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Sicherheit

Gefahrencheck beim Skitourengehen

• 14. Dezember 2017
von Peter Plattner

Egal ob auf Ski- oder auf Skihochtour: Es gibt einige Punkte im Gelände zu berücksichtigen, um tolle Aufstiege und sichere Abfahrten zu erleben. Bergführer Peter Plattner verrät, welche das sind.

Winter: Auf Tour im Gelände
Foto: argonaut.pro
Auf Tour: Prognosen und Erwartungen mit der Realität im Gelände abgleichen
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Hat die entsprechende Tourenplanung am Vorabend oder in der Früh zu einem realistischen und lohnenden Ziel geführt, steht dem Start ins Gelände nichts mehr im Wege. Dort gilt es dann die Prognosen von Lawinenlage- und Wetterbericht sowie die Beschreibungen aus der Führerliteratur mit der Realität abzugleichen.


Mehr zum Thema: Tourenplanung


  • Lokale Gefahrenquellen

    Die ausgegebene Lawinengefahrenstufe bezieht sich immer auf eine ganze Region. Im lokalen Gebiet – also auf „unserer“ Tour – kann die Sache darum immer etwas anders als prognostiziert aussehen. Alle Gefahrenquellen, vor allem die Lawinenprobleme Triebschnee, Neuschnee und Nassschnee, müssen selbstständig vor Ort bewertet werden. Je nach Topografie und lokalen Wetterphänomenen kann es dabei von Geländekammer zu Geländekammer Unterschiede geben.


    Mehr zum Thema: Lawinenlagebericht


  • Auf Tour sollte man sich gedanklich permanent mit den 5 Lawinenproblemen auseinandersetzen und sie je nach Geländeabschnitt neu bewerten:

    Gibt es ein Problem mit ...

    • Neuschnee?
    • Triebschnee?
    • Starker Durchfeuchtung / Nassschnee?
    • Labiler Altschneedecke?
    • Akutem Gleitschnee?

    Stellt man fest, dass ein Problem massiver ausgeprägt ist als erwartet und angekündigt, ist es eine gute Idee defensiver unterwegs zu sein. Die logische Konsequenz lautet dann: Flacher unterwegs sein!

    Skitour: Schlechte Sicht
    Foto: argonaut.pro
    Schlechte Sicht, Neuschnee und starker Wind: Statt des geplanten Gipfels wird bereits die Abfahrt ins Tal zur Herausforderung

    Lokale Gefahrenstellen

    Entsprechend den vorhandenen Gefahrenquellen muss man herausfinden, wo genau es nun gefährlich ist und die Lawinenprobleme relevant werden. Klarerweise wird man versuchen diese Gefahrenstellen zu vermeiden, also zu umgehen oder überhaupt umzudrehen. Die Tour abzubrechen und umzukehren ist gerade im Frühjahr ein Thema: Ist man nämlich zu spät dran, wird die gefrorene Schneedecke im Laufe des Tages allmählich zu feucht.


    Mehr zum Thema: Firn


  • Eine Einschätzung des Geländes ist aber natürlich auch nur möglich, wenn die Sicht gut genug ist, um es auch einsehen und folglich bewerten zu können. Es macht eben einen großen Unterschied aus, ob der Hang über mir 50 m oder 500 m hoch ist, ob er unter mir flach ausläuft oder in einem engen Bachgraben oder Felsabbruch endet. Auch andere Gruppen müssen berücksichtigt werden: Es hilft wenig, wenn die eigene Gruppe im Aufstieg sichere Abstände einhält, wenn zeitgleich vier andere Personen in den Hang einfahren.

    Achtung!

    Man sollte sich stets in Erinnerung rufen, dass bei Übergängen von wenig zu viel Schnee – also Mulde-Rücken oder Schneehang-Gipfelfelsen – Schwachschichten leichter gestört werden können!

    Skitourengeher bei Skidepot im Gelände
    Foto: argonaut.pro
    Skitourengeher bei Skidepot: Achtung bei Übergängen von wenig zu viel Schnee! Ohne Skier werden wir zur „großen Zusatzbelastung“

    Folgende Fragen müssen laufend mit den Gegebenheiten vor Ort im Gelände abgeglichen werden:

    1. Wo ist es gefährlich?

    • Welche Gefahrenquellen herrschen aktuell laut Lawinenlagebericht?
    • Nicht vergessen: Kammnahe Steilhänge und Übergänge von wenig zu viel Schnee beachten!

    2. Was ist über mir?

    • Einzugsgebiete?
    • Andere Personen?

    3. Was ist unter mir?

    • Geländefallen wie Rinnen, Gräben oder Felsabbrüche?
    • Andere Personen?

    4. Wie komplex ist das Gelände?

    • Übersichtlichkeit?
    • (Ski)-technische Schwierigkeit?

    Letztendlich muss aus dem Ergebnis all dieser Informationen die bestmögliche – heißt auch: sicherste – Linie gewählt werden.

    Skitourengeher im Gelände
    Foto: argonaut.pro
    Skitourengeher im Gelände: Jeder neue Geländeabschnitt muss bewertet werden, um die optimale Linie zu finden

    Standards

    Standardmaßnahmen werden – wie ihr Name schon verrät – ohne Wenn und Aber immer angewendet. Folgende Punkte haben sich bewährt und helfen bei der Reduktion von bestehender Gefahr:

    1. Ausrüstungs- und LVS-Check

    • Ist die relevante Ausrüstung vollständig (Schaufel, Sonde, Erste Hilfe-Set, Biwaksack, Harsch-/Steigeisen, ...)?
    • Habe ich mein LVS-Gerät auf seine Funktionstüchtigkeit (Senden/Empfangen) kontrolliert?

    2. Abstände einhalten

    • Im Aufstieg: 10 m ab 30° (Spitzkehrengelände)
    • Bei der Abfahrt: 30 m generell und ab 35° einzeln abfahren

    3. Sichere Sammelpunkte wählen

    • Lawineneinzugs- und Auslaufbereiche beachten

    4. Orientierung

    • Standort, Varianten und Schlüsselstellen kennen

    5. Entscheidungen kommunizieren

    • Ehrlicher Austausch von Meinungen und Argumenten

    6. Aufmerksamkeit

    • Verhältnisse beobachten
    • Gruppe – und sich selbst – aufmerksam wahrnehmen
    Skitourengeher im Gelände
    Foto: argonaut.pro
    Skitourengeher im Gelände: Standardmaßnahmen sind Gold wert!

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