Lawine
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Lawinenprävention

Lawinen: Die 10 Gefahrenmuster

Wissenswertes • 27. Januar 2020

Eine erkannte Gefahr ist bekanntlich eine halbe Gefahr. Aber: Erkennen braucht Wissen. Um die Lawinensituation im alpinen Gelände besser einzuschätzen und das Risiko beim Freeriden und Skitourengehen zu minimieren, ist ein umfangreiches Wissen, Erfahrung und Können im Umgang mit der Lawinen-Notfallausrüstung unumgänglich. Wir stellen euch die 10 Gefahrenmuster, mit denen der Tiroler Lawinenwarndienst bei der Erstellung ihres Lawinenlageberichts arbeitet, im Detail vor.

Die Gefahrenmuster

„Lawinenereignisse sind nichts Zufälliges. Vielmehr lassen sie sich aufgrund ihrer Ursache in Schemata einteilen, welche vom Nutzer leicht erfassbar sein sollten“, so erklären sich die beiden Lawinenexperten und Autoren Dr. Rudi Mair und DI Patrick Nairz das Phänomen „Lawine“ im Vorwort des gleichnamigen Praxis-Handbuchs „lawine. Die 10 entscheidenden Gefahrenmuster erkennen“. Das benutzerfreundliche Fachbuch ist 2010 erstmals erschienen und mittlerweile zur „Bibel“ vieler Wintersportler geworden. Im Rahmen der Erstellung des Lawinenlageberichts arbeitet der Tiroler Lawinenwarndienst, zusätzlich zur Systematik der 5 Lawinenprobleme (Neuschnee, Altschnee, Triebschnee, Nasschnee und Gleitschnee), seit Jahren mit den 10 Gefahrenmustern und versucht so dem Nutzer mehr und vertiefende Informationen über die derzeitig vorherrschende Lawinengefahr zu vermitteln.

Gefahrenmuster 1: Bodennahe Schwachschicht vom Frühwinter

Gefahrenmuster gm.1: Die bodennahe Schwachschicht vom Frühwinter
Ein Gefahrenmuster, das sich zwar im Frühwinter bildet, jedoch die gesamte Wintersaison über (bis weit in den Frühling hinein) Auswirkungen auf die Lawinengefahr hat: die bodennahe Schwachschicht (gm.1). Wie sie entsteht, worin ihr Gefahrenpotential liegt und woran ihr das Gefahrenmuster erkennen könnt, lest ihr hier.

Gefahrenmuster 2: Gleitschnee

Gleitschneelawinen sind ein häufiger Anblick im freien Gelände, nicht nur im Frühjahr
Gleitschneerisse in der Schneedecke können heimtückisch sein – vor allem bei schlechter Sicht oder, wenn sie von nachfolgenden Neuschneemengen überdeckt werden. Dadurch können Schneebrücken entstehen, die bei der Belastung durch Wintersportler in sich zusammenbrechen. So kann es zu Spaltenstürzen im nicht vergletscherten Gelände kommen, Grund genug sich dem Gefahrenmuster „gm.2 Gleitschnee“ zu widmen.

Gefahrenmuster 3: Regen

Regen in der Schneedecke führt zu einem Festigkeitsverlust und Anstieg der Lawinenaktivität
Während der Wind als Baumeister der Lawinen gilt, kann der Regen wiederum als einer der Auslöser von Lawinen bezeichnet werden. Warum sich Regen und Schneedecke nicht vertragen, verraten wir euch hier.

Gefahrenmuster 4: Kalt auf warm / Warm auf kalt

Große Schneebrettlawinen wie hier, am Gamskogel (2.659 m) in den Stubaier Alpen vergangenen Jahres, sind aktuell nicht auszuschließen
Nach den ergiebigen Schneefällen der letzten 14 Tage soll sich nun die Wetterlage beruhigen und die Sonne zum Vorschein kommen. Mit der Auflockerung der Wolkendecke geht allerdings ein Temperaturanstieg einher, der in einigen Regionen gravierend ausfallen kann. Doch was bedeutet der Wetterumschwung für die aktuelle Lawinengefahr? Zeit sich dem Gefahrenmuster gm.4 zu widmen. 

Gefahrenmuster 5: Schnee nach langer Kälteperiode 

Schnee nach langer Kälteperiode: Ein gut erkennbares, aber dennoch tückisches Gefahrenmuster
Ein Klassiker unter den Lawinenereignissen: Nach einer längeren Kälteperiode fängt es wieder zu schneien an und mit einhergehendem Wind wird der Neuschnee entsprechend verfrachtet. So entsteht binnen kürzester Zeit eine für den Wintersportler sehr heikle Lawinensituation. Warum dem so ist und wie ihr dieses Gefahrenmuster erkennen könnt, lest ihr hier.

Gefahrenmuster 6: Lockerer Schnee und Wind

Der Wind ist der Baumeister der Lawine
Große Neuschneemengen, kalte Temperaturen und Windstürme sorgen für einen Anstieg der Lawinenwarnstufe. Wir stellen euch das Gefahrenmuster „gm.6 lockerer Schnee und Wind“ vor.

Gefahrenmuster 7: Schneearm neben schneereich

Schneearme und besonders windausgesetzte Hangbereiche sind kritisch zu beurteilen
Beginnen wir gleich mit der wohl wichtigsten Conclusio von Gefahrenmuster 7: Sehr steiles und schneearmes Gelände muss mit allergrößter Vorsicht beurteilt werden, denn dort lassen sich Schwachschichten leichter stören und können so zu einer Lawinenauslösung führen. Warum dem so ist und wieso schneereiche Winter im allgemeinen als lawinensicherer gelten, lest ihr hier!

Gefahrenmuster 8: Eingeschneiter Oberflächenreif

Oberflächenreif: an Bäumen wunderschön anzusehen, doch in der Schneedecke verborgen oft eine Gefahr
Oberflächenreif zählt mit Sicherheit zu den beeindruckendsten Schneearten und stellt für sich alleine noch keine Gefahr dar: Anders sieht es jedoch aus, wenn Oberflächenreif von neuen, gebundenen Schneeschichten überdeckt wird. Warum das so ist und wie ihre die Gefahrenquelle erkennen könnt, lest ihr hier. 

Gefahrenmuster 9: Eingeschneiter Graupel

Wie eine Kugellager innerhalb der Schneedecke wirken die runden Graupelkörner
Wer einen Lawinenkurs besucht hat, wird in diesem Zusammenhang sicher schon einmal den Ausdruck „Kugellager“ gehört haben: Die Rede ist dabei von einer Schwachschicht in der Schneedecke, auf der die Schneemassen ins Tal rutschen. Graupel ist wohl das „beste“ Kugellager für Lawinen, warum und wieso, das lest ihr hier.

Gefahrenmuster 10: Frühjahrssituation

Die Lawinengefahr im Frühjahr stellt eine überaus komplexe Situation dar, in welcher die zeitliche Komponente eine entscheidende Rolle spielt
Langsam aber stetig zieht sich der Winter zurück und macht dem Frühjahr Platz. Milde Temperaturen und zunehmende Sonneneinstrahlung sorgen für sehr spezielle Verhältnisse in den Bergen, die eine umsichtige Tourenplanung erforden. Grund genug sich dem Gefahrenmuster „gm.10 Frühjahrssituation“ zu widmen.

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