Schweizer Pioniere

Johann Joseph Benet auf dem Weisshorn (4.505 m)

Historisches • 27. März 2018

Aus dem kleinen Steinhaus im Wallis stammend sollte Johann Joseph Benet zu den größten Schweizer Bergführern der ersten Generation aufsteigen. Die Freundschaft zum Iren John Tyndall führte ihn auf den Gipfel des mächtigen Weisshorns.

Johann Joseph Benet (auch „Bennen“ genannt)
Foto: Edward Wymper/ „Scrambles amongst the Alps“
Johann Joseph Benet (auch „Bennen“ genannt) 1862

Johann Joseph Benet war nicht nur ein beliebter Bergführer, sondern auch ein recht wilder Kerl. Bedarf es dafür noch weiterer Beweise als die Erstbesteigung zweier berüchtigter Viertausender der Schweiz – Weisshorn und Aletschhorn – , dann sind es vielleicht die Umstände seines Todes. Am 28. Februar 1864 geriet er am Haut-de-Cry im Unterwallis in ein Schneebrett – und gilt als mutmaßlich erstes Lawinenopfer im Zuge einer winterlichen Hochtour.

Von den Bergen fühlte sich der Schweizer Bergführer-Pionier seit jeher angezogen. Wie könnte es bei dem Geburtsort auch anders sein. Benet kam am 2. November 1824 in Steinhaus im Kanton Wallis zur Welt. Das kleine Dorf – es gehört zur Gemeinde Ernen, die heute in Summe nicht viel mehr als 500 Einwohner zählt – liegt am Eingang ins Goms und nur 21 Kilometer vom Rhonegletscher entfernt.

Steinhaus im Kanton Wallis (1925)

Er verdiente sich sein Brot als Zimmermann und Bergführer. Ähnlich wie Melchior Anderegg oder Christian Almer – zwei weitere Schweizer Bergführerlegenden derselben Generation – begann Benet als Touristen-Führer im Dienste eines Hotels, des Eggishorn-Gasthofs. Das Hotel Seiler in Zermatt war im Goldenen Zeitalter des Alpinismus ein Hot-Spot, eine Art Kontaktbörse, wo heimische Bergführer und die – größtenteils britischen – Bergsteiger zueinanderfanden.

Benet und die Briten

Die Kameradschaft mit einem Iren sollte auch Benets Werdegang prägen: John Tyndall, ein Polizistensohn der es aus bescheidenen Verhältnissen zum renommierten Physiker brachte. Er forschte unter anderem zur Licht- und Wärmestrahlung in der Atmosphäre („Tyndall-Effekt“) und war der Erste, der für die Gletscherbewegungen eine veränderte Konzentration der Treibhausgase verantwortlich machte. Um Gletscher besser erforschen zu können, unternahm er 1856 eine Reise in die Schweiz.

John Tyndall (rechts) mit Forscher-Kollegen auf einer historischen Fotografie
Foto: Wikipedia/ APPER
John Tyndall (rechts) mit Forscher-Kollegen auf einer historischen Fotografie

Doch seine alpinistischen Ambitionen waren noch viel größer: 1861 will er aufs noch unbestiegene Weisshorn, die mächtige 4.505 m hohe Pyramide in den Walliser Alpen, die Tyndall als „perhaps most splendid object in the Alps“ bezeichnete. Für dieses Vorhaben engagiert er Johann Joseph Benet – der sich zu diesem Zeitpunkt bereits einen Ruf als hervorragender Bergführer erworben hat und von den Engländern „Bennen“ genannt wird. John Tyndall soll ihm später aufgrund seines innovativen Bergsteigerstils sogar den Titel „Garibaldi der Bergführer“ verliehen haben.

