Berg-Know-How

Was ist eigentlich Firnschnee?

Wissenswertes • 13. April 2021

Für viele Ski- und Skihochtourentourengeher ist eine Abfahrt im glitzernden Firn mindestens genauso genussvoll wie im staubenden Pulver. Was ist aber Firnschnee genau und wie entsteht er? Das haben wir den Alpinwissenschaftler und Bergführer Walter Würtl gefragt, der als Experte für das Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit tätig ist.

 

Firnabfahrt von der Alpspitze im Wettersteingebirge
Foto: mauritius images / Bernd Ritschel
Firnabfahrt von der Alpspitze im Wettersteingebirge

Was genau ist Firn?

Als Firn wird Schnee bezeichnet, der mindestens eine Ablationsperiode überdauert hat – das bedeutet, er muss einen Sommer überstanden haben. Somit findet man echten Firn nur im vergletscherten Gelände oder auf permanenten Schneefeldern, z.B. in den schattigen Karen der Kalkalpen.

Aus mehrjährigem Firn entsteht im Lauf der Zeit Gletschereis. Auch der Name „Ferner“ für Gletscher weist auf den Firnschnee als Ursprung hin. In der Schweiz werden Gletscher teilweise überhaupt als „Firn“ bezeichnet, wie der Jungfraufirn im Berner Oberland, der den größten alpinen Gletscher, den Aletschgletscher, nährt.

Aber bei Frühlingsverhältnissen sind doch alle – auch abseits der Gletscher – im Firnschnee unterwegs?

Ja, weil unter Skitourengehern und im Volksmund Firn als Synonym für Sulzschnee verwendet wird. Dabei handelt es sich um den klassischen Frühjahrsschnee, der durch die Schmelzumwandlung seine „firnigen“ Eigenschaften erhält.

Wie entsteht also dieser Sulz- oder Firnschnee?

Bei Frühlings- bzw. Sommerverhältnissen wird tagsüber die gesamte Schneedecke durchfeuchtet. In klaren Nächten gibt die Schneeoberfläche ihre Wärme durch Abstrahlung in die Atmosphäre ab und die Oberfläche gefriert. Durch das wiederholte Auftauen und Wiedergefrieren der oberflächlichen Schneeschicht entsteht in der Nacht ein tragfähiger Schmelzharschdeckel, der mit zunehmender Tageserwärmung wieder weich und feucht wird. Die Schneekörner sind dabei typischerweise über einen Millimeter groß und in Clustern verbunden.

Wie tief friert die Schneeoberfläche?

Je tiefer die Temperaturen in der Nacht und je besser die Abstrahlung – also je wolkenloser der Himmel –, desto dicker ist diese harte Oberfläche – maximal kann sie ca. 20 cm stark werden. Um einen Skifahrer zu tragen, reichen aber schon 3 bis 5 cm. Darunter bleibt die Schneedecke Tag und Nacht weich und feucht.

Und was ist ein „Firnspiegel“?

Wenn bei Schönwetterperioden dieser Gefrier- und Schmelzprozess über mehrere Tage hinweg erfolgt, dann entsteht an der Oberfläche eine dünne, glasig glänzende Eisschicht. Diese reflektiert das Sonnenlicht so stark, dass sie auch aus großer Entfernung als glänzende Spiegelfläche wahrgenommen werden kann.

Ein Gruppe von Skitourengehern auf einem Firnspiegel: Die glänzende Spiegelfläche reflektiert das Sonnenlicht
Foto: mauritius images / Udo Bernhart
Ein Gruppe von Skitourengehern auf einem Firnspiegel: Die glänzende Spiegelfläche reflektiert das Sonnenlicht

Was muss man bei Firnverhältnissen beachten?

Lawinensicherheit und Abfahrtsgenuss sind nur gewährleistet, wenn eine tragfähige Schmelzharschschicht vorhanden ist – man also nicht durchbricht. Bei kontinuierlicher Erwärmung verändert sich die Situation schlagartig: Aus den „bombensicheren“ Firnverhältnissen entsteht ein dramatisches Nasschneeproblem. Dabei können nasse Lawinen bis zum Boden abgehen. Diese sogenannten Grundlawinen sind geradezu typisch für die Frühjahrszeit.

Die gute Nachricht? Diese Gefahr ist leicht zu erkennen und einzuschätzen. Ein früher Start mit Zeitreserve und rechtzeitiges Abfahren sind der Schlüssel für genussvolle und sichere Firntouren.

Was muss man beim Skitourengehen beachten, wenn Firnverhältnisse herrschen?

Der Abfahrtsgenuss und die Lawinensicherheit sind nur dann garantiert, solange eine tragfähige Schmelzharschschicht vorhanden ist und man nicht durch die Oberfläche durchbricht. Bei kontinuierlicher Erwärmung verändert sich die Situation mit dem Tagesverlauf schlagartig: Aus sicheren Firnverhältnissen entsteht so ein massives Nassschneeproblem. Dabei können nasse Lawinen bis zum Boden abgehen. Diese sogenannten Grundlawinen sind typisch für die Frühjahrssituation und die davon ausgehende Gefahr sollte jedem Skitourengeher bekannt sein.

Das Gute daran ist, dass diese Gefahr leicht zu erkennen und einzuschätzen ist: Ein früher Aufbruch mit genügend Zeitreserve und gutem Timing in der Abfahrt sind der Schlüssel für genussvolle und sichere Firntouren.

Tipp

Weil bei Frühjahrs-Skitouren der Aufstieg auf einer hartgefrorenen Schneeoberfläche stattfindet, darf die Gefahr des Abrutschens mit den Fellen nicht außer Acht gelassen werden. Gerade bei den „sicheren“ Frühjahrsverhältnissen ist man gerne auch auf steileren Touren unterwegs, wo ein solches Wegrutschen oft den Absturz über den ganzen Hang zur Folge hat. Deswegen nicht vergessen: Immer rechtzeitig die Harscheisen montieren!

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