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Bergwelten-Photorookie 2022

Ulla Lohmann: „Ein Bild muss eine Geschichte erzählen“


5 Min. Lesezeit
von Katrin Rath

Ulla Lohmann ist Fotografin und Filmemacherin und hat sich dem spektakulären Arbeitsbereich der Vulkan-Fotografie verschrieben. Sie sitzt außerdem in der Jury des Bergwelten-Photorookie-Wettbewerbs. Uns erzählt sie, wie sie von der Tellerwäscherin zur Fotografin wurde und wie man dem Photorookie-Titel einen Schritt näher kommen könnte.

Ulla Lohmann
Foto: Felix Rahm
Ulla Lohmann: Fotografin, Filmerin und Photorookie-Jurymitglied – hier am Vulkan Benbrow auf der Insel Ambrym (gehört zu Vanuatu) in der Südsee
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Bergwelten: Ulla, wie bist du zur Fotografie gekommen?

Ulla Lohmann: Ich bin quasi von der Tellerwäscherin zur Fotografin geworden. Und zwar hab ich bei einer National-Geographic-Expedition als Tellerwäscherin angeheuert und durfte auch beim Fotografieren assistieren – damals war ich 19, da war ich an meinem ersten aktiven Vulkan. Dann bin ich selbst zur Fotografin geworden, indem ich eine gute Geschichte gefunden und so lange dran gearbeitet habe, bis es dann irgendwann geklappt hat.

Kannst du inzwischen von der Fotografie leben?

Ich lebe gut vom Geschichtenerzählen, nicht unbedingt von der Fotografie alleine. Ich mache auch Dokumentarfilme, gebe Workshops, mache Expeditionsreisen – unter anderem zu aktiven Vulkanen, zum Beispiel nach Sizilien oder nach Vanuatu – und ich mache auch Multivisions-Shows.

Ich verdiene ungefähr ein Drittel meines Geldes durch eigene Produktionen. Das heißt, ich schlage ein Thema vor und mache daraus meist ein Buch, einen Film, mehrere Fotoreportagen und einen Vortrag. Da investiere ich also vorher und verdiene dann durch die Verkäufe. Ein weiteres Drittel meiner Einnahmen kommt durch Aufträge zustande.  Jene von Magazinen bringen am wenigsten Geld. Für Dokumentarfilme oder vor allem in der Werbung gibt es mehr. Letzteres mache ich aber kaum noch, da ich bereits fest in der Reportage-Fotografie angesiedelt bin.  Ein weiteres Drittel sind Experiences – wie ich sie nenne. Man kann mich auf Fotoreisen und Workshops begleiten, wo ich mein Wissen weitergebe. Also: von der Fotografie alleine kann man nicht leben, aber vom Geschichtenerzählen und von harter und stetig guter Arbeit.

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Cinque Torri
Foto: Ulla Lohmann
Kletter-Szenerie an den Cinque Torri in den Dolomiten

Hast du eine Ausbildung gemacht oder bist du quasi Selfmade-Fotografin? 

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Nach meinem Diplom in Geografie in Deutschland habe ich in Australien mit einem Stipendium den Abschluss in Umweltmanagement gemacht. Als Nebenfach habe ich in Deutschland Publizistik und den Aufbaustudiengang Journalistik gewählt. In Australien habe ich noch Foto-Journalismus dazu gemacht. Das setzt aber viel Wissen voraus. In der Fotoschule habe ich gleich im dritten Jahr begonnen, weil ich schon gute Vorkenntnisse hatte. Ich habe mir sehr viel selbst beigebracht und in unbezahlten Praktika viel gelernt. Ich war bei einem sehr guten deutschen Fotografen, der mir zwar nie viel erklärt hat, aber das war für mich erst recht ein Anreiz, zu lernen wie es geht. Ich habe mir dann geschworen, dass ich später mein Wissen auch weitergeben möchte. So bin ich zu den Workshops gekommen und bin sogar Dozentin an zwei Unis in der Schweiz und in Deutschland.

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  • Was empfiehlst du Einsteigern und Einsteigerinnen, die sich eine Existenz im Bereich der Fotografie aufbauen möchten?  

    Fokussiert euch auf Geschichten. Tolle Einzelbilder gibt es ganz, ganz viele – aber mit Geschichten kann man wirklich punkten. Wenn mein Sohn später Fotograf werden möchte, würde ich ihm raten: Such dir ein Thema, bleib an diesem Thema dran und entwickle deine Geschichte. Es ist gut, eine Nische zu besetzen. Ich bin zum Beispiel in der  Vulkan-Fotografie beheimatet. Das heißt natürlich nicht, dass ich nur Vulkane fotografiere. Ich fotografiere auch Berge und mache viel Abenteuer- und Gletscher-Fotografie. Aber bekannt geworden bin ich über die Vulkane, wodurch ich dann andere Aufträge bekommen habe. Mein Tipp für alle angehenden Fotografen: Macht etwas, woran euer Herz hängt. Ihr werdet nämlich viel Zeit mit diesem Thema verbringen.

    Tavurvur Papua-Neuguinea
    Foto: Ulla Lohmann
    Ein Junge in Papua-Neuguinea am Vulkan Tavurvur

    Du hast dich also relativ früh auf Vulkane spezialisiert – wie ist es dazu gekommen?

