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Eiger-Nordwand, Heckmair-Route

Eiger-Nordwand, Heckmair-Route

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Tourdaten

Sportart
Berg- und Hochtouren

Anspruch
AS äußerst schwierig
Dauer
20:00 h
Länge
3 km
Aufstieg
1.800 hm
Abstieg
– – – –
Max. Höhe
3.970 m

Details

Beste Jahreszeit: Februar bis April
September bis Oktober
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    Der Eiger, 3.970 m, in den Berner Alpen gilt für viele als DIE alpinistische Herausforderung in den Westalpen. Die Besteigung über die Heckmair-Route erfordert dabei eine gute Kondition, sicheres und schnelles Klettern im kombinierten Gelände und vor allem ein gutes Seil- und Sicherungsmanagement.

    Die Schwierigkeit wird als AS - außerordentlich schwierig - angegeben, die Wand weist bis zu 80° steile Passagen auf, es sind rund 3.000 Klettermeter und 1.800 Hm zu bewältigen. Die Kletterzeit variiert je nach Bedingungen und Kondition zwischen 10 und 20 h.

    Anreise:

    Schon bei der Bahnfahrt auf die Kleine Scheidegg kann man sich eine Bild von der Wand machen und die Dimensionen werden einem klar. Wenn man dann vor den geschichtsträchtigen Hotels auf der Scheidegg steht taucht auch der abgebrühteste Alpinist endgültig in den „Mythos-Eiger“ ein und eine gewisse Spannung baut sich im Körper auf.

    Nach ein paar Fotos geht es dann weiter zur Station Eigergletscher. Diese gilt als Ausgangspunkt. Auf Anfrage mit dem Zusatz „Eigernordwand-Aspirant“ darf man dort übernachten. Essen gibt es bis 17:00 Uhr und Frühstück kann man bestellen und aufs Zimmer mitnehmen. Die Belegschaft ist äußerst freundlich und entgegenkommend!

    Biwak:

    Ob man die Heckmair mit oder ohne Biwak geht bzw. plant, hängt natürlich vom Leistungsniveau und von den Verhältnissen ab. Ein Biwak kann aber durchaus auch „angenehm“ sein und gehört irgendwie zum Erlebnis dazu. Als gute Biwakplätze bieten sich neben dem Todesbiwak das Brüchige Band und der Beginn des Götterquerganges an.

    Tour:

    Die Beschreibung basiert auf den Erfahrungen und Eindrücken der letzten Jahre, wobei die Verhältnisse meist gut waren.

    Die erste Entscheidung über die Routenwahl fällt meist schon zu Hause: Geht man durch das Stollenloch (also steigt aus dem Tunnel der Bahn zum Jungfraujoch in die Wand „aus“) oder folgt man dem Originaleinstige vom Wandfuß aus – beides hat seine Berechtigung und muss je nach Verhältnissen abgewogen werden (wenig Schnee und viel Steinschlag im Originalzustieg sprechen eher für einen Einstieg vom Stollen aus). Da der Zustieg durch den Stollen und das Stollenloch bei Kilometer 3,8 aber offiziell verboten ist, wird hier der Originaleinstieg beschrieben.

    Man quert von der Station Eigergletscher entlang des „Eigertrails“ etwa in gleicher Höhe direkt unter die Wand, bis man sich in Falllinie der Roten Fluh befindet. Über Firnfelder erreicht man einen markanten Riss mit einer gleich gar nicht so leichten Kletterstelle zu Beginn. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, den Einstieg bereits am Tag zuvor bei Tageslicht zu erkunden!

    Bei guten Verhältnissen geht es nun je nach Schneelage über verschiedene Rinnensysteme im Prinzip ziemlich gerade nach oben. Wenn man Glück hat, dann sieht man ein kleines Licht aus dem Stollenloch und kann sich daran orientieren. In der Nacht hat man aber als Anhalt am besten immer die Rote Fluh vor sich, auf diese man gerade zu klettert. Steilstufen können meist in einer Rechts oder Linksschleife umgangen werden. Grundsätzlich ist das Gelände nicht zu schwierig und eine versierte Seilschaft kann die ersten 500 Höhenmeter seilfrei klettern. Die Sicherungsmöglichkeiten halten sich ohnehin in Grenzen.

