Symposium

Auf der Suche nach dem Höhenbergsteiger-Gen

Aktuelles • 22. November 2016
von Christina Geyer

Höhenbergsteiger, Tibeter, Anden-Bewohner. Sie alle halten sich in Bereichen auf, wo unsereins bereits mit Symptomen der Höhenkrankheit zu kämpfen hätte. Die Genetik bestimmter Menschen scheint bestens auf große Höhenlagen eingerichtet zu sein. Gibt es also so etwas wie ein Höhenbergsteiger-Gen?

Überschreitung vom Cho La-Pass im Himalaya
Foto: mauritius images / Maciej Bledowski / Alamy
Sherpas bei der Überschreitung vom Cho La-Pass (5.420) im Himalaya

Ein Atemzug auf 4.000 m versorgt die Lunge mit 40% weniger Sauerstoffmolekülen als auf Meeresniveau. Auf 5.500 m schrumpft der Sauerstoffgehalt bereits auf die Hälfte zusammen und auf über 8.000 m steht dem Körper überhaupt nur noch ein Drittel davon zur Verfügung.

Die Folgen sind bekannt: Kopfschmerzen, Übelkeit, Kurzatmigkeit – im schlimmsten Fall auch Lungen- und Hirnödem. Allerdings scheinen einige Menschen davon ausgenommen zu sein. Zumindest hat es sie nicht davon abgehalten, die Anden, das äthiopische Hochland oder die Hochebenen in Tibet zu besiedeln. Und tatsächlich scheinen die Bewohner keine Probleme mit der dünnen Luft zu haben. Sie haben allerdings unterschiedliche Formen der Kompensation entwickelt. Die Anden-Bewohner verfügen etwa über mehr Hämoglobin im Blut, während die Höhenverträglichkeit der Tibeter genetisch codiert zu sein scheint.


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Höhenbergsteigen, die Königsdisziplin des Bergsteigens, treibt den Mensch an seine physischen (und psychischen) Grenzen.  Ab 3.000 m wird die Luft dünn, auf über 8.000 m stehen dem Bergsteiger überhaupt nur noch 32% des Sauerstoffgehalts auf Meereshöhe zur Verfügung. Was der Körper dazu sagt? Wir verraten es euch.

Als gesichert gilt mittlerweile, dass die genetische Disposition im Zusammenhang mit der Höhenanpassung eine größere Rolle spielt als etwa Alter oder Kondition. Ein jüngst in Innsbruck abgehaltenes Symposium, das High Mountain Genetics Symposium, widmete sich der näheren Untersuchung von Genetik und Höhenverträglichkeit.

Die zentralen Fragen lauteten: Ist Höhenverträglichkeit primär genetisch determiniert? Was unterscheidet Höhenbergsteiger von „normalen“ Bergsteigern? Was für ein Nutzen könnte sich aus den Erkenntnissen für Patienten ergeben, die an COPD (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankungen) leiden?

Höhenbergsteiger am Mount Everest
Foto: mauritius images / ANP Photo
Mount Everest: Höhenbergsteiger beim Anstieg auf 8.350 m

Einen Beantwortungsversuch unternahmen auf Einladung des Alpenvereins nicht nur internationale Forscher aus den Bereichen Genetik, Physiologie und Höhenmedizin, sondern auch renommierte Höhenbergsteiger aus aller Welt, unter anderem Kurt Diemberger und Peter Habeler. Ergänzt von deren praktischen Erfahrungsberichten jenseits der 8.000 Meter-Marke stellten die Wissenschaftler im Rahmen des Symposiums auch eine internationale Studie zur Erforschung eines möglichen „Höhenbergsteiger-Gens“ vor.

Hierfür wurde den Höhenbergsteigern vor Ort auch Blut entnommen. Die Proben sollen mit Bergvölkern aus Tibet, Nepal, Südamerika und Äthiopien verglichen werden. Und wer weiß? Womöglich lesen wir dann bald wirklich von der Entdeckung eines Höhenbergsteiger-Gens.


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