatz in Schweden eine Holzsauna finden werden! Obwohl es jeden Tag zumindest ein Mal geregnet hat, hatten wir eigentlich Glück mit dem Wetter. Die Stimmung war auch super. Normalerweise gibt es in größeren Gruppen immer diesen Moment, wo es Spannungen gibt. Das haben wir völlig ausgelassen. Wir mussten uns nicht mehr zusammenraufen, weil wir uns ja schon gut gekannt haben. Der einzige Wermutstropfen ist, dass wir keinen einzigen Fisch gefangen haben. Ich glaube fast, dass ich in manchen ruhigen Momenten im Boot leise einen Fisch lachen gehört habe über unsere kläglichen Versuche.“

Die erste eigene Hütte

Julia Stauder bewirtschaftete das erste Mal die Richterhütte in Salzburg

Richterhütte
Foto: Andreas Wanner
Richterhütte

„Das ist jetzt ein gewagter Vergleich, aber der Sommer auf der Hütte war ein bisschen, wie das erste Kind zu bekommen. Man weiß vorher schon, dass ein Baby einen 24 Stunden am Tag braucht, aber wie sich das anfühlt, kann man im Vorfeld nicht wissen. Auch der Sommer auf der Hütte war intensiver als gedacht. Anfangs musste ich von der Hütte ins Tal pendeln, weil die Kinder noch in der Schule waren.

Und schlussendlich war ich nur auf einem einzigen Gipfel, gegen Ende der Saison, auf dem Windbachtalkopf. Aber selbst jetzt, wo die Anstrengung noch so präsent ist, bin ich guter Dinge für nächstes Jahr. In dieser Umgebung arbeiten zu dürfen, entschädigt mich für vieles. Wir haben viel gelernt und haben als Familie trotz aller Widrigkeiten zusammengehalten. Auch die Kinder haben auf der Hütte ihren Platz gefunden, haben Freundschaften auf Zeit geschlossen und vor allem war es sicher ein Sommer, den sie ihr Leben lang nicht vergessen werden.“

Hoch hinaus

Uwe Kern wollte mit seiner Familie auf den Gipfel des Mont Blanc

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Foto: Uwe Kern

„Die Natur hat unser Programm umgeschrieben. Es ist uns fast alles misslungen, was wir vorhatten. Das war zwar nicht erwünscht, kann aber leider im Hochgebirge nie ausgeschlossen werden. Erst verhinderte ein Gewitter die Akklimatisierungstour auf das Allalinhorn, dann zwangen mich Zahnschmerzen, auch auf das Strahlhorn zu verzichten. Am Mont Blanc fiel an unserem geplanten Gipfelwochenende im August schließlich ein halber Meter Neuschnee und das Lawinenrisiko war zu hoch für eine Besteigung. Aber 2017 gibt es wieder einen Bergsommer und wir haben unser Ziel fest eingeplant. Schau‘ mer mal, wie Franz Beckenbauer immer zu sagen pflegt.“

Fest am Fels

David Lemmerer organisierte das Kletterfestival „Drill and Chill" in Bosnien

Drill and Chill Bosnien
Foto: David Lemmerer
Drill and Chill Bosnien

„Das Kletterfestival „Drill and Chill“ in Bosnien hat meine Erwartungen dieses Jahr übertroffen, es war legendär. Wir haben sogar einen Weltrekord aufgestellt, mit einer 413 Meter langen Highline, die quer über die Schlucht gespannt war. An einer anderen Highline haben wir Hängematten aufgehängt. Ich bin als Kletterer die Höhe eigentlich gewöhnt, aber da war schon sehr viel Luft in alle Richtungen. Ich war am Festival im klassischen Organisatorendilemma: Man freut sich, wenn alles gut rennt, aber man kommt selbst wenig dazu, zu genießen, was rundherum passiert.

Auch für unseren Kletterführer waren wir viel unterwegs, haben recherchiert und sind in ganz Bosnien geklettert. Was mich besonders gefreut hat, war, dass das Drill and Chill Festival im Land so gut angekommen ist. Ungeachtet der vielen gesellschaftlichen Gräben, sind KlettererInnen aus der ganzen Region gekommen und es haben sich quer durchs Land alle mit diesem Event identifiziert. Das ist für mich ein besonderer Erfolg, wenn eine Veranstaltung dann über das Klettern hinaus Wirkung zeigt.“


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