    Auf Höhe des Stollenlochs (Licht und ca 2.700 m) hält man sich links und erreicht nach ca. einer Seillänge den Einstieg zum Schwierigen Riss (alter Bohrhaken mit Schlinge, manchmal auch Seilreste, die mit Vorsicht!! zu genießen sind).

    Dort sollte es nun schon hell sein. Die Kletterei ist nicht allzu schwierig und durch die Kratzspuren der Steigeisen der vielen Vorgänger ist die Routenfindung von hier an einfach. Nach dem Riss immer links haltend nach oben bis an den Beginn des Hinterstoisser Querganges.

    Über diesen entlang der meist gute Fixseile bis ins Schwalbennest. Eine zusätzliche Sicherung ist aber dennoch anzuraten. Die letzten Meter gehen dann gerade hoch ins Schwalbennest.

    Von diesem nach links hinaus ins Erste Eisfeld und direkt auf den gut sichtbaren Eisschlauch zu. Ist dieser in gutem Zustand, dann kann man in zwei Seillängen und 70 bis 80 Grad steiler Kletterei relativ gut ins Zweite Eisfeld gelangen.

    Tipp: Hier wirklich schon im Vorfeld darauf achten, dass der Eisschlauch vorhanden ist!

    Das zweite Eisfeld klettern die versierten Alpinisten von rechts unten nach links oben wieder seilfrei.

    Nach ca. 300 Metern gelangt man an den Beginn des Bügeleisens. Hier geht es über einen kleinen Überhang (Haken und Schlinge) in 2 Seillängen gerade hoch bis ins Todesbiwak.

    Nach einer kurzen Pause wieder nach links ca. 5 Meter absteigen und dann das Dritte Eisfeld zum Beginn der Rampequeren. Die Querung ist länger als das 60 m Seil - ein Standplatz direkt im dritten Eisfeld empfiehlt sich nicht!! Nach ca. 80 Metern erreicht man einen Standplatz am Beginn der Rampe.

    Diese nun relativ leicht und gut absicherbar ca. 3 bis 4 Seillängen nach oben, bis man am Beginn des Wasserfallkamines steht.

    Diese Passage bildet in zwei Seillängen die Verbindung zum Rampeneisfeld und kann bei schlechten Verhältnissen kritisch werden. Es sind genügend Haken und Schlingen vorhanden, diese sind aber von zweifelhafter Qualität. Am Ende der ersten Seillänge erreicht man einen Absatz auf dem sich, meist hinter Schnee verborgen, ein neuer Bohrhaken befindet.

    Die zweite Länge ist auch noch schwierig und bei wenig Eis schlecht sicherbar. Danach gelangt man ins Rampeneisfeld und von dort in einer weiteren Seillänge auf das Brüchige Band, welches seinem Namen alle Ehre macht. Schafft man es am ersten Tag bis hier her, dann kann man hier oder nach dem Brüchigen Riss relativ gut biwakieren (Platz für jeweils 3 bis 4 Personen).

    Am BrüchigenBand quert man nach rechts und dann markant durch den Brüchigen Riss (der eigentlich ganz fest ist..) nach oben. Schöne Kletterei und gut mit Friends abzusichern.

    Nun steht man am Beginn des Götterquerganges. Dieser ist ca. 80 Meter lang und wird auf zwei Seillängen aufgeteilt. Von Vorteil ist guter Trittschnee. Der erste Teil ist leicht aber kaum zu sichern. Nach 40 Metern findet man hoch oben einen alten Haken. Diesen hängt man ein und steigt dann nach schräg rechts unten ab. Nach einer weiteren Querung von 10 Metern erreicht man den Beginn eines alten Fixseiles. Diesem folgt man weitere 10 Meter nach rechts zu einem ausgesetzten Standplatz den man mit einem Friend gut verbessern kann. Danach geht es noch etwas abwärts bis man schlussendlich den Beginn der Spinne erreicht.

    Durch diese möglichst rasch nach oben und rechtshaltend auf den Beginn der Ausstiegsrisse zu. Der von unten gesehen rechte Riss ist der richtige, durch diesen in schöner Mixedkletterei in etwa 4 Seillängen nach oben, bis man an die letzte Schlüsselstelle kommt.

