Instagram-Interview

Panorama: Fotograf Stefan Leitner

Blog • 13. September 2016
von Simon Schöpf

Wer das Bergwelten Magazin Oktober/November 2016 aufschlägt, der sieht auf der Doppelseite 6/7 ein wunderbar-stimmiges Bild aus dem Nationalpark Gesäuse. Der Mann hinter der Linse: Stefan Leitner. Wir stellen euch den Fotografen im Interview näher vor, Bergfoto-Tipps inklusive!

Stefan Leitner Gesäuse Bergwelten Magazin
Foto: Stefan Leitner
Stefan Leitner ist schon am Vorabend und noch bei Schlechtwetter zur Admonter Hütte aufgestiegen, um am nächsten Morgen diesen Blick auf das steirische Gesäuse bei Nebel und Morgenlicht einzufangen.

Bergwelten: Dein Foto ist doppelseitig ganz vorne im aktuellen Bergwelten-Magazin abgedruckt. Erzähl uns doch kurz die Geschichte, wie es zu dem Shot kam.

Stefan Leitner: Ein befreundeter Kameramann (Gerfried Guggi) und ich wollten diese Morgenstimmung mit Nebel, Bewölkung und Morgenlicht einfangen. Aus diesem Grund stiegen wir am Vorabend und bei Schlechtwetter zum Admonter Haus auf, da sich laut Wetterbericht die Wolkendecke in den frühen Morgenstunden lichten sollte. Nach ein paar Stunden Schlaf stiegen wir Richtung Natterriegel/Hexenturm auf, um einen Blick in das gesamte Gesäuse zu erlangen. Wir hatten an diesem Tag das Glück, da die erhoffte Stimmung eintrat und wir die perfekten Motive vorfanden.

Admonterhaus
Hütte • Steiermark

Admonter Haus (1.725 m)

Das Admonter Haus (1.725 m) steht am östlichen Rand der Haller Mauern, einer kleinen Gebirgskette der Nördlichen Kalkalpen. Sie bildet den nordwestlichen Rand der Ennstaler Alpen und wird emotional zu den Gesäuse-Bergen gezählt. Die Kalkwände der Haller Mauern ziehen Kletterer und auch Wanderer, die ruhige Touren abseits der lebhaften Gesäuse-Pfade machen wollen. Kletterer finden anspruchsvolle Touren im Kalk der Haller Mauern vor. Wanderer zieht es auf den Großen Pyhrgas, der höchste Gipfel in dieser Kette, den Scheiblingstein, zu Nord-Süd-Überschreitungen dieser zwei Gipfel, oder auf den Hexenturm. Aber auch zu den Almen in der Oberlaussa. Das 1894/95 erbaut Admonter Haus hat seinen Platz am Grabnertörl zwischen Mittagskogel und Admonter Warte. Am Grabnertörl öffnet man sich den Weg auf Natterriegel (2.065 m) und zum Hexenturm (2.172 m). Die Hütte führt ein beschauliches Dasein und ist in seiner Ursprünglichkeit bewahrt geblieben.
Geöffnet
Mai - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Das ist eine recht lustige und unübliche Geschichte. Im Grunde kam ich zur Fotografie, weil meine damaliger E-Herd das zeitliche segnete. Durch eine unglückliches Missgeschick drang überkochendes Wasser in die Elektronik ein und führte zu einem folgenschweren Kurzschluss. Die verursachende Person entschädigte mich zur Wiedergutmachung mit einer kleinen Digitalkamera (Sony W12). Das war vor mittlerweile 8 Jahren. Zwei Jahre danach habe ich meine alten Job aufgegeben und mich als Fotograf selbstständig gemacht.

Deine 3 Tipps für ein wirklich gelungenes Bergfoto?

