
Höhenkrankheit & Akklimatisierung: Wie der Körper auf Höhe reagiert
Foto: mauritius images / John Warburton-Lee / Christian Kober
Was passiert mit dem Körper in großer Höhe? Symptome der Höhenkrankheit, Infos über die Todeszone, richtige Akklimatisierung und Tipps fürs Höhenbergsteigen.
Höhenstufen im Überblick
Höhenbergsteigen – ob in den Alpen, im Himalaya oder in den Anden – bringt den menschlichen Körper an seine absoluten Grenzen.
2.800 m: Die Hälfte aller Bergsteiger hat erste Anzeichen der Höhenkrankheit.
3.500 m: Für anspruchsvolle Bergtouren bedarf es auf 3.500 m bereits einer guten Akklimatisierung.
4.500 m: Die meisten Bergsteiger spüren Symptome der Höhenkrankheit.
Ab 5.000 m: Die Luft wird dünn: Der Sauerstoffgehalt schrumpft bei rund 5.500 m auf die Hälfte zusammen.
Ab 6.000 m: Man spricht von extremer Höhe: Die Leistungsfähigkeit nimmt rapide ab.
7.000-8.000 m: Spätestens mit der Überschreitung der 8.000 m-Marke hat man die sogenannte Todeszone erreicht. Der Körper baut ab, eine Akklimatisierung ist nicht mehr möglich. Die maximale Aufenthaltsdauer in dieser Höhenlage beträgt 48 Stunden.
Was ist die Todeszone über 8.000 Metern?
Die „Todeszone“ ist kein einzelner Ort, sondern ein extremer Höhenbereich im Hochgebirge, in dem der Mensch physiologisch nicht dauerhaft überleben kann. Er baut kontinuierlich ab – selbst in Ruhe. Die Todeszone ist nicht genau definiert, die meisten Expertinnen und Experten sprechen ab einer Höhe von 7.500 bis 8.000 Metern von der Todeszone, in der Menschen nicht mehr als 48h überleben können.
Wie hoch ist der Sauerstoffgehalt auf 8.000 Meter?
Der Sauerstoffgehalt in der Luft beträgt in jeder Höhe 21 %. Durch abnehmenden Luftdruck steht dem Körper auf über 8.000 m aber nur noch ein Drittel des Sauerstoffs auf Meereshöhe zur Verfügung. Das erklärt, warum die allermeisten Höhenbergsteiger im Himalaya auf künstlichen Sauerstoff zurückgreifen.
Was passiert im Körper, wenn die Luft dünner wird?
Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck – und damit der Sauerstoffpartialdruck, der für die Versorgung von Muskeln, Organen und vor allem des Gehirns entscheidend ist. Der Körper versucht das Defizit kurzfristig auszugleichen durch:
schnellere Atmung
erhöhten Puls
gesteigerte Produktion roter Blutkörperchen (ab mehreren Tagen Höhe)
schnellere und häufigere Atmung führt zu Flüssigkeitsverlust
Symptome der Höhenkrankheit
Bei unzureichender Akklimatisierung kann es in großer Höhe zu akuter Höhenkrankheit kommen. Erste Symptome sind Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Benommenheit, Kurzatmigkeit und erhöhter Puls. In Folge kommt es zu Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Wie schwerwiegend die Symptome sind, kann man mithilfe des Lake Louise AMS Scores einschätzen. Wer bei akuter Höhenkrankheit nicht absteigt, riskiert in großen Höhen lebensbedrohliche Lungen- und Hirnödeme. Auf 3.000 Meter Höhe treten diese Komplikationen zwar äußerst selten auf, doch man sollte auch leichte Symptome auf keinen Fall unterschätzen.
Was tun bei Höhenkrankheit?
Bei leichten Symptomen der Höhenkrankheit sollte man als Ausgleich einen oder zwei Ruhetage mit körperlicher Schonung einlegen sowie bei starken Kopfschmerzen ein Schmerzmittel einnehmen. Um den Körper zu unterstützen, muss man außerdem genügend trinken und essen. Sind die Symptome schwerwiegender, muss man sofort ins Tal absteigen oder abtransportiert werden. Denn mit jedem Höhenmeter steigen die Risiken, die Höhenkrankheit zu verschlimmern. Deshalb sollte man beginnende Symptome auch sofort mit der Gruppe oder dem Bergführer kommunizieren.

Akklimatisierung: So funktioniert sie richtig
Eine breit angelegte Akklimatisierung kann einer Höhenkrankheit vorbeugen. Jede Expedition folgt dabei ihrem eigenen Programm, wesentlich dabei ist aber jedenfalls die Dauer der Akklimatisierung. Je mehr Zeit man sich dabei lässt, desto fruchtbarer ist die Phase der Akklimatisation. Drei Punkte sind dabei grundlegend:
Hoch steigen, tief schlafen: Dieses Prinzip folgt der Idee des „Einpendelns“, will heißen: Tagsüber aufsteigen, nachts in tiefere Lagen absteigen.
Langsam gehen: Je höher es geht, desto langsamer sollte man aufsteigen. Ab 7.000 m sollten pro Stunde nicht mehr als 200 Höhenmeter, ab 8.000 m nicht mehr als 50-100 Höhenmeter überwunden werden.
Viel trinken: In extremer Höhe braucht der Körper 5-8 Liter Flüssigkeit pro Tag. Der Grund: vermehrtes Schwitzen und stark gesteigerte Atemtätigkeit.
Zeit lassen: Je länger die Akklimatisation, desto besser die Anpassung.

Berg & Freizeit

Berg & Freizeit

Berg & Freizeit

Alpinwissen

Alpinwissen
