Schneeschuh oder Ski?

Die Crossblades im Test

Produkttest • 11. Januar 2018
von Gerald Valentin

Ein Wintersportgerät, das die Vorteile von Schneeschuh und Ski vereint? Bergwelten-Ausrüstungsexperte Gerald Valentin hat sich das innovative Teil an die Füße geschnallt.

 

Crossblades
Foto: Crossblades
Crossblades

Schneeschuhwandern kann wirklich anstrengend sein. Das zeigt sich nicht nur beim Hochstapfen in tiefem Schnee, sondern auch im Abstieg oder beim ständigen Auf und Ab in kupiertem Gelände. Aus dieser Erfahrung hat der Schweizer Tüftler Ulo Gertsch ein neues Wintersportgerät entwickelt. Die Crossblades sind eine Mischung aus Schneeschuh und Ski und sollen zu leichterem Gehen, genussvollem Gleiten und kraftsparendem Abfahren verhelfen.

Der technische Clou der Crossblades ist eine flexible Platte an der Unterseite. Auf der einen Seite weist sie eine Lauffläche mit Stahlkanten auf. Auf der Rückseite findet sich ein fix angebrachtes Steigfell. Mit Hilfe einer Schnalle kann die Platte gelöst und um 180° gewendet werden. Zwei zusätzliche Magnete halten die Platte in Position.

Die zweite Innovation der Crossblades findet sich an den aufgebogenen Seitenteilen. Dank dieser Form kommt primär die schmale Lauffläche in Kontakt mit der Schneeoberfläche. Dies soll das Aufkanten in Querungen und das Schwingen bei der Abfahrt erleichtern. Im Tiefschnee dagegen wird die Auflagefläche durch das überstehende Oberdeck verbreitert. Dadurch soll beim Gehen das Einsinken verringert und bei der Abfahrt der Auftrieb erhöht werden. Die Crossblades sind mit zwei Bindungssystemen erhältlich. Die Softboot-Bindung eignet sich für Berg- und Wanderschuhe. Die Hardboot-Bindung verhilft harten Plastikschuhen zu stabilem Halt.

Crossblades
Foto: Gerald Valentin
Die Wendeplatte kann mit wenigen Handgriffen gelöst und wieder fixiert werden

Im ersten Kontakt mit den Crossblades überrascht deren hohes Gewicht. Die 90 cm langen Teile wiegen gleich viel wie ein klassischer Tourenski mitsamt Bindung. Für den Test stand die Softboot-Bindung zur Verfügung. Diese ähnelt einer Snowboard-Bindung, ist etwas fummelig zu bedienen, aber erlaubt es die Schuhe ohne Kraftaufwand festzuschnallen.

Gleiten anstatt Stapfen

Beim Gehen werden die Versprechungen des Herstellers erfüllt. Anstatt der für Schneeschuhe typischen Stapfbewegung werden die Crossblades beim Gehen wie Ski nach vorne geschoben. Dies hilft Kraft zu sparen. Im Pulver sinken die Crossblades gleich tief ein wie herkömmliche Schneeschuhe, in steiler Spur kann eine Steighilfe ausgeklappt werden. Bei einer Tour hat sich Schnee bei der Bindung angestollt.

Oben angekommen ist die Wendeplatte mit wenigen Handgriffen umgebaut und die Bindung fixiert. Bei Firn oder auf pulvriger Piste bringen Skifahrer die Crossblades relativ rasch unter ihre Kontrolle. Ohne skitechnische Vorkenntnisse wird die Abfahrt jedoch zur Herausforderung. Experte oder nicht, im tiefen Schnee bleibt man leicht stecken und Bruchharsch kann zur Qual werden. Da Schneeschuhtouren in der Regel nur moderate Geländeneigungen aufweisen kommt man zum Glück nicht in die Verlegenheit steile Hänge befahren zu müssen.

Crossblades
Foto: Thomas Senf
Mit etwas Geschick gelingen flotte Schwünge

Resümee: Die Crossblades erleichtern das Schneeschuh-Gehen maßgeblich und erhöhen dadurch den Wandergenuss. Das innovative Hybrid aus Schneeschuh und Ski hat das Potenzial die ganze Sportart zu revolutionieren.

Infos

Crossblades mit Softboot-Bindung:

Preis: € 540
Gewicht: 4,3 kg

Crossblades mit Hardboot-Bindung:

Preis: € 500
Gewicht: 3,7 kg

Wertung

Gehen: ★★★★★

Abfahren: ★★★★★

Bedienung: ★★★★

www.crossblades.shop

 

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Gerald Valentin
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Gerald Valentin ist Bergwelten-Cheftester. Als Salzburger Landesgeologe, als Berg- und Skiführer weiß er genau, welche Ausrüstung am Berg besteht. Die Berge sind nicht nur sein Arbeitsumfeld, sondern auch seine Leidenschaft. Für uns nimmt er jede Woche ein neues Produkt genau unter die Lupe. Seine Favoriten stellt er hier kritisch analysiert in Wort und bewegtem Bild vor.
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