Jubelschreie am Gipfel

Zusammen mit Bergführer Ulrich Wenger startet die Seilschaft am Freitag, 16. August 1861 von der Belalp aus – dem bevorzugten Sommersitz John Tyndalls. Nicht weniger als 44 Sommer verbrachte er hier – das „Tyndall-Zimmer“ im Hotel Belalp wird zu seinen Ehren bis heute im Originalzustand belassen. Am 18. August verlassen die drei Alpinisten um 13 Uhr das Dorf Randa am Fuße des Weisshorns und erreichen am Abend unweit der heutigen Weisshornhütte einen Biwakplatz auf knapp 3.000 m. Um halb vier Uhr des Folgetags brechen die Abenteurer zum Gipfel auf. Nach zehn Stunden erreichen sie den schmalen Ostgrat und arbeiten sich zum Ziel vor. In seinem Bericht „Mountaineering in 1861. A vacation tour“ schreibt Tyndall: „Ein grosses Prisma von Granit oder Gneis bildete den Abschluss des Grates, und von ihm lief ein messerbreiter Grat von weissem Schnee zu einem kleinen Punkte. Wir gingen am Kamm entlang, betraten den Punkt, und augenblicklich überflog unser Auge den ganzen Horizont. Wir standen auf dem höchsten Gipfel des gefürchteten Weisshorns.“ Dank Tyndall kennen wir auch die Emotionen, die dieser Moment in Johann Joseph Benet auslöste: „Die lange zurückgehaltenen Gefühle meiner beiden Gefährten brachen in einen wilden und oft wiederholten Jubelruf aus. Bennen warf seine Arme in die Luft und schrie wie ein Walliser…“.

Das Weisshorn (Nordgrat) in einer Zeichnung von E.T. Compton (1908)

Benet sollte in seiner Bergführer-Laufbahn noch weitere Meilensteine setzen. Abermals mit seinem irischen Freund John Tyndall erreicht er im Folgejahr, 1862, erstmals die Südwestschulter des Matterhorns, den heutigen Pic Tyndall. Bereits im Sommer 1859 bestieg er zusammen mit Peter Bohren als Erster das 4.193 m hohe Aletschhorn, im Juli 1861 gelang ihm mit Melchior Anderegg und dem Alpine Club-Mitbegründer Leslie Stephen die Erstbegehung des heutigen Normalwegs auf den Mont Blanc (4.810 m).


Johann Joseph Benet („Bennen“)

  • Geboren: 2. November 1824 in Steinhaus (Wallis)
  • Leben: Zimmermann, Bergführer,
  • Erstbesteigungen: Aletschhorn (Berner Alpen), Alphubeljoch, Alt-Weisstor, Col d’Oren, Weisshorn, Zwillingsjoch (alle Walliser Alpen).

Weisshorn

  • Höhe: 4.505 m
  • Erstbesteigung: 19. August 1861
  • Gebirge: Walliser Alpen, Weisshorngruppe

Bergporträt Weisshorn

Schweiz: Weisshorn in den Walliser Alpen
Der Diamant im Wallis: Das Weisshorn gilt vielen als schönster Berg im Alpenraum. Seinen Gipfel will man sich verdienen: Über 3.000 Höhenmeter gilt es vom Tal bis auf 4.505 Meter zu bewältigen. Wir stellen euch diesen besonderen Viertausender im Detail vor.

Mehr zum Thema

Christian Almer
Der Grindelwalder Christian Almer galt als einer der besten Schweizer Bergführer der ersten Generation. Eine Matterhorn-Erstbesteigung lehnte er 1865 ab, was ihm womöglich das Leben rettete. Die Erstbesteigungen von Mönch und Eiger machten ihn dennoch zur Legende.
Die Schweizer Bergführer-Legende Melchior Anderegg im Jahr 1896
Der Bauernsohn aus dem Haslital erhielt als erster das Schweizer Bergführerpatent und galt schon zu Lebzeiten als Legende. Zu seiner Klientel zählten besonders viele englische Bergsteiger – vier davon führte er 1863 erstmals auf den Gipfel der Parrotspitze in den Walliser Alpen.
Der „Bergsteigermönch“ Placidus a Spescha
1789 gelang Placidus a Spescha mit dem Rheinwaldhorn (3.402 m) eine der ersten nachweisbaren Besteigungen eines 3.000ers in den Alpen. Nicht die einzige Erstbegehung des furchtlosen Benediktiner-Paters aus Disentis, der lieber in den Bergen als in seinen Pfarren war.

Bergwelten entdecken