    Der Quarzriss sieht schwieriger aus als er ist und kann relativ gut abgesichert werden. Spreizt man schon von Beginn an gut aus, dann geht es leichter als gedacht. Am Ende des Quarzrisses steigt man nach links ab um dann 5 Meter nach oben zum Beginn eines Fixseiles am Cortibiwak zu klettern. Das Seil nach links queren und man steht am Beginn eines Risssystems - Ausstiegsrissen - das einen in drei Seillängen ins Gipfeleisfeld bringt.

    Diese Risse/Kamine können noch unangenehm sein, vor allem bei Wassereis. Sie sind sehr schlecht zu sichern und entsprechend umsichtig sollte man klettern. Bei guten Schnee und Eisverhältnissen kann man nach der ersten Seillänge nach rechts in diverse Eisschläuche queren und diese bis zum Gipfeleisfeld klettern. Sonst im Riss/Kaminsystem bleiben und diesen folgen.

    Mit dem Erreichen des Mitteleggigrates hat man die Nordwand hinter sich gebracht und es fehlen nun noch ca. 40 Minuten bis zum Gipfel.

    Abstieg:

    Für den Abstieg gibt es drei Möglichkeiten, die je nach Jahreszeit und Verhältnissen in Betracht gezogen werden können. Prinzipiell ist es nach einer Begehung der Nordwand von enormen Vorteil, wenn man den geplanten Abstieg bereits kennt (!):

    Variante 1: Abstieg über die Eigerjöcher

    Dieser Abstieg wird im Herbst beziehungsweise nach dem Mitteleggigrat im Sommer bevorzugt, um der doch eher brüchigen Variante über den Westgrat zu entgehen.

    Variante 2: Abstieg über den Westgrat „Sommerabstieg“

    Davon ist aber grundsätzlich eher abzuraten, weil dieser sehr brüchig und in der Nacht kaum zu finden ist. Sollte es hier dunkel werden, ist eher noch ein Biwak zu empfehlen, um dann am nächsten Tag bei Tageslicht abzusteigen.

    Variante 3: Abstieg über die Westflanke „Winterabstieg“

    Dieser ist derzeit üblich aber nur bei entsprechender Schneelage in der Westflanke möglich!

    Vom Gipfel aus folgt man dem Grat direkt nach Nordwesten und es werden einige Stangen sichtbar. Diesen folgend und 2 bis 3 mal abseilen. Danach hält man sich im Sinne des Abstieges links und klettert durch schneebedeckte Rinnen in Richtung des ehemaligen Hängegletschers.

    Erreicht man den Gletscher, dann hängt es sehr von den Verhältnissen ab. Der Hängegletscher ist mittlerweile so abgeschmolzen, dass man problemlos über ihn abklettern kann. Sollte er blank sein, dann kann man in den steilsten Stellen ein bis zwei Mal Abseilen.

    Auch hier gilt gleiches wie beim Einstieg: Wenn man sich am Vortag die Route noch genau einprägt und eventuell ein Foto macht, dann hat man beim Abstieg weniger Probleme mit der Routenfindung.

    Empfohlene Ausrüstung:

    • 60 m Seil (kann auch Einfachseil sein)
    • 4 Eisschrauben
    • 2 Eisgeräte
    • Steigeisen für Mixed-Gelände (fast alles wird mittlerweile mit Steigeisen geklettert!)
    • 3 bis 4 Friends mittlerer Größe
    • 2 Haken
    • 3 bis 4 Bandschlingen
    • diverse Karabiner und 6 Expressschlingen
    • Helm
    • 30l Rucksack
    • entsprechende Bekleidung
    • bei Bedarf Biwakausrüstung mit leichtem Schlafsack und einem kleinen Kocher
    • Energieriegel
    • Stirnlampe, Kleines Erste-Hilfe-Set, Notrufmöglichkeit und diverse andere Kleinigkeiten...
    💡

    Sowohl für den Anstieg als auch für den Abstieg empfiehlt es sich, schon am Vortag Fotos zu machen und sich die Route einzuprägen. Vor allem in der Nacht ist sonst der Abstieg schwer zu finden. 

    Anfahrt

    Die Anreise erfolgt direkt nach Grindelwald zum Parkplatz der Jungfraubahn. Dort lässt man das Auto stehen und nimmt die Bahn auf die Kleine Scheidegg.

    Parkplatz

    Parken am besten am Parkplatz bei der Station Grindelwald Grund (ca. € 6 pro Tag).

    Die Auffahrt zur Station Eigergletscher via Kleine Scheidegg kostet ca. CHF 35,-.

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