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Lawinenlagebericht II: Lawinenprobleme

Wissenswertes • 6. Dezember 2019

Im zweiten Beitrag der dreiteiligen Serie zum Lawinenlagebericht verraten wir euch, was hinter den 5 typischen Lawinenproblemen steckt und woran man diese Gefahrenquellen im freien Gelände erkennen kann.

Freeriden in der Region Dachstein-Schladming, Steiermark
Foto: Bernhard Fiedler
Freeriden in der Region Dachstein-Schladming, Steiermark

Der Lawinenlagebericht enthält nicht nur die jeweils aktuellen Gefahrenstufen zur Lawinensituation im freien Gelände, sondern auch weitere wichtige Informationen für die Tourenplanung. So werden etwa Gefahrenquellen erläutert und bestehende Probleme – d.h. typische Situationen im Gelände – konkretisiert.

Lawinenlagebericht I – Gefahrenskala

Tiefschnee-Freude: Skitourengeher im freien Gelände
Das Aufrufen und Studieren der regionalen Lawinenvorhersage am Vorabend der Skitour gehört zu den Standardmaßnahmen für alle Wintersportler, die sich im freien Gelände abseits von präparierten Pisten bewegen. Im ersten Beitrag dieser dreiteiligen Serie klären wir euch über die Begriffe des Lawinenlageberichts auf und verraten weiters, wie die Gefahrenskala definiert wird.

2008 hat der Schweizer Stephan Harvey typische Lawinensituationen in Muster eingeteilt, die sich heute in der Vereinigung der Europäischen Lawinenwarndienste EAWS als „5 Lawinenprobleme“ mit jeweils einheitlichen Piktogrammen etabliert haben und in dieser Form auch von den verschiedenen Lawinenwarndienstes angegeben werden.

Die Skitourengeher erfahren so zusätzlich zur aktuellen Gefahrenstufe und den angegebenen Gefahrenstellen (Höhe und Exposition), wertvolle Informationen zur Lawinensituation.

Wir stellen sie euch diese 5 Lawinenprobleme im Detail vor.

1. Neuschnee

Piktogramm: Lawinenproblem - Neuschnee
Foto: EAWS
Piktogramm: Lawinenproblem - Neuschnee

Neuschnee bedeutet immer eine zusätzliche Belastung für die Schneedecke und kann zur Entstehung einer zukünftigen neuen Schwachschicht führen. Die jeweils kritische Neuschneemenge hängt von den Bedingungen im Gelände ab:

  • Bei ungünstigen Bedingungen – sprich: starkem Wind und schwacher, lockerer, regelmäßiger Oberfläche – reichen 10-15 cm Neuschnee für eine kritische Menge aus.
  • Bei mittleren Bedingungen stellen 20-30 cm Neuschnee eine kritische Menge dar.
  • Bei günstigen Bedingungen – sprich: wenn es windstill ist bei gut verfestigter, unregelmäßiger Oberfläche – bedarf es schon 40-50 cm Neuschnee für eine kritische Menge.

Die Gefahrenstellen bei Neuschnee nehmen mit der Höhe zu und können über mehrere Tage bestehen bleiben.

2. Triebschnee

Piktogramm: Lawinenproblem - Triebschnee
Foto: EAWS
Piktogramm: Lawinenproblem - Triebschnee

Von Triebschnee spricht man, wenn Neu- oder Altschnee vom Wind verfrachtet wird. Je frischer dieser verfrachtete Schnee ist und je regelmäßiger und großflächiger die Oberfläche ist, auf der er abgelagert wird, desto kritischer ist die Situation. Die Gefahrenstellen können kleinräumig sehr unterschiedlich sein, aber sind mit etwas Erfahrung an folgenden Merkmalen meist gut zu erkennen.

Erkennbar sind die Gefahrenstellen an:

  • Windzeichen (Schneefahnen, Windgangeln, Dünen, Wechten, Anraum, etc.)
  • Wumm-Geräuschen
  • Rissen in der Schneedecke
  • Frischen Schneebrettlawinen

3. Altschnee

Piktogramm: Lawinenproblem - Altschnee
Foto: EAWS
Piktogramm: Lawinenproblem - Altschnee

Beim Lawinenproblem Altschnee sind tiefer gelegene – nicht sichtbare – Schwachschichten in der Schneedecke für die Lawinengefahr verantwortlich. Man erkennt diese nur durch einen „Blick“ in die Schneedecke durch Tests bzw. aufgrund der Hinweise in der Lawinenprognose.

Bricht eine solche alte Schwachschicht, kann man zuweilen ein Setzungs- bzw.Wumm-Geräusch hören.

In den vergangenen Wintern war das Altschneeproblem dominant vorhanden und war über einen langen Zeitraum – teilweise sogar den ganzen Winter über – relevant. Dieses Lawinenproblem ist auch für erfahrene Skitourengeher schwer zu erkennen.

4. Nassschnee

Piktogramm: Lawinenproblem - Nassschnee
Foto: EAWS
Piktogramm: Lawinenproblem - Nassschnee

Bei Erwärmung, starker Sonneneinstrahlung oder Regen schmilzt der Schnee. Die Folge: Wasser dringt in die Schneedecke ein und destabilisiert sie. Bei Wärme und Sonneneinstrahlung sind besonders Hänge mit südseitiger Exposition, bei Regen hingegen alle Hänge gefährdet. Nassschnee erkennt man an seiner durchweichten, feuchten Schneedecke mit großen Einsinktiefen.

Insbesondere im Frühjahr kommt es häufig zu Nassschnee-Problemen: Während die oberen Zentimeter der Schneedecke über Nacht wieder frieren können, steigt die Gefahr im Laufe des Tages wieder an. Darum gilt: Klare, kalte Nächte abwarten, früh aufstehen und herrliche Firnabfahrten am Vormittag genießen!

5. Gleitschnee

Piktogramm: Lawinenproblem - Gleitschnee
Foto: EAWS
Piktogramm: Lawinenproblem - Gleitschnee

Im Gegensatz zu Nassschneelawinen rutscht bei Gleitschneelawinen die komplette – oft trockene – Schneedecke auf glattem, feuchtem Untergrund (etwa Wiesen oder Felsplatten) ab.

Gleitschneelawinen können unabhängig von Tageszeit und Temperatur jederzeit abgehen. Erkennen kann man sie an sogenannten „Fischmäulern“, das sind bis zum Boden reichende Gleitschneerisse. Solche Fischmäuler sind rasch zu queren, keinesfalls sollte man sich länger darunter aufhalten.

 

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