Hütten-Gespräch

Andrea und Karin von der Adolf-Pichler-Hütte

Interview • 14. September 2016
von Uwe Schwinghammer

Andrea Zeidlhack aus Ulm und Karin Stöger aus Passau verbrachten den ersten Sommer auf der Adolf-Pichler-Hütte am Fuße der Kalkkögel südwestlichen von Innsbruck. Und sie sind damit dort angekommen, wo sie schon seit Jahren hinwollten: echte Hüttenwirtinnen zu sein. An einem sonnigen Spätsommernachmittag finden sie Zeit für eine erste Bilanz.

Adolf-Pichler-Hütte
Foto: Uwe Schwinghammer
Andrea Zeidlhack (links) und Karin Stöger (rechts)

Bergwelten: Warum wolltet ihr unbedingt Hüttenwirtinnen werden?

Karin: Das ist eigentlich aus der Not entstanden. Wir waren lange auf Reise und wie wir zurück gekommen sind, haben wir uns überlegt, was wir tun können. Und so ist die Idee entstanden, auf eine Berghütte zu gehen, weil es dort oben für uns vom Wohnen und Arbeiten her viel einfacher ist. Wir haben uns dann beworben und haben festgestellt, dass uns das Spaß macht.

Was habt ihr denn eigentlich vorher gemacht?

Andrea: Mein erlernter Beruf ist Werbekauffrau, ich habe in eine Werbeagentur gearbeitet, in einer Bildagentur, eine Münchner Zeitung vertrieben. Eigentlich habe ich alles Mögliche gemacht.

Karin (lacht): Ich war früher bei der Polizei, war Beamtin auf Lebenszeit. Das war eigentlich mein Traumberuf. Gelernt habe ich Friseurin. Aber 2002 habe ich den Beruf an den Nagel gehängt und bin auf Reisen gegangen.

Habt ihr die Adolf-Pichler-Hütte denn vorher gekannt?

Andrea: Wir haben die Hütte nicht gekannt. Sie ist uns mehr oder weniger angetragen worden. Brigitte (Anm.: die Vorgängerin) hat uns auf der Amberger Hütte, wo wir zu der Zeit gearbeitet haben, kennengelernt. Sie war auf einer Skidurchquerung in die Schweiz unterwegs. Sie hat uns angesprochen und gefragt, wer von uns beiden denn jetzt eigentlich die Chefin ist. Wir haben dann klargestellt, dass wir nur angestellt sind. Das konnte sie gar nicht glauben und hat gemeint: Ihr bringt das so gut rüber, ihr solltet eigentlich eine eigene Hütte haben. Wir haben ihr zugestimmt und ihr erzählt, dass das eigentlich unser Traum wäre. Sie hat dann versprochen, dass sie an uns denken wird, falls sie die Pichler-Hütte einmal aufgibt. Und das kam dann relativ schnell – schon im Jahr darauf hat sie uns angerufen. Sie hat sich dann beim Besitzer der Hütte, dem Akademischen Alpenklub Innsbruck, für uns eingesetzt. Und so sind wir auf die Adolf-Pichler-Hütte gekommen.

Auf der Adolf-Pichler-Hütte

Habt ihr die Hütte inzwischen lieb gewonnen?

Karin: Am Anfang war noch der Spirit von Brigitte da und es war alles neu für uns. Aber sie hat schon immer zu uns gesagt: Mädels, das ist ein wunderschöner Platz da heroben. Die Pichler-Hütte, die hat was. Die Terrasse, die Umgebung, die Kalkkögel. Ihr werdet sehen, euch wird das Fieber auch packen. Am Anfang waren wir sehr mit uns beschäftigt, haben versucht, zu überleben. Aber mittlerweile sind wir an der richtigen Stelle. Jetzt sind wir angekommen, jetzt läuft’s, jetzt sind wir drin. Das Gefühl können wir dann ins nächste Jahr mitnehmen und darauf aufbauen.  

Geht ihr selbst in die Berge und habt ihr im Moment überhaupt noch Zeit dazu?

Andrea: Ja. Wir haben uns das zwar so vorgestellt, dass abends die eine oder die andere eine Runde dreht, aber im Moment geht sich das für uns nicht aus. Man kommt hier an, ist auf die Hütte fokussiert, auf die Gäste, das Essen. Man hat  dann gar nicht so das Bedürfnis. Man weiß, dass Leute zu einem kommen, die eine schöne Tour gemacht haben und daran nimmt man teil. Oder wenn Übernachtungsgäste am Morgen zusammenpacken und gehen, dann wünscht man ihnen einfach von ganzem Herzen einen schönen Tag. Oder wenn das Wetter schlecht ist, dann hat man Verständnis, wenn sie die Tour abbrechen, die nassen Sachen über den Ofen hängen und eine warme Suppe wollen. Man ist einfach mit den Berggehern, mit den Bergsteigern mit dabei und stellt das eigene Bedürfnis zurück. Aber sonst sind wir unglaublich gerne in den Bergen unterwegs. Das ist eine zweite Heimat für uns. Darum haben wir uns auch diesen Arbeitsplatz ausgesucht. Und es ist uns bewusst, wie schön der ist.

Die Adolf-Pichler-Hütte hat noch bis Ende September geöffnet.

Adolf-Pichler-Hütte
Die Adolf-Pichler-Hütte liegt auf 1.977 m am Fuße der Kalkkögel im gleichnamigen Ruhegebiet südwestlich von Innsbruck in Tirol. Sie ist eine Schutzhütte des Akademischen Alpenklubs Innsbruck und ist nach dem Geologen Adolf Pichler benannt. Die Hütte wird vor allem wegen der vielfältigen Touren- und Klettermöglichkeiten von ihren Besuchern geschätzt. Sie ist besonders für Klettertouren ein idealer Ausgangspunkt. Die Kalkkögel (2804 m), auch Nordtiroler Dolomiten genannt, bieten Kletterrouten in fast jedem Schwierigkeitsgrad. Auch Große und Kleine Ochsenwand, Riepenwand, Schlicker Zinnen und der RAC-Turm zählen als Klassiker. All diese Routen sind in max. 1:30 h zu erreichen. Aber auch Wanderer fühlen sich hier wohl, denn die Adolf-Pichler-Hütte ist ein optimaler Stützpunkt im Rahmen von ein- oder mehrtägigen Wandertouren. Den Sonntagsköpfl (2.096 m) erreicht man nach einem halbstündigen Spaziergang, der auch mit Kinder leicht zu bewältigen ist. Außerdem sind noch einige weitere Gipfel von hier aus zu besteigen, unter anderem der Gamskogel (2.659 m). 
Geöffnet
Jun - Sep
Verpflegung
Bewirtschaftet

Die Hütte im Video-Portrait

Touren-Tipp

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