Berg-Know-How

Was ist eine Biwakschachtel?

• 2. Juni 2021
von Christina Schwann

Sie ist klein, nur minimalistisch ausgestattet und steht meist an sehr entlegenen Orten – die Biwakschachtel. Aber zu welchem Zweck wurde sie im Gebirge aufgestellt und wofür soll oder darf man sie verwenden?

Das Glungezerbiwak ist ein Polybiwak.
Foto: Gearld Aichner
Das Glungezerbiwak ist ein Polybiwak.

1. Wo stehen Biwakschachteln?

Biwakschachteln werden dort aufgestellt, wo keine bewirtschafteten Hütten oder andere Unterkünfte in der Nähe sind, die im Notfall zu erreichen wären.

Biwakschachteln findet man daher an langen Kammwanderungen, am Fuße großer Wände oder in Scharten namhafter Gipfel. 

2. Wie sehen Biwakschachteln aus? 

Biwakschachteln können sehr unterschiedlich aussehen. Manchmal ist es nur eine einfache Holzhütte, manchmal ein futuristisches, beinahe außerirdisch anmutendes Objekt aus Aluminium. Besonders bewährt hat sich der Typ des Poly-Biwaks. Der modulare Aufbau in Oktagonform mit Aluminium-Fertigteilen ermöglicht eine rasche Errichtung und im Innenraum eine bestmögliche Platznutzung mit übereinander liegenden Schlafplätzen. 

Abgesehen von vier Wänden und einem Dach über dem Kopf haben eine Biwakschachtel und ein 5-Sterne-Hotel wenig gemeinsam. Und das ist auch gut so, denn eine Biwakschachtel soll dazu dienen, in Not geratenen Bergsteigern eine wind- und regengeschützte Notunterkunft zu bieten. Oder sie wurde aufgestellt, um die Begehung von extrem langen Touren überhaupt erst möglich zu machen. Einige dieser Biwaks sind nicht nur praktisch, sondern haben auch ganz außergewöhnliche Formen. 

3. Wie ist eine Biwakschachtel ausgestattet?

In einer Biwakschachtel findet man meist Schlafplätze mit Matratzen, Decken, Kerzen und Schneeschaufeln sowie einige Notvorräte. Die Tür ist nicht verschlossen. 

Modernere Biwakschachteln sind zudem oft mit einem Ofen oder einem Kocher ausgestattet, eventuell sogar mit einem Nottelefon. Strom oder fließendes Wasser findet man nicht in Biwakschachteln, ebenso keine Toilette. 

Die Notunterkünfte werden meist von alpinen Vereinen errichtet und gewartet. Wer immer eine Biwakschachtel benützt, ist angehalten, sie in ordentlichem Zustand zu verlassen und seinen Müll selbstverständlich ins Tal mitzunehmen. 

Ausstattung des Mitterkarbiwaks am Karnischen Kamm.
Foto: Anton Goller
Ausstattung des Mitterkarbiwaks am Karnischen Kamm.

4. Was ist der Zweck einer Biwakschachtel? 

Biwakschachteln dienen in erster Linie in Not geratenen Bergsteigern und Bergsteigerinnen als Schutz. Wenn etwa auf einer langen Tour das Wetter plötzlich umschlägt, oder sich ein Mitglied der Gruppe verletz und ein Rettungseinsatz vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr möglich ist, dann dient eine vor Ort vorhandene Biwakschachtel als regen- und windgeschützte sichere Unterkunft für die Nacht.

Das Glocknerbiwak etwa steht auf 3.205 m an der Nordseite des höchsten Berges Österreichs. Es wurde 2020 neu errichtet, da das alte aus dem Jahr 1957 durch Feuchtigkeitsschäden unbrauchbar geworden war. Der Alpenverein möchte damit Bergsportlern, die den Großglockner von Norden her besteigen wollen, im Notfall eine sichere Unterkunft bieten. 

Vielfach stehen Biwakschachteln aber auch an strategischen Punkten, um Bergsteigern und Bergsteigerinnen auf sehr langen Touren, etwa Überschreitungen, Klettertouren oder Kammwanderungen in Regionen, wo kaum Hütten oder andere Unterkünfte zu finden sind, eine sichere Übernachtungsmöglichkeit zu gewähren. 

In den vergangenen Tagen wurde eine moderne Biwakschachtel hinter dem alten, baufälligen Glocknerbiwak auf 3.205 m aufgestellt. Hier seht ihr beeindruckende Bilder vom Baufortschritt am höchsten Berg Österreichs.

5. Was ist eine Biwakschachtel sicher nicht? 

Keinesfalls ist eine Biwakschatel ein romantisches Ausflugsziel für Sparfüchse und schon gar keine Partylocation. Sie ist keine Selbstversorgerhütte. 

Meist sind die Anstiege zu einem Biwak so lange und mühsam, dass sie für den „normalen“ Wanderer nicht zu erreichen sind, aber dennoch kommt es immer öfter vor, dass Biwakschachteln zweckentfremdet genutzt werden. Müll, Fäkalien und Unordnung verbleiben vor Ort und die Vorräte werden aufgebraucht. Das Schlimmste daran – die Unterkunft steht gegebenenfalls für einen Notfall nicht zur Verfügung. 

Die alpinen Vereine appellieren gemeinsam mit beispielsweise Schutzgebieten, in denen die Biwakschachteln oft stehen, diese ausschließlich für Notfälle oder bei Touren, die eine Zwischenübernachtung tatsächlich unerlässlich machen, zu nutzen.

Tipp: Der Österreichische Alpenverein hat zu den Biwakschachteln und ihrer Nutzung einen sehr informativen Artikel verfasst. 

Das dichte Netz an bestens ausgestatteten, bewirtschafteten Hütten sowie eine ganze Reihe von Selbstversorgerhütten bietet jedenfalls genug Platz für all jene, die gerne eine Nacht in den Bergen verbringen wollen. 

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