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    Dazu bin ich durch das Buch „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ von Jules Verne gekommen. Nach der Lektüre war es mein größter Kindertraum, einen aktiven Vulkan zu sehen. Der Traum wurde noch dadurch befeuert, dass ich mit 8 nach Pompeji gereist bin und den Vesuv gesehen habe. Der hat aber nur geraucht und keine Lava gespuckt. Mit 19 ging dann mein Traum, einen aktiven Vulkan zu sehen, schlussendlich in Erfüllung – zumindest zum Teil: Der Lavasee war vom Krater oben noch immer 600 Meter entfernt – das war mir nicht nahe genug. Ich wollte mich als erster Mensch in den Vulkan abseilen –  und das habe ich über 10 Jahre später auch geschafft.

    Welches Motiv steht auf deiner Wunschliste ganz oben? Was möchtest du unbedingt einmal vor der Linse haben?

    Mitten im Eis der Antartkis gibt es einen Vulkan mit einem aktiven Lavasee – da möchte ich unbedingt einmal hin. Ich war für Terra X schon mal auf dem Mount St. Helens (in Washington – Anm. d. Red.), wo vom Vulkan Höhlen unter dem Gletscher erschaffen wurden und durfte dort mit Forschern unterwegs sein. Ich finde solche Kontraste extrem spannend. Deswegen interessiere ich mich auch so stark für Vulkane. Sie sind ein Kontrast zwischen Leben und Tod. Vulkane haben das Leben auf unserer Erde zum Teil kreiert, aber sie können auch alles sofort zerstören.

    Vulkan Tavuvur
    Foto: Ulla Lohmann
    Ulla hat sich auf Vulkan-Fotografie spezialisiert – hier sieht man den Tavuvur-Vulkan in Papua-Neuguinea

    Du hast vorhin angesprochen, dass man in der Fotografie Geschichten erzählen muss. Wie geht man das an?

    Eine gute Geschichte hat drei Aspekte: Einzigartige Fotografie, einzigartige Geschichte und einen einzigartigen Zugang. Dafür muss man oft nicht in die weite Ferne blicken, man findet sie in der unmittelbaren Umgebung. Berg- und Landschaftsbilder, die unverwechselbar sein sollen, sind schwierig festzuhalten. Für mich muss ein Bild etwas Besonderes haben und es muss eine Geschichte erzählen, es muss berühren und den Betrachter mit auf die Reise nehmen. Das muss man als professioneller Fotograf können. Wie man das professionell vermarktet, an Redaktionen oder Verleger herantritt – das ist ein Handwerk, das man sich aneignen kann.

    Mit welcher Kamera fotografierst du am liebsten?

    Ich arbeite am liebsten mit einer relativ kleinen, leichten Kamera, die sich gut bedienen lässt und die man überall mit hinnehmen kann. Mir ist auch wichtig, dass sie sehr robust ist. Ich bin Canon-Markenbotschafterin, weil ich sehr gerne mit der Marke fotografiere. Ich habe viele andere Kameras ausprobiert und bin bei der Marke gelandet, weil die Kameras sehr robust und leicht sind und eine gute Qualität abliefern. Aktuell fotografiere ich mit der R5 und der Canon R6 – also mit spiegellosem System.

    Du sitzt in der Bergwelten-Photorookie-Jury – hast du Tipps für die Teilnehmer? Und was macht für dich ein gelungenes Foto aus?

    Die Teilnehmer sollten versuchen, mit dem Foto ein Gefühl festzuhalten und nicht eine Szenerie. Man sollte also versuchen, nicht das zu fotografieren, was man sieht, sondern das, was man fühlt. Mein Tipp ist, beim Fotografieren auch mal die Kamera zur Seite zu legen, die Szenerie wirken zu lassen und dann versuchen sie festzuhalten. Nur wenn der Fotograf ein Gefühl ins Bild packt, kann auch der Betrachter beim Anblick etwas empfinden. Wie schon erwähnt, soll das Foto eine Geschichte erzählen, es soll mich mit reinnehmen in die Situation und idealerweise verpasst es mir sogar eine Gänsehaut. Ganz oft sind es auch ruhige Bilder, die mich ansprechen – als Gegenpol zur hektischen, schnellen Welt. Und ich finde Bilder mit ein bisschen Witz toll, bunte Bilder, bei denen man schmunzeln muss. Ein gelungenes Foto ist eines, bei dem ich länger hinschauen muss. Ich bin auf Instagram sehr aktiv und scrolle mich täglich durch viele Bilder, aber es gibt einige, bei denen man hängen bleibt. Das sind ganz oft Bilder, die einen persönlich berühren.

    Welche Fotoprojekte oder Reisen stehen bei dir als nächstes an?

    Aktuell arbeite ich an einem Buch über Vulkanmenschen, das nächstes Frühjahr erscheint. Darauf freue ich mich schon riesig. Es geht darum, was wir von Menschen lernen können, die in unmittelbarer Nähe der gewaltigen, zerstörerischen Natur leben. Diese Leute haben eine ganz besondere Demut – egal ob das in Sizilien ist oder am anderen Ende der Welt in Vanuatu. Und dann bereite ich auch gerade eine Reise für Destination Red Bull vor, da geht es auch zu den Vulkanen Siziliens.

    Ulla Lohmann
    Foto: Ulla Lohmann
    Ulla in Aktion in Frankreich

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    Ulla Lohmann ist auf Instagram aktiv und hat auch eine eigene Website, auf der ihr euch über ihre neuesten Projekte informieren könnt.

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