Jeden Morgen beim Blick aus meinem Küchenfester sehe ich auf der anderen Talseite die Hängebrücke Carasc. Dort liegt schon seit jeher mein Trainings-Wandergebiet, auch bzw. vor allem im Winter, da es auf der Sonnenseite des Tals liegt. Früher gab es keine Verbindung über das schroffe Valle di Sementina. Dann wurde 2015 die 270 Meter lange tibetische Hängebrücke eingeweiht. 728 Lärchenholz-Bretter führen in 130 Meter Höhe über die Schlucht. Und mit dem Bau eben dieser Hängebrücke ergaben sich für mich ganz neue Möglichkeiten.
Die Tour beginnt in Monte Carasso bei der Seilbahnstation Monte Carasso-Mornera. Der erste Teil führt steil hinauf nach Curzútt (598 m, circa 45-60 min). Das ist ein alter Dorfteil von Monte Carasso, der in den letzten Jahren sorgfältig renoviert wurde. Dabei wurden die alten Steingebäude mit ihren typischen Granitdächern erhalten. Eines davon ist auch ein Restaurant. Von dort geht der Weg bis zur kleinen Kirche San Bernardo weiter (15 min). Es lohnt sich hier eine kleine Rast einzulegen, um die Aussicht zu geniessen und die antiken Fresken zu bestaunen (die Kirche ist Dienstag-Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet).
Im Kastanienwald steigt der Weg zuerst an und führt dann zur Brücke hinunter (circa 60 min). Die Brücke ist natürlich sehr stabil, aber für Leute mit Höhenangst weniger geeignet. Schon der Anblick ihrer Spannweite ist sehr beeindruckend. Nach der Brücke steigt der Weg wieder an und schlängelt sich bis zur Kapelle San Defendente (nicht geöffnet), die mit einigen Steinhäusern in einer Lichtung im Wald liegt (ca. 45 min). Von dort folgt man dem Sentiero delle Vigne hinunter Richtung Dorf Sementina, wo man wieder die Talstation in Monte Carasso erreicht.
Gerade den letzten Abschnitt von San Defendente nach Sementina bin ich sicherlich schon Hunderte Male gewandert. Und dennoch verliert er nicht an Schönheit. Im Gegenteil. Nach einem Schicksalsschlag vor zwei Jahren war das Wandern mit zwei Kolleginnen meine Therapie.
Ristorante Curzutt in Curzútt
Man kann mit der Seilbahn bis Curzútt fahren und sich so den steilen Aufstieg ersparen. Man kann die Tour außerdem auch in umgekehrter Richtung ab Sementina laufen und am Ende die Seilbahn nach Monte Carasso benutzen.
Die Tour ist ganzjährig geeignet.