  • Sehr früh aufstehen oder hinauf gehen, wenn alle anderen runter gehen. Die besten Lichtstimmungen hat man einfach bei Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang. Meine Lieblingslichtstimmung ist meistens kurz davor oder danach.
  • Es muss nicht immer der perfekt wolkenlose Himmel sein. Erst eine Struktur im Himmel (Wolken, Nebel, etc.,) geben dem Bild einen gewissen Touch.
  • Ein Begleiter ist immer von Vorteil, welchen man in das Motiv integriert. Durch die Anwesenheit einer Person haucht man dem Motiv erst Leben ein und gibt dem Ganzen eine Relation.

Gibt’s ein Lieblings-(Berg)-Fotoplatzerl von dir?

Das ist wohl der Mittagskogel im Gesäuse, da ich einfach drei massive Bergebenen vor mir habe. Dort wurde auch das oben gezeigte Bild aufgenommen.

Welche Sujets lichtest du am liebsten ab?

Eigentlich alles, was im alpinen Bereich stattfindet. Am liebsten sind mir die Momente kurz nach dem Sonnenuntergang. Dieses reduzierte und weiche Licht ermöglicht mir es, eine Landschaft mit allen Details abzulichten.

Mit welcher Ausrüstung arbeitest du? Must-Haves?

  • Fotografiert wird mit einer Digitalen Mittelformat (Pentax 645Z). Dazu verwende ich meistens eine 35mm / 2,8 Linse. Zusätzlich habe ich eine 75mm und 150mm Fixbrennweite bei mir.
  • Ich habe aber auch immer eine Hasselblad 500 bei mir. Mag einfach den Look dieser Kamera. Optimaler Weise verwende ich diese mit Ilford Schwarzweiß-Filmen. Wenn's um Farbe geht vertraue ich Kodak Portra Filmen.
  • Ebenfalls immer dabei ist eine leistungsstarke Stirnlampe. Meistens ist es beim Ab- bzw. Aufstieg dunkel. Zusätzlich kann man damit recht interessante Lichtspots setzten.

Was ist deine Instagram-Post-Hauptmotivation?

Instagram bietet die Möglichkeit, seine Arbeiten einer breiten Masse zu präsentieren. Gleichzeitig findet man wirklich gute Fotografen, auf die man auf herkömmlichen Weg nicht stoßen würde. Klar, es gibt gewisse Trends auf Instagram und ich müsste lügen, wenn ich sage, man würde diese nicht selbst bedienen (einzelne Person in weiter Landschaft, gelbe Regenjacke, etc). Ich denke jedoch, dass sich das wieder ändern wird. Bin gespannt, was als nächstes kommt. Jedenfalls ist es interessant und ich möchte es auch nicht missen, da das fotografische Level teilweise unglaublich hoch ist.

Dein Instagram-Success-Secret?

Gibt es da eines? Zähle mich persönlich nicht zu den erfolgreichen Instagrammern. Braungebrannte Frauen in Bikinis haben noch immer hunderttausende Follower mehr, als Menschen die einfach nur Natur bzw. „das Echte“ fotografieren. Natürlich gibt es aber auch Ausnahmen. Ich denke es gibt kein Geheimnis. Bodykult und Selbstinszenierung dominieren dennoch Instagram. Natur und Berge sind da in der Minderheit. Hoffe, das sich das noch ändern wird.

Follower für die Welt: Diesen 3 Instagrammern sollten alle Bergliebhaber folgen!

Gibt es einen Shot, von dem du schon ewig träumst, aber noch nie in den Kasten bekommen hast?

Da gibt's viele und es werden immer mehr. Aber es ist Zeitverschwendung, einen perfekten Shoot hinterher zu jagen. Des besten passieren immer dann, wenn man nicht damit rechnet. Deine Umgebung definiert das Motiv. Man kann nur hoffen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und um so mehr man draußen ist, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit. Das ist auch das Salz in der Outdoorfotografie – der Moment, der nicht besser sein könnte. Der ist nie auf der Liste gestanden. Aber in dem Moment wo er passiert, ist er auch schon abgehackt. Weil man einfach da war.

Stefan, danke für das Interview und eine schöne Zeit draußen!

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